von Walter am 4.08.2017 (804 mal gelesen, 4 Kommentare)

Welches sind die bekanntesten Spieleautoren in Deutschland? Wenn man den ersten gefunden hat, findet man gleich eine ganze Reihe, denn Google referenziert auf seiner Trefferseite gleich drei bis f├╝nf weitere Subjekte des Interesses. So kann man sich von einem zum anderen durchhangeln und ist gleich bei einer erklecklichen Anzahl bekannter Spieleautoren gelandet, von Antoine Bauza bis Hans-J├╝rgen Wrede.

In dieser Autoren-Referenzier-Matrix mit 17 Eintr├Ągen wird 9 mal Reiner Knizia erw├Ąhnt, 8 mal Uwe Rosenberg und je 6 mal R├╝diger Dorn und Michael Kramer. Wer von Google hier warum aufgef├╝hrt wird, bleibt deren Geheimnis. Es ist ein kleiner, feiner Kreis, aber so bekannte und erfolgreiche Autoren wie Franz-Benno Delonge, Alex Randolph, Michael Schacht und Martin Wallace kommen nicht vor. Fehler im Referenzierungs-Algorithmus?

Immerhin gibt es eine Seite im Internet, wo die ÔÇ×erfolgreichen SpieleautorenÔÇť, d.h. diejenigen, die schon einmal einen der begehrte deutschen Spiele-Preise bekommen haben, gleich alle (?) auf einem Schlag aufgef├╝hrt werden. Hier erf├Ąhrt man auch, dass es einen Unterschied geben soll zwischen ÔÇ×Spiel-AutorÔÇť und ÔÇ×Spiele-ErfinderÔÇť. Genaueres dar├╝ber kann man bei der SAZ (Spiele Autoren Zunft) erfahren. Bei Computerspielen hei├čt der Autor ├╝brigens ÔÇ×Spiele-EntwicklerÔÇť!

1. “Cottage Garden”

Szenerie in ÔÇ×Cottage GardenÔÇť

Uwe Rosenberg ist bei uns bekannt als Autor h├Âchst komplexer Spiele mit einer ingenieurm├Ą├čig ausget├╝ftelten Balance. Im Gegensatz zu solchen teilweise ÔÇ×SpielemonsternÔÇť hat er 2014 mit ÔÇ×PatchworkÔÇť ein h├╝bsches kleines 2-Personen-Spiel herausgebracht, in dem es ganz einfach darum geht, m├Âglichst schnell ein 9 mal 9 Felder gro├čes Quadrat mit einer Reihe von ausliegenden Tetris-artigen Bauteilen l├╝ckenlos zu f├╝llen.

Auf dringenden Wunsch von Mehr-Personen-Spielgruppen hat Rosenberg diese Spielidee jetzt zu einem 4-Personen-Spiel erweitert. Hier liegen die angebotenen Tetris-Teile nicht mehr vollst├Ąndig in einer Kette auf dem Tisch, sondern streng portioniert in einer 4 mal 4 Matrix, wobei jeder Spieler sein n├Ąchstes Bauteil aus genau einer wohldefinierten Spalte (oder Zeile) ausw├Ąhlen muss. Die Matrix wird auf dieser Weise von Zug zu Zug ausged├╝nnt, und erst wenn f├╝r einen Spieler nur noch ein einziges Bauteil zur Verf├╝gung steht, wird die entsprechende Spalte (oder Zeile) wieder aufgef├╝llt.

Die Spieler m├╝ssen auch kein einzelnes gro├čes 9 x 9 Patchwork-Quadrat auff├╝llen, sondern verschieden kleinere 5 x 5 Felder gro├če Garten-Quadrate ÔÇô jeweils zwei parallel – , die teilweise schon mit Siegpunkt-tr├Ąchtigen Objekten (Blument├Âpfen und Pflanzglocken) bedruckt sind. Ein gewisses Vorstellungsverm├Âgen, welche Bauteil-Form am besten in die Garten-Quadrate eines Spieler passen, ist durchaus von Vorteil. Man darf aber beliebig lang probieren, d.h. jedes einzelne der zul├Ąssigen Bauteile auf die Hand nehmen und vor Ort im Garten drehen und wenden und einpassen, um zu schauen, ob es genehm ist. Passt keines der zul├Ąssigen Bauteile so richtig zu dem halbfertig angelegten Garten, so darf man sich auch einen simplen Blumentopf aus der Schubkarre holen und auf eines der verwaisten Felder legen. Das f├╝llt zwar nicht besonders viel Gartenfl├Ąche, bringt aber wenigstens einen zus├Ątzlichen Siegpunkt ein.

