von Walter am 1.08.2008 (1.485 mal gelesen, keine Kommentare)

Zum ersten Mal in diesem Jahr konnten wir den Spielabend draußen auf der Terrasse am Westpark abhalten. Ein laues SommerlĂŒftchen lockte ins Freie und das Wetterleuchten in ungefĂ€hrdender Entfernung bot die ideale Hintergrundkulisse.
Auch ohne seinen Pelzmantel hĂ€tte Peter problemlos die Stunden bis Mitternacht ausgehalten. Allerdings hatte er sich in noch wĂ€rmere Gefilde zurĂŒckgezogen. Wie heiß es zwischen Europa und Afrika wirklich hergegangen ist, wird er uns das nĂ€chste Mal persönlich erzĂ€hlen. Wenn es nicht mehr jugendfrei ist, wird schlupp! die Sache zugemacht!
1. “Peloponnes”
Bernd Eisenstein (“Maya”) arbeitet an einem neuen Spiel, das er bis Essen 2009 herausbringen will. Uns hat er jetzt einen Prototypen zum Ausprobieren geschickt. Es ist ein anspruchsvolles Spiel, das gerade in Vielspieler-Reihen gut ankommen sollte.
Walter hatte sich in die Spielregeln eingearbeitet. Allein deshalb durfte er heute die Regeln erklĂ€ren. Sein didaktisches Geschick wird ja sonst nur außerhalb der eigenen vier WĂ€nde anerkannt. Im eigenen Lande gilt der Prophet nix. Kritisch wurde jedes Regeldetail abgeklopft. Schon mitten in seinem Vortrag wanderte die Spielregel von Hand zu Hand, um zu verifizieren, was er da mit sicheren, klaren SĂ€tzen zum Besten gab. Niemals wurden schon im Vorfeld die möglichen Gewinnstrategien so ausgiebig diskutiert wie heute. Eigentlich wĂŒnsche ich mir solche Einleitungen bei allen neuen Spielen, aber offensichtlich kann das nur fĂŒr Prototypen gehandhabt werden, weil dann jeder noch heimlich dem Autor etwas am Zeug flicken zu können vermeint. Doch “Peloponnes” hat schon einen sehr ausgereiften Zustand, die Mechanismen sind gut aufeinander abgestimmt und das Regelwerk ist bereits wasserdicht formuliert. Wenn wir bei der Erarbeitung von “1830” genauso grĂŒndlich vorgegangen wĂ€ren, dann hĂ€tten wir wahrscheinlich einen ganzen Abend opfern mĂŒssen, um die Entfaltung der Gesellschaften und ihrer Strecken entsprechend ausfĂŒhrlich darzulegen. Bei “Peloponnes” waren wir in einer guten Stunde durch.
Die Spieler reprĂ€sentieren archaische Zivilisationen auf der griechischen Halbinsel und mĂŒssen ihren Marktwert gegen die unvermeidlichen Naturkatastrophen vorwĂ€rts bringen. Es geht um Rohstoffe, Geld und Bevölkerung. Die einzelnen VorwĂ€rtsschritte erfolgen mittels offen ausliegender PlĂ€ttchen, die von den Spielern ersteigert werden. Auktionen sind ja grundsĂ€tzlich kein neuartiges Spielelement, hier aber erhalten sie einiges pfiffige Beiwerk. Warum sollte man fĂŒr ein Objekt mehr bieten als unbedingt notwendig? In “Peloponnes” gibt es gewichtige GrĂŒnde dafĂŒr. Nicht nur denjenigen, daß der Bieter mit dem höchsten Gebot als erstes ziehen darf! Aaron fluchte in den ersten Runden auch noch aus einem anderen Grund und nannte in regelmĂ€ĂŸigen AbstĂ€nden alle seine Mitspieler reihum mit dem bekannten Wort aus 4 oder 5 Buchstaben! Ich habe mich extra vergewissert, daß mich meine Ohren nicht getĂ€uscht haben und daß ich es hier protokollieren darf:”X [X = “GĂŒnther” | “Hans” | “Walter”, Du bist ein Arsch!” kam bei jeder Bietaktion ĂŒber seine Lippen, weil er seine reichlich vorhandenen Kröten geizig im Beutel verwahrte hatte, statt sich gemĂ€ĂŸ dem Prinzip “keep fully invested” bei den Objekten seiner Begierde zu engagieren. Doch mit diesen selbst im Bayernland anfechtbaren Ausdruck war unsere Stimmung keinesfalls gekennzeichnet. GĂŒnther flocht hier seine Lebenserfahrung ein: “Einer ist immer der Arsch!”
