von Walter am 24.01.2008 (802 mal gelesen, 1 Kommentar)

Unsere Internetseite wurde letzte Woche bei den “Board Game Internet Awards 2007″ in der Kategorie “Beste Clubseite” auf den zweiten Platz gew├Ąhlt, dicht hinter “Tricky Light” (http://www.boardgamenews.com/index.php/boardgamenews/comments/winners_of_the_2007_board_game_internet_awards/). Mit diesen Titeln werden von “Boardgamenews” die besten englischsprachigen Internetseiten f├╝r Brettspieler ausgezeichnet.
Wie bei dieser Auszeichnung die Pl├Ątze vergeben werden, wissen wir nicht. Gefragt wurden wir auch nicht. (Einen Preis hat es auch nicht gegeben.) Wir k├Ânnen wir nur ahnen, da├č G├╝nthers PC-Implementierungen von “St. Petersburg” und “Yspahan” die PC-Freaks erfreut haben, da├č Moritz regelm├Ą├čige Podcasts mit Expressionen zu seinen Impressionen die Fachwelt beeindruckt haben, und da├č Aaron mit der sehr informativ ausgerichteten Gestaltung unserer Seite die Tr├╝ffelsucher unter den Erbsenz├Ąhlern befriedigt hat. (Wo kann man noch auf einen einzigen Knopfdruck so viele Spiele-Statistiken bekommen wir bei uns?)
Offensichtlich hat unsere halbe Kraft gereicht, uns auf den zweiten Platz zu hieven. Wenn die Juroren erst noch unsere im unverst├Ąndlichen Deutsch geschriebenen Kritiken und Session-Reports h├Ątten lesen k├Ânnen ┬ů
1. “Die Fugger”
Die Spieler legen reihum jeweils eine Karte in den Farben rot, gelb, gr├╝n, blau oder ultra offen vor sich aus. Wenn von einer Farbe bei allen Spielern zusammen insgesamt f├╝nf Karten ausliegen, kommt es zu einer Rundenwertung. Jeder bekommt f├╝r seine ausliegenden Karten Siegpunkte. Die Siegpunkte f├╝r eine Farbe steigen mit der Anzahl ausliegender Karten. Und – der Clou des ganzen – wenn eine Farbe den H├Âchstwert von 9 Punkten ├╝berschreitet, f├Ąllt sie sofort auf den Niedrigstwert 1 zur├╝ck.
Ist hier jeder Spieler seines Gl├╝ckes Schmied? Wohl kaum! Man kann nicht beeinflussen, mit welcher Farbe die “Gegner” eine Rundenwertung ausl├Âsen, und ob die eigene Kartenauslage mit einem oder mit neun Punkten honoriert wird. Auch die Wertung von Zusatzeigenschaften unterliegen dem Mitwirken der mi├čg├╝nstigen Konkurrenz. Eigentlich herrscht Chaos pur. An diesem Faktum bezweifelte Peter nur das “pur”! Recht hat er.
Doch reicht ein schnelles, lockeres Abspiel allein zu guten Noten? Wir waren gn├Ądig. F├╝r mich pers├Ânlich kann ich mit Sicherheit konstatieren, da├č der Spielreiz nach wenigen Spielen zu Ende sein wird. Aaron versuchte Autor, Produzent und Spielergemeinde zu vertr├Âsten: “Vielleicht wird’s der neue Absacker!”
WPG-Wertung:Aaron: 6, Peter: 7, Walter: 6
2. “Dschungel”
Peter stopselte die Spielregeln daher, schlimmer als Walter selbst in seinen schlechtesten Tagen, als er noch selber erkl├Ąren durfte.
Die Karten mit Wegen und Sackgassen durch einen Dschungel (daher der Name) werden angeblich dschungelartig auf dem Tisch ausgebreitet, doch das entstehende Muster entspricht eher einer symmetrischen Strickvorlage: Eins-rechts-eins-links-eine-Fallenlassen. Die Karten enthalten auf Vorder- und R├╝ckseite ├Ąhnliche Dschungel-Muster; es ist ziemlich schwer zu erkennen, auf welcher Seite sie ├╝berhaupt liegen. Aaron wurde dabei an “Emmerla├╝s” erinnert. “Da hast Du ebenfalls Augenschmerzen gekriegt.”
