von Walter am 3.09.2009 (1.645 mal gelesen, keine Kommentare)

Cannes, Malediven, Plattensee, wie reimt sich das zusammen?
In Cannes der Peter seine Loredana braucht,
auf den Malediven der Aaron in die Tiefe taucht,
am Plattensee der Walter sich sein Kreuz verstaucht –
so reimt sich das zusammen.
Die Urlaubssaison ist hoffentlich vor├╝ber. Der Westpark ist wieder zum normalen Spiele-Alltag zur├╝ckgekehrt.
1. “Tulipmania”
Ein einfaches, h├╝bsches Wirtschaftsspiel. Die einzige Schwierigkeit gab es am Anfang, als jeder Spieler 5 Hundert-Gulden-Scheine ausgeteilt bekommen sollte, im Spielmaterial aber insgesamt nur 24 Hunderter vorhanden waren.
Wir handeln und spekulieren mit Tulpen. Jeder Spieler mu├č reihum eine Tulpe aus seinem Besitztum verkaufen, in Konkurrenz zueinander bieten die anderem darum, sie zu kaufen. Entsprechend ver├Ąndert sich der Kurs der gehandelten Tulpensorte. Bei einem “normalen” Kauf steigt der Aktienwert um ein paar Prozente an, bei einem “Spekulationskauf” vervielfacht sich ihr Wert.
F├╝nf verschiedene Tulpensorten gibt es; ihr Kurswert geht praktisch ununterbrochen nach oben, dynamisch und dennoch friedlich, folgerichtig und dennoch chaotisch. Bis der Kurs einen H├Âchstwert erreicht und die Spekulation platzt. Jetzt m├╝ssen alle Spieler alle Tulpen dieser Sorte auf den Markt werfen. Die Erl├Âse gehen dabei schrittweise drastisch in den Keller. Wer passende Marktkarten gesammelt hat, ist bei den Spitzenpreisen dabei, wer hier zu kurz gekommen ist, mu├č seine Restbest├Ąnde f├╝r einen Appel und ein Ei verkaufen.
Bemerkenswert noch der Bietproze├č um die angebotene Tulpe: Jeder zieht verdeckt eine Aktionskarte ├╝ber Kauf oder Spekulation, ├╝ber Eigenerwerb oder Verkauf an die Bank. Wer die h├Âchste Aktionskarte gezogen hat, macht den Deal. Bei Gleichheit entscheidet eine um den Tisch wandernde Priorit├Ąts-Karte dar├╝ber, wer den Deal macht.
Am Anfang, wenn das Geld noch knapp ist, sind die Aktionen der Spieler recht zur├╝ckhaltend; da sind Interessen und Marktverhalten der einzelnen Spieler noch sehr unterschiedlich und die Aktionskarten mit ihren abgestuften Wertigkeiten machen Sinn. Doch unweigerlich schwimmen fr├╝her oder sp├Ąter alle im Geld. Dann spielt jeder zwangsl├Ąufig nur noch die h├Âchstwertige Aktionskarte. In dieser Phase entscheidet allein die Priorit├Ąts-Karte das Spiel. Schade.
WPG-Wertung: Aaron: 6 (“hat Potential”), Birgit: 5 (“nicht aufregend”), G├╝nther: 6 (st├Ârte sich an der Ungerechtigkeit der Priorit├Ąts-Karte), Horst: 7 (“h├╝bsch, aber nicht planbar”), Walter: 7 (“interessant”).
2. “Adel verpflichtet”
Eigentlich war “Automobile” als Hauptspeise des heutigen Abends vorgesehen. Doch der Tulpenhandel hatte – einschlie├člich einleitendem Palaver – ├╝ber anderthalb Stunden gedauert, und Birgit und Horst d├╝rfen nicht mit der vorletzten U-Bahn nach Hause fahren, sondern m├╝ssen schon um halb zw├Âlf im Bettchen liegen. So begn├╝gten wir uns mit einem bew├Ąhrten Gericht aus dem letzten Jahrtausend.
In “Adel verpflichtet” w├Ąhlen wir mittels verdeckter Karten, ob wir ins Auktionshaus oder ins Schlo├č gehen. Alle Spieler, die in das Aktionshaus gegangen sind, w├Ąhlen in einer zweiten verdeckten Entscheidung, ob sie dort einen Kunstgegenstand kaufen oder als Dieb den Kaufpreis klauen. Mehrere Diebe im Auktionshaus neutralisieren sich, keiner kriegt den Barscheck. Alle Spieler, die ins Schlo├č gegangen sind, w├Ąhlen, ob sie dort ihre bisher ersteigerten Kunstgegenst├Ąnde ausstellen, oder ob sie dort als Dieb die Ausstellungen beklauen, oder ob sie als Detektiv die evtl. vorhandenen Diebe ins Gef├Ąngnis bringen.
