von Walter am 12.02.2015 (1.215 mal gelesen, 3 Kommentare)

1. “North American Railroad”

Peer Sylvesters Eigenkonstruktion (siehe Bericht von letzter Woche) lag noch einmal auf dem Tisch, diesmal mit dem entscheidenden Regelverständnis, dass jeder Spieler Aktien oder Städte-Verbindungen nicht nur aus der untersten Reihe einer 7 mal 4 Matrix wählen darf, sondern aus den untersten Karten jeder Spalte. (Hätten da erfahrene Spieler nicht von selber draufkommen können …? Bei einem so renommierten Spiele-Autor wie Peer konnte unser voriges Falschverständnis doch wohl nicht wahr sein!)

So gibt es für alle Spieler sehr viel mehr Auswahlmöglichkeiten, und die Reihenfolge, in der die Aktien- und Städte aus den jeweiligen Matrizen abgebaut werden, ist längst nicht so durchsichtig.

Als alter Empire-Builder legte sich Walter sofort für 1000 Dollar eine stolze Linie zu. Ein Signal für die Mitspieler, hier einzusteigen und entweder dem Präsidenten weitere m,äßig-teure Aktien reinzudrücken oder selber mit anerkennenswerten Preisen an einer guten Linie beteiligt zu sein. Noch dazu unter Übernahme der Präsidenten-Gewalt. Leider war das keine gute Taktik.

Sehr viel besser kam Horst weg, der sich fĂĽr billiges Geld zwei kleine Linien zulegte, die wegen ihrer finanziellen Impotenz von allen Mitspielern mehr oder weniger bemitleidet wurden. Keiner wollte sich hier beteiligen, und wenn unbedingt eine seiner Aktien neu in Umlauf gebracht werden musste, da boten die Mitspieler niedigste Preise, um ja nicht selber daran beteiligt zu werden. So bekam Horst am Ende von beiden Linien je fĂĽnf der sechs Aktion fĂĽr billiges Geld in die Hand. Und als am Ende auch noch der Aktienbesitz – unabhängig vom Streckennetz der Linien – in barer MĂĽnze ausgeschĂĽttet wurde, war er der Sieger. (Unter Vernachlässigung der 100 Dollar, mit denen GĂĽnther am Ende noch die Nase vorn hatte.)

Ja, was hat Günther richtig gemacht? Zunächst reizte er den Präsidenten Aaron mit angetäuschten Beteiligungen und besserte so seine Kasse auf, bevor er selber ins Geschäft einstieg. Im Mittelspiel war er bei allen nennenwerten Gesellschaften der Mehrheitsaktionär. Der sichere Sieger, wenn nicht, wie gesagt, der lange bemitleidete Horst ihn auf der Zielgeraden noch um Haaresbreite (fast) verdrängt hätte.

Das Spiel ist ein reines Finanzmanagement und thematisch ziemlich trocken, wenn man überhaupt von Thema sprechen kann (Aaron); doch es hat – besonders für Kaufleute! Oder welches ist die Zielgruppe, lieber Peer? – durchaus einen gewissen Unterhaltungsfaktor (Horst). Wesentliches Element ist die Preisknobelei (Günther), ob gut oder schlecht, das sei hier mal dahingestellt. Die hier schlummernden mathematisch-statistischen Geheimnisse (Walter) dürften für eine Weile noch eine lohnenswerte Herausforderung sein.

Eine etwas größere Variabilität (vielleicht sogar etwas mehr Gerechtigkeit!) in den Kosten/Nutzen-Relationen der Städteverbindungen wäre zu überlegen.

Keine WPG-Wertung fĂĽr ein Spiel in der Entwicklungsphase.

2. “Nobiles”

Argentum ist bei Aarons „Nobiles“ eingestiegen und hat auch schon ein Reihe von Regeländerungen vorgeschlagen. Wir habe sie getestet. Die Dynamik der Effekte ist deutlich gestiegen. Dem Startspieler bieten sich jetzt eine Reihe von super-guten Zügen (mit zwei- bis dreifachem Ertrag gegenüber den Normal-Zügen), mit denen das Darben in den Materialen wie Geld oder Resourcen wurde deutlich abgemildet wurde.

