von Walter am 14.03.2013 (1.837 mal gelesen, 2 Kommentare)

Das Ergebnis der heutigen Papstwahl wurde per Internet-Nachrichten zwischen W├╝rfeln und Setzen genauso intensiv verfolgt wie das anschlie├čende Spiel des FC Bayern. Wir w├╝nschen dem neuen Papst Franziskus I ein erfolgreiches Wirken auf dem Weg der Liebe und der Br├╝derlichkeit.
Und wenn sein Vorg├Ąnger Benedikt XVI sich auf seine alten Tage einmal langweilen sollte, dann kann er ruhig am Westpark vorbeikommen. F├╝r ihn w├╝rden wir sogar einen Extra-Spieltisch aufmachen.

1. “Lords of Waterdeep”
Ein martialisches Titelbild mit Rittern und Ritterinnen von eisener Faust und Busen. Moritz kannte sogar die Geschichte, die dahintersteckt, denn ÔÇ×WaterdeepÔÇť ist eine richtige imagin├Ąre Stadt aus einem richtigen Fantasy-Roman. Auf dem Spielplan ist sie abgebildet. Allerdings ist dies das einzige Element, das vom Thema her├╝berkommt. Ansonsten ist vom Spielmaterial bis zum Spielablauf und der Punktwertung am Ende alles h├Âchst abstrakt.

Lords of Waterdeep

Lords of Waterdeep


In einem reinrassigen Workerplacement-Spiel setzen wir unsere P├Âppel auf den verschiedenen Arbeitspl├Ątzen ein und streichen die Fr├╝chte ihres dort Herumstehens ein:

  • Pappgeld
  • Holzw├╝rfel, ÔÇ×AdventurersÔÇť genannt, die, auch wenn sie Phantasie-Namen wie ÔÇ×ClercÔÇť, ÔÇ×FighterÔÇť, ÔÇ×RogueÔÇť und ÔÇ×WizardÔÇť tragen, doch nur schlichte einfarbige wei├če, schwarze, braune und lila Holzw├╝rfel sind.
  • Bonuskarten, ÔÇ×QuestsÔÇť genannt, die wir nach der Inbesitznahme noch mit Geld und Holzw├╝rfeln einl├Âsen m├╝ssen, und f├╝r die wir dann kleine Spielvorteile und gro├če Siegpunkte bekommen.
  • ÔÇťIntrigen-KartenÔÇť, die dem Besitzer meist ein bi├čchen Geld und/oder Holzw├╝rfel einbringen, und allen anderen eben diese Materialien wegnehmen.
  • Geb├Ąude, die wie neu geschaffene Arbeitspl├Ątte wirken, und nach Art von ÔÇ×CaylusÔÇť (Moritz erw├Ąhnte ├Âfters die ├ähnlichkeit dieses Elements mit dem gro├če franz├Âsischen Spiel) sowohl dem dort plazierten Arbeiter als auch dem Geb├Ąudebesitzer Geld, Holzw├╝rfel und/oder Siegpunkte einbringen.

Friedlich und konstruktiv bastelte jeder an seinen Siegpunkten. Auch ein bi├čchen gleichf├Ârmig. Die Konkurrenz an den verschiedenen Arbeitspl├Ątzen h├Ąlt sich in Grenzen. Zu viele Wege f├╝hren nach Waterdeep. Walter bekam die Larissa Neathal als Charakter zugeschustert, die ihm in der Schu├čwertung pro Geb├Ąude 6 Siegpunkte garantierte; zudem wurde er auch noch als Startspieler ausgelost, so dass ihm die Geb├Ąude praktisch in den Scho├č fielen. Mit 42 Larissa-Punkten war ihm der Sieg nicht mehr zu nehmen. Auch nicht von Brianne Byndraeth Moritz, der sich mit seinen Arcana-Quests eine h├╝bsche Reihe aufeinander aufbauender Vorteile verschaffen konnte.
WPG-Wertung: Aaron: 5 (nicht wirklich ausbalanziert, insbesondere bei den kumulativen Effekten), Horst: 7 (hat Spa├č gemacht), Moritz: 7 (nett; der Spa├č liegt in den kumulativen Effekten), Walter: 6 (rund, aber flach).

