von Walter am 25.11.2010 (1.579 mal gelesen, 3 Kommentare)

“Spielen ist wie Sex. Manchmal kommt etwas Sinnvolles dabei raus, das ist aber nicht der Grund, warum wir es tun.” (nach R. P. Feynman)
1. “Poseidon”
In Essen am Stand von Z-Man-Games war es mir zum ersten Mal aufgefallen. Damals hĂ€tte ich nicht gedacht daß der Seefahrer-Kegel unter den Eisenbahn-Kindern am Westpark gut punkten könnte. Doch GĂŒnther hat sich als Promoter mĂ€chtig ins Zeug gelegt und „Poseidon“ regelmĂ€ĂŸig erfolgreich protegiert. Lieber Helmut, wenn Du mit diesem Produkt dereinst MillionĂ€r geworden bist, dann laß ihm was zukommen!

Um dem diesbezĂŒglich unbewanderten Horst einen nachdrĂŒcklichen Vorgeschmack von den „18xx“-Familienmitgliedern zu geben, ist „Poseidon“ sicherlich besser geeignet als das gleich noch eine ganze Dimension komplexere Original-„1830“. Dort mĂŒĂŸte er wĂ€hrend des ganzen ersten Spiels praktisch Schritt fĂŒr Schritt an der Hand gefĂŒhrt werden, um nicht von einer ruinösen Falle in die andere zu tappen; hier kann er schon nach wenigen ZĂŒgen selbstĂ€ndig laufen. Auch wenn der Pfad bis zum eigenen Sieg dann immer noch steil und steinig ist.
Wir stehen mit „Poseidon“ natĂŒrlich noch alle am Anfang unserer Erfahrung und selbst GĂŒnther, einer der besten „1830“-Spieler der Welt, hat hier noch keinen gesicherten Maßstab fĂŒr die Wertigkeit der tausendfĂ€ltigen Wahlmöglichkeiten untereinander:

  • Mit welchem Reich fange ich an?
  • Zu welchen Kurs setze ich mein Startreich ein?
  • Wieviele Ämter bringe ich auf den Markt?
  • Wieviele Ämter davon nehme ich selbst in meine Königshand?
  • Wieviele Schiffe kaufe ich? Zu Beginn und in den ersten Runden?
  • Welche Strecke wĂ€hle ich fĂŒr die Erkundigungen?
  • Wo grĂŒnde ich Handelsniederlassungen?
  • Wann lasse ich die Amtsinhaber leer ausgehen?
  • Wann forciere ich ĂŒber neue Reiche und neue SchiffskĂ€ufe das Tempo? In welchen Situationen bei welchem Besitzstand ist es besser zu bremsen?
  • Walter fing mit Sparta und entwickelte sich an der adriatischen KĂŒste entlang in Richtung Triest. Horst fĂŒhrte die Athener Flotte auf mittlerem Kurs ins sĂŒdliche Kleinasien und GĂŒnther klapperte mit Larissa die NordkĂŒste der Ägais mit Zielrichtung Troja ab. Er grĂŒndete als erster ein zweites Reich, das den Druck auf die technisch schwachbrĂŒstigen und finanziell ausgebluteten FrĂŒhstarter-Imperien erhöhte. Doch die Motive seiner ReichsgrĂŒndung gingen in eine ganz andere Richtung: Er ließ die neue Finanzmasse durch gekonnte Schiffsmauscheleien in sein altes Reich transferieren, so daß seine dortigen vielen StartĂ€mter von den ununterbrochen sprudelnden krĂ€ftigen Einnahmen stets hoch dotiert waren. In dieser Phase gerieten seine eindimensional ausgestatteten Konkurrenten mit ihren linearen Überlebensstrategien hoffnungslos ins Hintertreffen. Auch die rasante Aufholjagd in der letzten Runde, in der alle 6er, alle 7er und noch dazu einige E-Schiffe gekauft wurden, konnten seinen Vorsprung nicht mehr schmĂ€lern.
    Neue Erkenntnis: Ein neues wenig-Àmteriges Feeding-Reich zum HochpÀppeln eines existierenden viel-Àmterigen Anfangsreiches eröffnet ganz neue finanzelle Perspektiven.
    Alte Erkenntnis: „Poseidon“ ist stĂ€rker Kapitalmarkt orientiert als seine rechtglĂ€ubigen Halbgeschwister.
    WPG-Wertung: Horst siedelte sich mit 8 Punkten im oberen Bereich der WPG-Wertungen an, Walter erhöhte seine Note von 7 auf 8.
    Horst schlug vor, das Spiel mit echtem Geld zu spielen. Dann wandern BetrĂ€ge in der GrĂ¶ĂŸenordnung von etwa 2000 Euro pro Abend von einer Hand in die andere.
    GĂŒnther brachte einen neuen Vorschlag zur Vermeidung strapazierend langer Denkzeiten: Jeder Spieler bekommt fĂŒr seinen Zug ein enges Zeitlimit gesetzt. Jede ZeitĂŒberschreitung zieht unverzĂŒglich eine (Spiel-)Geldstrafe nach sich. (PS: HĂ€tten wir heute schon diesen Vorschlag umgesetzt, wĂ€re GĂŒnther nicht Erster geworden. Eher Letzter! Doch in unserer 3er Runde haben seine Analysis Paralysis-Phasen nicht weh getan. Keiner wurde auch nur annĂ€hrernd aggressiv.)
    2. “Flaschenteufel”
    Nach guten drei Stunden (netto) mit Poseidon reichte die Zeit fĂŒr den jungen Kindsvater Horst nur noch zu einem Absacker. Weil die mentalen Batterien noch nicht leer waren, konnte sich der anspruchvollere „Flaschenteufel“ durchsetzen.
    Allerdings kann das Spiel in einer Dreier-Runde seine spieltaktischen Schönheiten lĂ€ngst nicht so voll entfalten wie in einer Vierer-Runde. Sehr viel krasser wirkt sich die AbhĂ€ngigkeit von den weitergeschobenen tödlich-niedrigen Karten aus. Falls bei der ursprĂŒnglichen Kartenausgabe die gelben Eins und Zwei an zwei verschiedene Spieler ausgeteilt werden (die Wahrscheinlichkeit dafĂŒr ist mehr als 68 Prozent!), landen beide Karten nach dem Kartenschieben zu 50% bei einem einzigen Spieler. Und beide Mitspieler wissen um mindestens eine Karte davon! Damit ist der Teufelsstich praktisch schon nicht mehr zu vermeiden. Trotzdem ein großes kleines Spiel!
    WPG-Wertung: Horst ĂŒbernahm mit der Vergabe von 9 Punkten die WPG-Spitzenposition.
    Auf Nachfrage meinte Horst, dass Birgit fĂŒr „Flaschenteufel 7-8 Punkte vergeben wĂŒrde. Er scheint die Mutter seines Kindes tatsĂ€chlich sehr gut zu kennen. Vor gut drei Jahren hat Birgit dafĂŒr bereits realiter 8 Punkte vergeben.
    3. “Hasami”
    Als hinterbliebenes Duo zogen sich GĂŒnther und Walter mal wieder eines der kleinen, abstrakten 2-Personen-Spiele der WĂŒnnenberg-Spiele GmbH rein. In „Hasami“ stellt jeder Spieler auf einem Reversi-Ă€hnlichen Spielbrett von 10 mal 10 Löchern auf die zwei Randreihen seiner Seite je 20 Spielsteine auf. Dann ziehen ziehen sie abwechselnd mit je einem Spielstein horizontal oder vertikal ĂŒber beliebig viele freie Felder. Ein gegnerischer Stein darf geschlagen werden, wenn man ihn von beiden Seiten waagrecht oder senkrecht umschlossen hat. Gewonnen hat, wer als erster mit seinen Spielsteinen eine FĂŒnfereihe (horizontal, vertikal oder diagnonal) bilden konnte.
    In zwei DurchgÀngen konnten wir verifizieren, dass das Spiel rund und herausfordernd ist und nicht-triviale Lösungen besitzt.
    Keine WPG-Wertung fĂŒr ein 2-Personen-Spiel.


