von Walter am 25.08.2005 (995 mal gelesen, 1 Kommentar)

Das Hochwasser in Penzberg zwang GĂŒnther zur Absage: Er mußte seine wertvolle antike Spielesammlung aus dem Keller in den Speicher retten. Moritz dagegen mußte sein gerade vollendetes Fußball-Oriatorium zur Nachbarin tragen. Und die restlichen Möbel dazu. Als bittere Medizin gegen die Trauer bei den Hinterbliebenen tischten Aaron und Peter dem Rest der WPG-Welt zwei Verriß-Spiele auf, an den wir unsere ImmunitĂ€t gegen Design-SchwĂ€chen testen sollten.
Freiwillig und ohne Murren unterzogen wir uns der Behandlung. Mit einer gewissen Feierlichkeit lauschten wir der Spielregel-AufklĂ€rung durch Peter. So etwa muß sich die Szene abgespielt haben, als sich die BrĂŒder Grimm von ihrer MĂ€rchenfrau ins Bettchen bringen ließen. Brave, kluge und naive RĂŒckfragen zum Thema, liebevolle AusfĂŒhrungen und Wiederholungen der Großmutter. In der aktuellen Besetzung mit der aktuellen Stimmung konnte an diesem Abend einfach nichts schief gehen.
1. “Ins Innere Afrikas”
Beim Auspacken der bunten Klötzchen kam mir eine Assoziation zu “die Macher”. Die Versteigerung der AktionsplĂ€ttchen ist wie bei “Kogge”. Das Überspringen der gegnerischen Pöppel beim ZĂ€hlen der Siegpunkte erinnert an “Die Ursuppe”. Aaron prĂ€gte den Ausdruck “Ursuppe mit Negern”. (Dazu muß ich aber strikt betonen, daß Aaron ein ehrenwerter Mann ist. Und wir sind alle auch ganz gewiß “political correct”. Es paßte einfach zu unserer Dodel-Stimmung.)
1 Âœ Stunden suchten wir nach den “RĂŒckzugsmarkern”. Sie waren nicht einmal in der Spielanleitung abgebildet. Bis sie Loredana endlich unter ein paar TĂŒtchen und SchĂ€chtelchen hervorzog, hatten wir uns mit Leer-PlĂ€ttchen und Null-PlĂ€ttchen beholfen. Mit den Null-PlĂ€ttchen hĂ€tten wir fast sogar die Spielregeln auf den Kopf gestellt, sie haben nĂ€mlich eine durchaus sinnvolle andere Bedeutung im Spiel.
Das Spiel hat ĂŒberhaupt eine Menge sehr sinnvolle Regeln und Mechanismen. Alles paßt und sitzt. Nur leider gibt es als Gesamtwerk kein ordentliches Spiel. Soll man stundenlang rechnen, um sich seine 42 Siegpunkte zusammenzustĂŒckeln? Soll man frisch-fromm-fröhlich-frei drauflos spielen und erstaunt sein, wenn ein Spieler bei seinem dritten oder vierten (!) Zug die (zweite) HĂ€lfte der erforderlichen Siegpunkte erringt und damit das Spiel als Sieger beendet? Eines so unbefriedigend wie das andere.
Bei uns war Peter der Spieler, der mit seiner dritten Aktionskarten-Ersteigerung den Siegeszug machen wollte. Er hatte sich leider um eine winzige Kleinigkeit verrechnet: Er kam nur auf 41 (statt 42) Siegpunkte. Aber sagen wir lieber: er hatte sich verspielt, denn zum GlĂŒck hat keiner von uns gerechnet, wir wollten ja vor allem das Spiel nach weniger als 2 Spiel-Stunden ĂŒber die Runden gebracht haben. Was uns auch geglĂŒckt ist: einmĂŒtig schenkten wir Peter den fehlenden Punkt zum Sieg! Moritz, was sagst du dazu??
