von Walter am 28.10.2016 (803 mal gelesen, 2 Kommentare)

„Glaube keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast.“ – Ein geläufiges Bonmot, dessen Urheber unbekannt ist. Für jeden redlichen Mathematiker ist darin enthaltene Wahrheit aber immer wieder eine traurige Erkenntnis.

Jetzt habe ich vier Tage lang daran gearbeitet, meine WPG-Statistiken auf Vordermann zu bringen. Zielsetzung waren Antworten auf die im Prinzip einfachen Fragen: Wieviele Spiele haben wir insgesamt gespielt? Wie oft haben wir die verschiedenen Spiele gespielt? Wann haben später dazugekommene Teilnehmer zum ersten Mal bei uns gespielt?

A & O der ganzen Geschichte ist natĂĽrlich eine eindeutige Schreibweise aller Spielenamen in allen unseren Texten: in der Rangliste, in den Session-Reports und in allen Kritiken. Was natĂĽrlich nicht gegeben war: Unterschiedliche Schreibweisen und jede Menge Schreibfehler machten aus der Harmonisierung der Namen (mit Luding als EichmaĂź) eine wahre Sisyphus-Arbeit.

Und wie beim echten Sisyphus ist die Arbeit nicht beendet, sondern nur abgebrochen. Bei jedem später bemerkten Flüchtigkeitsfehler müsste man die statistischen Rechnereien nochmals von vorne anfangen. Irgendwann mal hatte ich die Nase voll davon!

Das nachfolgend aufgefĂĽhrten Zahlen sind also falsch. Sowieso sind sie nur flĂĽchtig und morgen schon ĂĽberholt. Aber die Gesamtrichtung stimmt, auf eine Zahl mehr oder weniger, rauf oder runter ist, darauf kommt nicht an.

Insgesamt 1131 Spiele lassen sich in unseren Aufzeichnungen nachweisen.
Davon haben wir 798 Spiele nur einmal gespielt, 229 Spiele zweimal, 64 Spiele dreimal und 27 Spiele viermal.
Am häufigsten haben wir „Bluff“ gespielt: 243 mal, mit weitem Abstand folgt dahinter Flaschenteufel mit 37 Auftritten, „Zoff im Zoo“ mit 18, „Trans Europa“ mit 17 und „6 nimmt!“ mit 14.
Kurz dahinter folgt das noch recht „moderne“ „AbluXXen“, das 12 mal gespielt wurde und durchaus noch Chancen hat, als Absacker-Spiel auf unser Häufigkeits-Treppchen zu kommen.
Dass Peter mit „Cartagena“ am 15.04.2001 zum ersten Mal am Westpark dabei war, könnte man aus verschiedenen Indizien schließen, allerdings sprechen andere Indizien gegen diese Aussage. WPG-Internas bei der Informationsgewinnung.

Ich selber möchte mich persönlich aber auf alle Fälle noch zu den redlichen Statistikern zählen, denn ich habe meine obigen Zahlen klar und deutlich mit dem Zusatz hingeschrieben, dass sie nicht nur als falsch sein können, sondern sogar falsch sind!

1. “Krazy Wordz”

Kreative Geister bei „Krazy Wordz“

Kreative Geister bei „Krazy Wordz“

Schon im Vorfeld hatte Peter für den heutigen Abend um eine Auswahl an bewährten, neueren Spielen gebeten, die bisher an ihm vorbeigegangen waren. Zum Warming Up fingen wir dann mit dem Partyspiel „Krazy Wordz“ an. Zu vergebenen Begriffen müssen wir uns garantiert nicht-existierende Wörter ausdenken und hoffen, dass die Mitspieler die Zuordnung finden.

Die Regel fĂĽr das „garantiert nicht-existierend“ sollte eigentlich eindeutig sein, ist es aber nicht. Auch dicht daneben liegende Falschschreibungen, sowie Eigennamen sind nicht erlaubt. Wenn wir heute nicht so bewusst locker in den Spieleabend eingestiegen wären, hätten es schon bei Moritz’ „Opah“ krachen können, „vor dem ihm seine Oma immer gewarnt hat“; denn hier schreit der wahre „Opa“ doch schon heraus. Selbst Walters „Vis“ als „persischer Herrschertitel“ ist nicht zulässig. Allerdings nur fĂĽr persisch-literarisch Gebildete. Wer weiĂź im Abendland schon, das „Vis und Ramin“ ein persisches Liebesgedicht ist, viel fremdgeherischer als „Romeo und Julia“, und in dieser Hinsicht auch noch viel saftiger als „Tristan und Isolde“ …

WPG-Wertung: Die Neulinge von heute blieben genau im bisherigen WPG-Schnitt von 7.5 Punkten: Peter: 7 (OK, unterhaltsam, wĂĽrde es mir aber nicht kaufen); Loredana: 8 (es hat mir gefallen, weil ich schon lange nicht mehr gespielt habe, es ist schnell und unterhaltsam, wĂĽrde es noch einmal spielen).

