von Walter am 23.11.2006 (1.220 mal gelesen, 8 Kommentare)

Yspahan machte es m├Âglich: Jeder wollte dabeisein und schon 6 Tage vor dem Countdown waren alle WPG-Pl├Ątze vergeben und die Mannschaften f├╝r zwei getrennte Spielorte benannt. Am Westpark kam eine reine M├Ąnnerrunde zustammen, in Schwabing trafen sich zwei P├Ąrchen zum Flotten Vierer.
Bei den M├Ąnnern wurden lediglich Brettspiele absolviert. Hier die Zusammenfassung.
1. “Yspahan”
Ein neues Super-Spiel von Ystari Games, die sich zu einem Garant f├╝r h├Âchste Spielanspr├╝che gemausert haben. Auch in “Yspahan” ist alles stimmig, ausbalanciert, vom Konzept her intelligent und von der spielerischen Reife einfach beste Klasse. Es gibt keine Schw├Ąchen, nicht einmal vom Ansatz her:
Schon allein der W├╝rfelmechanismus, mit dem die Spieler ihre zul├Ąssigen Aktionen ausw├╝rfeln, ist ├Ąu├čerst geistreich. Mit diesem Element wird das spielerische, lockere Element in das ansonsten streng planbare Spielgeschehen hineingebracht. Wer gewinnt, war zweifelsfrei der Beste, wer verliert, hat schlichtweg Pech gehabt.
Viele verschiedene Strategien bieten sich an; welche davon zum Sieg f├╝hrt, wird Peter nicht einmal in seiner Rezension verraten: Ladenbesitzer, Kamelh├Ąndler, Geldwechsler, Architekt, W├╝rfel-Statistiker oder Gl├╝cksritter, f├╝r alle diese Charaktere gibt es Bet├Ątigungsfelder mit Ums├Ątzen auf der Siegpunktskala.
Bei jedem Detail der Spielregel kann man ins Schw├Ąrmen kommen: so durchdacht und spieltheoretisch perfekt ist das Konzept, Note Eins mit Stern! Kleines Beispiel: Drei Wochen a 7 Tage sind zu absolvieren, mit jeweils wechselndem Startspieler. Das macht 21 Runden, und wenn 4 Mitspieler dabei sind, dann ist jeder genau 5 mal Startspieler. Da bleibt noch eine Runde ├╝brig. Wenn jetzt nochmal der Startspieler in normalen Modus wechseln w├╝rde, w├Ąre der erste bevorzugt und alle anderen benachteiligt. Doch “Yspahan” hat auch f├╝r diesen Konflikt eine geniale L├Âsung gefunden: In dieser ├ťberschu├črunde wird die Startspielerrolle nach einem total anderen Modus vergeben, die Spieler ziehen hier in der umgekehrten Reihenfolge ihrer aktuellen Spielposition. Wer bisher am meisten Pech hatte, darf sein Gl├╝ck noch einmal versuchen. Ist das keine g├Âttliche Erfinderweisheit!
WPG-Wertung: Aaron: 9 (keine 10, weil schon aus WPG-Prinzip eine Differenz zu “1830” sichtbar sein mu├č), G├╝nther: 9 (Denken mit Spa├č), Walter: 9 (hat sich von anf├Ąnglich 10 Punkten runterargumentieren lassen), Wolfgang: 9 (konstruktiver Gl├╝cksfaktor)
Peter hat schon eine Rezension geschrieben, Aaron mu├č sie nur noch freigeben.
2. “S├Ąulen der Erde”
War standardm├Ą├čig als zweites Spiel vorgesehen, schlie├člich sollten alle WPGler noch eine Kostprobe von unserem n├Ąchsten “Spiel des Monats” abkriegen. Doch zur vorger├╝ckten Zeit scheuten wir die Dreiviertelstunde Regelerkl├Ąrung. Wird wohl das n├Ąchstes Mal bei freier Liebe auf den Tisch kommen.
Peter wird eine Rezension schreiben.
3. “Vegas Showdown”
Die Spieler bieten um Geb├Ąude rund um die Casino-Szenerie: Spieltische, Hotels, Restaurants, B├╝ffets, Parks und ├Ąhnliches. Die Geb├Ąude bringen pro Runde neues Geld ein, sie ziehen Publikum an oder werden sofort in Siegpunkte umgesetzt. Am Ende wirft die Qualtit├Ąt des ersteigerten Geb├Ąude-Ensemble noch mal einige Siegpunkte ab.
Der Auktionsmechanismus l├Ąuft ganz flott ab, wobei hierzu auch das funktional gut durchgestilte Spielmaterial viel beitr├Ągt. Ein paar wohldosierte Zufallsereignisse f├Ârdern die unterhaltende Spielstimmung.
WPG-Wertung: Aaron: 6 (nur! obwohl er gewonnen hat), G├╝nther: 8 (h├Ąlt es f├╝r ein Spiel-des-Monats-Kandidaten), Walter: 7 (h├╝bsch und stimmig, aber doch nur ein Auktionsspiel), Wolfgang: 8 (leicht und locker)
Wolfgang schreibt eine Rezension.
4. “Bluff”
Im Endspiel mit einem gegen Walters zwei W├╝rfel hatte G├╝nther eine 2 gew├╝rfelt und fing mit 1 mal die F├╝nf an. Mit 2/3 Wahrscheinlichkeit hatte er damit einen von Walters W├╝rfeln richtig geraten. Doch Walter hatte nur eine Eins und eine Drei geworfen und zweifelte an. Damit war’s das auch schon.
Hier sieht man mal wieder die St├Ąrke der “Immer-4-Strategie”. Wenn G├╝nther eine 4 vorgegeben h├Ątte, h├Ątte Walter auch noch eine plausible Chance zum Erh├Âhen bzw. zum Nachw├╝rfeln sehen – und damit verlieren – k├Ânnen.
Was w├Ąre aber gewesen, wenn G├╝nther ganz brav 1 mal die Eins vorgelegt h├Ątte? Auch dieses Trivial-Problem ist spieltheoretisch noch nicht entschl├╝sselt. Mini-M├Ąxchen, es gibt noch viel zu tun!
Keine neue WPG-Wertung f├╝r ein Super-Spiel.