Jeder Spieler bekommt einen Eckpunkt als Ausgangspunkt zugewiesen und mu├č sich einen Trampelpfad zu beiden gegen├╝berliegenden Seiten suchen oder durch Umstrukturierung der Karten bauen. Dabei darf man die ausliegenden Wegkarten inspizieren, vertauschen oder verlegen. Walter kamen diese Spielz├╝ge ein bi├čchen wie beim Ravensburger “Labyrinth” vor, Aaron entdeckte Parallelen zu “Memory”.
Beim Spielen stellte sich immer deutlicher heraus, das Aaron mit seiner Einsch├Ątzung gar nicht so schlecht lag. Memory f├╝r ├Ąltere Herren? Das widerspricht den biologischen Gegebenheiten. Selbst unser Youngster Peter war nicht dagegen, da├č wir diese Herausforderung an unser Kurzzeitged├Ąchtnis abbrachen.
WPG-Wertung:Aaron: 4, Peter: 4, Walter: 3
3. “Tyros”
Ein sch├Ânes Martin Wallace Spiel, da├č bei uns schon mit durchschnittlich 7,6 Punkten auf der Internetseite steht. Peter versprach f├╝r unseren flotten Dreier noch zus├Ątzlichen Spa├č. Aaron und Walter erinnerten sich, da├č die zuf├Ąllige Verteilung der Landkarten-Pl├Ąttchen eine Schw├Ąche des Spiels war.
Fazit: Das Spiel gefiel uns immer noch sehr gut; wir verbesserten sogar noch unsere vergebenen Noten, doch die Schw├Ąche mit der Ungerechtigkeit der Pl├Ąttchen ist unbestritten. Peter argumentierte zwar, da├č man nicht nur dort operieren sollte, wo man dominiert, sondern dort, wo voraussichtlich die Musik spielen werde. Diese rechts-lokale Ausrichtung wird dann aber durch andere Zuf├Ąlligkeiten unterminiert.
Warum liegen die Landkarten-Pl├Ąttchen nicht offen aus und jeder darf frei daraus w├Ąhlen, welche er f├╝r seine Expansionsbestrebungen am dringendsten braucht. Dann w├╝rde so mancher noch einen Punkt zulegen k├Ânnen.
WPG-Wertung:Aaron: 8 (wie bisher), Peter: 9 (was denn sonst), Walter: 8 (fr├╝her 7)
Walter hat schon eine Rezension geschrieben.
4. “Jamaica”
Gespr├Ąche ├╝ber Fluglinien, HONs, SENs, Meilen, Lufthansa und Emirates, Teheran und die Kopft├╝cher, Katar und das Beten an Bord hatten eine Menge Minuten verstreichen lassen, als Aaron noch ein “Jamaica” auf den Tisch legte. Er wollte noch mal verifizieren, ob seine allerneueste Rezension auch keine Fehldiagnosen enthielt.
Peter f├╝rchtete schon, sein U-Bahn-Abtritt w├Ąre gef├Ąhrdet, doch Aaron konnte ihn beruhigen: “Hier braucht man nix zu erkl├Ąren, da geht es einfach los!” Und so war es dann auch.
Die Spieler w├╝rfeln, segeln, scheffeln, k├Ąmpfen und lavieren einmal rund um die Insel herum: Wer als erster am Ziel ist und unterwegs dabei die besten Pr├Ąmienkarten aufgesammelt hat, ist Sieger. Zufall und W├╝rfelgl├╝ck bestimmen das kurzweilige Spiel. Aaron verwahrte sich gegen die Einsch├Ątzung als fortgeschrittenes “Mensch-├Ąrgere-Dich-nicht”. Mit Recht nat├╝rlich: die optimale Auswahl Eins-aus-Drei der richtigen Aktionskarte tr├Ągt zweifellos entscheidend zum Sieg bei. Und die nachgezogene Aktionskarte ist zweifellos auch anders als die im letzten Zug genutzte Karte.