Bemerkenswert: Unser Denker-Genie Günther wurde Letzter. Das nur zur intellektuellen Einschätzung von „Krazy Wordz“!

2. “Isle pf Skye”

Vor genau einem Jahr zum ersten Mal bei uns auf dem Tisch. Moritz hatte sogar ein Video mit der Diskussion über unsere Notenvergabe gedreht, die Veröffentlichung aber zurückgezogen, weil Günther dagegen war. „Keine privaten Bilder in fremde öffentliche Kanäle!“

Wir ersteigern Landschaftskärtchen und werden fĂĽr unseren ständig wachsenden Besitz in fĂĽnf Wertungssrunden mit Siegpunkten ĂĽberschĂĽttet. Wer recht schnell – zufällig oder gekonnt – zu einer blĂĽhenden Landschaft kommt, hat damit aber noch lange nicht gewonnen, denn ab der Mitte des Spiels ist ein fĂĽhrender Punktestand ein Handicap, fĂĽr das die schlechter gestellten Mitspieler mit teilweise ĂĽppigem Einkommen entschädigt werden. Ein spieltheoretisch sehr gutes Regeldetail, auch wenn es ein Spieler sehr pejorativ mit „totaler Sozi-Scheiß“ apostrophiert hat. In einem guten Spiel sollte ja nicht nur der beste Kopf oder die glĂĽcklichste Hand einen Start-Ziel-Sieg hinlegen können, auch Spieler aus den hinteren geistig-unglĂĽcklichen Niederungen sollen noch eine Chance auf den Sieg haben oder sehen. Oder zumindest einen dicken Batzen Einkommen als Trostpreis auf ihrem Konto verbuchen können.

Warmduscher-Regel: Vernichte in jeder Runde das Beste Deiner gezogenen Landschaftskärtchen: dann kann es wenigstens auch kein Mitspieler nutzen (, hat sich darüber vielleicht aber längere Zeit den Kopf darüber zerbrochen)!

WPG-Wertung: Auch hier blieben P&L nahe beim bisherigen WPG-Schnitt: Loredana: 7 (es hat mir gefallen, weil ich schon lange nicht mehr gespielt habe, weniger schön ist die Abhängigkeit von den Interessen der Mitspieler), Peter: 6 (ich bin nicht so begeistert, mag das Mitspielerchaos nicht; gegen das Vorgehen der Mitspieler gibt es praktisch keine Mittel).

Unser Denker-Genie bekam einen Mittelplatz!

3. “AbluXXen”

Die Absacker-Zeit wurde eingeläutet, auch wenn es noch zwei Stunden bis Mitternacht war. „AbluXXen“, mit dessen taktischen Anforderungen Profi Helmut letzte Woche noch erhelbliche Schwierigkeiten hatte, sollte von zwei weiteren Geistesgrößen unter die Lupe genommen werden. Dabei hatte es die eine Geistesgröße Peter schon vor zwei Jahren für zu leicht befunden: „6 Punkte, weil ich ständig eine Straße hatte!“

Loredana trat eher in die Fußstapfen von Helmut: ihre Lernkurve ist noch längst nicht in die Nähe der waagrechten Asymptote gekommen. Heute haben wir ja auch schon nach zwei Durchgängen abgebrochen, weil den Verlockungen unseres Absackers Nr 1 einfach nicht mehr zu widerstehen war. „AbluXXen“ ist zweifellos ebenfalls ein Absacker, aber man muss dabei doch ständig geistig am Ball bleiben, sonst hat das Spiel überhaupt keinen Sinn!

WPG-Wertung: Loreana: 7 (das Spiel hat mit steigender Lernkurve viel Potenz nach oben).

4. “Bluff”

Ja, hier braucht man nicht ununterbrochen auf der Hut zu sein. Die Erhöhungen und Anzweifelungen der Mitspieler kann man ganz leicht und locker aus der Ferne ansehen, sie haben erstens nur einen geringen Einfluss auf die eigenen Entscheidungen, und falls dazwischen substantielle negative Auswirkungen stattfinden, sind zweitens meist nur die Mitspieler davon betroffen. Was kann man sich von einem echter Absacker mehr wünschen!

Peter: „Ein Abend ohne Bluff ist kein Spielabend.“

Im 1:1 Endspiel gegen Günther fing Peter mit 1 mal die Fünf an. Günther zweifelte an – und hatte gewonnen. Einer der vielen Vorteile der Immer-4-Strategie! Günther hätte sich mit seinem Anzweifeln sehr viel schwerer getan!

Keine neue WPG-Wertung fĂĽr ein Super-Spiel.


2 Reaktionen zu “26.10.2016: “Bessere Spiele der letzten Jahrgänge””

  1. Bernd Eisenstein

    Hallo Walter,

    “Isle pf Skye” – so wird das aber nichts mit der einheitlichen Schreibweise der Spielenamen :-)

    Viele GrĂĽĂźe
    Bernd

  2. Walter

    q.e.d.

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