von Walter am 28.06.2012 (5.333 mal gelesen, keine Kommentare)

Die Goethe-Universit├Ąt in Frankfurt hat nach einem statistischen Modell berechnet, wer die diesj├Ąhrige Fu├čball-Europameisterschaft gewinnen wird. Basis f├╝r die Rechnerei ist die schlichte Erkenntnis, dass die Ergebnisse von Fu├čballspielen Zufallsereignisse mit bestimmten Wahrscheinlichkeiten sind. Jede Mannschaft schie├čt etwa 9 mal direkt aufs Tor. Die eine Mannschaft trifft aber h├Ąufiger als die andere. Die Wahrscheinlichkeit f├╝r das H├Ąufiger-Treffen wird aus den Ergebnisse von fr├╝heren Begegnungen und aus der derzeitigen FIFA-Punktzahl gebildet.
Finales Ergebnis der jungen Goethes:
Deutschland kommt mit 62,14% Wahrscheinlichkeit ins Finale und gewinnt es mit 31,92%.
Italien kommt mit 41,61% Wahrscheinlichkeit ins Finale und gewinnt es mit 19,77%.
Spanien kommt mit 57,71% Wahrscheinlichkeit ins Finale und gewinnt es mit 29,64%.
(N├Ąheres unter http://www.fussballmathe.de)

Diese Ergebnisse stammen offensichtlich aus der Zeit vor dem heutigen Portugal-Spanien-Spiel, denn jetzt ist Spanien bereits mit 100% im Finale. Und warum die Summe aus den Final-Wahrscheinlichkeiten f├╝r Deutschland und Italien keine 100% ausmacht, das ist auch nicht ganz plausibel. Mir zumindestens nicht. Ich wei├č nur, dass der alte Goethe als Naturwissenschaftler ein paar dicke Kalauer vom Stapel gelassen hat. Warum nicht auch die jungen Goethes?
Morgen wissen wir mehr, und am Sonntag wissen wir alles.

1. “Vegas”
Auf die recht harsche Kritik von letzter Woche hat uns R├╝diger Dorn eine ruhige, sachliche Antwort zukommen lassen. Er verwies auf die St├Ârer-Variante: Jeder Spieler bekommt zu seinen acht eigenen W├╝rfeln noch zwei fremde W├╝rfel eines Dummy-Mitspielers dazu, die er unabh├Ąngig von seinen eigenen W├╝rfeln legen kann. Damit kommt etwas mehr Schadenfreude ins Spiel. Es geht nicht mehr allein darum, mit Blut, Schwei├č und Tr├Ąnen an ein paar Dollars ran zu kommen, jeder hat a priori zwei W├╝rfel in der Hand, die ausschlie├člich dazu da sind, den Mitspielern beim Aneignen begehrter Pfr├╝nden in die Suppe zu spucken.
Moritz sp├╝rte sofort, dass das Spiel ÔÇ×deutlich lustigerÔÇť wurde. G├╝nther schr├Ąnkte ein: ÔÇ×Aber nicht weil das Spiel auf diese Weise lustiger ist, sondern weil wir uns dar├╝ber lustig machen!ÔÇť Aaron bilanzierte. ÔÇ×Es ist halt ein geh├Ąssiges Spiel:ÔÇť Zur Vers├Âhnung gab Moritz noch eine seiner unendlichen Weisheiten zum Besten:
ÔÇ×Das Spiel will nicht mehr als es ist!ÔÇť.
Wir h├Ątten alle gerne etwas mehr gehabt und bastelten an Varianten. Beispielsweise:

  • Es gibt Joker-W├╝rfel
  • Die letzten drei W├╝rfel d├╝rfen / brauchen nicht mehr ausgelegt werden.
  • Eine Spielrunde endet mit Sudden Death, sobald ein Spieler alle seine W├╝rfel plaziert hat.
  • W├╝rfel m├╝ssen nicht immer ausgelegt, werden, sie d├╝rfen auch einfach beiseite gelegt werden.
  • Augenzahlen sind kombinierbar.

Sicherlich haben Autor und Verlag viele Vegas-Varianten ausprobiert. Das oberste Ziel war aber offensichtlich die Einfachheit der Regeln. Schlie├člich kann heutzutage nur so ein Spiel-des-Jahres entstehen.
WPG-Wertung f├╝r Vegas mit der St├Ârer-Variante: Aaron: 6 (glatt, vorher 6-minus), G├╝nther: 4 (bleibt), Moritz: 4 (die erste Runde war noch ganz lustig, nach der zweiten Runde habe ich mich gelangweilt), Walter: 4 (vorher 3).

