von Walter am 23.12.2010 (4.511 mal gelesen, 1 Kommentar)

Wer unsere Sessionreports regelmĂ€ĂŸig liest, hat gemerkt, dass Aaron schon seit einigen Wochen nicht mehr dabei war. Er hatte seinen Sohn im Lande der willigen Töchter besucht. Heute hat er seinen Heimflug angetreten. Zu spĂ€t, um noch am Westpark vorbei zu kommen. Zum GlĂŒck haben wir nicht auf ihn gewartet, denn das Wetter hat seinen Flug nach Moskau verschlagen. Hoffentlich kann er bald weiterreisen. Bevor der große Schnee wiederkommt.
Hallo Aaron, wir wĂŒnschen Dir einen gefĂ€lligen Aufenthalt.
1. “Junta”
Vor 24 Jahren ist beim Ass-Verlag die Originalversion dieses Spiele um Geld, Macht, Intrigen und Mord erschienen. Es war eines der ersten Spiele auf unserer Internetseite und jahrzehntelang wurde konstant darauf zugegriffen. Sicherlich nicht nur von Surfern, die sich unter dem Stichwort „Junta“ etwas ganz anderes vorgestellt hatten.
Jetzt hat der Pegasus-Verlag eine Neuauflage herausgebracht. Eine große, einladende Reklame strahlte von den HallenwĂ€nden der Essener Spieletage, und die Augen der Freaks begannen zu leuchten.
Doch die ZĂ€hne der alten Garde sind stumpf geworden. Schon in der Spielregel heißt es „Das MilitĂ€r hat stark an Bedeutung verloren. Die Mitglieder der Junta leben zurĂŒckgezogen von ihren Schweizer Bankkonten.“
Es gibt zwar immer noch einen PrĂ€sidenten, doch er verteilt keine Ämter mehr, sondern Besitzkarten, die Peso-BetrĂ€ge in MillionenstĂŒckelung wert sind, oder Kampfvorteile in den unvermeidlichen StraßenkĂ€mpfen.
GekĂ€mpft wird mit WĂŒrfeln. Jeder gegen jeden. Der PrĂ€sident spielt hierbei keine besondere Rolle. In der Regel geht es gegen denjenigen mit den – vermeindlich – verlockendsten Besitzkarten. Jeder stellt auf 4 WĂŒrfeln verdeckt ein, gegen wen er kĂ€mpfen will. Oder ob er sich verteidigen will. Im anschließenden Kampf wĂŒrfeln dann alle AngreiferwĂŒrfel synchron gegen die VerteidigerwĂŒrfel. Die höhere Summe gewinnt. Der Verlierer muß an alle Angreifer eine Karte abgeben. Solange der Vorrat reicht.
Die normalen Spieler können sich nur mit eigenen WĂŒrfeln verteidigen, der PrĂ€sident kann auch von jedem anderen Spieler verteidigt werden. Doch warum sollte man das tun? Die ausgeteilten Besitzkarten sind ohnehin hinfĂ€llig, wenn der PrĂ€sident gestĂŒrzt wird und die besten Karten hat der PrĂ€sident sowieso auf der Hand behalten. Die sollte man ihm besser abnehmen.
Moritz war der einzige PrĂ€sident, der eine Legislaturperiode ĂŒberlebte. Hinterher war er froh, gestĂŒrzt worden zu sein, denn von der Banana-Brille, die er als PrĂ€sident tragen mußte, wurde ihm ganz schlecht.

