Destino cover
Autor Garrett J. Donner
Verlag Spear
erschienen 1986
Spielerzahl 2-4
Spielzeit 30 Minuten

Destino

rezensiert von Walter Sorger

Der ältere Bruder von "Hol's der Geier": Alle Spieler bekommen den gleichen Kartensatz mit aufgedruckten Zahlen zwischen 0 und 6. Alle ziehen verdeckt jeweils eine Karte aus ihrem Stapel und legen sie dann gleichzeitig auf. Jetzt wird das Ergebnis ausgewertet. Gleiche Karten neutralisieren sich und verfallen. Die Spieler, deren Karten nicht verfallen sind, müssen auf einem Schicksalsweg (daher wohl der Name "Destino") so viele Felder vorwärtsgehen, wie die Zahl auf ihrer Karte angibt. Wer auf diesem Weg 25 Felder vorwärtsgezogen ist, fällt in ein Schwarzes Loch und scheidet aus.

Der Spieler, dessen nicht-verfallene Karte die höchsten Zahl aufweist, bekommt zusätzlich einen Siegpunkt. Wer als erster fünf Siegpunkte auf dem Konto hat, ist Sieger. (Sofern er nicht in das Schwarze Loch gefallen ist.)

Bereits 1986 hat Spear dieses Spiel von Garrett Donner herausgebracht. Wie damals üblich, mit einem richtigen, großen Brett und ausgewachsenen Holzpöppeln, die auf dem Spielbrett tapfer ihrem Schicksal entgegengehen. Das zwei Jahre später erstmals erschienene "Hol's der Geier" von Alex Randolph ist dagegen ein reines Kartenspiel und unterscheidet sich von "Destino" in folgenden Elementen.

Merkmal

Destino

Hol's der Geier

Auswirkung

Kartenwerte

Liegen zwischen 0 und 6.
Jeder Wert kommt mehrfach vor.

Liegen zwischen 1 und 15.
Jeder Wert kommt genau einmal vor.

Die Wahrscheinlichkeit für das Aufdecken gleicher Zahlen ist bei Destino deutlich höher.

Siegpunkte

Es gibt immer nur 1 Siegpunkt pro Karte.

Siegpunkte liegen zwischen minus 5 und plus 10.

Dadurch, daß bei Destino immer die gleiche Anzahl von Siegpunkten vergeben wird, gibt es keine Spekulation auf gute oder schlechte Karten. Man kann weder eine eigene Taktik entwickeln noch die der Mitspieler versuchen zu erraten.

Schwarzes Loch

Besitzt dieses zusätzliche Spielende-Kriterium.

Besitzt dieses Merkmal nicht.

Diese zusätzliche Möglichkeit zum Ausscheiden ist ein reizvolles positives Spielelement bei Destino.

Bei beide Spielen handelt es sich um lockere Kartenspiele zum Aufwärmen, Absacken oder für Zwischendurch. Während "Hol's der Geier" aber eine ganze Reihe von taktischen und psychologischen Finessen kennt und hier auch ein gutes Gedächtnis einige Vorteile mit sich bringt, regiert "Destino" ohne Einschränkungen der blinde Zufall. Es gibt keinerlei Hinweise, ob die Kontrahenten gerade Ambitionen für hohe oder für niedrige Karten zeigen könnten. Dubletten lassen sich nicht vermeiden. Taktik gibt es nicht, höchstenfalls einen Spaßfaktor. Der kann in der richtigen Gesellschaft, vor allem auch in jüngeren Kreisen, vielleicht sogar erheblich sein.

Wir waren von diesem Zufallsprinzip allerdings nicht ganz so erbaut. Um mir nicht unnötig den Kopf über die richtige Kartenauswahl zerbrechen zu müssen, und vor allem um mich nicht hinterher über meine falsche Psychologie ärgern zu müssen, habe ich einfach meine Karten gemischt und jeweils blind eine Karte aus dem eigenen Kartensatz gezogen. Augen zu und durch. Überliste den Zufall mit dem Zufall! Stellt Euch vor, ich habe alle drei Durchgänge gewonnen! Ist das bei "Destino" vielleicht die Gewinnstrategie?

Günther war enttäuscht, daß man sein Spiel damit kaputt machen kann. Womit er auch Recht hat. Aber leider ist das in "Destino" eine unvermeidliche, ja offensichtlich sogar eine erfolgreiche Option.

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2004, Westpark Gamers