8 Reaktionen zu “22.11.2006: Reine M├Ąnnerrunden und gemischtes Doppel”

  1. Peter

    1. Anmerkung

    In unserer Yspahan-Packung waren 10 statt 9 wei├če W├╝rfel, was erst Moritz nach 2 vollen Runden merkte. Tja, tja, taktische Variante :-)

    2. Anmerkung

    “in Schwabing” Nein, in der Maxvorstadt.

    Schwabing: Alte, gewachsende Ortschaft mit krummen Stra├čen.
    Maxvorstadt: Planm├Ą├čig angelegt, Schachbrett-Stra├čennetz.

    In der Maxvorstadt gibt's LMU, TU und FH, in Schwabing das Gisela-Gymnasium (okay, okay, auch das Max-Gymnasium). In der Maxvorstadt gibt's die Pinakotheken, die K├Ânigsplatz-Museen, die pal├Ąontologische Staatssammlung und diverse andere, in Schwabing kannst du Asado und Roxy besuchen.

  2. Walter

    Hallo G├╝nther,
    mit Deiner “1 mal die F├╝nf”-Vorgabe im gestrigen Bluff-Endspiel hast Du keineswegs mit einer 2/3-Mehrheit ins Schwarze getroffen, sondern nur mit einer verschwindenden 14-prozentigen Minderheit! Um damit zu punkten (nicht mal mit 100% Sicherheit), h├Ątte ich mit 2 W├╝rfel n├Ąmlich nicht mindestens eine F├╝nf oder einen Stern geworfen haben m├╝ssen, sondern genau eine F├╝nf und keinen Stern! Und daf├╝r ist dann die Wahrscheinlichkeit gerade mal 5/35. Claro?
    Deine demonstrative Anti-Immer-4-Haltung ist mal wieder wundersch├Ân ins Abseits gef├╝hrt worden!

