von Walter am 16.04.2009 (712 mal gelesen, keine Kommentare)

Mal wieder eine ganz kleine Besetzung am Westpark. Der unverw├╝stliche Administrator k├Ąmpft an der finnischen Front, die leidenschaftlichsten Vertreter der kleinen Besetzung sind beim Kofferpacken, der erweiterte Kreis h├╝llte sich in Schweigen, und nur die flexiblen Verkoster von Alles und Nichts g├Ânnten sich die Gen├╝sse auf und um den Spieltisch.
1. “Smallworld”
Ein Nachfolger des klassischen V├Âlkerkampfspiels “Vinci”, mit ├Ąhnlichen Mechanismen, genauso vielf├Ąltigen und ausbalancierten Volkseigenschaften und verschiedenen, genau auf die Spieleranzahl abgestimmten Weltszenerien, die unverz├╝glich den gew├╝nschten Verdr├Ąngungswettbewerb in Szene setzen.
Jeder Spieler sucht sich jeweils wrap around zwei V├Âlker heraus, mit denen er in die V├Âlkerschlacht zieht. Im Gegensatz zu “Vinci”, wo zweifelsfrei Menschenrassen aufeinander losgelassen werden und eine entsprechende martialische Stimmung herrscht, treten in “Smallworld” Fabelwesen wie Riesen, Zwerge und Elfen auf, die allein schon von der Graphik her eine freundlichere Fantasy-Laune verbreiten. Die Amazonen sehen aus wie eine Kreuzung aus Claudia Schiffer und Barack Obama – f├╝r alle Spielervorlieben ist etwas dabei.
Jedes Volk hat klare, unterschiedliche Eigenschaften in bezug auf:
- Durchschlagskraft,
- Verteidigung,
- ├ťberlebensf├Ąhigkeit,
- Siegpunktquellen
Die Freiheitsgrade beim gegenseitige Verdr├Ąngen und Totschlagen sind begrenzt. In welche Richtung sich das Engagement am meisten lohnt, das h├Ątte auch der Neanderthaler an seinen 10 Fingern abz├Ąhlen k├Ânnen. Hier ist Strategie nicht gefragt, Taktik nur in Ans├Ątzen von Bedeutung, der Rest ist Draufhauen, Killen, Eliminieren. Diese Aufgaben h├Ątte auch der gerade abgehalfterte George W. mit den besten Noten seitens der Geschichtsschreibung l├Âsen k├Ânnen.
Die rechte Herausforderung liegt in der Auswahl der richtigen V├Âlker zum richtigen Zeitpunkt, im richtigen Timing f├╝r das Sterben-Lassen eines ausgepowerten Volkes, um eine neue, unverbrauchte Rasse auftreten zu lassen. Und obwohl es hier f├╝r jeden Mitspieler um Leben oder Tod, d.h. um Siegpunkte und Sieg geht, diskutierten wir friedlich und konstruktiv die unterschiedlichen Vorz├╝ge der V├Âlker, ihre besten Ausgangspositionen und ihr Totschlagpotential. Bereits w├Ąhrend des Spiels, nicht erst nach dem jeweiligen ungl├╝cklichen Exodus.
Gerade die richtige V├Âlkerkombination macht’s, da├č die Siegpunkte nur so sprudeln. Offensichtlich ist es g├╝nstig, sich zuerst ein Volk mit guten Sterbeeigenschaften und danach ein Volk mit langer Lebensdauer zuzulegen. So kann man m├Âglichst lange m├Âglichst viel an beiden V├Âlkern verdienen. G├╝nther hatte hier mehr oder weniger zuf├Ąllig eine gl├╝ckliche Hand mit den Ghulen als erstes Volk – die Mitglieder treten vollz├Ąhlig in den Absterbeprozess ein, nicht nur ein Mitglied pro besetzter Region – und den Elfen als zweites Volk – bei Niederlagen im Verdr├Ąngungskampf werden sie nicht eliminiert, sondern treten in jeder Runde wieder mit voller Mannschaftsst├Ąrke auf. (Oder haben wir hier ein Regeldetail ├╝bersehen?)
