von Walter am 4.08.2011 (4.296 mal gelesen, 2 Kommentare)

Durch einen familiären Zufall war Walter das umstrittene Buch von Thilo Sarrazin in die Hände gefallen und er ließ im WPG-Kreis einen Testballon steigen: „Was haltet ihr von Sarrazin.“ Dabei ging es ihm weniger um ein inhaltliches Für oder Wider zu den verschiedenen Thesen, sondern nur um die Verifizierung eines publizistischen Faktums: Keiner hat das Buch gelesen, aber alle sind bereit, den ersten Stein zu werfen. Und noch ein paar Steine mehr. Experiment geglückt, Sarrazin dreifach tot!
1. “Sector 41”
Bevor auch nur die erste Flasche Rotwein entkorkt war, hatte Moritz das Spiel schon auf den Tisch gelegt und alle hatten das schweigend akzeptiert. Wie in Aarons Urversion von „Yunnan“ durchstreifen wir mit unseren Explorern das Weltall, um von dort Siegpunkte nach Hause auf unser Mutterschiff zu tragen.
Wie in „Memory“ werden Weltall-Plättchen mit Nebeln, Pulsaren, Ionen Strömen, Schwarzen Löchern und 17 weiteren Elementen verdeckt ausgelegt, und wir drehen step-by-step diese unbekannten Plättchen um und hoffen, dass wir dabei etwas Gutes finden.

Sector 41 im Spiel

Sector 41 Langeweile

Wie beim „Verrückten Labyrinth“ können wir die Plättchen verschieben. „Den Weltraum knicken“ nennt man das in „Sector 41“.
Wie bei „Mensch-ärgere-Dich-nicht“ werfen wir einen gegnerischen Stein (Explorer) hinaus, wenn wir mit unserem Stein auf sein Feld rücken können.
Ansonsten ist alles blinder Zufall, dummes Chaos und langweiliges Bewegen. Das einzige Vergnügen war die fröhliche Runde, die immer öfter in schallendes Gelächter ausbrach, wenn mal wieder ein zufällig aufgedecktes Plättchen der Spielerei eine neue krasse Wendung gab. Walter entdeckte unmittelbar vor seinem Mutterschiff („Motherfucker“ war das heutige Wort des Tages) eine hochkarätige Goldmine, die ihm 6 seiner insgesamt 7 Siegpunkte quasi mit der Kohlenschaufel nach Hause schaufeln lies. Fast der Sieg. Günther entdeckte nicht weit von seinem Motherfucker zwei gute und eine sehr gute Goldmine, was ihn zum Sieger machte.
WPG-Wertung: Aaron: 3 (als reines Glücksspiel hätte es 9 Punkte bekommen, doch weil er keine Glücksspiel mag, gibt es 6 Punkte Abzug), Günther: 2 (ein reines, nicht mal mehr ein mittleres „grottenschlecht“), Moritz: 3 („aber die Idee ist nicht schlecht“), Walter: 3 (siehe Aaron).
2. “Small World – Underground”
Wir praktizieren die seit 2009 bekannten Mechanismen der Völkerschlachten in einer neuen Aufmachung mit neue Rassen und neuen Spezialfähigkeiten auf einem neuen, psychedelisch angehauchten Spielbrett. Wir führen Dunkelelfen, Echsenmenschen, Flamen, Gnome, Nordlichter und Kultprediger und sind dabei ängstlich, diebisch, flüchtend, schlammig und streitsüchtig. Sarrazin sollte an den Typen und ihren Eigenschaften seine wahre Freude gehabt haben.
Moritz hatte sich gleich als erstes Volk die ängstlichen Irrlichter zugelegt, sich damit – wie ein guter Go-Spieler – auf die eigene Ecke vom Spielbrett konzentriert und buchte friedlich und erfreut 8 Siegpunkte pro Runde. Das hätte leicht zum Sieg reichen können, wenn sich die anderen Spieler auf dem großen Spielbrett in die Haare gekriegt und sich regelmäßig gegenseitig dezimiert hätten. Doch Aaron und Günther schlossen einen Nichtangriffspakt, gingen sich mit ihren zweiten Völkern aus dem Weg, und erreichten bald regelmäßige Siegpunktzuwächse im zweistelligen Bereich. Leidenschaftlich suchte Moritz nun die anderen Völker aufeinander zu hetzen; er selbst hätte nur unter erheblichen Siegpunkt-Einbußen seinen Konkurrenten ans Leder gekonnt, und zu diesem Opfer war er nicht bereit. Doch die anderen gönnten ihm nicht die Rolle des lachenden Dritten. Verzweifeltes Stöhnen „Ich krieg’ die Krise!“
Walter hatte sich mit seinen magischen Mumien als Start-Volk verspekuliert. Mit diesem Volk von Prügelknaben-konnte er keine stolzen Eroberungspunkte kassieren, lediglich einen Trostpunkt für jede Region, aus der er verdrängt wurde. Jetzt suchte er einen eigenen Weg, wenigstens ein bißchen Small-World-Spaß für sich herauszuholen: er verlegte sich auf das „Wind River-Prinzip“ (siehe Session-Report vom 17.6.2009): „Wähle einen beliebigen Mitspieler als Deinen persönlichen Feind und spiele ohne Rücksicht auf Verluste alle Deine Züge grundsätzlich gegen diesen einen Mitspieler.“ Auch wenn man schon unter dem Tisch liegt, gibt es noch ein befriedigendes Gefühl, immer den gleichen Mitspieler immer ins gleiche Bein zu beißen, bis er „Aua“ schreit. Aaron war der glückliche. Mehr mehr als weniger Zufall.
WPG-Wertung: Alle blieben bei ihren vergebenen 8 Punkten, nur Walter vergibt 2 Punkte weniger: „Schlägereien sind wie Sex: Mit der Gewohnheit verlieren sie an Reiz.“
3. “Flaschenteufel”
Moritz steht aus einem undefinierten Grund zu Unrecht im Verdacht, dass er dieses Spiel nicht mag. Dabei hat er schon vor Jahren 9 Punkte dafür vergeben. Mehr als die Kerntruppe der Westpark-Gamers und weitaus mehr als unsere Zaungäste. Heute wünsche er sich nur einen anderen Sitzplatz: Nicht mehr zwischen den bösartigen Kartenschiebern Walter und Aaron, sondern lieber zwischen Aaron und Walter.
Zum ersten Mal spielten wir es nicht als Absacker bis zu einem Punktelimit von 100 Punkten, sondern als einen Hauptgang bis 200 Punkte. Andernfalls wäre Moritz auch bereits nach zwei Runden als Sieger vom Platz gegangen. So aber gings für ihn von da an zunächst mal bergab und später nur noch zäh mit kleinen Schritten voran, so daß Günther ihn noch abfangen konnte.
Erstmals konnten zwei Spieler als Zwischenstand mit je 111 Punkten eine Schnapsnummer verbuchen. Erstmals wurde am Westpark eine Schnapsrunde geschmissen. Nur die Hälfte der Spieler musste noch in der Nacht mit dem Auto nach Hause fahren.
„Immer wieder schön – ein verblüffender Mechanismus!“
WPG-Wertung: Die heutige Belegschaft blieb bei ihrem Schnitt von 8 Punkten.


