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Autor Reiner Knizia
Verlag Ravensburger Spieleverlag
erschienen 2005
Spielerzahl 2-5
Spielzeit 30 Minuten

King Arthur Kartenspiel

rezensiert von Walter Sorger

Für mich ist "King Arthur" nur ein verkapptes Quartettspiel. Die Spieler ziehen Karten vom verdeckten Stapel, freuen sich, wenn sie mit dem Karten in der Hand gut zusammenpassen, tauschen passende Handkarten gegen offen auf dem Tisch liegende Farbkarten ein. Und wenn sie genügend Farbkarten beieinander haben, tauschen sie diese gegen offen auf dem Tisch liegende Siegpunktkarten ein. Wer am Ende in der Summe die meisten Siegpunkte eintauschen konnte, hat gewonnen.

Dass die Karten auf dem verdeckten Stapel offiziell "Ritterkarten" heißen, die Farbkarten "Widersacherkarten" und die Siegpunktkarten "Abenteuerkarten" trägt zum Spielmechanismus nicht sonderlich bei. Es wird nicht gekämpft und erobert, es gibt keine Siege und Niederlagen, es wird schlichtweg gezogen, gesammelt und getauscht. Nur unser guter Moritz würde etwas vermissen, wenn statt Monster und Orcs hier Äpfel und Birnen aufgedruckt wären.

Ich gebe zu, dass "King Arthur" kein triviales einstufiges Kinderquartett ist, es ist schon mindestens zwei- oder dreistufig. Erst muss man die richtigen Ritter beisammen haben, dann die richtigen Widersacher einsacken und schließlich die Abenteuer bestehen. Doch für einen Fantasy-Gamer oder für einen Strategen wird nicht viel geboten. Beim Ziehen der Ritterkarten hat er den Freiheitsgrad 0, beim Erobern von Widersacherkarten eine Auswahlmöglichkeit unter etwa 0 bis 3 Alternativen, und beim Eintauschen gegen Abenteuerkarten schon wieder keinen Freiheitsgrad mehr: Die Abendteuerkarte nimmt man im Prinzip immer sofort an sich nimmt, wenn man die passenden Widersacherkarten hat. "Sunst nimmt mer se de Anner!" hätte Gustav Trockenbrodt dies begründet.

Meiner Abqualifizierung von "King Arthur" als ein Quartettspiel hat Peter heftigst, fast aggressiv widersprochen. Schließlich hatte er mal wieder gewonnen, und ich war als Letzter auf einem ganzen Haufen roter Widersacherkarten sitzen geblieben. Hören wir hier seine Gegenstellungnahme:

Nein, König Artus ist nicht mein neues Lieblingsspiel. Aber es ist tatsächlich nicht so blöd, wie Walter glaubt. Ein paar Hinweise:

  1. Es gibt eine dynamische Spannung, ob man hohe (Widersacher-)Karten oder niedrige kauft. Für hoch spricht: Man darf pro Runde max. 1 Karte kaufen. Jede Zahl gibt schon die Siegpunkte an. Wer also eine 1er Karte kauft, verzichtet auf den Kauf einer 2er. Umgekehrt gibt es Punktkarten, die man mit beliebig kleinen Karten einkaufen kann, wo dann kleine vorzuziehen sind. Jede Runde stellt einen also schon vor diese Entscheidung; und dann kommen noch die Siegpunktkarten dazu.

  2. Apropos. Das wäre doch eine echte Walteraufgabe, auszurechnen, welche Siegpunktkarte am meisten geschenkte Punkte bietet, und welche am schlechtesten ist. Ich vermute, am besten ist (alle vier Farben), die man für 5 Punkte kaufen kann, also 10 Punkte geschenkt bekommt. Kostet aber vier Runden (weil 4 Karten gekauft werden müssen). Dagegen gewinnt man beim Gral 8 Punkte weniger, braucht aber in einer guten Kombination nur 3 Karten (lauter 4er oder der 5er). Ich habe für den Gral 4 Karten gebraucht, war also nicht ganz so gut. Also, das ist doch wirklich eine Walter-Excelei.

  3. Es ist von großer Bedeutung, darauf zu achten, was die anderen sammeln. Das ist ein trivialer Hinweis, wurde aber anscheinend auch übersehen, denn es gibt jede Siegpunktkarte nur einmal! Nur ein Beispiel: Es gibt die Karte 5 oder (3 und 3). Auf der 5er Karte lag Aarons Chip, aber er hatte sie noch nicht. Ich musste also so spielen, dass ich in meinem aktiven Zug bereits die zweite 3 hatte. Das ist trivial, lässt sich aber auf die Farbkarten o.ä. ausweiten.

