von Walter am 12.10.2007 (741 mal gelesen, keine Kommentare)

Gro├če Ereignisse werfen ihre Schatten voraus. N├Ąchste Woche f├Ąngt in Essen die Spiel 2007 an und die professionellen Spiele-Publizisten aus dem Ausland r├╝cken jetzt schon langsam in Deutschland an. W. Eric Martin (lieber Eric, verzeih’ mir das Dabbeljuh!), Webmaster und Chefredakteur von Boardgame News, hat sich mit seiner Frau Linda bei uns angesagt, und ihm zu Ehren haben wir zwei Tische aufgemacht.
Gewohnt p├╝nktlich um 20 Uhr hatten sich die acht Westparker eingefunden. Die amerikanischen G├Ąste lie├čen noch auf sich warten. Bange Blicke auf die Uhr: Hoffenlich haben sie ihre Uhren schon auf Mitteleurop├Ąische Sommerzeit eingestellt! Wer wei├č! Fangen wir schon mal an.
1. “Bluff”
Ein ideales Spiel, um die Zeit zu ├╝berbr├╝cken, solange die amerikanischen G├Ąste noch nicht da sind und zum Warming-Up, als sie dann endlich erschienen waren. F├╝r 10 Mitspieler braucht man zwei S├Ątze W├╝rfelbecher und W├╝rfel, aber nur ein Spielbrett und nur einen roten Vorgabe-W├╝rfel. Nach einer ├ťberrundung ist die “1″ dann gleichbedeutend mit der “21″ und bei Sternen mit der “11″. Die Varianz w├Ąchst mit der Anzahl Teilnehmer. Wer zu Unrecht anzweifelt oder mit Unrecht angezweifelt wird, ist ganz schnell ganz drau├čen. Aber “Bluff” hat ja die sch├Âne Eigenschaft, da├č man mit Lust und Spannung auch als Nur-Zuschauer dabei sein kann.
W. Eric konnte selbst die 40 Anfangsw├╝rfel mit Umsicht meistern. Sein haarscharf nochmal Davongekommensein quittierte er h├Ąufiger mit einem befriedigten “so close”! Das Endspiel bestritt er gegen Walter. Hier konnte er nochmal seine hervorragende Taktik und Psychologie ausspielen. Mit 2 gegen 2 W├╝rfel legte er 1 mal den Stern vor. Walter hatte selber einen Stern und eine Zwei gew├╝rfelt und f├╝hlte sich schon als Sieger. Understatement war seine Devise: 2 mal die Eins! Eric zweifelte an, er hatte selber nur eine Zwei und eine Drei unter seinem W├╝rfelbecher.
Beim 2:1-Stand ging Eric mit 1 mal die Eins ins Rennen. Walter hatte genau die 1 gew├╝rfelt, was sollte er tun? Zwei mal die Eins? Das was sein Ende, denn Eric hatte wieder nur zwei mittlere Zahlen unter seinem Becher und konnte final anzweifeln.
2. “Uptown”
Jetzt teilte sich die Gruppe. Aaron, Birgit, G├╝nther, Hans und Horst wendeten sich einem “Zooloretto” zu. Schlie├člich hatten sie es zum WPG-Spiel-des-Monats gek├╝rt, da konnten sie ja nicht gleich mit “Nein, meine Suppe e├č ich nicht!” die Nase r├╝mpfen.
Andrea, Eric, Linda, Moritz und Walter durften dagegen ein nagelneues “Uptown” kennenlernen. Jeder Spieler hat den gleichen Satz von Pl├Ąttchen, die reihum aufs Spielbrett gelegt werden. Jedes Pl├Ąttchen geh├Ârt zu einer Gruppe, f├╝r die jeweils 9 der insgesamt 81 Felder des Spielbretts zugelassen sind: entweder eine vollst├Ąndige Reihe, eine Spalte oder ein internes 3×3 Felder gro├čes Quadrat. Man mu├č seine Pl├Ąttchen so legen, da├č sie am Ende m├Âglichst wenige zusammenh├Ąngende Ketten bilden. Wer dann die wenigsten separaten Ketten hat, hat gewonnen.
In einer F├╝nfergruppe ergibt sich ein Menge Interaktion um die Felder, ├╝ber die getrennten Ketten verbunden werden k├Ânnen. Man darf n├Ąmlich auch fremde Pl├Ąttchen vom Spielbrett entfernen und seine eigenen daf├╝r hinlegen, solange man damit eine fremde Kette nicht in zwei Teile zerlegt. Das Ergebnis ist ein spannender, kurzweiliger Kampf, der voller spielerischer Grundstimmung ausgetragen wird.
