cover
Autor Peer Sylvester
Verlag histogame
erschienen 2007
Spielerzahl 2-4
Spieldauer 30 Minuten
Wertung red starred starred starred starred stargray stargray stargray stargray stargray star

König von Siam

rezensiert von Walter Sorger

Oliver Kahn zitiert in seinem brandneuen Buch "Ich. Erfolg kommt von innen" den guten, alten Aristoteles: "Nichts, auch nicht das Geringste sollen wir ohne Ziel angehen". Das kommt sehr nah an unsere "To have a plan"-Maxime vom Westpark heran. Bei "König von Siam" habe ich damit erhebliche Schwierigkeiten.

Lassen wir das Thema außen vor, so besteht das Spielbrett aus acht lose aneinanderhängenden Feldern, in die zu Spielbeginn rote, blaue und gelbe Holzklötzchen nach einer zufälligen Auswahl hineingelegt werden. Jeder Spieler bekommt nun ebenfalls zwei der bunten Klötzchen in die Hand und muß als Spielziel zweierlei versuchen:

  1. von einer Farbe die relativ meisten Klötzchen auf seine Seite zu schaffen und

  2. gleichzeitig dafür zu sorgen, daß diese Farbe in den meisten Feldern des Spielbrettes dominiert.

Um das zu bewerkstelligen, hat jeder Spieler genau acht Aktionskarten in der Hand, die ihm erlauben, neue Klötzchen vom Vorrat auf einzelne Felder des Spielbretts zu legen oder die Klötzchen auf dem Brett nach eng begrenzten Regeln zu vertauschen. Pro gespielter Aktionskarte darf er zusätzlich ein beliebiges Klötzchen vom Brett entfernen und in seinen Besitz nehmen.

boardDas Spiel geht über acht Runden, in denen jeweils die Mehrheiten auf einem der acht Felder bestimmt werden. Die Reihenfolge der Felder ist zu Spielbeginn vorgegeben. Durch eine seiner Aktionskarte kann jeder Spieler aber genau einmal pro Spiel die Reihenfolge zweier Felder vertauschen und anschließend eine Feld-Position fixieren: die Mehrheiten in diesem Feld werden dann erst (oder schon) zum fixierten Zeitpunkt entschieden.

Jeder Spieler darf gleich in der ersten Runde alle seine Aktionskarten verspielen, müßte dann allerdings bis zum Spielende machtlos zuschauen, wie seine Mitspieler die Klötzchen auf dem Spielbrett zu ihren Gunsten umverteilen. Jeder kann aber auch seine Aktionskarten zurückhalten und passen, um am Ende selbst das Vergnügen zu haben, die Klötzchen auf dem Brett nach eigenem Gedünken neu zu sortieren. Jede beliebige Kombination zwischen diesen Extremen ist zulässig.

Innerhalb des Kampfes um ein Feld darf man beliebig passen und später wieder einsteigen. Erst wenn alle Spieler reihum gepaßt haben, ist ein Kampf zu Ende und die Mehrheiten werden ausgezählt. Hat keine Farbe die relative Mehrheit, so übernehmen es die "Briten". Hierzu gibt es eine Sonder-Siegbedingung: Sobald das vierte Feld in die Hand der "Briten" übergeht, endet das Spiel und es gewinnt der Spieler, der von allen drei Farben die meisten vollständigen Sätze besitzt.

Welchen Spielplan soll ich jetzt verfolgen?

boardDer "König von Siam" ist ein echtes rein-strategisches 2-Personen-Spiel, in dem jeder ohne Würfeleinfluß nach rein analytischen Gesichtspunkten seinen Plan verfolgen kann. Doch selbst nach mehreren Anläufen habe ich noch keinen Ansatz für eine eindeutige Gewinnstrategie gefunden. Mein Problem?

Der "König von Siam" läßt sich auch problemlos zu viert spielen. Das ist sogar die Lieblingskonstellation seines Autors: Hier bilden jeweils zwei gegenübersitzende Spieler ein Team und gewinnen oder verlieren gemeinsam. Einer für alle, alle für einen! Das ergibt ein interessantes Lavieren um die Farben. Habe ich irgendwann eine Farbdominanz erzielt, muß mein Partner mit allen seinen Zügen meine Mehrheiten verteidigen und ausbauen. Ist ihm - wie auch immer - eine solche Farbdominanz gelungen, muß ich meine verbleibenden Aktionskarten ausschließlich zum Nutzen seiner Farbe einsetzen. Zeichnet sich hingegen ein Sieg der "Briten" ab, dann müssen wir beide auf Farbsätze hinarbeiten. Die Klötzchen beider Spieler eines Teams werden zusammengeworfen und welches Team die meisten vollständigen Farbsätze bilden kann, hat gewonnen. Hat hier allerdings schon der Gegner eine nicht einholbare Mehrheit errungen, dann sind uns zu diesem Zeitpunkt die siamesischen Felle bereits davongeschwommen. Dann haben wir offensichtlich schon vorher einen Fehler gemacht.

"Vorher" ist das Schlüsselwort im letzten Satz. Wann ist das "vorher" und vor allem, WAS haben wir falsch bzw. richtig gemacht, wenn wir einen Kampf um "Siam" verloren bzw. gewonnen haben? Heiliger Aristoteles steht uns bei! Was ist das Geringste, was wir beim "König von Siam" im Visier behalten müssen, um hier zum Erfolg zu gelangen? Ich selbst weiß es nicht!

Glücklicherweise hat mir Peer Sylvester, der Autor vom "König von Siam", in einer privaten Weiterbildungs-Korrespondenz ein paar Tips mitgeteilt, die ich der strategischen Spielergemeinde nicht vorenthalten möchte:

Mit meiner augenblicklichen Erfahrung habe ich den Tips des Autors nichts mehr hinzuzufügen. Vielleicht werde ich mir aber noch mal den Aristoteles genauer vorknöpfen. Oder den Oliver Kahn. Ob ich dabei aber eine Zielvorstellung für das Herangehen an den "König von Siam" gewinnen werde, das wird dann wohl für immer mein Geheimnis bleiben.

Kommentare lesen/schreiben

©2008, Westpark Gamers