Rosenberg hat noch eine Anzahl kleinerer Effekte f├╝r Pr├Ąmien, Zug-Varianz und Siegpunkt-Dynamik eingebaut, so dass ÔÇ×Cottage GartenÔÇť einen lockeren, gef├Ąlligen, spielerischen Gesamteindruck hinterl├Ą├čt. Keine Herausforderung f├╝r Nobelpreistr├Ąger im Gartenbau, aber gen├╝gend Spa├č f├╝r angehende Enkel im schulpflichten Alter.

WPG-Wertung: Aaron: 7 (das Spiel ist schnell; 1 Punkt f├╝r die Niedlichkeit [in Thema und Ausstattung?]), G├╝nther: 6 (ÔÇ×PatchworkÔÇť ist besser; das dortige Tableau ist eine gr├Â├čere topologische Herausforderung und der dortige Teile-Nehm-Mechanismus ist ebenfalls deutlich pfiffiger), Walter: 7 (Sympathiepunkte f├╝r ein auch am Westpark spielbares Familienspiel, Sympathiepunkte f├╝r einen lockeren Rosenberg).

2. “Tempel des Schreckens”

Ein kleines Kartenspiel, bei dem die Mitspieler in verdeckte Rollen von Abenteurer und W├Ąchterinnen schl├╝pfen und nach einem definierten Schema die verdeckt ausliegenden Karten mit leeren, gef├╝llten und verzauberten Schatzkammern mehr oder weniger auf gut Gl├╝ck eine nach der anderen aufdecken. Wurden am Ende zuerst alle gef├╝llten Schatzkammern aufgedeckt, so haben die Abenteurer (alle gemeinsam!) gewonnen, wurden zuerst die verzauberten Schatzkammern aufgef├╝llt, so haben die W├Ąchterinnen (alle!) gewonnen. Wurden bis zu einem definierten Rest von Schatzkammer-Karten weder alle gef├╝llten noch alle verzauberten Schatzkammern aufgedeckt, so gewinnen wiederum die W├Ąchterinnen. Ein h├Âchst kooperativer Spielablauf zweier Parteien, von denen man a priori nicht wei├č, wer zu wem geh├Ârt.

Na ja, bis jetzt ist ja noch gar kein Pfiff zu erkennen. Etwas davon ist aber doch enthalten. Jeder Spieler ist der Owner von einem Teil der Schatzkammern. Diese darf er sich anschauen und entsprechend seiner Rolle anpreisen. Ein Abenteurer kann also z.B. sagen: ÔÇ×In meinen Schatzkammern gibt es zu viele verzauberte! Schatzkammern, bitte die Finger davon lassen!ÔÇť oder ÔÇ×In meinen Schatzkammern gibt es keine einzige verzauberte Karte, Abenteurer, greift nur alle herzlich zu.ÔÇť Wenn der Spieler, der so spricht, allerdings eine W├Ąchterin ist, dann wird wohl das Gegenteil davon wahr sein. Jetzt kann jeder Spieler dar├╝ber spekulieren, ob der entsprechende Aufkl├Ąrer die Wahrheit gesagt oder gelogen hat, ob er Abenteurer ist oder W├Ąchterin. Die Spielanleitung schreibt: ÔÇ×Der Spielspa├č h├Ąngt stark von den Diskussionen im Verlauf des Spiels ab. F├╝hrt ruhig hitzige Diskussionen! … Blufft! Dr├Ąngt die Mitspieler zu Entscheidungen, die sie hinterher bereuen.ÔÇť Nat├╝rlich, so etwas KANN Spa├č machen, aber nat├╝rlich NICHT am Westpark!

Wir haben eine ganze Weile dar├╝ber diskutiert, ob es lohnenswert ist, die Wahrheit zu sagen oder zu l├╝gen. Andeutungsweises Fazit: Die Abenteurer sollten von vorne herein die Wahrheit sagen. Es gibt viele davon, wenn man blind einem Mitspieler folgt, so ist er mit gro├čer Wahrscheinlichkeit ein Abenteurer. Die W├Ąchterinnen d├╝rfen ihre Identit├Ąt nicht verraten! Da es nur wenige von ihnen gibt, haben sie sofort verloren, wenn ihre Identit├Ąt bekannt ist. Also sollten sie sich in den ersten Runden als Abenteurer geb├Ąrden und eine entsprechende Abenteurer-Auskunft ├╝ber ihre Schatzkammern geben. Ein Argument mehr f├╝r alle Mitspieler, an die Wahrheit der Aussagen zu glauben. Erst wenn man (die Abenteurer) zum ersten Mal auf eine W├Ąchterinnen-L├╝ge hereingefallen sind, hei├čt es aufpassen. Die entsprechende W├Ąchterin ist aber f├╝r den Rest des Spiels (f├╝r die Mehrheit der Abenteurer) tabu. Wer trotzdem von ihr eine Schatzkammer aufdeckt, ist ebenfalls eine W├Ąchterin. Es gibt keinen Grund f├╝r einen Abenteurer, eine Karte bei einer W├Ąchterin aufzudecken. … Macht diese Logik Spa├č?