2. “Infiltration”
InfiltrationÔÇťIn ÔÇśInfiltrationÔÇÖ two to six players control futuristic thieves, known as operatives, infiltrating a highly secure corporate facility to steal digital files. Each operative attempts to outwit his counterparts and collect the most data. But most importantly, each operative must escape the facility before the security mercs arrive.ÔÇŁ ÔÇô So steht es in der Game-Overview. Der Google-Translator ├╝bersetzt das (leicht verbessert) zu: ÔÇ×In ÔÇÜInfiltrationÔÇÖ steuern zwei bis sechs Spieler futuristische Diebe, als Arbeiter bekannt, die eine hochsichere Corporate Facility infiltrieren, um digitale Dateien zu stehlen. Jeder Arbeiter versucht, seine Amtskollegen zu ├╝berlisten und die meisten Daten zu sammeln. Am wichtigsten ist aber, dass der Arbeiter die Anlage verl├Ą├čt, bevor die Sicherheits-S├Âldner ankommen.”
Wie infiltrieren wir die Facility? Indem wir die Aktionskarte ÔÇ×AdvanceÔÇť spielen. Mit jeder Advance-Karte kommen wir ein Feld (=Raum der Facility) vorw├Ąrts. Wie stehlen wir Dateien? Indem wir die Aktionskarte ÔÇ×DownloadÔÇť spielen. Solange der Vorrat reicht. Wenn die letzte Datei vom Feld, auf dem wir gerade stehen, entwendet wurde, gibt es nichts mehr zu holen. Dann sollten wir ins n├Ąchste Feld ziehen. Wie? Siehe oben.
Wie kommen wir aus dem Spielfeld wieder heraus? Indem wir die Aktionskarte ÔÇ×RetreatÔÇť spielen. Damit gehen wir ein Feld zur├╝ck in Richtung Ausgang. Wenn wir “Retreat” mindestens so oft gezogen haben, wie wir im bisherigen Spielverlauf advanciert sind, sind wir drau├čen. Wann kommen die Sicherheits-S├Âldner? Wenn die Summe aller Augen, die wir mit dem Zeitw├╝rfel gew├╝rfelt haben, die Hundert ├╝berschreitet. Durchschnittlich k├Ânnte man mit 100 geteilt durch 3 ┬Ż Zeitw├╝rfel-W├╝rfen rechnen. Da die Uhr aber schneller geht und immer wieder eine zus├Ątzliche Zeitspanne addiert wird, ist das Spiel schneller aus als man denkt.
Wer noch schneller fertig werden will, spielt gleich im ersten Zug die ÔÇ×RetreatÔÇť-Karte. Unverz├╝glich ist er drau├čen und kann sich das aufregende Portugal-Spanien-Spiel anschauen.
Gibt es noch was? Ja, jeder hat ein paar Item-Karten auf der Hand, die er anstatt oder zus├Ątzlich zu seiner Aktionskarte spielt. Damit kann er sich ein bi├čchen schneller bewegen. Vorw├Ąrts und r├╝ckw├Ąrts!
Nachdem jeder ein paar Runden lang advanced und downloaded hatte, entfuhr es Aaron: ÔÇ×Das kann es doch nicht sein, was wir jetzt machen.ÔÇť Moritz beruhigte: ÔÇ×Es ist halt ein No-BrainerÔÇť. Zu Deutsch: Ein Kinderspiel! H├Âchstenfalls!
G├╝nther stieg als erster aus. Dabei wollte er nicht einmal das Fu├čballspiel anschauen. Er hatte nur eine Item-Karte in der Hand, mit der er die Restspielzeit gleich um ein Drittel verk├╝rzte. Er war der einzige, der ├╝berlebte. F├╝r alle anderen reichte die Zeit nicht mehr, im Retreat-Tempo den Ausgang zu erreichen. Moritz hat es trotzdem Spa├č gemacht.
WPG-Wertung: Aaron: 5 (st├Ârte sich an der unterschiedlichen Wertigkeit des Diebesgutes. Der zufall-bestimmte Unterschied kann bis zu 300% betragen), G├╝nther: 4+ (zu viel Text, d.h. Brimborium, f├╝r die einfachen Z├╝ge), Moritz: 7 (w├╝rde ich sofort wieder spielen. Thematisch ├╝berzeugend), Walter: 3 (w├╝rde es nicht nocheinmal spielen, wenn man ein Drittel der Feld-Effekte kennengelernt hat, ist das abstrakte Thema ausgelutscht).
Walters Ausgelutscht-Aussage konterte Aaron mit dem Hinweis auf die Geisterbahnen auf Rummelpl├Ątzen. ÔÇ×Jeder wei├č, was da drin ist, und trotzdem gehen alle rein.ÔÇť Ach! In den Geisterbahnen will man doch nicht neue Geister kennen lernen. Zum K├╝ssen sind sie da!