2. “Il Vecchio”
Diesmal sind wir in Florenz und der ÔÇ×VecchioÔÇť (sprich Wekkio) ist der alte Cosimo von Medici. Er hat sich aber schon l├Ąngst zur├╝ckgezogen und uns das Feld um die Siegpunkte in Florenz, Mailand, Vendig und den Kirchenstaat ├╝berlassen.
Mit unseren P├Âppeln laufen wir in den umliegenden Toskana-St├Ądtchen umher, streichen dort Geld, Gefolgsm├Ąnner und Kampfutensilien ein, und betreten hin und wieder eine der Hauptst├Ądte, um dort ├ämter, W├╝rden und Siegpunkte zu kaufen.
Neben den ├╝blichen Workerplacement-Aktionen

  • k├Ânnen wir Runde f├╝r Runde unsere Belegschaft erh├Âhen
  • m├╝ssen wir unsere Belegschaft periodisch aufwecken, weil sie nach getaner Arbeit regelm├Ą├čig einschl├Ąft
  • ist eine gewisse Transport-Optimierung angesagt, denn wir m├╝ssen f├╝r die Wegstrecken, die unsere Arbeitskr├Ąfte zur├╝cklegen, Geld bezahlen
  • k├Ânnen wir uns Zaubermittel zulegen, um das Einschlafen einzelner Subjekte zu verhinderten und das Weggeld zu ersparen

Bemerkenswert sind die beweglichen Arbeitspl├Ątze: sie liegen geographisch nicht fest an Ort und Stelle, sondern sie kreisen im Uhrzeigersinn durch die Toskana. Um jetzt z.B. an das Objekt ÔÇ×SchriftrolleÔÇť heranzukommen, das ich f├╝r einen Sitz im Florentiner Rathaus ben├Âtige, kann ich meinen P├Âppel zum entsprechenden Arbeitsplatz transportieren (kostenpflichtig), ich kann aber auch in San Gimignano warten, bis der Arbeitsplatz dort wieder vorbeigerollt kommt (kostenlos).
Als strategische ÔÇ×SchienenÔÇť gibt es die Alternativen: Zuerst die Belegschaft auf das Maximum zu bringen, um sp├Ąter mit einem einzigen Weckvorgang gleich alle eingeschlafenen Gefolgsleute auf einmal zu wecken, oder unverz├╝glich zu ├ämtern und W├╝rden zu streben, weil die ersten ├ämter die billigsten sind, am meisten Siegpunkte einbringen, und auch noch gewisse Vorteile f├╝r das laufenden Spiel gew├Ąhren.
Moritz konnte mit dem fr├╝hen Vogel den Wurm fangen (und fressen).
WPG-Wertung: Aaron: 5 (ziemlich autistisch), Horst: 5 (hatte optische Probleme, fand die symbolischen Darstellungen ÔÇ×nervt├ÂtendÔÇť), Moritz: 6 (das Spiel ist rund und ├╝berlegt, enth├Ąlt aber wenig Spannung), Walter: 6 (funktioniert fl├╝ssig, doch keine Dynamik).
Oh Gott, schon wieder ein Spiel von unserem gesch├Ątzten R├╝diger Dorn, das nur im Westpark-Mittelfeld gelandet ist. MachÔÇÖ Dir nichts draus, lieber R├╝diger. Vielleicht sind wir von dieser Spielkost einfach ├╝berf├╝ttert.

