von Walter am 7.08.2008 (1.309 mal gelesen, keine Kommentare)

Peter und Loredana haben geheiratet. Die Trauerfeier fand un-heimlich aber unter Ausschlu├č der ├ľffentlichkeit in Malta statt. Am Westpark gab es heute daf├╝r eine Nachfeier unter spielerischen Vorzeichen, heimlich vorbereitet, aber mit vollst├Ąndiger Kern-Mannschaft.
Als Hochzeitsgeschenk gab es nat├╝rlich ein Brettspiel. Aarons Spiele-Finder war behilflich, ein mindestens 8 Punkte Spiel herauszufinden, f├╝r das P&L noch keine Wertungspunkte vergeben haben. Die Wahl fiel eindeutig auf “Manila”.
Die ├Âffentliche Einladung erfolgte wie immer per Rundschreiben, die Absagen waren hingegen get├╝rkt, weil P&L nach dem Peter-Prinzip ab f├╝nf Teilnehmern nicht mehr dabei sind, bei kleineren Teilnehmerzahlen aber immer pflichtbewu├čt einspringen, um die Runde zu vervollst├Ąndigen. Wie vorausgesehen lie├čen sie sich aus der selbstgew├Ąhlten Reserverolle locken.
Die Mannschaft war schon vollst├Ąndig da, als das jungverm├Ąhlte Paar an der T├╝r klingelte und mit Wagners Hochzeitsmarsch auf die Terrasse gef├╝hrt wurde. Zur Einstimmung gab es Sekt, die restliche Kost aus Choco-Crossies, Kartoffelchips und Gummib├Ąrchen war wie ├╝blich.