3. “Pictomanic”
PictomaniaEin Unterhaltungs- und Familienspiel, das es heuer bis auf die Empfehlungsliste zum “Spiel des Jahres” gebracht hat. Jeder bekommt einen unterschiedlichen Begriff vorgegeben (Auto, Ball, Cafe), dann malen alle gleichzeitig ihren Begriff und versuchen, als erster die Begriffe zu raten, die ihre Mitspieler malen. Ein ├Ąhnliches Prinzip wurde schon sehr erfolgreich mit dem Spiel-des-Jahres ÔÇ×BarbarossaÔÇť verfolgt.
Punkte gibt es f├╝r das richtige Raten, f├╝r das richtige Geraten-Werden und f├╝r die Geschwindigkeit, mit der man das erledigt.
Das Spiel hat einen netten Unterhaltungswert, wie alle Spiele dieser Art. Tragisch ist es nur f├╝r den, der als einziger vom Fach ist, und dessen fachkundigen Gem├Ąlde nicht erkannt werden. Wie leicht kann f├╝r einen Nicht-Astronomen aus der Jungfrau ein Stier werden. Moritz hielt Walters Gitarre f├╝r eine Geige, G├╝nthers Steinpilz war zweifellos ein Fliegenpilz und alle hielten Aarons Hy├Ąne f├╝r einen Fuchs.
Die vorgegebenen Begriffe haben einen steigenden Schwierigkeitsgrad. Wir waren bald ├╝berfordert. Nicht nur mit Gitarren, Hy├Ąnen und Steinpilzen. Wie malt man denn einen ÔÇ×AlgorithmusÔÇť? Reum├╝tig und einsichtig kehrten wir zu den Anf├Ąngerbegriffen zur├╝ck.
WPG-Wertung: Aaron: 7 (hoher Wiederspielwert, die unterschiedlichen Schwierigkeitsgrade sind eine gute Idee, vorz├╝gliche Skalierbarkeit f├╝r 4 bis 6 Personen), G├╝nther: 7, Moritz: 7 (das Punktesystem ist das genialste am Spiel), Walter: 6 (die Idee ist nicht neu, der Zeitdruck st├Ârt die Kontemplation, das geilste sind die abwaschbaren Mal-Tableaus).

4. “Sequence”
Das Spielbrett zeigt ein Muster von Bridge-Karten. Jeder Spieler hat eine Kartenhand von 6 Karten und spielt reihum eine frei w├Ąhlbare Karte daraus aus. Die ausgespielte Karte gibt das Feld auf dem Spielbrett an, wo der Spieler einen Chip hinlegen darf. Ist es einem Spieler gelungen, f├╝nf Chips in waagrecht, senkrecht oder diagonal benachbarte Felder zu legen, so hat er gewonnen. Bei vier Spielern bilden die beiden gegen├╝bersitzenden Spieler ein Team und gewinnen (oder verlieren) gemeinsam.
Wie beim Gobang-Spiel m├╝ssen st├Ąndig zwei Ziele im Auge behalten werden: eine eigene F├╝nfer-Sequenz zu bilden und beim Gegner eine solche zu verhindern. Beim Gobang hat dabei aber jeder Spieler unendliche k├╝nstlerische Freiheit, in ÔÇ×SequenceÔÇť k├Ânnen nur die maximal 6 verschiedenen Felder gem├Ą├č der eigenen Kartenhand belegt werden. Ein kleines bi├čchen Aufpassen ├╝ber die Gebilde der Gegner schadet nicht, der Rest ist Kartengl├╝ck.
Der italienische Untertitel des Spiels lautet: ÔÇťUn emozionante gioco di strategiaÔÇť, der englische Untertitel: ÔÇ×An exciting game of StrategyÔÇť. Deutscher Untertitel: Fehlanzeige. In Mini-Schrift darunter gesetzt: ÔÇ×Mit Strategie und Gl├╝ck gewinnen.ÔÇť Wir Deutschen sind entweder sauert├Âpfisch oder humorlos. Oder schlichtweg wahrheitsliebend.
WPG-Wertung: Aaron: 7 (m├Âglicherweise als Absacker geeignet), G├╝nther: 7 (nur zum Zeitvertreib), Moritz: 5, Walter: 5 (reines Gl├╝cksspiel, plus ein bi├čchen Wahrnehmen, was das Gl├╝ck uns geboten hat).
Inzwischen hat Spanien das Elfmeterschie├čen gewonnen.

5. “Zooloretto – W├╝rfelspiel”
Zooloretto W├╝rfelspielEin Spiel-des-Jahres ist immer eine Variation wert. 2007 hat das Brettspiel ÔÇ×ZoolorettoÔÇť den begehrten Titel gewonnen, 2012 kam die jetzige W├╝rfelversion heraus.
Mit Hexaw├╝rfeln, auf denen Zooloretto-Tiere abgebildet sind, w├╝rfeln wir die Tierearten aus, die auf dem Markt zu haben sind, und laden sie auf Transporter. Jeder Spieler kann w├Ąhlen, ob er zwei weitere Tiere herausbringt oder ob lieber die Tiere auf einem der beladenen Transporter in seinen Zoo einreiht. Am Ende bestimmt der beste Zoo den Sieger.
F├╝r Aaron eine gelungene Kombination von ÔÇ×ChoiceÔÇť und ÔÇ×VegasÔÇť. F├╝r Walter war auch noch ein bi├čchen ÔÇ×KniffelÔÇť dabei.
WPG-Wertung: Aaron: 6 (nicht besonders spannend), G├╝nther: 7 (die beste Umsetzung eines Brettspiels als W├╝rfelspiel), Moritz: 6 (das Original-Zooloretto ist besser), Walter: 5 (W├╝rfelspiel mit der ├╝blichen chaotischen Abh├Ąngigkeit von den Aktionen der Mitspieler).


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