Doch die Herrschaft ├╝ber solche Erfolgskombinationen ist kein reiner Zufall. Da die zur Auswahl stehenden V├Âlker offen ausliegen und sich nur durch – st├Ąndig fallende – Preise unterscheiden, kann jeder ├╝ber mehrere Runden voraus├╝berlegen, wann er welches Volk mit welchen Eigenschaften zu welchem Preis ├╝bernehmen m├Âchte. Alles ist planbar.
WPG-Wertung: G├╝nther: 8 (mehr Kampf als in “Vinci”, an die Spieleranzahl gut angepa├čte Spielbretter), Moritz: 8 (noch besser als “Vinci”, durch das Fantasy-Thema etwas lockerer), Walter: 8 (g├Ânnt dem George W. seine neue Auseinandersetzung mit der kleinen Welt)
2. “Uruk”
Obwohl der Name ein ├Ąhnlich archaisches Totschlagspiel vermuten l├Ą├čt wie bei “Smallworld”, geht es hier ausschlie├člich um die ├╝beraus friedliche Entwicklung der Zivilisation. Die Spieler sammeln Entwicklungs- und Aufbaukarten aus einem offenen Stapel, erwerben damit Rohstoffe, machen Erfindungen, bauen D├Ârfer und St├Ądte und bekommen am Ende f├╝r den besten Entwicklungsstand die Siegespalme ├╝berreicht.
Insgesamt gibt es 23 verschiedene Erfindungskarten in vier verschiedenen Farben mit steigenden Werten. Gleiche Erfindungskarten bringen einen kumulativen Vorteil, doch ben├Âtigt man ein wenig Stapelgl├╝ck, um sie zusammen zu bringen. Wer hier lange vergeblich auf sein Gl├╝ck warten mu├č, kann dem allerdings problemlos mit reichlich Jokerkarten nachhelfen.
Die verschiedenen Eigenschaften der Karten sind mit klaren Symbolen gekennzeichnet. Doch da es tausenderlei Eigenschaften zu unterscheiden gilt, mu├č man sich gr├╝ndlich in die Symbolik einarbeiten. Und merken mu├č man sich das auch noch alles. Hier gab Walter wie gew├Âhnlich schnell die Hoffnung auf den Durchblick auf. Zu seiner Freude konnte er aber ebenfalls beim absoluten Durchblicker Moritz Schw├Ąchen im Erfassen des Spielablaufs entdecken. Und G├╝nther hatte sogar beim Vorlesen der Spielregeln Schwierigkeiten, manche Textpassagen zu verstehen. Z.B. gilt f├╝r das “Tonrohr” u.a.: “┬ů Nimmt sich einer der Spieler mit den meisten Siedlungssteinen w├Ąhrend seiner Zuges 1 Ressource als beliebiger Quelle, so wird am Ende dieses Zuges das Tonrohr mit 1 gleichen Ressource an dem Pool best├╝ckt. Nimmt sich dieser Spieler w├Ąhrend seinen Zuges mehrere Ressourcen, w├Ąhlt sich der Besitzer des Tonrohrs aus den genommenen Ressourcen nach seiner Wahl 1 entsprechende Ressource aus. ┬ů” Nach mehreren Ans├Ątzen zum Verstehen ├╝bergab G├╝nther an Moritz, und der konnte unverz├╝glich verk├╝nden: “Verstehe ich sofort”. Ist ja auch ein Ton-K├╝nstler! Alle Regeln sind pr├Ązise, eindeutig und unmi├čverst├Ąndlich beschrieben. Nur im Inhalt ziemlich dicht und in der Summe ziemlich viel.
Denn am Ende kommt nur ein mehr oder weniger autistisches Wettrennen um die schnellste-beste Entwicklung heraus. Kein Wunder, da├č die drei Weltgestalter mit der knappen Siegpunkt-Folge 25, 23 und 22 ins Ziel gelangten.
WPG-Wertung: G├╝nther: 7 (h├╝bsches Aufbauspiel), Moritz: 6 (ausgewogenes, gutes Dreierspiel), Walter: 5 (irgendwas fehlt. Interaktion?)
PS: Hier darf sich jetzt unser Alles-mit-Allen-Spieler Wilhelm zu Worte melden und sein Pl├Ądoyer im Namen der Autoren halten.

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