Die in zufĂ€lligen, aber kalkulierbaren AbstĂ€nden hereinbrechenden Katastrophen lösten natĂŒrlich keine ĂŒberschĂ€umenden BegeisterungsstĂŒrme aus. Doch auf der Peloponnes lernt man hier schnell den Sokratesschen Gleichmut zu bewahren. Und als GĂŒnther verzweifelt fragte: „Wie werde ich meine Leute los“, tröstete ihn Hans mit der Hoffnung auf die Pest. Am Ende fĂŒhlte sich jeder im Katastrophenchaos erst richtig wohl.
DafĂŒr gab es Heulen und ZĂ€hneklappern, als einige Spieler schon vor den letzten Runden ihr Geld leichtfertig verpulvert hatten und nun mit neidischen Gesichtern auf ihre potenten Mitspieler schielen mußten, die ihre SparstrĂŒmpfe jetzt erst öffneten und sich die letzten dicken Fische aus dem Landschaftsgarten herausangelten. Kein Wunder, daß der knauserige Culus-Creator schließlich als Sieger hervorging. Die anderen wußten alle nur zu erklĂ€ren, warum sie NICHT gewonnen hatten.
100 Minuten dauerte unser Spiel, aber nur weil wir jeden Zug ausgiebig kommentierten und uns immer mal wieder ĂŒber das zutreffende RegelverstĂ€ndnis zusammenraufen mußten. Aber eigentlich muß diese Begleiterscheinung auf der Habenseite verbucht werden. Man kann ein Spiel sicherlich auch in der HĂ€lfte der Zeit ĂŒber die Runden bringen, aber warum? Jede Minute war kurzweilig und hinterher diskutierten wir noch eine weitere Stunde lang relativ kontrovers ĂŒber die Verteilung von Können, GlĂŒck, Chaos und Planbarkeit auf der Peloponnes. Am schĂ€rfsten plĂ€dierte Aaron fĂŒr die UnwĂ€gbarkeiten zum Sieg. Als ob er wieder verdrĂ€ngen wollte, warum er gewonnen hatte.
Beim nĂ€chsten Mal werden wir uns am Anfang ganz fest um die besten Einnahme-Quellen schlagen und erst in den letzten 3 Runden auf Bevölkerungswachstum ausgehen. Das, was dazwischen passiert, die ZuwĂ€chse an Rohstoffen und LuxusgĂŒtern ĂŒberlassen wir dann mehr oder weniger der spielerischen OpportunitĂ€t. Ein neuer Kampf um die Siegpunkte auf der Peloponnes wird in jedem Fall nochmals stattfinden.
WPG-Wertung: Das Spiel ist ja noch nicht fertig, aber in seiner jetzigen Fassung wĂŒrde es zwischen 7 oder 8 WPG-Punkten angesiedelt werden.
2. “Ausgerechnete Buxtehude”
Ein Spiel nach den Prinzipien von “Anno Domini”: Anstatt die zeitliche Reihenfolge von Ereignissen der Weltgeschichte zu bestimmen oder zu erraten, mĂŒssen die Spieler die relative geographische Position von StĂ€dten in Deutschland richtig einordnen. Liegt Westerland jetzt sĂŒdlicher oder nördlicher von Kiel? Wenn noch genĂŒgend Freiheiten gegeben sind, kann man es wenigstens westlicher davon einordnen. Oder wird das etwa bezweifelt?
Anzweifeln ist erlaubt und bringt oder kostet einen Siegpunkt. In zwei Zwischenwertungen und einer Endwertung kann man nochmals raten, wie viele auf den beiden geographischen Achsen ausliegenden StÀdte insgesamt falsch eingeordnet sind. Hier sind weitere Siegpunkte zu ergattern.
Kurz und bĂŒndig! Ein gelungener Absacker, der heute sogar unserem “Bluff” die letzten Minuten rauben konnte.
WPG-Wertung: Aaron: 7, GĂŒnther: 7, Hans: 7,  Walter: 7

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