Die PrĂ€sidentschaft wechselte stĂ€ndig zwischen Peter und Moritz, obwohl sie sich gegenseitig regelmĂ€ĂŸig die besten Besitzkarten zuschusterten. Der Vertrauensbruch wurde zur Routine. Ganovenehre hat offensichtlich ihre eigenen Gesetze. Hier zĂ€hlen nur Haie, aber keine kleinen Fische. Lieber von einem großen Bösen geschlagen als von einem kleinen Frommen gestreichelt.
Die grĂ¶ĂŸte Crux des Spiels sind die Besitzkarten. Sie werden ja nicht nur durch harte Junta-Arbeit redlich erworben; jeder Spieler bekommt pro Runde auch eine Karte aus dem Vorrat. Wer GlĂŒck hat, bekommt eine Jacht, die gleich einen ganzen Siegpunkt wert ist. Wer Pech hat, erhĂ€lt nur eine Million Pesos und muß vier Runden lang warten und hoffen, bis er sich davon einen Siegpunkt kaufen kann. Und wer ganz großes Pech hat, der kriegt lediglich die Besitzkarte „Studenten verteilen FlugblĂ€tter“, die keinerlei Auswirkungen auf seinen Besitzstand hat. Nicht mal negative. Witzig?
WPG-Wertung: GĂŒnther:5 (nicht mein Spiel), Loredana: 6 (lustig, chaotisch, kurz), Moritz: 7 (nicht so genial und episch wie das Original, aber 
), Peter: 7 (Ich hatte Spaß), Walter: 6 (nicht planbar, man braucht eine Dödel-Stimmung)
2. “K2”
Der „K2“ ist bekanntlich der zweithöchste Berg der Erde. Im Spiel „K2“ fĂŒhrt jeder Spieler ein Team von zwei Bergsteiger(pöppel)n und muß es innerhalb von 18 Runden im Wettbewerb mit den anderen Team möglichst am höchsten steigen lassen. Möglichst lebend! Denn in den großen Höhen können die Pöppel sehr leicht an Sauerstoffmangel eingehen.
Die Bewegung ihrer Spieler steuern die Spieler durch ein Set von 18 Handkarten, die sie zyklisch durchspielen. Eine Karte erlaubt 1-3 Bewegungsschritte oder liefert 0-3 Sauerstoffportionen. Die Reihenfolge, in der die Karten gespielt werden mĂŒssen, unterliegt einem zufĂ€lligen Mischen, doch darf sich jeder Spieler aus jeweils 6 Karten 3 aussuchen, die er in einer Runde spielen will.
Peter war sofort klar, dass es sich hier um ein leichtes Familienspiel handelt und wurde bei den Denkprozessen seiner Mitspieler schnell ungeduldig: „Ein Kindespiel! Kinder, beeilt euch! Ich krieg’ die Krise!“ Kein Wunder, daß dafĂŒr die verbalen Assoziationen schnell in Ă€ltere Gefilde abdrifteten. Was assoziiert man nicht alles beim Besteigen! Und was, wenn die Spielanleitung uns empfiehlt, einen geeigneten Weg zum Gipfel zu suchen. Auch ist es nicht sehr weit von dem glattem und dem geriffelten Bergsteiger des K2 bis zu den genoppten und geriffelten AusfĂŒhrungen des R3. In diesem Zusammenhang kam auch gleich die Rede auf Assange und die bis heute ungelöste Frage, wie er so ein Ding wĂ€hrend oder nach der Besteigung auch noch zum Platzen bringen konnte!
Wie steht’s mit der Interaktion? Im „K2“? Auf großer Höhe vielleicht, denn dort sind die PlĂ€tze limitiert, und man kann seinen Mitspielern schon mal den Aufstieg blockieren. Doch bei der einschrĂ€nkten Auswahl an Handkarten ist diese Möglichkeit auch sehr begrenzt. Der Rest ist ein hĂŒbsches SolitĂ€rspiel.
WPG-Wertung: GĂŒnther:5 (vermißt Interaktion), Loredana: 5 (gut fĂŒr Kinder), Moritz: (Familienspiel), Peter: 6 (hĂŒbsch als SolitĂ€rspiel), Walter: 5 (zu symmetrisch, zu linear, enthĂ€lt keinerlei Progression)
3. “Bluff”
Die erste Runde war das Spiel der multiplen Verluste. StĂ€ndig mußten alle Spieler je einen WĂŒrfel abgeben. Bis auf einen. Im 1:1 Endspiel gab Walter gegen Peter 1 nach kurzem Nachdenken mal die Eins vor. Peter ging in die BĂŒcher? Was war der Grund fĂŒr Abweichung von der Immer-4-Strategie? Mußte da nicht ein Stern dahinter stehen? Er gab den Ball mit 1 mal Stern an Walter zurĂŒck. Der konnte seine Vorteil nicht nutzen. Keiner hatte einen Stern unter dem Becher!
Die zweite Runde war das Spiel der Untertreibungen. Reihenweise wurde Vorgaben angezweifelt, deren reales Ergebnis danach viel höher war. Sogar bei Sternen. Die gemeine Binominalverteilung hĂ€lt halt immer wieder verblĂŒffende Überraschungen bereit.
Keine neue WPG-Wertung fĂŒr ein Super-Spiel.


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Eine Reaktion zu “22.12.2010: Die Junta auf dem K2”

  1. Aaron

    Kleine Korrektur: das Wetter (oder besser: die Aeroflot) hat Sebastian in Moskau stranden lassen. Er kommt heute Mittag in MĂŒnchen an. Ich bin mit Thai geflogen und mit einer Stunde VerspĂ€tung gestern Abend hier gelandet. Die GepĂ€ckabfertigung in MUC war dann wieder mal der Hammer: nach 1 Stunde Warten kamen endlich die Koffer.