Bleibt noch auszubalancieren, wie der Knalleffekt, mittels dessen der „Häuptling“ in der letzten Runde mit einem Schlag noch mehr als Hälfte seiner Siegpunkte machen kann, in eine solche Größenordnung dimensioniert wird, dass die anderen, braven, geduldigen Strategien mit den Rahmeneffekten des Spiel nicht allzu sehr in den Hintergrund gedrängt werden.

Keine WPG-Wertung fĂĽr ein Spiel in der Entwicklungsphase.


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3 Reaktionen zu “11.02.2015: Wieder Höflinge in der Eisenbahn”

  1. peer

    Danke nochmal fĂĽr Testen :-)
    Ich weiĂź nicht ob ich ein renommierter Autor bin, aber offensichtlich kein renommierter Regel-Schreiber ;-)
    Ich hatte mir am Wochenende überleg mehr Fluktuation bei den Endwertungssymbolen einzubauen, dass ist vermutlich etwas ähnliches, wie ihr angemerkt habt, oder?
    Ja, was ist die Zielgruppe? Meine Ăśberlegung war ein Aktienspiel zu machen, das rein ĂĽber Karten funktioniert und unter einer Stunde gespielt sein soll. Zielgruppe sollte dann so dieselbe sein wie Windsome-Games-Spieler oder Railroad Baron etc.

    Wisst ihr noch, welche Endebedingung gegriffen habt? Waren noch Aktien zu kaufen oder war die Auslage alle? FĂĽhlte sich das Spielende in Ordnung an oder kam es zu frĂĽh/zu spät? Da habe ich in letzter Zeit am meisten geschraubt…
    Und noch eine Frage: War die Geldverteilung auf die Aktien (inkl. eventuellen Bonus) klar und/oder zu fummelig?
    Vielen Dank nochmal!

  2. Walter

    Bei den “Kosten/Nutzen-Relationen der Städteverbindungen” war gemeint, hier innerhalb der Kosten und den aus einer Städteverbindung resultierenden Einnahmen eine größere Variabilität geboten sein sollte. Die guten Ausnahmekarten waren schnell genug weg, und dann lagen ĂĽberall nur noch Städte fĂĽr 400 Kosten und 100 Einnahmen herum. Das förderte keine Ambitionen.

    Bei uns waren die Aktien relativ schnell alle weg. Dann wurden noch zwei-drei Runden ohne Aktienkauf abgewickelt. Das Ende kam, als in einer Runde – mangels Masse – alle passten und keine einzige Stadt angeschlossen wurde. Wer hier noch eine Runde länger hätte spielen wollen, der hätte das Geld fĂĽr einen Städte-Anschluss eine Runde lang zurĂĽckhalten sollen. U.U. hätte die Gesellschaft dabei auch noch etwas von den Einnahmen kassieren können, so dass sie sich eine weitere Stadt hätte leisten können, und das Spiel noch eine Runde länger gedauert hätte.

    Geldverteilung auf den Aktien: Geht in Ordnung. Die Verteilung machte uns als alte “1830”er keine Probleme, das Addieren der einzelnen Einnahmen war minimal mĂĽhsam (Additionen im Zahlenraum zwischen 1 und 5!); vielleicht wäre es gut, wenn da fĂĽr jede Gesellschaft explizit die Summe der Einnahmen ausgewiesen wĂĽrde.

    Das Spielende fĂĽhlte sich absolut “in Ordnung” an. GĂĽnther hätte es lieber etwas frĂĽher gehabt, aber nur, weil er fĂĽrchten musste, dass ihm noch die Felle davonschwimmen.

  3. peer

    Danke nochmal! Das heißt dass die besseren Städte zufällig unten lagen oder wurde eine Reihe gezielt abgegrast, um an eine bessere Stadt heranzukommen?
    Ist aber auf jeden Fall ein guter Hinweis, dass 400/100 als Stadtdaten etwas zu extrem ist (auĂźer da sind Symbole drauf?)

    Noch was ganz anderes – Ich bin gerade darĂĽber gestolpert:
    http://www.spieletest.at/spiel.php?ID=4714
    Ist IIRC für Aaron ganz interessant. Mechanismus ist wohl ein anderer, aber die GRundidee ist dieselbe. Weiß nicht wie ähnlich die Spiele sind.