  4. Es ist empfehlenswert, immer ein paar Ritterkarten auf der Hand zu haben, um Occassionen zu nutzen. Also vielleicht nicht die 4 kaufen, auch wenn du Cash dafür hat, sondern lieber die 2 oder so. Jedenfalls ist es eine komplette Katastrophe, ganz abgebrannt zu sein.

Würde ich weiterdenken, fiele mir mehr ein. Zu Quartett fällt mir nicht so viel ein.

Lieber Peter, zu Deiner ausführlichen Argumentation möchte ich hier auch noch mal was erwidern:

  1. Deine "dynamische Spannung" entspricht für mich der Spannung eines Farbenblinden, ob er sich eine rote oder eine grüne Kerze anzünden soll. Erstens hat er nur eine einzige im Hause, und zweitens kann er den Unterschied zwischen Soll und Haben dann doch nicht erkennen.

  2. Natürlich kauft jeder gerne unter sonst gleichen Randbedingungen lieber billigere Karten als teuere. Da aber die Siegpunktkarten begrenzt sind, muss man doch schauen, ob für niedrige Widersacher angesichts von Angebot und Nachfrage überhaupt noch was zu holen ist. Außerdem: Da die kleinen Karten immer sofort weggehen, muss man für eine 4-Farben-Siegkarte mit Sicherheit mehr Runden und sehr viel mehr Punkte opfern.

    Außerdem kann man ja nicht beliebig zwischen billigen und teuren Karten wählen, weil man mit der Zahlungseinheit Ritterkarten niemals reichlich ausgestattet ist, und man sich immer nach der Decke strecken muss, tendenziell also immer die billigen.

  3. Die Siegpunkte haben hier unter Deinem Punkt 1) gar nichts mehr verloren, weil sie als einziges Entscheidungskriterium für die Auswahl der Widersacherkarten bereits ausgedient haben.

  4. Du hast Recht, es ist eine triviale Excelei, die Tabellen zusammen zu stellen, für welchen Ritter-Widersacher-Einsatz man die meisten Punkte machen kann. Aber nur, wenn man alles für den Nominalwert bekommt. Da hier aber die Aktionen der Mitspieler eine mindestens 50% Abweichung zwischen Theorie und Praxis bedeuten, lohnt sich der Aufwand nicht. Für mich nicht.

  5. Natürlich ist es "bedeutend" zu sehen, was die anderen sammeln. Es ist sicherlich nicht geschickt, hohe rote Karten zu sammeln, wenn der Spieler vor mir das auch getan hat. Es ist sicherlich lohnenswert, auf die Siegpunktkarten zu spekulieren, auf die sonst keiner spekuliert. Ist das immer so klar?

    Es sich doch wohl immer, billige Widersacherkarten zu erwerben, oder? Und was mache ich dann, wenn ich die wenigen Objekte meiner Begierde gerade so eben nicht mehr bekomme. Dann schaue ich noch mal nach, was die anderen gesammelt haben. Diesmal aber durch das Ofenrohr.

  6. Mit dem "übersehen" haben meinst Du sicherlich mich Ich habe irgendwann mal das Rote-8-Abenteuer bestehen wollen. Schien mir erstrebenswert. Bin dann bis zum Spielende auf meinen roten Karten sitzen geblieben. (Hi Peter, garantiert nicht NUR, weil ich zu blöd war!), und am Ende hat mir Loredana die Rote-8 vor der Nase noch weggeschnappt. Aber da war meine Ergebenheit in das Schicksal eines Quartett-Spielers schon so weit gediehen, daß ich mich darüber nicht geärgert haben, sondern mich nur noch über das näher rückende Spielende freuen konnte!

  7. Du "musstest" also so spielen, dass Du die zweite 3 bekommst! Was hat Aaron da verkehrt gemacht? Oder haben Günther und ich als Zwischenspieler vor Dir dazu etwas verkehrt gemacht? Hast Du das alles vorausgeplant, dass a) eine 3-er Karte im Angebot liegt, dass b) diese Karte das Abräumen auslöst (Experten-Regel), und dass c) vier Mitspieler vor Dir kein Interesse an dieser Karte haben werden? Dann bist Du der geborene Merlin!

  8. Dass man als "Abgebrannter" ganz schlechte Karten hat, kann ich uneingeschränkt unterschreiben. Dies ist ein ganz wichtiger Hinweis von Dir, den ich als Fazit an alle Arthurianer weitergeben möchte: Liebe Arthus-Ritter, vervollständigt erst mal eure Tafelrunde, bevor ihr auf Abenteuer ausgeht. Und nur wenn Euch unterwegs zufälligerweise mal ein kleines Häschen begegnet, dann vernascht es halt so en passant. Passt aber dabei auf, dass ihr dabei hinter dem Ritter-Ofen nicht träge und gehfaul werdet.

Ceterum censeo rex artus quartettus est. (Oder hätte ich hier den Akkusativ schreiben müssen?)

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2005, Westpark Gamers