von Walter am 1.12.2005 (1.054 mal gelesen, keine Kommentare)

1. “Daimyo”
Ein original italienisches Spiel mit echt japanischem Ambiente und vorz├╝glicher deutscher Spielregel. In der Grundfassung ist das Spiel recht linear; wir waren jedoch munter, ausgeruht und guter Stimmung und verlangten unisono gleich die dritte Erweiterungsstufe.
Auf einem ziemlich engen Spielfeld besitzt jeder Spieler einen Daimyo (wie der K├Ânig beim Schach) und viele Buschis. (Letzteres ist kein Druckfehler, aber “Bauer” w├Ąre eine absolut phantasielose ├ťbersetzung) Der Daimyo bringt entweder neue Buschis zur Welt oder er bewegt sich oder seine Gespielen um jeweils 1 bis 2 Felder in beliebiger Richtung. Die zul├Ąssigen Aktionen ergeben sich aus Aktionskarten, die bei Beginn zuf├Ąllig unter die Spieler ausgeteilt werden.
Benachbarte feindliche Truppen bek├Ąmpfen sich und werden vom Spielbrett genommen. Spielziel ist es, entweder einen gegnerischen Daimyo zu erobern oder in allen Heimbasen der Gegner ein Grundst├╝ck zu besitzen.
Gewohnterma├čen bewegten wir alle unsere drei Truppenkontingente auf das gemeinsame “Feindbild” Moritz zu. Dann scherte Peter aus der Trippel-Allianz aus, um sich mit einem Seitensprung auf meinen Daimyo st├╝rzen und das Spiel als Sieger zu beenden. Schallendes Gel├Ąchter bei Moritz und Peter! Doch dann offenbarte ich meine Sonderf├Ąhigkeit: Verteidigungskraft Plus-Eins! Peter war zu kurz gesprungen. Schallendes Gel├Ąchter bei Moritz und Walter!
Gleich danach konnte Moritz den immer noch fassungslosen Peterschen Daimyo zu fassen kriegen und den Sieg davontragen. Schallendes Gel├Ąchter bei Moritz.
Das Spiel hat zweifellos eine Menge h├╝bscher strategischer Elemente, die man erst zu beherrschen lernen mu├č. Doch leider ist die gewaltige Portion nat├╝rlicher Kingmakerei nicht zu ├╝bersehen.
WPG-Wertung: G├╝nther 4, Moritz 6, Peter 4, Walter 6
Moritz schreibt eine Rezension.
2. “Euphrat & Tigis” – Das Kartenspiel
Mit “San Juan” ist Hans-im-Gl├╝ck eine gelungene Umsetzung von “Puerto Rico” in ein Kartenspiel gegl├╝ckt; wie sieht es bei der Umsetzung des vorz├╝glichen “Euphrat & Tigris” in das gleichnamige Kartenspiel aus?
Die ├ähnlichkeit ist hier viel gr├Â├čer, sofort sind die alten Spielregeln im Prinzip unver├Ąndert wieder pr├Ąsent. Das Spiel spielt sich gleicherma├čen taktisch und interaktionsstark wie das Vorbild. Wesentliche Unterschiede: a) das Spiel geht sehr fl├╝ssig von der Hand und kann in einer halben Stunde beendet sein und b) die gr├Â├čere Kartenhand r├Ąumt dem Zufall einen gr├Â├čeren Spielraum ein, f├Ârdert damit aber auch die spielerische Athmosph├Ąre.
Peter ging ohne viel nachzudenken gegen mich in den Clinch und verlor alle seine K├Ąmpfe. (Ich hatte zuf├Ąllig immer zur richtigen Zeit die richtigen Kampfkarten auf der Hand.) Dadurch war mir der Sieg nicht zu nehmen. Aber das tat keinem weh. Moritz versuchte sich zwar die Ha├čm├╝tze aufzusetzen, aber bei seinem lachenden Gesicht war das nicht glaubhaft.