  3. Peter

    [quote] sondern genau eine F├╝nf und keinen Stern! Und daf├╝r ist dann die Wahrscheinlichkeit gerade mal 5/35. Claro?
    [/quote]

    Versteh' ich nicht. W├╝rfel 1 zeigt “5”, 1 M├Âglichkeit. W├╝rfel 2 zeigt “alles au├čer 5 und Stern”, macht 4 M├Âglichkeiten. 1*4*2 macht 8. 8 durch 6*6=36 ist 0,22, also 22%. Oder steh' ich hier komplett auf der Leitung? Aber ganz davon abgesehen:

    Zweitens ignorieren hier alle Beteiligten, dass das Spiel B-L-U-F-F hei├čt. Am Anfang geht das Ganze perfekt ├╝ber die Stochastik, am Schluss ist da nur noch Nervenkrieg. All diese kombinatorischen Spielereien funktionieren doch nur ohne Annahme von Bluffen! (Andersherum: Sie funktionieren AUSSCHLIE├čLICH bei Walter, weil der immer 4 legt, unabh├Ąngig von dem, was er wirklich gew├╝rfelt hat).

  4. Walter

    Hi Peter, bei Deinen Zahlen hast hast Du nat├╝rlich recht: es gibt zu den genau 2 ersten W├╝rfeln je 4 gute zweite W├╝rfel und damit insgesamt 8 gute Kombinationen und die Gesamtwahrscheinlichkeit liegt bei 22%. (Woher ich auf meine 5 gekommen bin, kann ich schon jetzt nicht mehr nachvollziehen.
    Zum B L U F F : Unsere ganzen Zahlen-Diskussionen gehen doch st├Ąndig darum, welche W├╝rfelzahl soll ich im Endspiel vorlegen. Theoretisch. Und ohne all das vorhergegangene und noch folgende psychologische Drumherum zu beachten. Bei einer eigenen gew├╝rfelten Zwei und zwei unbekannten gnerischen W├╝rfeln liefert die Vorgabe “1 mal die F├╝nf” halt keine, wie behauptet, gute 4/6-tel Trefferquote, sondern die deutlich schlechtere 8/36, und scheidet damit in meinen Augen als “konstante Vorgabe” f├╝r eine erste N├Ąherungsl├Âsung absolut aus. Dann lieber schon die Vier als Vorgabe. (???) Das war meine Botschaft.

  5. Peter

    Ich bin nicht sicher, dass ich dir folgen kann.
    Aber: Unabh├Ąngig von aller Bl├Âfferei hat der eine Spieler mit mindestens 22% gewonnen. Das hei├čt ja nicht, dass er mit 78% verloren hat!

    Also:

    – Falls W genau eine F├╝nf hat, hat G gewonnen (22%).
    Soweit so gut.

    – Falls W genau einen Stern hat, und keine F├╝nf: Dann kann G├╝nther immer noch gewinnen, denn die Vorgabe ist ja richtig! Legst du auf einen Stern, kann G├╝nther versuchen, deine h├Âchste Zahl zu erraten. Alles nicht schlecht. Bluffelement.

    – Falls W weder F├╝nf noch Stern hat, aber zwei gleiche W├╝rfel, muss er sich ├╝berlegen, ob er aufdeckt oder erh├Âht. Bluffelement.

    – Falls W weder F├╝nf noch Stern hat, und auch keine zwei gleichen, dann MUSS er aufdecken, weil er nicht erh├Âhen kann.
    Also: 4*3/36, 33%

    Bei der Ausgangslage von G gewinnt G mit der Vorgabe “5” mit 22%; zu 33% gewinnt W (was ja okay ist, W hat ja mehr W├╝rfel); zu 45% h├Ąngt es in der Psychologie.

    Jetzt lassen wir G mal “4” vorgeben.

    – G gewinnt, wenn W genau eine 4 hat (22%).
    – W gewinnt sicher, wenn er aufdecken muss; das der Fall, wenn W weder 4 noch 5 noch Stern noch 2 gleiche hat; also 3*2/36, also 17%
    – der Rest ist Psychologie.