Walter erreichte als erster das Ziel; Peter als Neuling, hatte seine Aktionskarten nicht f├╝r eine konsequente Vorw├Ąrtsbewegung genutzt, sondern seine Zeit lieber mit Sch├Ątzen vert├Ąndelt und lag abgeschlagen zur├╝ck. Aaron konnte sich ein letztes W├╝rfelk├Ąmpfchen gegen Walter erw├╝rfeln; er gewann und durfte ihm etwas wegnehmen: Entweder eine nutzlose Schiffsladung oder eine Pr├Ąmienkarte. Die Alternative bedeutete hier: Die Schiffsladung war eine solide Besitzstandswahrung und h├Ątte ihm den zweiten Platz gesichert; eine Pr├Ąmienkarte kann Plus- oder Minuspunkte enthalten: bei vielen Pluspunkten konnte Aaron noch Erster werden, bei vielen Minuspunkten h├Ątte er noch Letzter werden k├Ânnen. Wie h├Ąttet Ihr Euch entschieden?
Aaron w├Ąhlte mit der Schiffsladung den sicheren zweiten Platz, doch mit viel ├ťberredungskunst konnte ihm Peter noch seine eigenen Maximen auf Auge dr├╝cken:
[glowred]Nur der Sieg z├Ąhlt.[/glowred]
Aaron riskierte sein Leben und – wurde Sieger.
Walter haderte mit den W├╝rfeln, den Pr├Ąmienkarten und Peters un├╝bertroffener Rednergabe. Hat das nicht doch etwas von “Mensch-├Ąrgere-Dich-nicht!” an sich? “Jamaica” ist sicherlich nichts f├╝r leidenschaftliche Strategen. Die Apostrophierung als “Kinderspiel” war Aaron allerdings etwas zu wenig; er argumentierte mit “Familienspiel”. Das Spiel besitzt eine h├╝bsche Ausstattung und ansprechendes Spielmaterial. “Es funktioniert doch!”. Peter blieb skeptisch: “Das meint ihr doch alles nicht ernst!” Wer wei├č?
WPG-Wertung:Aaron: 6 (“Es funktioniert doch!”), Peter: 4 (Es funktioniert gerade noch), Walter: 5 (f├╝r wen funktioniert es eigentlich?)
Aaron wird unverz├╝glich seine Rezension ver├Âffentlichen.
5. “Bluff”
Peter wollte in die Analen eingehen lassen, da├č von den letzten 11 W├╝rfeln 9 Sterne waren. Er selbst hatte 3 Sterne bei 3 W├╝rfeln, Walter hatte ebenfalls 3 Sterne bei 3 W├╝rfeln und Aaron hatte 3 Sterne bei 5 W├╝rfeln. Wenn ich um diese Uhrzeit noch richtig rechnen kann, dann bet├Ągt die Wahrscheinlichkeit f├╝r diese Kombination weniger als ein tausendstel Promille. In jedem Fall kommt so etwas nicht alle Tage vor.
Peter konnte rechtzeitig zur U-Bahn abdampfen. Im Endspiel mit 4 W├╝rfeln gegen Walters letzten W├╝rfel legte Aaron 1 mal die Eins vor. Walter hatte eine schm├Ąchtige 2 unter dem Becher. Was h├Ąttet Ihr damit angefangen?
Walter wollte (und mu├čte) den Stier bei den H├Ârnen packen und hob auf 2 mal den Stern. Doch das war bereits um zwei Sterne zu hoch. Aaron hatte “nur” 2 Einsen und 2 F├╝nfen unter seinem Becher.
Man kann gegen Walters 2 Sterne eine Menge einwenden, doch eine echte Change gegen Aarons 4 W├╝rfel-Majorit├Ąt zusammen mit dem F├╝nferpasch wird er wohl doch nicht gehabt haben.

Eine Reaktion zu “23.01.2008: F├╝nferpack im Trio”

  1. Walter

    Korrektur: Auch ohne da├č Peter explizit Einspruch erheben hat, wollte er sicherlich in die Annalen mit doppeltem Enn eingehen!

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