von Aaron am 11.09.2014 (1.229 mal gelesen, 1 Kommentar)

Braucht der moderne Mensch eine Gallenblase? Diese Frage bewegt zurzeit die Westpark Gamer nachdem unserem Standard-Host die selbige am Wochenende entfernt wurde. Laut Wikipedia ┬áendete die Notwendigkeit der Gallenblase, als unsere Vorfahren aufh├Ârten tagelang ausschlie├člich fettes Mamutfleisch zu essen. Heute wird deshalb gerne eine prall mit Gallensteinen gef├╝llte Blase entfernt; erst recht bei einer sehr schmerzhaften Gallenkolik. Wir w├╝nschen dir eine gute Besserung, Walter!

1. Valeo

Aaron ist nicht wirklich zufrieden mit seinem kleinen W├╝rfelspiel. Die Einstiegsh├╝rde ÔÇ×r├Âmische ZahlenÔÇť erweist sich sowohl bei Viel- als auch bei Gelegenheitsspielern immer wieder als zu hoch. Nachdem schon vor einiger Zeit der Grundmechanismus auf ein anderes Thema portiert worden war, stellt Aaron heute seine Weiterentwicklung vor: wir bauen eine Shopping Mall. Wieder geht es um Mehrheiten und topologische Zw├Ąnge. Im direkten Vergleich mit Valeo schnitt die Neukreation allerdings noch nicht gut ab.

WPG-Wertung: keine Wertung f├╝r ein Spiel in der Entstehung

2. Green Deal

Green DealNetterweise bot Karma Games an, uns ein Rezensionsexemplar ihres ersten Crowdfunding Projekts zur Verf├╝gung zu stellen. Da wir normalerweise keine Rezi-Exemplare anfordern, um wirklich unabh├Ąngig berichten zu k├Ânnen, gab es erst einmal eine Diskussion, ob wir ÔÇ×Green DealÔÇť annehmen sollten oder nicht. Eine kleine Web-Recherche ergab, dass uns das Spiel wahrscheinlich gefallen wird, sowohl was das Thema angeht als auch die verwendeten Mechanismen. Also haben wir das Spiel angefordert.

Der erste Eindruck nach nur einem Spiel zeigt, dass wir mit unserer Einsch├Ątzung nicht falsch lagen. Das Spielmaterial ist professionell gestaltet und w├Ąre da nicht diese ungl├╝ckliche Farbgebung bei der rot und orange kaum auseinander zu halten sind bzw. blau, violett und petrol f├╝r die gleiche Farbe gew├Ąhlt wurden.

Anders sieht es bei der Spielregel aus. Hier fehlte uns die redaktionelle Hand, die daf├╝r sorgt, dass alles stimmig und didaktisch geschickt erkl├Ąrt wird. Beim ersten Lesen stolpert man hin und wieder ├╝ber Punkte, die sich erst nach mehrmaligem Studium wirklich erschlie├čen. Aber das sind eher Kleinigkeiten.

Einen ganz groben Schnitzer hat sich der Verlag dann aber doch geleistet: Bei der Beschreibung des Aufbaus wird nicht erw├Ąhnt, ob die Nachhaltigkeitskarten gemischt oder aufsteigend sortiert je Sorte ausgelegt werden. Die erkl├Ąrende Abbildung zeigt deutlich eine sortierte Auslage, so dass wir uns f├╝r diese Alternative entschieden, zumal es logisch erscheint, wenn zu Spielbeginn erst einmal die niederwertigen, preiswerten Karten verf├╝gbar sind. Dabei haben wir allerdings ├╝bersehen, dass damit die h├Âherwertigsten Karten nie ins Spiel kommen werden. Dies wurde uns leider erst im letzten Drittel des Spiels klar.

Eine noch in der Nacht gestartete Anfrage beim Autor und Verleger wurde prompt beantwortet: Leider ging nicht die finale Version der Spielregel in Druck, in der klar beschrieben ist, dass die Nachhaltigkeitskarten nat├╝rlich nach Sorten getrennt gemischt werden m├╝ssen. Dumm gelaufen und sicherlich sehr ├Ąrgerlich f├╝r den Verlag.

Bei der von uns benutzen falschen Spielweise funktionieren einige Spielelemente nicht so wie sie gedacht sind. Ohne jetzt auf Details eingehen zu wollen, gab es kaum Bedarf Darlehn aufzunehmen und die Expansion  brachte durch die geringen Unterschiede bei den Projekten auch nicht Spannung, die wir erwartet hatten.

Trotzdem hat das Spiel Spa├č gemacht. Es ist rund, sympathisch und bietet viele taktische und strategische Optionen. Die Mechanismen sind gut ineinander verzahnt, wirken schl├╝ssig und themengerecht und sind nicht so ├╝berladen, wie nach dem ersten Regelstudium bef├╝rchtet.

Einen gro├čen Kritikpunkt gab es dann aber doch: Das Blindbieten auf die enorm wichtige Spielereihenfolge. Blindbieten kam bei den Westpark Gamers noch nie gut an, weil der ├ärger zu gro├č ist, wenn man mal wieder viel zu viel oder nur 1 Geld zu wenig geboten hat, um die gew├╝nschte Position zu erlangen. Da das Verm├Âgen der Spieler offen liegt, kann zwar jeder absch├Ątzen, wie hoch die Maximalgebote der Mitspieler sein werden, trotzdem wurde immer wieder Geld zum Fenster hinaus geworfen, weil man sich versch├Ątzt hatte. Unsicherheitselemente bei einem Wirtschaftsspiel sind nicht schlecht, aber Blindbieten ist weder sch├Ân noch passt es thematisch.

Nachdem wir nicht nach den richtigen Regeln gespielt haben, verbietet sich eine Wertung. Allerdings k├Ânnen wir jetzt schon sagen, dass ÔÇ×Green DealÔÇť mit Sicherheit kein Flop ist und sich mindestens im Mittelfeld unserer diesj├Ąhrigen Bewertungen wenn nicht sogar besser behaupten k├Ânnen wird.

WPG-Wertung: noch keine, da nicht mit den korrekten Regeln gespielt. Horst: macht Spa├č, sympathisch. G├╝nther: Blindbieten st├Ârt, Aaron: rund, sch├Âne Mechanismen, Aktionskarten zum Teil (gewollt?) unausgewogen.

3. Uptown

Vor f├╝nf Jahren zu unserem Spiel des Monats gew├Ąhlt und immerhin schon 7 Jahre alt, spielen wir dieses kleine aber feine Legespiel immer wieder gerne. Da Horst es noch nicht kannte, kam es als Absacker auf den Tisch und verbl├╝ffender Weise wurde er gleich Sieger. Eine sofortige Revange fand allseitige Zustimmung, diesmal mit den erweiterten Regeln. Und siehe da, auch hier gewann Horst souver├Ąn.

WPG-Wertung: Mit seinen 8 Punkten bleibt Horst im Trend der anderen WPGler (Leichtigkeit und Schnelligkeit zeichnen das Spiel aus).


Eine Reaktion zu “10.09.2014: Steinreich und Fehldruck”

  1. Walter

    Hallo Aaron, sch├Âner Bericht. Danke f├╝r die Genesungsw├╝nsche. Leider geht alles langsamer vonstatten als gehofft.
    Keine Bange um das vollst├Ąndige Entfernen der Galenblase. Ich werde auch in Zukunft weiterhin aus vollem Herzen Gift und Galle spucken k├Ânnen.