    Wir halten fest. Ob G 4 oder 5 vorlegt, ├Ąndert am sicheren Sieg mit 22% nix. Aber es wandern 5 Prozentpunkte vom sicheren Sieg Walters zur Psychologie. Das w├╝rde f├╝r Walters merkw├╝rdige 4er Theorie sprechen. (“da kann der andere noch mal hochdrehen”)

    Andererseits w├╝rde das auch bedeuten, dass man die niedrigste Zahl legen sollte, die man selbst nicht hat und die mindestens 3 ist :-) (Alle anderen Faktoren gleich!)

    Die entscheidende Frage ist aber, wie die Psychologie-Prozentpunkte verteilt sind. Wer kann sie 'eher' einstreichen? Dar├╝ber k├Ânnen diese kombinatorischen Spielereien nix aussagen. Bluff im Endspiel ist ein Psycho-Spiel, kein Stochastik-Spiel, wie im Anfang.

    Wer bei Bluff gewinnen will, muss wissen, wann der Umstiegspunkt erreicht ist. Und er muss soviel bluffen und nicht bluffen, um unkalkulierbar zu sein!

  6. Peter

    Hm. Ein Fehler. Wenn W weder F├╝nf noch Stern hat, und auch keine zwei gleichen, muss er nat├╝rlich NICHT aufdecken. Er kann auch drauf spekulieren, dass G blufft und einfach einen der beiden W├╝rfelwerte, den er hat, als 2x markieren. (G k├Ânnte ja auch einen Stern haben).

    Also vergesst die obigen Darlegungen. Bluff entzieht sich dem Vulg├Ąr-Kombinatoriker.

  7. Guenther

    Hallo ihr Statistiker,

    vermutlich sind alle Behauptungen oben falsch – inklusive der 2/3 Geschichte; nichtsdestotrotz habe ich mit 1×5 mit mehr als 50% Wahrscheinlichkeit die Wahrheit gesagt und damit vorerst nicht verloren. Bei einer Erh├Âhung von Walter kann ich noch reagieren …
    Aber weder 1×5 noch 1×4 ist hier wohl optimal … wohl eher 2x”mein W├╝rfel” ? Egal – ich bin zu m├╝de f├╝r sowas heute abend.
    Aber eines wollen wir mal klarstellen:
    Die “Immer 4” Strategie von Walter ist zwar ein running Gag, aber im Heads Up mit einem W├╝rfel mit Sicherheit nicht optimal – was mathematisch exakt an anderer Stelle bewiesen wurde — q.e.d.
    Mit Psychologie hat das auch nur dann was zu tun, wenn ich beim Walter den Puls messe oder seine Schwei├čperlen auf der Stirn z├Ąhle. Ansonsten ist das ganze rein mathematisch berechenbar und auch der Bluff ist hier exakt beschreibbar !
    So, jetzt k├Ânnt ihr weiter rechnen ….

  8. Walter

    Da├č die BLUFF-Runde nach dem ersten Wurf bereits entschieden ist, wird keiner behaupten wollen. Da├č wir hier in bezug auf die tausend Wenns und Abers alle noch ziemlich am Anfang stehen, ist auch unbestritten.
    Weiterhin bekenne ich hier ein f├╝r alle mal, da├č G├╝nther klipp und klar bewiesen hat, da├č die “Immer-4-Strategie” falsch ist und er hat sogar eine bessere Strategie dagegengesetzt.
    Doch ganz unabh├Ąngig davon bleibt f├╝r mich diese Strategie, wie G├╝nther so treffend formuliert hat, ein “running gag”, und ich kann mich jedesmal diebisch freuen, wenn sie sich in konkreten F├Ąllen als besser herausstellt, als die von anderen gew├Ąhlte, insbesondere als die von G├╝nther konsequent verfochtene “Anti-Immer-4-Strategie”.
    [glowred]Und das tut sie (fast) immer![/glowred]