von Walter am 3.01.2008 (830 mal gelesen, keine Kommentare)

Im Zentrum des heutigen Spielabends stand “Friedrich”. Ein phantastisches Spiel, bei dem man ├╝ber jeden einzelnen Verlauf ganze Romane schreiben k├Ânnte. Darauf will ich diesmal verzichten und stattdessen etwas ganz anderes tun. Schauen wir uns mal bei Google um, was es alles zu “Friedrich” zu sagen hat.
55.200.000 Worte-Eintr├Ąge gibt es dazu und 1.220.000 Bilder. Mein Gott, wer hatte nicht alles diesen Vornamen, nicht nur der K├Ânig von Preussen! Einige Kostprobe davon will ich hier zum Besten geben und wer Lust hat, kann damit ein heiteres Personenraten zum Neuen Jahr beginnen: Welcher Friedrich verbirgt sich hinter welcher Beschreibung? (Auf Anfrage versende ich die L├Âsungen.)
1. Friedrich: Heute ist eine Universit├Ąt nach ihm benannt, in der es ihn jahrelang gehungert hat. Wortw├Ârtlich h├Ątte sie ihn “im Arsche lecken k├Ânnen”, wenn er wo anders seinen Lebensunterhalt h├Ątte verdienen k├Ânnen.
2. Friedrich: Meist als erster Wagnerianer apostrophiert. Besuchte das Musiker Ehepaar woimmer es sich herumtriebschen mu├čte.
3. Friedrich: Deutscher Lyriker; wollte sich einen Begriff vom Objekt “Frau” machen, geriet dabei aber an die falsche Frau, bzw. an den richtigen Ehemann, der ihn zum Teufel jagte.
4. Friedrich: Gro├čer Geist, der meistens mit dem Attribut “der alte” genannt wird. Stammt wie der ├Ąlteste Geist der Westpark-Gamers immerhin aus Aschaffenburg.
5. Friedrich: Hat noch einen “Carl” vor seinem Friedrich und wird wegen seiner Summenformel eher mit dem Nachnamen genannt.
6. Friedrich: Donnerwetter! Nicht mehr lange blitzt er in M├╝nchen und Freising herum!
7. Friedrich: Fast gleichrangig mit dem Donnerer, von der Farbe aber eher lila als schwarz. Wir m├╝ssen ihn hier schon allein aus Proporzgr├╝nden anf├╝hren.
8. Friedrich: Landesherr eines Revoluzzers. Wenn er nicht gewesen w├Ąre, dann g├Ąbe es vielleicht heute noch in Westeuropa ausschlie├člich Parteigenossen unseres Benediktiners.
9. Friedrich: Stand 35 Jahre lang ganz oben und war ein H├Âhepunkt seiner Zeit, bis er leider ertrunken ist. Seit dem schaut er immer nach, ob die Raben noch fliegen. Besitzt auch eine eigenen Therme und dazu jede Menge Wasser.
10. Friedrich: Das “Erstaunen der Welt” genannt, war er hochgebildet und beherrschte mehrere Sprachen, unter anderem Italienisch, Franz├Âsisch, Latein, Griechisch, Mittelhochdeutsch und Arabisch.
11. Friedrich: Hat den Schiller dransaliert. Und wenn er es nicht selber war, dann war es sein Vater! Doch dieses Faktum wird in seiner Biografie nat├╝rlich verschwiegen.
12. Friedrich: Eine Kaiserin! Kein Druckfehler, wirklich ein weibliches “in” am Ende. Auch sonst alles weiblich an ihr.
13. Friedrich: War entgegen allem Anschein kein K├Ânig, sondern ein Buchdrucker und Erfinder der Schnellpresse.
14. Friedrich: Auch nur ein B├╝rgerlicher, aber immerhin ein Politiker, der knapp 6 Jahre lang so etwas wie die Nachfolge unseres vertriebenen Kaisers aus├╝ben durfte.
15. Friedrich: Hat eine Stiftung gestiftet. Oder stiften lassen. Diese wiederum enth├Ąlt eine virtuelle Akademie. Ich wei├č nicht, ob da nur virtuelle Studenten studieren d├╝rfen.
16. Friedrich: Beileibe kein Engel, ging aber als einer der Marx-Brothers in den roten Himmel ein.
17. Friedrich: Professor f├╝r Staatswissenschaften, Erfinder der Schutzz├Âlle, was immer man darunter verstehen mag. Wird meist verwechselt mit einem Musiker, der aber noch ein unh├Ârbares “Z” in seinem ansonsten gleichlautenden Nachnamen hat. Letzterer hie├č mit Vornamen eigentlich Franz.
18. Friedrich: Bekannt durch einen Kreidefelsen, den heutzutage jeder Deutscher freiz├╝gig besuchen kann.
19. Friedrich: Heine nannte ihn “den gro├čen Bettler”, und mutma├čte, er hie├če jetzt Grobianus.
20. Friedrich: Wer kennt ihn noch, den Langen aus einer gro├čen Elf? Vor kurzem noch von allen zugejubelt, jetzt schon fast allen entschwunden. Dabei blieb er fast ausschlie├člich hinten.
21. Friedrich: Der von ihm gepr├Ągte Begriff “Kindergarten” wurde un├╝bersetzt in 22 Sprachen ├╝bernommen.
22. Friedrich: Er unterh├Ąlt einen Podcast mit Erz├Ąhlungen ├╝ber das Leben und Wirken als Musiker bei den Berliner Philharmonikern; damit ist er fast schon so bedeutend wie unser Moritz.
