von Walter am 28.08.2008 (828 mal gelesen, keine Kommentare)

Ich frage mich, woher es kommt, da├č ein Mensch vielerlei Gattungen von Spielen erlernt, und dabei sehr sorgf├Ąltig alle ├ťbertretungen der Spielgesetze zu vermeiden sucht, aber au├čerhalb der Spielszenerie bei verschiedenen Anl├Ąssen Worte und Taten an den Tag legt, die alle Vorschriften der Gesetzgebung und der Moral beleidigen. Warum kostet es die Leute weniger, sich den oft blo├č willk├╝rlichen Gesetzen einer Gruppe zu unterwerfen, als den einfachen, sozialen Vorschriften, die der Gesetzgeber zum Besten unserer Gemeinschaft erlassen hat. (Sophie von la Roche)
1. “A Sort of ├ľkolopoly”
Verst├Ąrkt werden unsere Dienste als Spieletester in Anspruch genommen. Generell macht es uns Spa├č, uns mit neuen, umfangreichen Spielideen auseinanderzusetzen. Wenn wir unsere kritischen Anmerkungen dann nicht nur einem fertigen Spiel hinterherschicken m├╝ssen, sondern gleich beim Entstehen an konstruktiven Weichenstellungen zu Design und Regelwerk mithelfen d├╝rfen, dann sind alle eifrig dabei.
Heute hat Moritz wieder so ein Testobjekt mitgebracht. Er hat allerdings vergessen, sich beim Autor zu erkundigen, wie weit wir ├╝ber das Spiel schon berichten d├╝rfen. Deshalb m├Âchte ich hier nur ganz allgemein und anonym dar├╝ber schreiben.
Das Spielmaterial ist schon recht gediegen, die Spielregeln auch. Das Prinzip erinnert von Ferne an “├ľkolopoly”. Die Spieler m├╝ssen ihre Arbeiter an den verschiedenen R├Ądchen des Bruttosozialprodukts drehen lassen. Sie m├╝ssen Rohstoffe gewinnen, eintauschen oder umtauschen und letztendlich damit Siegpunktk├Ąrtchen erwerben.
Man mu├č gut abw├Ągen zwischen Diversifizieren in verschiedene Rohstoffe, die man f├╝r die verschiedenen Siegpunktk├Ąrtchen braucht und Konzentrieren auf ein einziges Produkt, f├╝r das man sich einen hohen Siegpunkt-Multiplikator zulegen kann.
Die Arbeiter k├Ânnen f├╝r kurzfristigen Gewinn eingesetzt werden und stehen nach getaner Arbeit sofort wieder f├╝r neue Aufgaben zur Verf├╝gung. Sie k├Ânnen aber auch in l├Ąngerfristige Stellungen untergebracht werden. Je l├Ąnger einer steht, desto h├Âher ist die Ausbeute. Im Arbeitsleben nennt man das Zeitmanagement.
Manche Rohstoffe bekommt man in klar voraussehbaren Quanten, f├╝r andere spielt der Zufall einen erheblichen Einflu├č. Einen riesigen! Wenn es dumm l├Ąuft, hat man hier mehrere Arbeiter investiert, die dann alle mit leeren H├Ąnden zur├╝ckkommen. Dagegen fallen die gleichen Rohstoffe auf die gl├╝cklichen Mitspieler herab wie die Sterntaler auf das gutherzige Kind. Dann braucht man ├╝berhaupt kein Zeitmanagement mehr.
Das neue Opus steht noch etwas schwach auf den Beinen. Nach etwa 2 Stunden Spielzeit g├Ânnten wir unseren Arbeitern gerne eine Erholungspause.
Keine WPG-Wertung
2. “Tinner’s Trail” (Der Zug der Zinnsch├╝rfer)
Moritz hat seine neue Oper gerade fertig geschrieben. Deshalb brauchte er sich nicht um die vorletzte U-Bahn zu k├╝mmern. Problemlos konnten wir uns noch ein gestandenes Vollzeitspiel reinziehen.
“Tinner’s Trail” ist ein Versteigerungsspiel um den Kupfer- und Zinn-Abbau in England. Auch in diesem zweiten Spiel des Abends mu├č ordentlich gewerkelt werden. Die Spieler ersteigern Bergwerke, stellen Grubenarbeiter an, bauen Schienen und H├Ąfen, legen Rohre zum Abpumpen des Grundwassers, und f├Ârdern schlie├člich die Rohstoffe, die auf einem zufallsregulierten Markt in Geld umgesetzt werden. Mit dem Geld erwerben sie Siegpunkte. Oder sie stecken es in neue Bergwerke und weiteren Rohstoff-Abbau.
Die einzelnen Spieler-Aktionen kosten neben dem reinen Geld noch eine unterschiedlich Anzahl von Zeiteinheiten. Pro Runde darf jeder Spieler eine nur bestimmte H├Âchstmenge an Zeiteinheiten verbrauchen.
Bemerkenswert ist die Zugreihenfolge. Durch Verzicht auf weitere Aktionen in einer Runde kann man sich das Startspieler-Privileg f├╝r die n├Ąchste Runde erwerben. Nach teuren Aktionen mu├č man warten, bis die Mitspieler mit dem Wert ihrer Aktionen wieder aufgeschlossen haben. Bei der Aktionsauswahl geht es also nicht nur darum, f├╝r sich die eine beste n├Ąchste Aktion auszusuchen, man mu├č auch deutlich die Zeit-Kosten im Auge behalten, weil man ggf. ja mehrere zweitbeste, aber billige Z├╝ge durchf├╝hren kann, bis der n├Ąchste Mitspieler an die Reihe kommt.
Im Grunde kann man bei jedem Zug sehr viel berechnen: Restliche Erzmengen in der Mine, F├Ârderkapazit├Ąt, F├Ârderkosten, Verkaufspreise, M├Âglichkeiten zur Effizienzsteigerung, Konkurrenzbetrachtungen und vieles mehr. Dabei wird nach jedem Zug eine neue Ausgangssituation hergestellt, die neue Kalkulationen erfordert. Die Gefahr, da├č die Denkprozesse lange dauern, ist gro├č. Wer am Kalkulieren Freude hat, schwelgt in seinem Element, wer sein Pulver fr├╝hzeitig verschossen hat, schaut solange in die R├Âhre. Deshalb gilt hier die wichtige Regel: Bleibe liquide!
WPG-Wertung: Aaron: 8, G├╝nther: 8, Moritz: 8, Walter 7 (oder M und W vertauscht)
Walter wird eine Rezension schreiben.


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