3. “Zombie W├╝rfel”
Zur Auflockerung schlug Horst jetzt einen No-Brainer vor. Auf Grund von launigen Kommentaren im Internet hatte er sich die ÔÇ×Zombie-W├╝rfelÔÇť ├╝ber Amazon zugelegt.
Wir w├╝rfeln mit Hexaw├╝rfeln, auf denen die Symbole Gehirn, Knall und Fu├čspuren abgebildet sind. Unterschiedlich oft pro W├╝rfel. 17 W├╝rfel stehen insgesamt zur Verf├╝gung, mit jeweils drei W├╝rfeln wird gew├╝rfelt. Gute W├╝rfel (Gehirne) und schlechte W├╝rfel (Knall) werden herausgelegt und die Wurfhand zum Weiterw├╝rfeln wieder auf drei erg├Ąnzt.
Hat jemand insgesamt mindestens drei Knaller herauslegen m├╝ssen, so ist sein Wurf nichts wert; verzichtet der Spieler schon vorher aufs Weiterw├╝rfeln, so werden ihm die bis dahin herausgelegten Gehirne als Pluspunkte angeschrieben.
Kommt uns das nicht irgendwie bekannt vor? Eine der vielen hundertausend Spielerfindungen, die bei Spieleverlagen allj├Ąhrlich eingereicht werden, und die meist nicht einmal ein einzigen Schritt weit durchs Gartent├╝rchen schaffen. Pegasus war da im Abweisen offensichtlich nicht so hartn├Ąckig. Vielleicht wollten sie schlichwegs auch nur etwas Hirnmasse mampfen.
WPG-Wertung: Aaron: keine Wertung, Horst: 4, Moritz: 2 (es gibt tausend bessere gleichgelagerte W├╝rfelspiele), Walter: 2 (ein Gehirn macht noch keinen Schmalz).

4. “Diggers”
Aaron hat in seiner aktuellen Eigenentwicklung eine neue Idee gefunden, wie das Alterungsprinzip eleganter zu handhaben ist. Hat prima funktioniert und allseitig Lob gefunden.
Horst als Neuling fand das Spiel ÔÇ×coolÔÇť. Moritz lobte: ÔÇ×Es gibt nichts, was man daran ├Ąndern m├╝├čte.
Keine WPG-Wertung f├╝r ein Spiel in der Entwicklungsphase.


2 Reaktionen zu “13.03.2013: Habemus Papam”

  1. Aaron

    Habe jetzt “Zombie W├╝rfel” nachtr├Ąglich noch 2 Punkte gegeben. Nach Walters Bericht habe ich mich gefragt, wieso solch ein Spiel ├╝berhaupt verlegt wird. Und siehe da: Autor und Verlagsinhaber (des amerikanischen Originals) sind identisch: Steve Jackson. Nun habe ich schon einiges von Steve “genossen”, dem man zumindest einen gewissen Witz nicht absprechen konnte. Aber dieses W├╝rfelspiel? Oh, Steve, fed too many zombies, did you?

  2. Walter

    Zum Franziskus:
    Aus gew├Âhnlich gut unterrichteten Kreisen erhielten wir jetzt den Hinweis, in der Einleitung zu unserem Session-Report die ÔÇ×IÔÇť hinter Franziskus l├Âschen. Die Bezeichnung ÔÇ×der ersteÔÇť gibt es beim ersten Inhaber des Namens nicht.
    Das mag richtig sein. Geschichtshistorisch von Bedeutung. Diese Information m├Âchte ich unseren Lesern keineswegs vorenthalten. Hier ist sie.
    Doch da es immerhin fast 800 Jahre von der Heiligsprechung des einstens fast verketzerten Armenpredigers Franz von Assisi bis zur erstmaligen ├ťbernahme seines Names durch einen Papst gedauert hat, und ich das erst durch Nachschlagen in den Papstlisten glauben konnte, m├Âchte ich dieses bedeutungsvolle Ereignis durch die ÔÇ×IÔÇť hinter dem Namen dokumentiert lassen. Schlie├člich bin ich nur ein kleiner Mathematiker, der sich mittels Axiomen sein eigene Welt schaffen kann. Honi soit qui mal y pense.