von Aaron am 11.09.2014 (1.208 mal gelesen, 1 Kommentar)

Braucht der moderne Mensch eine Gallenblase? Diese Frage bewegt zurzeit die Westpark Gamer nachdem unserem Standard-Host die selbige am Wochenende entfernt wurde. Laut Wikipedia ¬†endete die Notwendigkeit der Gallenblase, als unsere Vorfahren aufh√∂rten tagelang ausschlie√ülich fettes Mamutfleisch zu essen. Heute wird deshalb gerne eine prall mit Gallensteinen gef√ľllte Blase entfernt; erst recht bei einer sehr schmerzhaften Gallenkolik. Wir w√ľnschen dir eine gute Besserung, Walter!

1. Valeo

Aaron ist nicht wirklich zufrieden mit seinem kleinen W√ľrfelspiel. Die Einstiegsh√ľrde ‚Äěr√∂mische Zahlen‚Äú erweist sich sowohl bei Viel- als auch bei Gelegenheitsspielern immer wieder als zu hoch. Nachdem schon vor einiger Zeit der Grundmechanismus auf ein anderes Thema portiert worden war, stellt Aaron heute seine Weiterentwicklung vor: wir bauen eine Shopping Mall. Wieder geht es um Mehrheiten und topologische Zw√§nge. Im direkten Vergleich mit Valeo schnitt die Neukreation allerdings noch nicht gut ab.

WPG-Wertung: keine Wertung f√ľr ein Spiel in der Entstehung

2. Green Deal

Green DealNetterweise bot Karma Games an, uns ein Rezensionsexemplar ihres ersten Crowdfunding Projekts zur Verf√ľgung zu stellen. Da wir normalerweise keine Rezi-Exemplare anfordern, um wirklich unabh√§ngig berichten zu k√∂nnen, gab es erst einmal eine Diskussion, ob wir ‚ÄěGreen Deal‚Äú annehmen sollten oder nicht. Eine kleine Web-Recherche ergab, dass uns das Spiel wahrscheinlich gefallen wird, sowohl was das Thema angeht als auch die verwendeten Mechanismen. Also haben wir das Spiel angefordert.

Der erste Eindruck nach nur einem Spiel zeigt, dass wir mit unserer Einsch√§tzung nicht falsch lagen. Das Spielmaterial ist professionell gestaltet und w√§re da nicht diese ungl√ľckliche Farbgebung bei der rot und orange kaum auseinander zu halten sind bzw. blau, violett und petrol f√ľr die gleiche Farbe gew√§hlt wurden.

Anders sieht es bei der Spielregel aus. Hier fehlte uns die redaktionelle Hand, die daf√ľr sorgt, dass alles stimmig und didaktisch geschickt erkl√§rt wird. Beim ersten Lesen stolpert man hin und wieder √ľber Punkte, die sich erst nach mehrmaligem Studium wirklich erschlie√üen. Aber das sind eher Kleinigkeiten.

Einen ganz groben Schnitzer hat sich der Verlag dann aber doch geleistet: Bei der Beschreibung des Aufbaus wird nicht erw√§hnt, ob die Nachhaltigkeitskarten gemischt oder aufsteigend sortiert je Sorte ausgelegt werden. Die erkl√§rende Abbildung zeigt deutlich eine sortierte Auslage, so dass wir uns f√ľr diese Alternative entschieden, zumal es logisch erscheint, wenn zu Spielbeginn erst einmal die niederwertigen, preiswerten Karten verf√ľgbar sind. Dabei haben wir allerdings √ľbersehen, dass damit die h√∂herwertigsten Karten nie ins Spiel kommen werden. Dies wurde uns leider erst im letzten Drittel des Spiels klar.

Eine noch in der Nacht gestartete Anfrage beim Autor und Verleger wurde prompt beantwortet: Leider ging nicht die finale Version der Spielregel in Druck, in der klar beschrieben ist, dass die Nachhaltigkeitskarten nat√ľrlich nach Sorten getrennt gemischt werden m√ľssen. Dumm gelaufen und sicherlich sehr √§rgerlich f√ľr den Verlag.

Bei der von uns benutzen falschen Spielweise funktionieren einige Spielelemente nicht so wie sie gedacht sind. Ohne jetzt auf Details eingehen zu wollen, gab es kaum Bedarf Darlehn aufzunehmen und die Expansion  brachte durch die geringen Unterschiede bei den Projekten auch nicht Spannung, die wir erwartet hatten.

Trotzdem hat das Spiel Spa√ü gemacht. Es ist rund, sympathisch und bietet viele taktische und strategische Optionen. Die Mechanismen sind gut ineinander verzahnt, wirken schl√ľssig und themengerecht und sind nicht so √ľberladen, wie nach dem ersten Regelstudium bef√ľrchtet.

Einen gro√üen Kritikpunkt gab es dann aber doch: Das Blindbieten auf die enorm wichtige Spielereihenfolge. Blindbieten kam bei den Westpark Gamers noch nie gut an, weil der √Ąrger zu gro√ü ist, wenn man mal wieder viel zu viel oder nur 1 Geld zu wenig geboten hat, um die gew√ľnschte Position zu erlangen. Da das Verm√∂gen der Spieler offen liegt, kann zwar jeder absch√§tzen, wie hoch die Maximalgebote der Mitspieler sein werden, trotzdem wurde immer wieder Geld zum Fenster hinaus geworfen, weil man sich versch√§tzt hatte. Unsicherheitselemente bei einem Wirtschaftsspiel sind nicht schlecht, aber Blindbieten ist weder sch√∂n noch passt es thematisch.

Nachdem wir nicht nach den richtigen Regeln gespielt haben, verbietet sich eine Wertung. Allerdings k√∂nnen wir jetzt schon sagen, dass ‚ÄěGreen Deal‚Äú mit Sicherheit kein Flop ist und sich mindestens im Mittelfeld unserer diesj√§hrigen Bewertungen wenn nicht sogar besser behaupten k√∂nnen wird.

WPG-Wertung: noch keine, da nicht mit den korrekten Regeln gespielt. Horst: macht Spa√ü, sympathisch. G√ľnther: Blindbieten st√∂rt, Aaron: rund, sch√∂ne Mechanismen, Aktionskarten zum Teil (gewollt?) unausgewogen.

3. Uptown

Vor f√ľnf Jahren zu unserem Spiel des Monats gew√§hlt und immerhin schon 7 Jahre alt, spielen wir dieses kleine aber feine Legespiel immer wieder gerne. Da Horst es noch nicht kannte, kam es als Absacker auf den Tisch und verbl√ľffender Weise wurde er gleich Sieger. Eine sofortige Revange fand allseitige Zustimmung, diesmal mit den erweiterten Regeln. Und siehe da, auch hier gewann Horst souver√§n.

WPG-Wertung: Mit seinen 8 Punkten bleibt Horst im Trend der anderen WPGler (Leichtigkeit und Schnelligkeit zeichnen das Spiel aus).


Eine Reaktion zu “10.09.2014: Steinreich und Fehldruck”

  1. Walter

    Hallo Aaron, sch√∂ner Bericht. Danke f√ľr die Genesungsw√ľnsche. Leider geht alles langsamer vonstatten als gehofft.
    Keine Bange um das vollständige Entfernen der Galenblase. Ich werde auch in Zukunft weiterhin aus vollem Herzen Gift und Galle spucken können.