von Walter am 7.07.2005 (784 mal gelesen, keine Kommentare)

Vier M├Ąnner hatten sich f├╝r ein hartes B├Ârsenspiel aus Fernost entschieden, doch unser gottesf├╝rchtiges Engelchen Andrea setzte sich 1:4 durch und lie├č uns zuerst die Geheimnisse der Abtei ergr├╝nden. Nicht nur diese weibliche Majorisierung, auch die seltsame Konstellation, da├č gro├če Enthusiasten von Deduktionsspielen und entschiedene Gegner dieses Spieltyps so hart aufeinander prallten, genauso wie anschlie├čend Freunde und Gegner von Wirtschaftsspielen, lie├č die Stimmung gleich ins Aggressive abdriften. Nicht zuletzt trugen auch Unsch├Ąrfen bei der Regel-Erkl├Ąrung dazu bei. Zum Gl├╝ck haben wir alle gen├╝gend dicke Haltetaue in unserem mentalen Netzwerk eingebaut, so da├č Spiel, Gummib├Ąrchen und Rotwein doch noch die Oberhand behielten.
1. Das Geheimnis der Abtei
Ein Deduktionsspiel nach der Art von “Cluedo”. Es spielt in einem Kloster und die Spieler m├╝ssen durch geschicktes Fragen herausfinden, welcher der M├Ânche nicht zum Beten angetreten ist. Die einzelnen Br├╝der unterscheiden sich nach dem zugeh├Ârigen Orden, nach ihrem Rang, nach Bartwuchs und nach K├Ârperf├╝lle. Moritz wollte auch noch die Kategorien Anfangsbuchstaben im Namen oder den Besitz von Zauberst├Ąben heranziehen. Bevor die Mehrheit aber gegen dieses Ansinnen protestieren konnte, hatte Aaron schon gewonnen und den Novizen Thomas als Cluedo-M├Ârder identifiziert.
WPG-Wertung: Aaron: 7, Andrea: 7, G├╝nther 3, Moritz 7, Walter 3
2. Dividends
Moritz hatte das Spiel von unserem Ex-WPGler Mingde aus Singapoore geschenkt bekommen. Eine professionelle Aufmachung und eine tolle Herstellungs-Pr├Ąsentation (alle Einzelteile waren fertig ausgestanzt und liebevoll in S├Ąckchen und T├╝ten verstaut!) waren schon gleich zu Beginn sehr beeindruckend.
Die Spieler m├╝ssen Aktien kaufen, Dividenden kassieren, Kursentwicklungen abwarten und rechtzeitig wieder alles absto├čen. Je mehr Aktien verkauft sind, desto h├Âher ist der Kaufpreis. Und entsprechend auch der Verkaufspreis. Dieser Mechanismus ist von vielen B├Ârsenspielen her bekannt.
Auch die Art, wie die Kurse sich ├Ąndern – W├╝rfelergebnis unter Ber├╝cksichtigung des aktuellen Kurswertes (umgekehrt proportional) + Einflu├čkarten der Spieler – findet sich hier nicht zum ersten Mal auf einem Spielbrett. Trotzdem ist die Mischung der pr├Ąsentierten Spiel-Elemente gut komponiert und der spielerische Gesameindruck gelungen.
Wichtig ist die Zugreihenfolge, die hier f├╝r jeden Spieler versteigert wird. Uns war die Startspieler-Position nie mehr als 500 Dollar wert; in der tats├Ąchlichen Rundenbilanz ist sie sehr viel mehr wert. Der Startspieler gewinnt schon allein beim Kauf und Verkauf von Aktien mehr als 200 Dollar pro St├╝ck. Auch sonstige Vorteile summieren sich in bestimmten Konstellationen leicht auf mehr als 1000 Dollar. Aber das wei├č immer man erst hinterher.
Unser Anti-1830er Moritz hat hoch gewonnen. Allerdings konnte er hier seine Erfahrungen aus fr├╝heren Dividends-Runden einsetzen. Insbesondere auch im Endspiel, wo es darauf ankommt, die diversifizierten Anteile m├Âglichst gut in Einheitswerte umzuwandeln. Unser 1830er-Guru G├╝nther hat verloren (na ja, ich war noch ein kleines bi├čchen schlechter). Aber Dividends ist schlie├člich ja bei weitem kein 1830. Aber ein h├╝bsches Wirtschaftsspiel allemal.
WPG-Wertung: Aaron 7, Andrea 7, G├╝nther 6, Moritz 7, Walter 7.
3. Diamant
Ein schnelles Vorabsacker-Spiel. Moritz hat es schon beschrieben. Die Spieler gehen gemeinsam in H├Âhlen und teilen sich die gefundenen Edelsteine. Bevor zwei gleiche Kalamit├Ąten – zuf├Ąllig ausgew├╝rfelt – auftauchen, mu├č man allerdings die H├Âhle verlassen haben, sonst geht die gesamte Ausbeute verloren. Es geht also darum, die Nerven zu behalten und viel, aber nicht alles auf eine Karte zu setzen. Wenn es klappt, ist die Freude gro├č, wenn es nicht klappt, die Schadenfreude bei allen Angsthasen noch viel gr├Â├čer.
WPG-Wertung: Aaron 5, Andrea 5, G├╝nther 6, Moritz 6, Walter 5.
4. Bluff
Kaum haben wir gro├če Fortschritte in der Endspiel-Analyse f├╝r zwei Spieler mit je einem W├╝rfel gemacht, erweitert sich das Problem zum Endspiel f├╝r drei Spieler mit je einem W├╝rfel. G├╝nther gab eine 2 vor, Andrea stellt auf 5, und Moritz, im Besitz eines Sterns und im sicheren Wissen darum, wann seine Frau l├╝gt und wann nicht, hob auf zwei F├╝nfer. Jetzt konnte G├╝nther nur noch zugunsten von Moritz zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen.
Fazit: Setz dich bei Bluff nie hinter den Ehemann, der seine Frau zu gut kennt!


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