1. “Bluff”
Wie bereits im Vorfeld vereinbart, spielten wir zur Einleitung ein gemeinsames “Bluff” in neunk├Âpfiger Runde. Moritz’ und Andreas Nachwuchs Milo war auch von der Partie, sollte er dem jungen Paar doch den Mund w├Ą├črig machen und gleichzeitig eine Zielvorgabe anzeigen. Allerdings werden die W├╝rfel vom ihn noch weniger als Spielmaterial, sondern eher als Nahrungsmittel angesehen, so da├č er diesmal in die Rolle des Supervisors abgedr├Ąngt wurde. Seine Fingerzeige und lautmalerischen Artikulationen waren aber immer zuverl├Ąssige Hinweise ├╝ber die Anzahl von Sternen unter Aarons W├╝rfelbecher.
Ein geschlagene Stunde dauerte das Spiel, wovon Hochzeits-Erinnerungen und die Erz├Ąhlungen ├╝ber das Gebaren von internationalen Standesbeamten einen wesentlichen Teil ausf├╝llten.
Andrea blieb im Endspiel Sieger gegen G├╝nther, das Brautpaar belegte ehrenvolle Mittelpl├Ątze.
WPG-Wertung: Auch in erweiterter Runde ist Bluff eine unverw├╝stliche Ouvert├╝re.
2. “Ausgerechnet Buxtehude”
Andrea und Hans verabschiedeten sich. Sie hatten ihr Scherflein zur ├ťberraschung des Abends beigetragen und durften sich nach dem einleitenden Absacker auf den Heimweg machen. Eigentlich h├Ątten wir uns jetzt auf zwei Tische verteilen wollen, um dem Peter-Prinzip Gen├╝ge zu tun, doch der Br├Ąutigam pers├Ânlich schlug vor, die lauschige Stimmung am gemeinsamen Terrassentisch fortzusetzen. Jetzt waren 7-er Spiele gefragt.
“Buxtehude” hatten wir letzte Woche schon angespielt. Als lockere spielerische Fortsetzung kam es uns jetzt wie gerufen. Deutsche St├Ądte m├╝ssen in ihrer geographischen Lage richtig zugeordnet werden. Wichtig ist dabei nat├╝rlich auch, da├č man unter schlechten Sichtbedingungen ein “Hamburg” nicht mir “Homburg” verwechselt. Die geographische Verwechslung von “Wittenberge” mit “Wittenberg” liegt aber meist weniger am sp├Ąrlichen Nachtlicht.
Aaron wurde es zum ersten Mal bewu├čt, wie krumm der Rhein durch die deutschen Gaue flie├čt. Remscheid liegt westlicher als Koblenz! G├╝nther konnte sich nicht mehr daran erinnern, ob Unna s├╝dlich oder n├Ârdlich von Marl liegt. (Was sagst Du dazu, lieber Wilhelm!)
Moritz versuchte seine Wissensl├╝cken mit einer Online-Landkarte auf seinem Handy-Display zu stopfen. Interessant ist dieses Feature f├╝r uns Telekom-Freaks auf jeden Fall. Doch die Eingabe und die Suchfunktion ist immer noch zu langsam, als da├č man damit in einer gewiefen Runde profitieren k├Ânnte.
Loredana war hier von ihrer rum├Ąnischen Herkunft her entschieden gehandicapt. Sie h├Ątte ihre Hochzeitsreise halt nicht nach Malta, sondern vielleicht nach Fulda machen sollen. Auch dort soll es stramme Oberhirten geben. Und Aschaffenburg und Hanau w├Ąre auch auf dem Weg gelegen. So aber stand sie mit den gelben St├Ądtek├Ąrtchen oft vor unl├Âsbaren Problemen. Sechs gnadenlose Burschen um sie herum – einschlie├člich Br├Ąutigam – lauerten nur darauf, der erste zu sein, der durch ein hartes Klopfen auf den Tisch ihre Entscheidung anzweifelt und ihr dann einen Siegpunkt abnehmen kann.
Diese Jedermann-Freiheit zum Anzweifeln ist vielleicht ein Nachteil von Buxtehude. In einer gr├Â├čeren Runde kann der chaotische Kampf um das “Jus-primae-Knocktis” durchaus in rechthaberischen Streit ausarten. Nat├╝rlich nicht in einer Hochzeitsgesellschaft.
Keine WPG-Wertungsabfrage am Hochzeitstag
3. “Anno Domini”
Im Anschlu├č an das neugeborene “Buxtehude” wurde auch gleich seine Mama “Anno Domini” auf den Tisch gelegt.
Die Mama ist beh├Ąbiger und bietet auch nicht so viel freie Interaktion, aber sie besitzt daf├╝r eine ansehnliche Themenvielfalt, gew├Ąhrt einen gr├Â├čeren Handlungsspielraum beim Auswahl der Karten und ist mit ihrem streng geordneten Spielablauf deutlich gereifter. (Oder f├╝r reifere Semester geeignet.)
Fragen ├╝ber die Schweiz sind urig, ├╝ber China sind sie immer schwierig. Loredana erinnerte sich noch genau, wann in Bukarest die Stra├čen asphaltiert wurden: Es war deutlich nach der Erfindung des Honigs, aber noch vor der Butter.
Der Altertumsk├╝nstler Peter war nahe am Sieg, doch dann konnte ihm Moritz noch rechtzeitig ein paar Strafkarten reinw├╝rgen. Aaron wurde Sieger, er hat ja auch Geographie studiert. Oder pa├čt das besser f├╝r Buxtehude? Jedenfalls konnte er ohne Z├Âgern auch noch die Zusatzfrage beantworten: Er wu├čte auf Anhieb, wann in Holland ein Ulmen-Sterben stattgefunden hatte.
4. “6 nimmt”
Thomas brachte wieder seine Uralt-These vor, da├č man “6 nimmt” nicht berechnen kann, sondern mit dem gleichen Erfolg auch blind seine Ausspielkarten ziehen kann. In einer 7er-Runde mag er nicht ganz verkehrt liegen. Richtig liegt er auf keinen Fall. Aber das mu├č noch bewiesen werden.
Nach dem ersten Spiel machte sich das frischgebackene Ehepaar auf den Weg. Peter hatte den gesamten Abend bis zur vorletzten U-Bahn ohne Pelzmantel durchgestanden. Wenn es ihn auch ein bi├čchen gefroren hatte, so konnte er diesen Temperaturtiefpunkt zuhause mit Hilfe seiner anvertrauten W├Ąrmeflasche gleich wieder ├╝berwinden.
Das Rest-Quintett zog sich noch ein weiteres “6-nimmt” hinein. Eine 5er-Runde ist deutlich ├╝berschaubarer, doch lassen sich auch hier die sporadischen “Shit-happens-Situationen” nicht vermeiden.
Bilanz: Feierlich war’s, lustig war’s, eine w├╝rdige Hochzeits-Nachfeier in einem Freundeskreis von Spielern war’s. Doch das Peter-Prinzip hat auch seine Berechtigung. Wenn es nicht gerade um geselliges Beisammensein geht, dann ist die spielerische Substanz in einer kleinen 4-5er Runde me├čbar gr├Â├čer. Diesmal spielte das gl├╝cklicherweise aber ├╝berhaupt keine Rolle.


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