von Walter am 20.03.2014 (1.587 mal gelesen, 3 Kommentare)

Seit dem Friedensdiktat von Versailles jammern wir Deutsche dem uns vorenthaltenen Selbstbestimmungsrecht der Völker hinterher. Wie konnten wir nur den honigtriefenden 14-Punkten von Wilsons Friedens-Programm auf den Leim gehen! Insbesondere dem Punkt 5 der bei allen territorialen AnsprĂŒchen der Herrschaften die Interessen der betreffenden Bevölkerungen („the interests of the populations concerned“) gleichberechtigt berĂŒcksichtigt haben möchte.

Jetzt ist Vladimir Putin hingegangen und hat in der seit Urdenken (zumindest soweit meine Ahnentafel zurĂŒckreicht) russischen Krim abstimmen lassen, ob sie sich von einer feindlich gesinnten Zentral-Regierung oder lieber von den BrĂŒdern und Schwestern in Moskau regieren lassen möchte. Und der gesamte Westen, alle unsere Massen-Medien ziehen darĂŒber her, als ob Putin der Mephisto und Vitali Klitschko das Gretchen wĂ€re.

Ja wenn das ganze nur ein großes Derblecken wĂ€re! Da könnte man vielleicht noch darĂŒber lachen und auf einen Deus ex Angela hoffen. Doch die Schreiberlinge und Kommentatoren meinen ihre Hetze ernst. Systematisch werden wir mental auf den nĂ€chsten Krieg eingestimmt. Verdammte Politik!

Freundschaftliche Stimmung beim RĂ€tsel-Romme

Freundschaftliche Stimmung beim RĂ€tsel-Romme

1. “Mystery Rummy”
Nach dem Regelheft wird uns hiermit „ein absolut neues Spiel-Konzept“ geboten, das „die Machenschaften eines klassischen Detektivspiels“ mit den „traditionellen Strategie-Elementen eines Romme“ verbindet.

Wie von dorther gewohnt werden die Karten werden gemischt und jeder Spieler erhĂ€lt neun Karten auf die Hand. Wie beim stinknormalen Romme ziehen wir – sofern wir nichts Besseres zu tun haben – jeweils eine Karte vom verdeckten Nachziehstapel auf die Hand und legen eine Karte aus der Hand auf den offenen Ablagelagestapel ab.

Wie beim stinknormalen Romme können wir zusĂ€tzlich drei oder mehr passende Karten vor uns ablegen. Der Einfachheit gelten beim „Mystery Rummy“ alle Zahlenkarten einer Kartenfarbe als passend, z.B. bilden also auch die Karten Zwei, Sieben und Zehn ein ablegbares Trio.

Wer Zahlenkarten einer Kartenfarbe auf den Hand hat, von der ein Mitspieler bereits ein Trio vor sich liegen hat, darf diese Karten in beliebiger StĂŒckelung ebenfalls ablegen. Im Gegensatz zum Original-Romme aber nicht an das Trio des Mitspielers, sondern als Einzelkarten vor sich selbst.

Asse, Könige und Damen etc. heißen „Verdacht“, „Opfer“, „Tatort“, „Indiz“ und „Alibi“. Sie erschweren mit diesen Kriminal-Namen aber nur einem biederen Bridgespieler das VerstĂ€ndnis ĂŒber die trivialen AblĂ€ufe und FunktionalitĂ€ten. Bilden wir die Karten und ihre Effekte doch besser auf die ganz normalen Romme-Karten ab!

Alle Damen , Buben und Könige können einzeln abgelegt werden. Wer einen Buben ablegt, kann sich die zugehörige Dame, falls sie schon irgendwo auf dem Tisch liegt, angeln und daneben legen. Oder umgekehrt, die Dame angelt den Buben.

Wer ein As ablegt, darf sich aus dem Ablagestapel eine beliebige Karte aussuchen und auf die Hand nehmen.

Sobald ein Spieler alle Karten seiner Hand ablegen konnte, ist wie beim stinknormalen Romme ein Spiel zu Ende. Alle abgelegten Karten geben Siegpunkte, alle noch in der Hand verbliebenen Karten liefern Minuspunkte. Die Kartenfarbe, die am hĂ€ufigsten auf dem Tisch liegt, zĂ€hlt doppelt; außer wenn von dieser Kartenfarbe auch der König auf dem Tisch abgelegt wurde.

WPG-Wertung: Es wurde vergessen, die Wertungen abzufragen. Peter hat eine 6 nachgereicht, Moritz grĂŒbelt noch, von Walter gibt es eine 5 (fĂŒr eine funktionierende Romme-Variante).

2. “A Brief History of the World”
FĂŒnf Jahre alt ist dieses schnelle Spiel um den ganz normalen Wahnsinn der Geschichte unserer Menschheit. Über drei Jahrtausende hinweg entstehen Völker in allen Enden und Ecken der Erde, breiten sich aus, schlagen ihre Nachbarn tot, bauen Festungen (um von der nĂ€chsten Generation nicht allzu leicht selbst erschlagen zu werden) und errichten Monumente (um ĂŒber deren Glanz und Gloria wir ein paar Siegpunkte mehr abstauben zu können).