WPG-Wertung: Andrea: 8, Eric: 8, Linda: 7, Moritz:7. Walter: 8 (fast 9)
3. “Master of Rules”
Ein japanisches Kartenspiel von Susumsu Kawasaki, das heuer auf der Spiel 2007 in Essen vorgestellt wird. Jeder Spieler bekommt eine Reihe von Karten mit Zahlen und mit Bedingungen ausgeteilt und mu├č pro Runde je eine Zahlenkarte und eine Bedingungskarte ausspielen. Danach wird gewertet. Wenn die auf dem Tisch liegenden Zahlenkarten eine gespielte Bedingung erf├╝llen, bekommt der Spieler, der die Bedingungskarte gespielt hat, einen Siegpunkt.
Die Bedingungen lauten:
- Trio: Auf dem Tisch liegen mindestens 3 Karten der gleichen Farbe.
- Limit 23: Die Summe der ausgespielten Karten ist h├Âchstenfalls 23
- Best of the Best: Ein Spieler hat die h├Âchste Zahl in der meistgespielten Farbe ausgespielt.
- Unique: Die von einem Spieler ausgespielte Karte ist die einzige ihrer Art auf dem Tisch.
Hinter der Reihenfolge, ob man zuerst eine Zahl oder eine Bedingung ausspielt, k├Ânnen ganz komplexe ├ťberlegungen stehen. Einerseits sollte man seine Bedingungen nicht zu fr├╝h verraten, andererseits mu├č man eine gew├╝nschte Bedingungskarte rechtzeitig ausspielen, bevor es ein anderer tut, weil damit alle anderen gleichlautenden Bedingungskarten blockiert sind.
Dieses Blockieren ist ein ziemlich ├Ąrgerliches Element; der letzte Spieler hat oft keine freie Bedingung mehr, sondern mu├č zwangsweise eine Bedingung spielen, die er a priori schon nicht mehr erf├╝llen kann. Wir h├Ątten es besser gefunden, wenn es deutlich mehr verschiedene Bedingungen gegeben h├Ątte als Mitspieler.
WPG-Wertung: Andrea: 5, Eric: 6, Linda: 5, Moritz: 5, Walter: 5 (k├Ânnte mit leichten Regelvariationen verbessert werden)
4. Podcast beim “Pow Wow”
W├Ąhrend die Zooloretto-Gruppe sich noch mit Pow-Wow, einer Bluff-Variante, vergn├╝gte, produzierten Eric und Moritz schnell noch on the flight eine Podcast-Aufnahme f├╝r die Dice-Tower-Reihe. Wir konnten es als verbl├╝ffte “Studiog├Ąste” life miterleben. Gekonnt ist gekonnt.
5. “Verflixxt!”
W. Eric Martin und seine Frau Linda wollten mal wieder fr├╝her ins Bett kommen als die Tage davor. Auf Birgit wartete am n├Ąchsten Morgen eine anstrengende Untersuchung (was kann das bei einer Kriminalistin wohl sein?) und sie schleppte ihren Lebenspartner auch gleich mit ab. So blieben gegen 23 Uhr sechs reinrassige Westparker ├╝brig und mu├čten sich auf einen Absacker einigen. Die Wahl fiel auf “Verflixxt! ” – Urversion, ein leichtes lockeres W├╝rfelspiel um Plus- und Minuspunkte und um Zaubermittel, die Schlechten in die Guten zu verwandeln.
G├╝nther gab Aaron Tips f├╝r gute Spielz├╝ge, die ihm zwar auch selber zugute kamen, im Haupteffekt allerdings Moritz schadeten. Ausgerechnet G├╝nther beging dieses gro├če Sakrileg gegen unseren langj├Ąhrigen Westpark-Gamers-Codex. Moritz fand das gar nicht gut. Er beklagte sich: “Wenn G├╝nther gewinnt, dann nur wegen Aaron! ” Aaron verteidigte seine Z├╝ge: “Sonst h├Ątte ich Dich beg├╝nstigen m├╝ssen!” Doch Moritz lies sich nicht beruhigen: “Ich habe aber nicht gef├╝hrt!” Mit seiner genialen Spieleanalyse hatte er n├Ąmlich schon nach dem zweiten W├╝rfelzug G├╝nthers f├╝hrende Position ausgemacht.
Womit er am Ende nach ungef├Ąhr einhundert W├╝rfelz├╝gen auch tats├Ąchlich richtig lag! Dank Aaron?

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