von Walter am 21.01.2010 (1.299 mal gelesen, keine Kommentare)

Das Gros der Westparkgamers liebt Spiele mit wohlproportinierten, strategischen Herausforderungen, das Thema ist egal, die Komplexit├Ąt darf unbegrenzt sein, die Hauptsache ist ein funktionierendes Regelwerk. Abweichend davon ist f├╝r Moritz das Thema das wichtigste Qualit├Ątskriterium. Wenn es darum geht, die Geschichte des zweiten Weltkriegs neu zu schreiben oder sogar im dritten Weltkrieg (oder ist es schon der f├╝nfte?) die Weltherrschaft zu erringen, dann d├╝rfen die Regeln auch schon mal windschief sein.
Mit Sven, heute zum ersten Mal am Westpark dabei, hat er jetzt einen Kampfgenossen gefunden. Dessen Lieblingsspiel ist ÔÇ×Axis & AlliesÔÇť. Er hat eine eigene Spielrunde, die sich fast w├Âchentlich dieses Spiel reinzieht. Am Westpark lag es noch nie (?) auf dem Tisch, noch keine Rezension, kein Report und keiner von MoritzÔÇÖ Quickies k├╝ndigt davon. Doch es ist ein wesentlicher Bestandteil von MoritzÔÇÖ Aura. Vielleicht kann er dazu jetzt bei Sven seine ungestillten Gel├╝ste befriedigen.
1. “Porto Carthago”
Bernd Eisenstein hatte uns schon zu seinem “Peloppones” als Beta-Tester eingeladen. F├╝r uns ist es immer eine besondere Freude, Spiele nicht nur zu kritisieren (wenn man sie nicht uneingeschr├Ąnkt loben kann), sondern auch dabei zu sein, ihnen den letzten Feinschliff zu verpassen. Diesmal ist es seine Neusch├Âpfung “Porto Carthago”, die in diesem Jahr in Essen erscheinen soll, zu der er uns um unsere Meinung gefragt hat.
Das Thema ist der Seehandel um Carthago, der einmals m├Ąchtigsten Handelsstadt am Mittelmeer. Wir erwerben, transportieren und verschiffen die geforderten Waren ├╝ber die Schiffe der verschiedenen Anrainerstaaten, die in unserem Hafen liegen. Oder wir charten selber Schiffe und bringen unsere Waren irgendwohin in die Welt, wo es st├Ąndig Abnehmer gibt.
Abgeschlossene Lieferungen bringen uns Geld und Privilegien ein, die wir in politischen Einflu├č umsetzen, um uns damit bei Spielende zum Sieger zu machen. Es gibt sehr viele R├Ądchen im Regelwerk, die wir in unseren Handelsaktivit├Ąten beachten m├╝ssen, wollen wir erfolgreicher sein als unsere Konkurrenten. Alle sind dabei wohlbalanciert, viele Wege f├╝hren nach Karthago, keiner davon ist alleinseligmachend. Aber alle sind anspruchsvoll. Und ein bi├čchen wohldosierter Zufall ist auch eingebaut. Damit neben dem T├╝chtigste auch der G├Âtterliebling eine Chance hat.
Trotz intensivster Suche, trotz explizitem Auftrag fanden wir kein Haar in der Suppe. Sogar die Spielzeit ist f├╝r ein strategisches Mehrpersonenspiel absolut passend. Einleitung, Detaildiskussionen und philosophische Grundsatzbetrachtungen kosteten eine Stunde. Nach einer weiteren Stunde war das Spiel ├╝ber die Runde gebracht. Mit Spannung und offenem Ausgang bis zum Schlu├č.
WPG-Wertung (f├╝r die aktuelle Version): Aaron: 7, Sven: 9 (einschlie├člich Sieger-Euphorie), Walter: 8.
Hoffen wir, da├č die Ver├Âffentlichung in diesem Jahr wie geplant stattfinden wird.
2. “Macht$spiele”
Das Spiel ist mit Aarons Rezension f├╝r uns am Westpark eigentlich schon abgehakt. Doch Sven kannte es noch nicht, und nach Meinungen im Internet sollte es seine Qualit├Ąten zu dritt am deutlichsten offenbaren. Die ehemaligen Industiemanager und die noch aktiven Werkt├Ątigen mit Einblick in die Machtstrukturen von (mitteleurop├Ąischen) Unternehmen am├╝sieren sich ├╝ber die Ironie, mit der Firmenpolitik im Regelwerk karikiert wird. Nicht allein die Unvermeidlichkeit und Honorabilit├Ąt von Bestechung, auch andere gereimte Ungereimtheiten darf man sich auf der roten Zunge zergehen lassen. Abteilungen funktionieren nur mit Mitarbeitern, Hauptabteilungen auch ohne. Da deckt ein Chef den anderen.
Durch kosteneinsparende Ma├čnahmen der Gesch├Ąftsleitung sinkt st├Ąndig die Motivation der Mitarbeiter, doch die Bereichsleiter profitieren davon. Je tiefer die Motivation, desto wirksamer die Macht-Privilegien der Manager. Von den geschmierten Bereichsleitern erst recht.
Vor einer Woche wurden Bestechungen um jeden Preis angenommen, weil wir die negativen Begleiterscheinungen der Ehrbarkeit vermeiden wollten. Diesmal wurde fast jede Bestechung abgelehnt, weil die Chefs in anderen Kategorien ihr materielles Heil suchten.
Jeder verfolgte eine eigene Schiene. Da├č er es kann, ist einer der Vorz├╝ge des Spiele. Da├č wir dies auch taten, ist einer der Vorz├╝ge von uns! Oder die gro├če Chance einer Dreierrunde.
WPG-Wertung: Sven konnte mit seinen 8 Punkten den bisherigen Durchschnitt nicht wesentlich ver├Ąndern.
3. “Bluff”
Schnell noch als Absacker auf den Tisch gebracht. Im ersten Spiel demonstrierte Walter im Endspiel gegen Sven, wie wichtig gutes Nachw├╝rfeln ist, im zweiten Spiel zog Aaron im 5:4 Endspiel gegen Walter Zug f├╝r Zug die Daumenschrauben enger. Bis zur bitteren Neige.
Keine neue WPG-Wertung f├╝r ein Super-Spiel.


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