Strategische Herausforderung ist sechsmal die richtige Auswahl 1 aus n (n = Spielerzahl) zu treffen, d.h. aus dem jeweiligen Angebot das schlagkrĂ€ftigste Volk zu wĂ€hlen, mit der man möglichst viele Nachbarn totschlagen und möglichst viele Regionen unter die eigene Fuchtel bringen kann. Strategisch ist ebenfalls, die richtigen Nachbarn totzuschlagen. Denn dazu muss man wĂŒrfeln. Und wenn man in die falsche Richtung wĂŒrfelt, klappt das mit dem Totschlagen nicht so ratz-fatz, wie man sich das vorgestellt hat.

Intellektuell ist das Wissen um die friedlicheren Teile der Welt. Wer z.B. rechtzeitig in SĂŒdamerika ein singulĂ€res Inkareich grĂŒnden konnte, das die Spanier auch noch blind links liegen lassen, kann damit eine ganze Weile ganz unbehelligt sein SiegpunktsĂŒppchen kochen. Mit etwas GlĂŒck bis in die neueste Neuzeit hinein. Wer weiß, dass Australien nicht im Schwerpunkt der asiatischen Völkerwanderungen liegt, kann auch dort ein paar Langzeit-Homos ansiedeln, die sich zwar nicht vermehren, aber doch regelmĂ€ĂŸig Siegpunkte zeugen können.

„Das Spiel ist super! Man wird seine Alltags- und Zukunftssorgen los!“ Diesen Aspekt nehmen wir Westparker leider viel zu selten bis gar nicht in Augenschein. Zweifellos verdient diese unsere Ignoranz ein „Schuldig“ in Namen der großen, weltweiten Spielergemeinde.

WPG-Wertung: Peter gesellte sich mit 8 Punkten („ich mag das“) ganz nahe an Moritz ungebrochene 10 Top-Punkte. Walter erhöhte seine Note aus dem unteren Bereich nochmals um einen Punkt auf jetzt 5 (erstens fĂŒr die 3er Runde und zweitens eine Honorierung der Fleißarbeit der Autoren ĂŒber die sachlich richtige LokalitĂ€t und Reihenfolge vom Entstehen und Vergehen menschlicher Zivilisationen sowie deren Umsetzung in ein erduldbares Totschlage-Spiel).

3. “Bluff”
Walter war als erster ausgeschieden und konnte das 1:1-Endspiel Moritz gegen Peter beobachten. Peter begann mit 1 mal die Eins, und Moritz hob vorsichtig auf 1 mal die Zwei. Jetzt sprang Peter absolut ĂŒberraschend auf 2 mal die Vier! Was war das? Hatte er einen Stern unter seinem Becher und versuchte die Flucht nach vorne?

Und Moritz zweifelte nicht an, sondern hob auf 2 mal die FĂŒnf! Hatte er etwa auch einen Stern gewĂŒrfelt? WĂ€re dann nicht 2 mal „Stern“ eine bessere Steigerung gewesen?

Walter kam das alles höchst mysteriös vor. UnerklĂ€rlich! Dabei gibt es dafĂŒr eine ganz einfache Lösung! Es wird mal wieder eine Flasche Wein fĂŒr die erste richtige Lösung dieser rĂ€tselhaften Setz-Sequenz ausgesetzt! Achtung: Die Lösung liegt weniger auf der logischen, als vielmehr auf einer obskuren Ebene!

Im zweiten Durchgang standen wieder Moritz und Peter im 1:1-Endspiel. Moritz ĂŒberlegte sehr lange, ehe er 1 mal die FĂŒnf vorgab. Er hatte tatsĂ€chlich eine FĂŒnf unter dem Becher und wurde Sieger. Peter wunderte sich: „Warum hast Du so lange ĂŒberlegt?“ Mit einer gewĂŒrfelten FĂŒnf sollte man doch immer mit 1 mal die FĂŒnf anfangen!

Doch nach GĂŒnthers ausfĂŒhrlichen spieltheoretischen Rechnereien ist das falsch. Hallo GĂŒnther, kannst Du mit ganz simplen Worten einem Laienspieler klarmachen, warum man bei „Bluff“ mit einer FĂŒnf unter dem Becher im 1:1-Endspiel als bester Stratege NICHT IMMER mit 1 mal die FĂŒnf anfĂ€ngt?
Keine neue WPG-Wertung fĂŒr ein Super-Spiel.


3 Reaktionen zu “19.03.2014: Hysterie of the World”

  1. GĂŒnther

    Bluff: Hab ich das behauptet? … Bei einer gewĂŒrfelten 5 wĂŒrde ich auf jeden Fall 5 ansagen ….

  2. Walter

    DUUUU sagst doch sowieso immer 5 an! Das war nicht die Frage! Die Frage war, ob man auch nach der von Dir ausgerechneten optimalen Strategie mit einer 5 immer 5 ansagt …

  3. GĂŒnther

    100% tig kann ich es dir nicht sagen, aber zu 99,4% ja: bei einer 5 sage auch diese 5 an!
    (Ich habe dich schon verstanden .. :-)