Vielleicht gibt es Spielertypen, denen das Spiel gefĂ€llt. Mir fĂ€llt allerdings keiner ein. Und Peter schreibt in seiner Rezension vom 31. Oktober 2004: “Actually, I wouldn't know for whom I should recommend it.” Das ist die Tragik des Kosmos!
Peters damalige Rezension war sogar noch irgendwie euphorisch. Oder sind euere Noten in unserer Wertungsliste getĂŒrkt? Schaut sie euch noch mal genau an: Andrea 7, Hans 5, Loredana 5, Moritz 6, Peter 7!
Heutige WPG-Noten: Aaron: 4, Loredana: 2, Peter 3, Walter 3. (Hat die Medizin hat etwa gewirkt?)
2. “Neuland”
Peter hatte genug von der Roßkur und wollte als zweites Spiel ein 7,3-er Werk auftischen. Doch der Rest wollte die Arznei bis zur bitteren Neige auskosten.
Peter hĂ€tte sich mit einem billigen Trick noch durchsetzen können: er brauchte bloß eine “HolzfĂ€llerhĂŒtte” unter den Tisch fallen zu lassen, dann wĂ€re die Startaufstellung ins Wasser gefallen. Doch fiel ihm dieser Trick erst ein, als wir die letzte HĂŒtte doch noch in einem SĂ€ckchen entdeckt hatten. (Die ganze positive Stimmung des Abends wĂ€re aber auch absolut gegen solche billigen Tricks gewesen!)
Bei “Neuland” bauen die Spieler langsam vor sich eine Welt zusammen. Aus Holz mach’ Haus, aus Schaf mach’ Schinken, aus KĂ€se mach’ Kuchen. Oder was der Dinge mehr sind. Man könnte sich fast wie bei “Puerto Rico” vorkommen. Peter meinte dazu in seiner gewohnten direkten Art “Puerto Rico fĂŒr geistige WohltĂ€ter”. (Vielleicht habe ich hier bei der Formulierung seiner political correctness leicht auf die SprĂŒnge geholfen!)
Die Kreise, die ein jeder dreht, sind jedenfalls sehr lokal. FĂŒr ein 4er Spiel etwas zu eng. “Dröge” wĂŒrde ich zum Charakter des Spieles sagen, wenn ich wĂŒĂŸte, was dieser Ausdruck bedeutet! Vielleicht sollte man es nur als SolitĂ€r-Spiel mit sich selber spielen. Aber ohne die Ambition, stĂ€ndig seinen eigenen Rekord zu unterbieten! Einfach nur zum eigenen Ă€sthetischen VergnĂŒgen auf den Spuren der Pioniere des letzten Jahrtausends! (Es sind ja nur knapp 5 Jahre her!)
In der 4-er Besetzung haben sich die Noten gegenĂŒber der frĂŒheren Wertung nicht viel verschoben:
UrsprĂŒngliche WPG-Wertung 3,8: heutige Noten:: Aaron: 3, Loredana: 3, Peter 2, Walter 4.
3. “Bluff”
Nach dem mit Fassung und guter Laune bestandenen ImmunitĂ€tstest wollten wir uns noch ein richtig entspannendes Spiel-VergnĂŒgen gönnen. Dazu gibt es nichts besseres als ein ausgedehntes “Bluff”!
Hallo GĂŒnther: zum ersten Male gelang es, mit der “Immer-4-Strategie” aus einem 1:4-WĂŒrfel-RĂŒckstand noch den Sieg zu holen. Der Goliath Peter hatte Super-WĂŒrfe, der David Walter konnte aber immer noch eins drauflegen. (Na ja, vielleicht lag es doch nicht nur an der Strategie!)


Eine Reaktion zu “23.08.2005: “Ins Innere Afrikas”, “Neuland”, “Bluff””

  1. Guenther

    Hallo Walter – zum Bluff:
    Einzelne Siege lassen zwar die Brust schwellen, sagen aber nichts ĂŒber die GĂŒte der Strategie aus.
    Außerdem kennen wir ja Peters Strategie nicht … und vielleicht hat er ja auch nicht [url]http://www.westpark-gamers.de/Artikel/MiniMaexchen-Teil2a.html[/url] gelesen !?