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    3 Reaktionen zu “24.11.2010: “Poseidon” kommt”

    1. Aaron

      Leider finde ich zum “Hasami” von WĂŒnneberg-Spiele keine Informationen. Aber ich habe generische Beschreibungen von Hasami-Shogi gefunden, das bis auf die Tatsache, dass es mit 2×9 Spielsteinen je Spieler gespielt wird, Ă€hnlich ist. Gibt es irgendwo einen Link zu dem Spiel?

    2. Walter

      Leider sind die WĂŒnneberger mit ihrer Spielreihe nicht so erfolgreich gewesen, wie sie sich das gedacht hatten. In der “Hasami”-Anleitung werden insgesamt 50 weitere Spiele dieser Art aufgefĂŒhrt, die beim Verlag erhĂ€ltlich sein sollen. Doch das ist vielleicht 20 Jahre her. Heute ist davon kein KrĂŒmelchen ĂŒbrig geblieben, keine RestbestĂ€nde, kein Markt, kein Link.
      Ich habe schon vor langer Zeit einen ganzen Sack voll dieser Spiele von einer betagten Nachbarin im Zuge ihrer SpeicherentrĂŒmpelung geschenkt bekommen. Diese Spiele werden am Westpark bei passender Gelegenheit so peut-a-peut hervorgeholt.
      Und wenn ich ein sympathisches Paar kennen lerne, wo beide begeisterte Spieler sind(so wie unsere Peter & Loreana), dann schenke ich sie in feinen Dosen gerne weiter.

    3. Walter

      Lieber Aaron,
      beim LöcherzĂ€hlen habe ich mich doch tatsĂ€chlich geirrt. (Das kommt auch im richtigen Leben vor.) Auch unser Hasami-Spielbrett hat genau 9×9 Löcher und jeder Spieler fĂ€ngt mit 18 Steinen an.
      Vor lauter Begeisterung ĂŒber die Nicht-TrivialitĂ€t der Lösung war mir das völlig entgangen.
      Ich glaube sogar, dass es bei 10×10 Löchern eine triviale Lösung gibt. So Ă€hnlich wie “Matt in 5 ZĂŒgen”.
      Gruß Walter