von Walter am 17.01.2008 (2.298 mal gelesen, keine Kommentare)

Als Hauptmenue standen drei Wiederholungen zur Auswahl: “Im Jahr des Drachen”, “Agricola” und “Age of Empire”; alle drei sind aufw√§ndige Aufbauspiele, zu allen gab es heute Teilnehmer, denen das Spiel noch unbekannt war; kein Spiel wurde abgelehnt (! – durchaus bemerkenswert), alle drei h√§tten auf dem Tisch landen k√∂nnen! In einem konstruktiven Wettbewerb setzte sich schlie√ülich Moritz’ Vorschlag durch; Hans und Walter waren froh, ein neues Spiel kennenlernen zu k√∂nnen.
1. “Age of Empire”
Pro Runde darf jeder Spieler 5 Kolonisten-P√∂ppel auf Aktionsfelder setzen, mit denen er seine Entdeckung / Eroberung der Neuen Welt vorantreiben will. Man legt sich Missionare oder H√§ndler zu, nat√ľrlich auch Soldaten, denn die Natives geben ja nicht freiwillig ihr Land her; man erwirbt Sondereigenschaften, die Geld und Zusatzp√∂ppel einbringen; man geht auf Entdeckungsfahrten, um die Natives endlich abmurksen zu k√∂nnen; man l√§√üt seine Siedler in die erfolgreich abgemurksten Kolonien nachkommen und man k√§mpft um Startreihenfolge, Mehrheiten und Priori√§ten.
Die einzelnen Berufsgruppen haben unterschiedliche Wirkung je nach den Feldern, auf denen man sie einsetzt. Gelangt ein Missionar in eine Kolonie, erzeugt er sofort einen weiteren Kolonisten. Aaron erkl√§rte diesen Effekt mit: “Er f√§llt sofort √ľber eine Einheimische her”. Moritz verdeutlichte “¬Ö und knattert sie!” Hans erg√§nzte in s√ľffisanter Missionars-(Ein)Stellung: “¬Ö und konvertiert sie”!
Die Verteidigungsst√§rke der Natives in den Kolonien ist zuf√§llig verteilt, ebenso die Belohnung die man f√ľr ihre vollst√§ndige Vernichtung erh√§lt. Wer Gl√ľck hat, kassiert f√ľr den gleichen Manpower-Einsatz 7 Siegpunkte und 20 Dollar, wer Pech hat, bekommt nur 2 Siegpunkte und 4 Dollar. Aaron hatte schon im Vorfeld diesen recht hohen Zufallseinflu√ü in einem ansonsten streng planbaren Entwicklungsspiel kritisiert. Die Neulinge wollten in dieser unberechenbaren Komponente auch spielerische Vorteile sehen.
Hinterher entdeckte ausgerechnet der Kritiker Aaron die lukrativsten Kolonien und schwelgte nur so in Dollars; G√ľnther hingegen entdeckte eine Lusche nach der anderen und kommentierte diese Pechstr√§hne nur trocken: “Soviel zu den 5 Punkte f√ľr das Spiel”!
Moritz lies die ganze Diskussion kalt; er √ľberlies die Zufallseffekte bei den Neuentdeckungen seinen Mitspielern und w√§hlte seine Z√ľge so, da√ü er peut a peut sichere Mehrheiten in den bereits entdeckten Kolonien erwarb. Dazu provozierte er auch schnell ein paar ordentliche Schie√üereien, mit denen er den Kolonisten seiner Mitspieler das Licht auspustete. In taktischen Kriegsspielen ist er einfach der unangefochtene Meister.
Das Spiel bietet jede Menge Stoff zum √úberlegen, und jeder kann auch denken, wenn er nicht dran ist. Doch diese M√∂glichkeit wurde nur selten genutzt. So zogen sich die acht Spielrunden √ľber gute drei Stunden hin. In der Schlu√üphase gab es noch mal lange Palaver √ľber die besten und gleichzeitig die fiesesten Z√ľge, die eine jeder noch tun kann. Schlie√ülich k√∂nnen gezielte Aggression gegen einzelne Spieler in vielen Kolonien noch die siegpunkt-tr√§chtigen Mehrheiten kippen. Aaron drohte: “Moritz, soll ich dich jetzt richtig √§rgern!” “Warum?” “Weil Du so doof gespielt hast!” Doch Aarons Mittel reichten nicht mehr aus, Moritz von der Siegerposition zu verdr√§ngen.
WPG-Wertung: Aaron: 6 (“f√ľr so starke Gl√ľckselemente dauert es zu lange”, G√ľnther: 5 (denkt nur an die vielen Luschen), Hans: 8 (obwohl er Letzter wurde), Moritz: 9 (sicher nicht nur, weil er Erster wurde), Walter: 7 (es w√§ren 8 Punkte geworden, wenn er wenigstens eine einzige √ľppige Kolonie entdeckt h√§tte!)
Schlußkommentare:
Moritz: “Das beste Eagle-Spiel, das kein Eagle-Spiel ist”
Aaron: Ein Strategiespiel “gemacht f√ľr Leute, die wenig Strategiespiele spielen.”
Als L√∂sung gegen den unerfreulichen Zufallseinflu√ü fanden wir die Idee, nach einem Sieg gegen die Natives die √ľberz√§hligen Kolonisten nicht vom Brett nehmen zu m√ľssen, sondern in der Kolonie zu belassen. Dann g√§be es zwar immer noch erhebliche Schwankungen in den Werten der Kolonieren, doch ein Gro√üteil der Ungerechtigkeit w√§re eliminiert. Dann w√ľrde beim “Age of Empire” allein die optimale Kolonial-Strategie den Ausschlag geben.
2. “Trans Europa”
Es ging knapp auf Mitternacht zu. Moritz schaute auf die Uhr. “Sind wir in einer halben Stunde fertig?” Aaron fragte zur√ľck: “Machst Du uns jetzt den Peter?” Nur Peter mu√ü immer zur U-Bahn, Moritz l√§√üt sich den Heimweg notfalls auch mal ein Taxi kosten!
Zum normalen Spielablauf siehe den Session-Report von letzter Woche. G√ľnther legte gleich die Expansion auf den Tisch: Jeder Spieler hat 3 private Gleisst√ľcke, die nur ihm geh√∂ren, damit kann man sein Streckennetz von den Mitspielern abschotten. Walter sprach sich gegen dieses aggressive Zusatzelement aus; er wollte sich die konstruktive Stimmung beim Bau des gemeinsamen Verkehrsnetzes nicht nehmen lassen. Doch er wurde vom Warrior Moritz und vom Global Player Aaron sofort √ľberstimmt.
Das war auch gut so. Mit Kindern unter 10 Jahren ist die Nur-Konstruktivität vielleicht vorzuziehen, bei multiplen Teenagern, die wir alle waren, ist der spielerische Schuß Miesnickeligkeit durchaus ein förderliches Element.
Zum bisherigen WPG-Schnitt von 7,5 Punkten legten unseer Neulinge Aaron, Hans und Moritz noch je 8 Punkte hinzu. Auch dieses Spiel könnte bei uns noch mal Spiel des Monats werden können.


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