F├╝r erfolgreiche Ausstellungen sowie f├╝r das Dingfestmachen von Dieben gibt es Siegpunkte. Am Ende bringen die wertvollsten Sammlungen nochmals Bonuspunkte ein. Wer dann die meisten Siegpunkte hat, ist Sieger.
Birgit und Walter kooperierten erfolgreich im Auktionshaus. Einer erwarb einen Kunstgegenstand, der andere klaute den Kaufpreis. Immer abwechselnd. Bis G├╝nther dazwischenfunkte und mit seinem eigenen Dieb das Klauen neutralisierte und die Schecks in der Bank verschwanden. Birgit und Walter machten sich nun auf in das Schlo├č, um auch hier in Absprache zueinander abwechselnd Ausstellungen durchzuf├╝hren und daf├╝r Punkte zu kassieren bzw. sich zu beklauen. (Da├č sie beide davon h├Ątten profitieren k├Ânnen, wenn jeder eine Ausstellung organisiert, das ist ihnen im Eifer des Gefechts entgangen.) Doch auch hier st├Ârte G├╝nther wieder das einvernehmliche Techtelmechtel und zerbrach mit seinem Detektiv die sch├Âne Harmonie.
Inzwischen hatte sich Aaron ganz klammheimlich eine unschlagbare Kunstsammlung zusammengeklaut, sattelte zielgerichtet in eine ehrbare Galeristenlaufbahn um und wurde unangefochten Sieger.
1990 wurde dieses Spiel zum “Spiel des Jahres” gek├╝rt. Auch heute ist es in vieler Beziehung immer noch modern. Zumindest was seine Eignung als pfiffiges Familienspiel betrifft.
WPG-Wertung: Aaron: 6 (“ein Spiel der 80er Jahre” – Das gilt als Einschr├Ąnkung!), Birgit: 7 (“lustig, aber geistig nicht besonders anspruchsvoll” – Halt wie ein Spiel des Jahres), G├╝nther: 7 (“gelungenes Familienspiel”), Horst: 9 (“ein glatter Neuner”), Walter: 7 (“auf Dauer vielleicht etwas kantig”).
3. “Poison”
A la “6-nimmt” legen wir jeweils eine Karte aus der Hand an ausliegende Kartenstapel auf dem Tisch an: jede Karte (rot, blau, violett) mu├č zum passenden gleichfarbigen Stapel gelegt werden. ├ťberschreitet die Summe der Kartenwerte eines Stapels den Wert 13, so mu├č der Spieler alle Karten dieses Stapels an sich nehmen.
Am Ende z├Ąhlen alle kassierten Karten Minuspunkte, nur die Karten einer Farbe, von denen ein Spieler mehr als seine Mitspieler hat, sind kostenfrei.
Das Spiel ist ein schneller, gelungener Absacker. Wer glaubt, darf sich bei der Zugabe seiner Karten sogar tiefsch├╝rfende Gedanken machen. Wer weniger glaubt, lebt von der Hand in den Mund und hofft, da├č ihm am Ende gar nichts oder die Mehrheit einer Farbe in den Scho├č f├Ąllt.
G├╝nther hatte eine Strategie. Verraten hat er sie allerdings nicht. Immerhin wurde er Sieger.
WPG-Wertung: Aaron: 6 (“6 nimmt” ist besser), Birgit: 7 und Horst: 8 (“perfekter Absacker”) konnten mir ihren Noten den bisherigen WPG-Durchschnitt nur um einen Zehntel Punkt nach unten dr├╝cken.
4. “Bluff”
G├╝nther war in Zweifellaune. Aaron hatte das schnell durchschaut und G├╝nther bekam Gegenwind. Bei insgesamt 12 Wertungsw├╝rfeln zweifelte er 9 mal die F├╝nf an. Zu fr├╝h. Jetzt wollte er mit dem Kopf durch die Wand und hob Aarons 4 mal Vier auf F├╝nf mal Zwei. Das war sein letztes Gebot des Abends.
Im Endkampf Walter gegen Aaron lies sich mit einer 5:1-Ausr├╝stung leicht Katz und Maus spielen.
Keine neue WPG-Wertung f├╝r ein Super-Spiel.


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