In der dritten Runde versuchten wir, mit OFFEN ausliegenden Schatzkammern hinter das Geheimnis des Tempels zu kommen. Walter als ehrlicher Abenteurer nominierte sogleich eine gef├╝llte Schatzkammer. Aaron versuchte ein Versteckspiel mit einer leeren Schatzkammer. Das war aber nur ein Pseudo-Versteck. Bei dem reichlichen Angebot von gef├╝llten Schatzkammern w├╝rde kein wahrer Abenteuer eine leere Schatzkammer ausw├Ąhlen. Da hatte es G├╝nther nicht schwer, seine ebenfalls W├Ąchterinnen-Rolle durch die Wahl einer verzauberten Schatzkammer zu offenbaren. Anschlie├čend konnte Aaron problemlos den Sack zumachen. Gegen zwei W├Ąchterinnen h├Ątte nicht einmal ein Old Shatterhand eine Chance gehabt.

WPG-Wertung: Aaron: 6 (zu dritt [am Westpark] funktioniert das Spiel nicht, ich habe aber schon viele gr├Â├čere Runden erlebt, in denen herzlich gelacht wurde), G├╝nther: 5 (nichts f├╝r mich. ÔÇ×Ich bin der Papst und gebe meinen Segen anderen SpielenÔÇť), Walter: 4 (nichts f├╝r uns, wir k├Ânnen nicht wild herum argumentieren, uns dabei hinter L├╝gen und Wahrheiten verstecken, und uns freuen, wenn jemand auf unsere Demagogie hereingefallen ist).

3. “Gold West”

Eine Reprise beendete den heutigen Spieleabend. Ein ÔÇ×ordentlichesÔÇť, konstruktives Spiel, dessen Vor- und Nachteile wir bereits vor ziemlich genau einem Jahr kennengelernt und konstatiert haben. Sehr h├╝bsch ist der Kalah-artige Zugmechanismus, etwas problematisch die ├╝bergro├če F├╝lle an M├Âglichkeiten, Siegpunkte zu machen:

ÔÇó durch konstruktives Bauen (zusammenh├Ąngend oder in pr├Ąmierter Formation)
ÔÇó auf den vier Einfluss-Schienen
ÔÇó ├╝ber ausgelobte Investment-Karten
ÔÇó ├╝ber Pr├Ąmierungen in der Goldgr├Ąberstadt
ÔÇó durch Verschiffung von Rohstoffen

G├╝nther als Gold-West erfahrener Spieler ging vom Start weg auf Pl├╝nderungen aus. Bauholz und Bausteine f├╝r den ehrlichen H├╝ttenbau lie├č er links liegen, sondern griff auf Teufel-komm-raus bei den Edelmetallen zu, um die ausgelobten Investments zu t├Ątigen. Er war damit nicht erfolgreich. Aber er hat dabei wieder etwas dazugelernt, was man nicht von jeder Art Spielen sagen kann.

WPG-Wertung: Trotz Lob und Kritik, trotz Fehlern und Erfolgen blieben alle Spieler bei ihren (relativ guten) 7 Punkten.


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4 Reaktionen zu “02.08.2017: Garten, Tempel und Pl├╝nderer”

  1. Christof Tisch

    Kleine Korrektur: Der bekannte Spieleauto hei├čt Klaus-J├╝rgen Wrede. Es kann aber nat├╝rlich sein, dass es einen unbekannten Autoren namens Hans-J├╝rgen Wrede gibt. Aber das war ja nicht das Thema.

    Gru├č
    Christof

  2. Christof Tisch

    Kleine Korrektur: Der bekannte Spieleautor hei├čt Klaus-J├╝rgen Wrede. Es kann aber nat├╝rlich sein, dass es einen unbekannten Autoren namens Hans-J├╝rgen Wrede gibt. Aber das war ja nicht das Thema.

    Gru├č
    Christof

  3. Aaron

    Christof,

    verzeih Walter, er hat wohl den Klaus durch Klaus’ Hausverlag ersetzt. Kann ja mal passieren…

    Gru├č
    Aaron

  4. Walter

    Danke f├╝r die Aufmerksamkeit.
    Entweder habe ich beim Abschreiben den Fehler gemacht oder bereits Google hat den werten Namen vermurkst. Hauptsache ist, dass die Leser wissen, um wen es geht. So ist die Redundanz innerhalb der menschlichen Informationsweitergabe!

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