von Walter am 16.07.2009 (1.535 mal gelesen, keine Kommentare)

Willi ist ein begnadeter Viel- und Alles-Spieler aus dem hohen Norden (Deutschlands). Seine Spiel-Vorlieben decken sich nicht hundertprozentig mit den Schwerpunkten am Westpark. Dann gibt es harte Diskussionen ├╝ber die weichen Formulierungen in unseren Spielberichten und Kritiken.
Willi vertritt mehr die schweigende Mehrheit der Spieler und hat auch f├╝r Wenig- und Gelegenheitsspieler immer einen guten Kauftipp auf Lager.
Sein gr├Â├čtes Verdienst um die Welt des Spiels ist sein konsequentes Bem├╝hen, allen seinen Sch├╝lern vor dem Abitur wenigstens die Grundz├╝ge vom “Doppelkopf” beizubringen. Wenn er sich mit der gleichen Leidenschaft auf die Einf├╝hrung in das Bridgespiel verlegen k├Ânnte, w├Ąre ihm gewi├č schon das Verdienstkreuz des Deutschen Bridgeverbandes verliehen worden.
Alle paar Jahre wagt er sich in den Freistaat am Fu├če der Alpen und kommt dann auch f├╝r einen Abend am Westpark vorbei. So auch heute.
1. “Automobile”
Das Thema ist der Automobilbau mit seinen Problemen von Weiterentwicklung, Produktion und Absatz. Wir bauen Fabriken, engagieren Manager mit unterschiedlichen Vertriebskompetenzen, heuern Verk├Ąufer an, produzieren Wagen und setzen sie ab. Wer am Ende das meiste Geld damit verdient hat, ist Sieger.
Aaron und G├╝nther hatten letzte Woche schon eine Proberunde gedreht, heute durften sie die Neulinge mit den Geheimnisse der Globalisten vertraut machen. Aber ganz vorsichtig, den kleinen Wissensvorsprung darf man ja nicht so leichtsinnig herschenken. Auf die Frage nach dem besten Manager r├╝ckte keiner mit der Sprache heraus. Doch als sich Willi intuitiv f├╝r Mister Howard entschieden hatte (“sells two cars”), t├Ânten sie sofort: “Den h├Ątte ich auch genommen!”
Es ist eine ziemliche betriebswirtschaftliche Herausforderung, den wechselnden Marktbedarf (zufallsabh├Ąngig) und die unterschiedlichen Produktionskapazit├Ąten und Produktionsambitionen der Mitspieler mit seinem eigenen Potential unter einen Hut zu bringen. Jeder Zug bietet einen riesigen Handlungsspielraum, bei jedem Zug k├Ânnte man unendlich rechnen, um Kosten und Gewinne zu optimieren. Oft genug wird die Produktion nicht voll ausgereizt, weil man Absatzschwierigkeiten f├╝rchtet, oft genug hat man ├ťberkapazit├Ąten nicht ber├╝cksichtigt und bleibt unter hohen Verlusten auf seiner Produktion sitzen. Das richtige Timing ist alles.
Die Zugreihenfolge wechselt nach strategischen ├ťberlegungen. Der Startspieler hat bei allen Zugalternativen den Vorteil der freien Auswahl, die nachfolgenden Spieler k├Ânnen daf├╝r schon leichter den Trend erkennen und Marktnischen ersp├Ąhen. Die wirtschaftlichen ├ťberlegungen sind ├Ąhnlich vielschichtig wie bei “1830”. Was an Streckenbau verloren geht, wird an Warenumsatz gewonnen.
Wir brauchten einschlie├člich der halbst├╝ndigen Einf├╝hrung knappe drei Stunden f├╝r ein Spiel, das nur aus vier Runden von etwa zehn Aktionen pro Runde besteht. Solange die neu zu entdeckenden Abl├Ąufe fesselnd sind, ist das tragbar. Sp├Ąter k├Ânnten ungeduldige Spieler schon mal ihre Probleme damit bekommen. Damit das ganze ein Spiel bleibt und nicht in eine ├ťbungsaufgabe f├╝r BWL-Studenten ausartet, sollte man unbedingt die Denkzeit limitieren und alles, was dar├╝ber hinausgeht, durch Geldbu├čen bestrafen!
Willi dachte garantiert nicht am l├Ąngsten nach, aber durch eine harmonische Investitions-, Produktions- und Absatzpolitik wurde er – als Neuling! – Sieger. Ein Kompliment an den guten Geist des Nordens! Allerdings w├Ąre er nicht auf das Siegespodest gekommen, wenn Fortuna in der letzten Runde f├╝r den Absatz von Mittelklasselimousinen nicht einen Wert nahezu beim Minimum vorgegeben h├Ątte. Das stimmt nat├╝rlich bedenklich: Sollte ein dreist├╝ndiger Wirtschaftskampf durch einen einzigen zuf├Ąlligen W├╝rfelwurf entschieden werden? Dabei g├Ąbe es daf├╝r leicht Abhilfe: Warum werden die zufallsbestimmten Absatzzahlen einer Runde nicht schon aufgedeckt, bevor man mit Managern und Verk├Ąufern in die Marktsituation eingreift? Damit die geborenen BWLler bei ihren Z├╝gen nicht noch l├Ąnger nachdenken?
WPG-Wertung: Aaron: 8 (bleibt), G├╝nther: 7 (“h├Ątte auch 8 sein k├Ânnen”), Walter 7 (“8 Punkte mit Schachuhr und eingeschr├Ąnktem Zufall”), Willi: 5 (“habe 3 Stunden meines Lebens geopfert”)
Die Rotweinflecken auf dem Spielgeld stammen nicht von der heutigen Runde am Westpark, sondern von letzter Woche in Aarons Hauptquartier.
2. “Flaschenteufel”
Die alte Diskussion, ob Flaschenspiel nur ein Chaos-Spiel ist, wurde durch Willi wieder neu angefacht. Doch wie fast immer, mu├čte der Vertreter der Chaos-Fraktion einsehen, da├č das hier dominierende “Gr├Â├čte-Kleinere”-Prinzip durchaus eine Logik besitzt. Wenn etwas schief geht, liegt es nicht an der Unberechenbarkeit des Spiels, sondern am falsch zugrunde gelegten Axiomensystem.
WPG-Wertung: Willi: 4 (“ich m├Âchte es nicht nochmals spielen”. Kein Kommentar vom Rest der Westparker.)
3. “Bluff”
Willi demonstrierte, da├č man selbst beim Bluff lange nachdenken kann. Manchmal sogar mit Erfolg. Das h├Ątte er mal beim “Flaschenteufel” tun sollen. Und zwar im richtigen Axiomensystem!
WPG-Wertung: Willi lag mit seinen 10 Punkten voll im Trend.


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