WPG-Wertung: G├╝nther 7 (wegen der kurzen Spieldauer), Moritz 6 (“nur”, spielt lieber das Original), Peter 6 (“nur”; wegen dem gr├Â├čeren Zufallseinflu├č), Walter 8 (gewinnen macht Spa├č)
Walter schreibt eine Rezension
3. “Fruit Bandits”
In einer Kreuzung von “Hol’s der Geier” mit “Adel verpflichtet” legen alle Spieler zufallsgesteuert eine “Erntekarte” auf den Tisch (analog der adeligen Bilderausstellung) und m├╝ssen dann synchron entscheiden, ob sie lieber die eigene Ernte einfahren oder die fremde Ernte beklauen wollen. Entsprechend werden dann Siegpunkte vergeben.
Ein Spiel geht blitzschnell, lustig und fidel ├╝ber die Runde und fordert sofort zu einer Revanche heraus. Doch sollte man die anf├Ąngliche Euphorie nicht ├╝bersch├Ątzen: die Spielz├╝ge kommen recht bald in gewohnte Gleise. Der jeweilige Nachbar in der Sieger-Reihenfolge wird zum Feindbild und die Taktik geht dahin, dessen Punkteausbeute zu minimieren. Ob es dazu dann eine eindeutige (und eigentlich leicht ermittelbare) Gewinnstrategie gibt, ist noch offen.
Das Design der Bilder, die Farbgebung und der Druck sind durchaus verbesserungsw├╝rdig. Zum ersten Mal wurde mir bewu├čt, da├č ich unter einer Lila-violett-Farbenblindheit leide.
WPG-Wertung: G├╝nther 7, Moritz 7, Peter 8, Walter 7
Walter schreibt eine Rezension
4. “Castle Merchants”
Mittels Aktionskarten und Hexagons baut jeder Spieler an den gemeinsamen Wegerouten vom Magazin zu den Handelspl├Ątzen. Wer zuerst ankommt, erzielt die gr├Â├čte Handelsspanne.
In Prinzip k├Ânnten sich Seilschaften von Mitspielern bilden, die gemeinsam die Handeslwege erschlie├čen und gemeinsam den Nutzen davon tragen. Doch ist der Egoismus unter den Spielern nat├╝rlicherweise zu stark, und wer das Recht der ersten Nacht wahrgenommen hat, m├Âchte seinen N├Ąchsten doch lieber den Weg zum schnellen Gl├╝ck verbauen. Mit Neid verfolgt man die erfolgreichen Z├╝ge der Gegner und kann bei seinen eigenen Z├╝gen beliebig viel Miesnickeligkeit an den Tag legen, um den Mitspielern Kn├╝ppel zwischen die Beine zu werfen.
Das eigentlich funktionierende Spielprinzip kennt leider keinerlei Lacher. Die interaktionslose Wartezeit, in der man die b├Âsartigen oder gar lukrativen Denkprozesse der Mitspieler ├╝ber sich ergehen lassen mu├č, f├Ârdert zus├Ątzlich (m)eine aggressive Stimmung. Jedenfalls hatten wir alle sehr schnell unsere Ha├čm├╝tzen aufgezogen und waren irgendwie froh, da├č Moritz mit seinem simply winning einem otherwise endless process ein Ende setzen konnte.
WPG-Wertung: G├╝nther 5, Moritz 7, Peter 5, Walter 4
Moritz schreibt eine Rezension.
5. “Bluff”
Peter hatte nur noch 5 Minuten bis zur U-Bahn. Erst wollte er nur noch kurz das Geschehen verfolgen, dann wollte er wenigstens f├╝r Moritz beginnen um ihm bei seinem Weggang die W├╝rfel ├╝bergeben, aber Moritz tritt nur ungern in die Fu├čstapfen sterblicher Menschen. So spielte Peter als viertes Rad mit, um sich im gegebenen Augenblick kampflos aus dem Staube zu machen. Im ersten Wurf kn├Âpfte er jedem der drei Mitspieler einen W├╝rfel ab. Im zweiten Wurf versenkte sich Moritz selber, als er mit einer 4-Sterne-Vorgabe angezweifelt wurde und kein einziger Mitspieler einen Stern hatte. Peter frohlockte und kurze Zeit sp├Ąter konnte er auch noch Hosianna rufen, ohne da├č er die U-Bahn verpa├čt h├Ątte.
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