von Walter am 27.04.2006 (616 mal gelesen, keine Kommentare)

1. “Manifest Destiny”
Schon im Vorfeld hatte Moritz das Spiel als Hauptprogramm f├╝r den n├Ąchsten Abend angek├╝ndigt. Eifrig machte sich eine auserw├Ąhlte Teilnehmerschar per Internet ├╝ber die Regeln her. Moritz war bei der Regelerkl├Ąrung dann auch vorz├╝glich vorbereitet. Erstaunlich, wie sicher er die doch ziemlich komplexen Spielmechanismen erkl├Ąren und r├╝berbringen konnte. Und das alles ohne eigene Spielpraxis!
Es ist ein konstruktives, k├Ąmpferisches Entwicklungsspiel auf dem nordamerikanischen Kontinent. Die Spieler expandieren in die verschiedenen Regionen, profitieren von den lokalen Produkten und setzen ihre Ertr├Ąge zum Ausbau ihres Entwicklungsfortschritts ein. Wer als erster eine bestimmte Entwicklungsstufe erreicht, hat das Spiel gewonnen.
Doch “Manifest Destiny” ist keine Weiterentwicklung von “Civilization”, sondern ein eher eine Mischung aus “Vinci” mit “Mensch-├Ąrgere-Dich-nicht”. Alle territorialen K├Ąmpfe werden mit W├╝rfeln entschieden; der Motor des Spiels sind aber zuf├Ąllig gezogene Karten, die unterschiedliche gravierende Spielvorg├Ąnge ausl├Âsen.
Walter wollte schon im Vorfeld die Rei├čleine ziehen. Absolute ├ärgerkarten in der Bedeutung von:
“W├Ąhle einen Spieler. Er verliert $ 10 mal Augenzahl eines W├╝rfels”
oder
“Zerst├Âre zwei Cities. Die betroffenen Spieler bezahlen $ 10 pro City an die Bank.”
erschienen ihm f├╝r unsere WPG-Runde nicht tragbar. Doch Moritz konnte beschwichtigen. Er bot an, vor dem Spiel gemeinsam demokratisch ├╝ber die krassesten Karten zu entscheiden, ob wir sie wegzulassen sollen oder nicht. Mit diesem freundlichen Entgegenkommen war schon mal die erste Abneigung gebrochen. – Wir spielten mit allen Karten.
Walter wurde dann von Andrea auch prompt die erste ├ärgerkarte unter die Nase gehalten (“Stehle eine per Zufall gezogene Handkarte von einem anderen Spieler”) Zuf├Ąllig mu├čte er sogar sein bestes Pferd aus dem Stall hergeben, doch der ├ärger wurde nicht Andrea, sondern dem Spiel zugeschoben und weggesteckt.
Auch die zweite ├ärgerkarte, diesmal von Aaron pr├Ąsentiert. (“W├Ąhle einen Spieler, der $ 20 an die Bank verliert. Reduziere dessen Profit um -10. Dieser Spieler kann in diesem Spielzug keine City, Pionier oder Karte kaufen.”), traf Walter. Auch sie wurde noch nicht pers├Ânlich genommen, sondern dem festen Vorsatz der Toleranz gegen├╝ber den Spielregeln untergeordnet.
Doch als Hans dann – zuf├Ąllig oder nicht – anfing, seine Expansionsaktivit├Ąten gegen Walters Besitzstand zu richten und ihm einen Profit-Bonus wegschnappte, war dessen Rachsucht nicht mehr aufzuhalten. Er versteht ja nichts von dieser Art von kriegerischen Dominanzspielen. Da f├Ąngt er auf einmal an, rot zu sehen und all seine Kapazit├Ąten setzt er nur noch dazu ein, dem Aggressor zu schaden, kostet es was es wolle.
Hans bekam als erstes eine ├ärgerkarte zu sp├╝ren: “W├Ąhle einen Spieler aus, der Bargeld an die Bank zahlen muss entsprechend der H├Ąlfte seines Profits.” Damit war Hans f├╝r eine lukrative Runde au├čer Gefecht gesetzt. Als Walter auch noch seine territorialen Aggressionen ausschlie├člich an Hans auslie├č, war es mit dessen Contenance vorbei. Moritz konnte noch rechtzeitig beschw├Ârend seine K├╝nstlerstimme erheben und die Wogen gl├Ątten. Bei Walters n├Ąchster Aggressionswelle konnte Hans sogar alle 4 W├╝rfel-K├Ąmpfe trotz eines 1:2 Handicaps f├╝r sich entscheiden. Damit waren zumindest an dieser Front die b├Âsen Emotionen ausgelebt.
Soviele seltene W├╝rfelergebnisse haben wir selten in einer Runde erlebt. Aaron sowie Andrea verloren insgesamt 4 W├╝rfelentscheidungen mit Einserpaschs gegen einen einzelnen W├╝rfel des Gegners. Doch Aaron hatte nicht nur sein sprichw├Ârtliches W├╝rfelpech. In einer Runde lachte ihm das Gl├╝ck aus vollem Halse zu: Er konnte 8 von 9 W├╝rfelentscheidungen f├╝r sich entscheiden und damit Moritz St├Ądte-Mehrheit brechen.
Moritz hatte sich mit Kanada ein relativ konkurrenzloses Territorium f├╝r seine Expansionen ausgesucht. Au├čerdem hatte er auch schnell erkannt, da├č man “Manifest Destiny” nicht mit K├Ąmpfen, sondern ├╝ber Entwicklungsfortschritte gewinnt. So konnte er langsam aber stetig einen Vorsprung herausholen, der uns kurz nach Mitternacht nicht mehr aufholbar erschien.
Nur Hans war noch der Meinung, da├č man Moritz’ Vorsprung von 8 Siegpunkten bei gleichzeitig maximalen Runden-Einnahmen mit vereinten Kr├Ąften noch in den Griff kriegen k├Ânnte. Doch das mehrmals hin- und her wogende W├╝rfel-Schicksal hatte uns ├╝brigen Mitstreiter erm├╝det. Keiner wollte es mehr ausprobieren. Vielleicht wird Hans demn├Ąchst daf├╝r die Wahrscheinlichkeit ausrechen. Vielleicht lag sie sogar h├Âher als ein Tausendstel Promille!
WPG-Wertung: Aaron: 4, Andrea: 6, Hans: 6, Moritz: 7, Walter: 6.
Da├č das Spiel neben dem deutlich zu hohen Zufallseinflu├č auch sehr sch├Âne konstruktive Elemente hat, ist keinem entgangen. Moritz wird eine Rezension dar├╝ber schreiben.
2. “Bluff”
Noch nie wurden pro Durchgang so viele W├╝rfel verloren, weil die vorgegebene Zahl viel h├Âher war als angezweifelt. Walter verlor allein 3 W├╝rfel, weil er 6 Sterne anzweifelte und 9 Sterne vorhanden waren. Aaron ging unter, als er nicht glauben konnte, da├č Andrea und Moritz beide mit je 4 W├╝rfeln je 4 F├╝nfen gew├╝rfelt hatten und er selbst auch noch eine hatte.
Moritz spielte im Endspiel mit seiner Frau Katz’ und Maus und konnte damit eine lange pers├Ânliche Durststrecke hinter sich bringen.
Keine neue WPG-Wertung f├╝r ein Super-Spiel.

Einen Kommentar schreiben