von Walter am 17.01.2008 (2.119 mal gelesen, keine Kommentare)

Als Hauptmenue standen drei Wiederholungen zur Auswahl: “Im Jahr des Drachen”, “Agricola” und “Age of Empire”; alle drei sind aufw├Ąndige Aufbauspiele, zu allen gab es heute Teilnehmer, denen das Spiel noch unbekannt war; kein Spiel wurde abgelehnt (! – durchaus bemerkenswert), alle drei h├Ątten auf dem Tisch landen k├Ânnen! In einem konstruktiven Wettbewerb setzte sich schlie├člich Moritz’ Vorschlag durch; Hans und Walter waren froh, ein neues Spiel kennenlernen zu k├Ânnen.
1. “Age of Empire”
Pro Runde darf jeder Spieler 5 Kolonisten-P├Âppel auf Aktionsfelder setzen, mit denen er seine Entdeckung / Eroberung der Neuen Welt vorantreiben will. Man legt sich Missionare oder H├Ąndler zu, nat├╝rlich auch Soldaten, denn die Natives geben ja nicht freiwillig ihr Land her; man erwirbt Sondereigenschaften, die Geld und Zusatzp├Âppel einbringen; man geht auf Entdeckungsfahrten, um die Natives endlich abmurksen zu k├Ânnen; man l├Ą├čt seine Siedler in die erfolgreich abgemurksten Kolonien nachkommen und man k├Ąmpft um Startreihenfolge, Mehrheiten und Priori├Ąten.
Die einzelnen Berufsgruppen haben unterschiedliche Wirkung je nach den Feldern, auf denen man sie einsetzt. Gelangt ein Missionar in eine Kolonie, erzeugt er sofort einen weiteren Kolonisten. Aaron erkl├Ąrte diesen Effekt mit: “Er f├Ąllt sofort ├╝ber eine Einheimische her”. Moritz verdeutlichte “┬ů und knattert sie!” Hans erg├Ąnzte in s├╝ffisanter Missionars-(Ein)Stellung: “┬ů und konvertiert sie”!
Die Verteidigungsst├Ąrke der Natives in den Kolonien ist zuf├Ąllig verteilt, ebenso die Belohnung die man f├╝r ihre vollst├Ąndige Vernichtung erh├Ąlt. Wer Gl├╝ck hat, kassiert f├╝r den gleichen Manpower-Einsatz 7 Siegpunkte und 20 Dollar, wer Pech hat, bekommt nur 2 Siegpunkte und 4 Dollar. Aaron hatte schon im Vorfeld diesen recht hohen Zufallseinflu├č in einem ansonsten streng planbaren Entwicklungsspiel kritisiert. Die Neulinge wollten in dieser unberechenbaren Komponente auch spielerische Vorteile sehen.
Hinterher entdeckte ausgerechnet der Kritiker Aaron die lukrativsten Kolonien und schwelgte nur so in Dollars; G├╝nther hingegen entdeckte eine Lusche nach der anderen und kommentierte diese Pechstr├Ąhne nur trocken: “Soviel zu den 5 Punkte f├╝r das Spiel”!
Moritz lies die ganze Diskussion kalt; er ├╝berlies die Zufallseffekte bei den Neuentdeckungen seinen Mitspielern und w├Ąhlte seine Z├╝ge so, da├č er peut a peut sichere Mehrheiten in den bereits entdeckten Kolonien erwarb. Dazu provozierte er auch schnell ein paar ordentliche Schie├čereien, mit denen er den Kolonisten seiner Mitspieler das Licht auspustete. In taktischen Kriegsspielen ist er einfach der unangefochtene Meister.
Das Spiel bietet jede Menge Stoff zum ├ťberlegen, und jeder kann auch denken, wenn er nicht dran ist. Doch diese M├Âglichkeit wurde nur selten genutzt. So zogen sich die acht Spielrunden ├╝ber gute drei Stunden hin. In der Schlu├čphase gab es noch mal lange Palaver ├╝ber die besten und gleichzeitig die fiesesten Z├╝ge, die eine jeder noch tun kann. Schlie├člich k├Ânnen gezielte Aggression gegen einzelne Spieler in vielen Kolonien noch die siegpunkt-tr├Ąchtigen Mehrheiten kippen. Aaron drohte: “Moritz, soll ich dich jetzt richtig ├Ąrgern!” “Warum?” “Weil Du so doof gespielt hast!” Doch Aarons Mittel reichten nicht mehr aus, Moritz von der Siegerposition zu verdr├Ąngen.
WPG-Wertung: Aaron: 6 (“f├╝r so starke Gl├╝ckselemente dauert es zu lange”, G├╝nther: 5 (denkt nur an die vielen Luschen), Hans: 8 (obwohl er Letzter wurde), Moritz: 9 (sicher nicht nur, weil er Erster wurde), Walter: 7 (es w├Ąren 8 Punkte geworden, wenn er wenigstens eine einzige ├╝ppige Kolonie entdeckt h├Ątte!)
Schlu├čkommentare:
Moritz: “Das beste Eagle-Spiel, das kein Eagle-Spiel ist”
Aaron: Ein Strategiespiel “gemacht f├╝r Leute, die wenig Strategiespiele spielen.”
Als L├Âsung gegen den unerfreulichen Zufallseinflu├č fanden wir die Idee, nach einem Sieg gegen die Natives die ├╝berz├Ąhligen Kolonisten nicht vom Brett nehmen zu m├╝ssen, sondern in der Kolonie zu belassen. Dann g├Ąbe es zwar immer noch erhebliche Schwankungen in den Werten der Kolonieren, doch ein Gro├čteil der Ungerechtigkeit w├Ąre eliminiert. Dann w├╝rde beim “Age of Empire” allein die optimale Kolonial-Strategie den Ausschlag geben.
2. “Trans Europa”
Es ging knapp auf Mitternacht zu. Moritz schaute auf die Uhr. “Sind wir in einer halben Stunde fertig?” Aaron fragte zur├╝ck: “Machst Du uns jetzt den Peter?” Nur Peter mu├č immer zur U-Bahn, Moritz l├Ą├čt sich den Heimweg notfalls auch mal ein Taxi kosten!
Zum normalen Spielablauf siehe den Session-Report von letzter Woche. G├╝nther legte gleich die Expansion auf den Tisch: Jeder Spieler hat 3 private Gleisst├╝cke, die nur ihm geh├Âren, damit kann man sein Streckennetz von den Mitspielern abschotten. Walter sprach sich gegen dieses aggressive Zusatzelement aus; er wollte sich die konstruktive Stimmung beim Bau des gemeinsamen Verkehrsnetzes nicht nehmen lassen. Doch er wurde vom Warrior Moritz und vom Global Player Aaron sofort ├╝berstimmt.
Das war auch gut so. Mit Kindern unter 10 Jahren ist die Nur-Konstruktivit├Ąt vielleicht vorzuziehen, bei multiplen Teenagern, die wir alle waren, ist der spielerische Schu├č Miesnickeligkeit durchaus ein f├Ârderliches Element.
Zum bisherigen WPG-Schnitt von 7,5 Punkten legten unseer Neulinge Aaron, Hans und Moritz noch je 8 Punkte hinzu. Auch dieses Spiel k├Ânnte bei uns noch mal Spiel des Monats werden k├Ânnen.

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