von Walter am 26.10.2006 (595 mal gelesen, 2 Kommentare)

Vier Westparkgamers haben sich drei Tage lang auf der Spiel 2006 in Essen herumgetrieben. Eine stolze Ausbeute von 45 neuen Spielen oder Expansion-Sets wurde in Koffern und T√ľten nach Hause geschleppt. Diesmal wurde besonders auf gute Vorbewertungen geachtet. Jetzt stehen wieder ein paar sehr sch√∂ne Spiele-Begegnungen an.
1. “Tempus”
Eine neue Version von “Civilisation light”: Die Spieler bewegen und vermehren sich, bek√§mpfen und bekehren sich, bauen St√§dte und schreiten vorw√§rts auf der Entwicklungsleiter der Zivilisation.
Alles geht relativ langsam vor sich: Zu Beginn hat jeder nur einen Bewegungspunkt f√ľr einen einzigen seiner P√∂ppel, pro Vermehrungsphase wird nur ein einziger neuer P√∂ppel gezeugt und es darf nur eine einzige “Fortschrittskarte” (f√ľr ein bi√üchen zus√§tzliche Dynamik und Chaos) nachgezogen werden.
K√§mpfen ist im Prinzip sch√§dlich, weil zur Konzentration der Streitkr√§fte und f√ľr den Kampf mehr Energie aufgewendet werden mu√ü, als √ľber die Siegpr√§mie an Vorteilen herausspringt. Friedliche, optimale Entwicklung ist hier die Devise. Die einzigen Personalverluste, die man erleiden mu√ü, resultieren aus der Proselytenmacherei, der man durch die entsprechenden Chaoskarten in der Hand des Nachbarn wehrlos ausgesetzt ist.
Moritz hatte das Spiel in Essen bereits angespielt, bei uns wurde er auch noch Startspieler und konnte sich gleich die fettesten Weiden als Heimatbasis auswählen. In der ersten Runde holte er sich auch noch zielstrebig die Entwicklungsprämie ab und war damit fast schon der sichere Sieger. Nur durch sein etwas loses Herumplempern Рvielleicht hatte er als geborener Warrior doch doch eine Chance zum Zuschlagen gesucht Рbetrug sein Vorsprung am Ende nur 6 Punkte (23%).
Andrea, wie gewohnt zu Rechten von Moritz sitzend, durfte sich als Letzte ihre Startbasis aussuchen. Die guten Jagdgr√ľnde waren vergeben und ihr blieb deutlich mehr Qual als Wahl √ľbrig. Ein Fleckchen Erde ganz nahe bei Aaron kam ihr zu “weit weg von der Welt” vor. Vor gar nicht langer Zeit als “Vamp” war das noch ganz anders! Alle unterst√ľtzten ihre Lokalsuche mit guten Ratschl√§gen. Als sie endlich das kleinste √úbel gefunden und sich plaziert hatte, t√∂nte Moritz: “Tut mir leid, da√ü ich wieder mit dir k√§mpfen mu√ü”. Da lies sie sich noch einmal umstimmen und w√§hlte ein abseitiges kleines Grundst√ľck mit Meerblick.
Hans nervte wie immer durch lange Denkpausen. Er suchte f√ľr jeden Zug die geniale Gewinnstrategie. Dabei lebt “Tempus” eigentlich nur von der Hand in den Mund. Nach vier Spielrunden mit taktischer Rechnerei fiel Hans immerhin auf, da√ü in seinem Gleichungssystem noch eine wichtige Angabe fehlte: “Was ist eigentlich die Siegbedingung?” Ach ja: Besitz an Feldern plus St√§dte plus Entwicklungspr√§mie.
WPG-Wertung:
Aaron: 5 Punkte – “abz√ľglich 2 Punkte f√ľr die schlechte Ausstattung”,
Andrea: 6 Punkte – “ein Punkt Abzug f√ľr das fehlende Thema”,
Hans: 7 Punkte – “man k√∂nnte was (noch mehr?) draus machen, wenn man schneller spielt” – sagt ausgerechnet unser Weltmeister im Blitzdenken
Moritz: 7 Punkte – “elegantes Design”
Walter: 6 Punkte РWenn es nur nicht so zäh wäre!