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2 Reaktionen zu “03.08.2011: Sex in the Small World”

  1. Aaron

    Habe mir eben mal auf BGG die Kommentare zu Sector 41 angeschaut und dort ist man ja eher begeistert. Deshalb habe ich mir die Regeln noch einmal genauer durchgelesen und siehe da: wir haben ein paar Fehler gemacht.

    1. Moving your Mother Ship: Move your Mother Ship (including any Explorers on top of it) up to 2 spaces to the left or right.
    You may not leave your side of the grid but wrapping directly between the left-most and right-most columns is permitted.

    Demnach bewegen sich die Mutterschiffe ausschließlich auf der eigenen Seite eines Spielers und die Enden sind miteinander verbunden. Damit gelangt man deutlich schneller von der linken auf die rechte Seite des Bretts und umgekehrt und kann damit ohne den ansonsten zu großen Zeitverlust „folden“.

    2. Explorers may never enter a tile containing a shielded enemy Explorer.

    Das heißt also die vom Mutterschiff geschützten Explorer sind nicht nur vor Angriffen geschützt sondern es darf AUSSERDEM darf kein fremder Explorer das Feld betreten. Damit sind alles Glynium Chips auf so einem Feld zumindest temporär vor fremdem Zugriff geschützt und der Einsatz weiterer eigener Explorer macht dann durchaus Sinn. Auch bekommt das „Folden“ eine viel wichtigere Bedeutung.

    3. The Awakening: Explorers may not enter cleansed tiles and columns containing such tiles may not be folded.

    Ich kann mich nicht erinnern, dass diese Regel vorgetragen wurde. Es macht die Bewegung des Guardian in der Awakening Phase damit wesentlich taktischer, da man die Bewegungsmöglichkeiten fremder Schiffe damit drastisch einschränken kann.

    Ob sich das Spielgefühl bei Beachtung dieser regeln dramatisch ändert kann ich nicht beurteilen. Die Möglichkeit 1 hätte ich aber im Spiel gestern öfter gerne genutzt.

    GruĂź Aaron

  2. Walter

    Wenn wir bei dem Spiel auch noch stärker die paar taktischen Finessen berĂĽcksichtigt hätten, die darin enthalten sind, dann wäre Moritz’ Behauptung “das Spiel ist ganz kurz” absolut daneben gewesen, und mit der angebotenen Länger-als-2-Stunden-Wette hätte er zig Euros am Westpark lassen mĂĽssen.