23. Friedrich: Immerhin der Name einer Univerit├Ąt. Doch der Namensgeber war kein einzelner Gro├čer, sondern eher zwei kleine. Ihr k├Ânnt sie Euch ja bei Google heraussuchen.
24. Friedrich: Endlich der Namensgeber des Spiels vom heutigen Abend. Hat von der Geschichte noch andere Namen bekommen. Welche?
1. “Friedrich”
F├╝r Peter und Loredana war dieses geniale Kriegsspiel aus dem Jahre 2004 noch Neuland, Hans und Walter waren alte Hasen. Da stellte sich gleich die Frage nach der Startaufstellung: Wer sollte welche L├Ąnder f├╝hren? F├╝r die Preussen mit seinen 8 Armeen und tausenden notwendigen Winkelz├╝gen im F├╝nf-Fronten-Krieg kam nur ein alter Hase in Frage, aber keiner der lange denkt: also Walter. F├╝r die Franzosen, die nur ganz langsam mit sehr viel Geduld und Umsicht ins Spiel gebracht werden d├╝rfen, kam auch nur ein alter Hase in Frage, einer der die langsame Entwicklung kennt und gleich von Beginn an auf die Endphase hinarbeitet: also Hans. Unser Peter ist eigentlich pr├Ądestiniert f├╝r die ├ľsterreicher: da hat er eine Menge Schalthebel in der Hand und kann in Angriff und Verteidigung das beste Timing ausbalanzieren. Er bedauerte auch sogleich, da├č ihm auf preussischer Seite ohne Moritz der gleichwertige Gegner fehlt. Doch Loredana wollte sich aus weiblich-irrationalen Gr├╝nden die Reichsarmee nicht entgehen lassen; daf├╝r nahm sie auch die ├ľsterreicher mit in Kauf. So blieben f├╝r Peter nur die Russen und die Schweden ├╝brig.
Russland fing – nach eigenem lautstarken Bekunden – einen Stellvertreterkrieg an, um den Schweden zum Sieg zu verhelfen. Von dieser verbalen Drohung lie├č sich Preussen t├Ąuschen und steckte viel Energie in einen Vernichtungskrieg gegen die Schweden. Zu viel Energie, denn die Schweden wurden durch die erste Ereigniskarte gleich in den Separatfrieden geschickt, und daf├╝r brannte es in ganz Preussen an allen Ecken und Enden. Die Russen eroberten alle St├Ądte in Ostpreussen und r├╝ckten in einer geschlossen Front nach Westen auf die St├Ądte in Pommern und Brandenburg vor, es war nur eine Frage der Zeit, wie lange sie noch aufgehalten werden konnten. ├ľsterreich hatte langsam aber sicher die Vorherrschaft in Schlesien zur├╝ckgewonnen und war daran, im S├╝den seine Siegbedingungen zu erf├╝llen. Selbst die kleine Reichsarmee tr├Ąumte trotz einer vernichtenden Niederlage in den ersten Scharm├╝tzeln wieder von einem Endsieg in Sachsen. Doch wie das Leben so spielt und wie es in “Friedrich” oft vorhergesagt wird: Frankreich konnte Hannover in die Knie zwingen und seine Siegbedingungen mit der Eroberung von Magdeburg vollenden, bevor noch Zar und Kaiser zum Schulterschlu├č kamen.
Peter mit 8 Punkten (“tolles Spiel, bin froh, da├č ich es gekauft habe”) und Loredana mit nur 7 Punkten (ihr war wohl die Reichsarmee nicht schlagkr├Ąftig genug) dr├╝ckten den WPG-Schnitt von bisherigen 8,6 auf immer noch sehr gute 8,3 Punkte.
Moritz und Walter haben schon eine Rezension geschrieben.
2. “Bluff”
Im ersten 2:2 Endspiel Loredana gegen Hans legte Hans den Standard 1 mal die Vier vor. Loredana zweifelte erbarmungslos an. Mit Recht: Keiner der vier W├╝rfel war eine Vier. Der Rest war nur noch Formsache.
Im zweiten Endspiel lies sich Peter mit 4 W├╝rfeln gegen Loredanas einen W├╝rfel seine materielle ├ťberlegenheit nicht mehr aus der Hand nehmen. Er hatte eine Eins, eine Zwei und zweimal die F├╝nf unter seinem Becher und begann mit 1 mal die Eins. Loredana hob auf 1 mal die Zwei. F├╝r Peter war das genug Information: Loredana war ganz sicher nicht im Besitz einer F├╝nf. Mit 2 mal die F├╝nf machte er den Sack zu.
Das dritte Endspiel bestritt Peter gegen Hans mit W├╝rfel-Gleichstand 2:2. Er begann langsam mit 1 mal die Eins, Hans hob auf 1 mal die F├╝nf und Peter steigerte auf 2 mal die F├╝nf. Jetzt schockte Hans mit 2 mal Stern!
Peter hatte eine Eins und einen Stern unter seinem Becher. Was tun?
Mit dem Mut der Verzweiflung legte er seinen Stern raus, hob auf 3 mal den Stern und w├╝rfelte nach: Einen Stern! Das war’s. Hansens Widerstand war zum zweiten Male gebrochen.


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