Spielbericht vom 17.11.2004

Autor: Walter

am Tisch: Andrea, Günther, Hans, Moritz, Walter

auf dem Tisch: "Oltre Mare"

Oltre Mare cover
Autor Emanuele Ornella
Verlag Mind the Move
erschienen 2004
Spielerzahl 2-5
Spielzeit 60 Minuten

Oltre Mare

Wenn Moritz schon freiwillig Karten an seine Konkurrenten verschenkt, dann muß ein Spiel die traditionellen Denkgewohnheiten ganz schön aufgemischt haben; Moritz ist beim Spielen alles andere als barmherziger Samariter. Oltre Mare hat es geschafft.

Als Thema ist der Seehandel im Mittelmeerraum untergelegt. Die Spielkarten stellen Warenarten aus der landwirtschaftlichen Produktion dar. Die Spieler sollen sie verfrachten und dabei Profite einfahren. "Günstige Beziehungen" oder "Lokaler Einfluß" sind natürlich von Vorteil, zuweilen beeinträchtigen Piraten den Gewinn.

Pro Zug muß jeder Spieler verdeckt ein paar Karten von einem gemeinsamen Stapel (= "Warenstapel") ziehen und auf die Hand nehmen. Aus der Hand muß er dann ein paar Karten offen auf seinen privaten Ablagestapel (= "Frachtstapel") legen. Übrige Karten darf er auf der Hand behalten.

Der Trick dabei besteht darin, beim Ablegen eine möglichst günstige Kartenreihenfolge zu erzielen. Je mehr Karten der gleichen Warenart hintereinander liegen, desto wertvoller ist dieser Kartenabschnitt, d.h. desto mehr Siegpunkte trägt er in der Endabrechung bei. Wenn man keine passende Karte hat, muß man seine Warenreihe leider unterbrechen und mit einer neuen Warenart anfangen.

Selbstverständlich sind in diesen bis hierher recht linearen Spielablauf ein paar wichtige Schikanen eingebaut:

In diesem Kreislauf von Überschuß und Mangel an Karten, mit einer Phasenverschiebung zwischen Angebot und Nachfrage, bewegt sich die Spannung von Oltre Mare.

Daneben gibt es eine Menge hübsches, taktisches Zubehör, das der soliden Grundmasse der Spielidee noch die richtige Würze gibt.

Oltre Mare boardJeder Spieler hat fast alle Entscheidungen in der Hand, auch sein Kartenlimit und die Anzahl der abzulegenden Karten. Das Ziehen der Karten vom verdeckten Stapel liefert sicherlich ein reines Zufallsprodukt, aber jedes Ergebnis ist irgendwie nützlich verwertbar, einmal als Masse, ein andermal als Qualität, einmal mit seinen Sondereffekten, ein andermal als Tauschobjekt.

Eine Interaktion der Spieler untereinander ist ständig gegeben. Jeder hat immer irgendwelche Ambitionen, Karten zu bekommen oder loszuwerden. Als weiteren Anreiz darf man sich für das Handeln einen "Prestigepunkt" gutschreiben, und die Summe aller Prestigepunkte wird zweimal im Laufe eines Spieles mit zusätzlichen Siegpunkten prämiert.

Eine knappe Stunde dauert das höchst kurzweilige Spiel. Es ist intelligent, stimmig und ausgewogen. Wie man es gewinnt, durch Freigebigkeit oder Knauserigkeit, durch Erzeugen von langen Warenketten auf dem Frachtstapel oder durch regelmäßigen Geldfluß bei der Kartenablage, durch optimale Sondereigenschaften oder durch zielstrebiges Handeln, ich weiß es noch nicht. Probiert es doch aus.

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WPG-Wertung: 7,8

2004, Westpark Gamers