Moritz schreibt eine Rezension.
2. “Kabale und Hiebe”
Ein chaotisches Kartenspiel. Jeder bekommt den gleichen Satz von unterschiedlichen Karten, die sich jeweils √ľberbieten. Der K√∂nig ist mehr als die K√∂nigin, der Ritter ist mehr als sein Knappe, und die Julia ist mehr als ihr Romeo. Manche Karten besitzen Sonderf√§higkeiten, mit denen sie andere Karten f√∂rdern oder vernichten k√∂nnen: der Zauberer entfernt alle hohen Karten, die Hexe alle niedrigen Karten. Die Musketiere beseitigen die Sondereigenschaften und der Bettler kehrt alle Werte um. Was dann √ľbrig bleibt ist Zufall und Chaos, Lust und Frust, Schaden und Freude, kurzum: Spielen und Gespielt-Werden, entweder durch die Karteneffekte oder durch die Unberechenbarkeit der Mitspieler.
Das Spiel ist ab 8 Jahre, und entsprechend √ľberdeutlich ist die Spielregel. Da hei√üt es z.B. “Pro Spieler werden 6 Karten abgez√§hlt, das sind z.B. bei 3 Spielern 18 Karten”. Hilfestellung f√ľr Legastomatiker?
Dagegen sind andere S√§tze fast frivol: “Romeo hat die Zahl 5. Liegt er in derselben Spalte wie die gleichfarbige Julia, hat er die Zahl 15″. Warum hat er nicht Sechs und in der gleichfarbigen Spalte die Doppel-Sechs?
WPG-Wertung:
Aaron: 7 Punkte – “lustig” (leider nicht bei uns)
Hans: 8 Punkte – “spielt sich ganz sch√∂n flott” (leider nicht bei uns) “und erfreut mit Schadenfreude” (ja, aber¬Ö)
Moritz: 8 Punkte – “bietet viel Handlungfreiheit” (eine von drei Karten auf einen von 4 Stapeln legen!)
Walter: 4 Punkte – “Leider kann man dabei denken. Doch dann spiele ich lieber Mau-Mau!”

Rezensionsschreiber ist noch offen.
4. “Bluff”
Nach den beiden Denken-Spielen noch mal was leichtes, lockeres, spielerisches zum Abschlu√ü. Gott-sei-Dank. Keine besonderen Vorkommnisse. Im Endspiel mit 2:5 in Unterzahl k√§mpfte Moritz tapfer wie ein L√∂we, doch gegen√ľber der reinen Masse hatte auch seine ausgereifte Klasse keine Chance.
Keine neue WPG-Wertung f√ľr ein Super-Spiel.

2 Reaktionen zu “25.10.2006: Lichter aus Essen”

  1. Eggo

    Die Meinung der anderen zu ironisieren (bei “Kabale und Hiebe”) ist nicht so ganz ok, lieber Walter – la√ü doch einfach den positiven Eindruck, den drei (!) andere hatten, stehen. Ich habe das Spiel auch nicht wegen seiner “gro√üen Handlungsfreiheit” gelobt, ich meinte nur, da√ü man tats√§chlich bedeutungsvolle Entscheidungen trifft, was man auf den ersten Blick nicht denken w√ľrde.
    Eine weitere kleine Korrektur: Ich habe “Tempus” in Essen tats√§chlich nicht angespielt, es war mein absolut erstes Spiel, und die Regeln hatte ich gerade erst vorher gelesen. Ich hatte also keinen geheimen Taktikplan, tats√§chlich gab es Momente im Spiel, bei denen ich eigentlich etwas besseres h√§tte tun m√ľssen, und wenn es solche Momente gibt, und man r√ľckwirkend deswegen nochmal spielen will, ist das eigentlich ein gutes Zeichen.
    Vielen Dank nach wie vor aber f√ľr Deine liebevollen Zusammenfassungen, das ist unschlagbar!

  2. Guenther

    Das “Tempus” kenne ich nicht und kann damit momentan keine Punkte vergeben.
    “Kabale und Hiebe” habe ich in einer Spielenacht w√§hrend ESSEN ausprobiert – da vergebe ich mal 7 Punkte.
    Es war tats√§chlich “lustig” und h√§ufig √ľberraschend; zum fl√ľssig Spielen mu√ü man die Sonderfunktionen aber doch erst etwas genauer kennen !

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