von Walter am 23.09.2017 (432 mal gelesen, 6 Kommentare)

Hat Stanislaw Jewgrafowitsch Petrow (* 7. September 1939, † 19. Mai 2017) am 26. September 1983 das Auslösen eines Atomkriegs verhindert? Entsproß seine Entscheidung, den Alarm über den Abschuß amerikanischer Raketen auf die Sowjetunion als Fehlalarm zu werten und nicht weiter nach oben zu melden, seiner Erfahrung über die einzig möglichen Erstschagsszenarien oder war es ein Vergehen gegenüber seiner Aufsichtspflicht? Oder war das Ganze doch nur eine triviale Routine-Entscheidung, die von unseren Medien ein bisschen aufgebauscht wird?

FĂĽr sein Verhalten wurde er seitens seiner Vorgesetzten weder belobigt noch bestraft. Immerhin erhielt er 2004 und 2006 den World Citizen Award, 2012 den Deutschen Medienpreis und 2013 den Dresden-Preis. Immerhin.

1. “Terraforming Mars”

Terraforming: Spieler-Tableau mit Plastik-Schablone

Wenn ein Spiel „zu lang, zu breit und zu solitär“ ist, was muss es dann haben, dass es trotzdem auf Vielspieler eine solche Faszination ausübt? Günther bot das Spiel heute zum fünften Mal bei uns an, und es erhob sich kein Widerspruch. Im Gegenteil, alle nahmen noch einmal mit Ehrgeiz und Leidenschaft die Aufgabe auf sich, den Mars bewohnbar zu machen.

Immerhin legte Günther eine neue Szenerie auf. Die Verteilung von Städten, Grünflächen und Wasser war topologisch anders (kein merkbarer Einfluß auf die Strategien) und bei den Meilensteinen und Auszeichnungen kamen anderen Kriterien in die Auswahl.

GĂĽnther hatte sich die äuĂźerst funktionellen Plastikschablonen zugelegt, die ĂĽber das jeweilie Besitztum-Tableau der Spieler gelegt werden, so dass sich die einzelnen Besitztumsmarker, immerhin bis zu 12 StĂĽck pro Spieler, beim versehentlichen Ruckeln am Tisch oder am Tableau nicht mehr verschieben können. Ein geniales Addendum zum Spiel. Allerdings muss man fĂĽr so eine Plastikform zu einem Herstellungspreis von vielleicht 5 Pfennigen pro StĂĽck immerhin 8 Euro hinlegen, fĂĽr ein 4-Personenspiel also noch einmal sage und schreibe 32 Euro. Diese Erfindung kommt dann schon einer Gelddruckmaschine gleich. Aber man lebt nur einmal, aber man spielt häufiger …

Wir spielten wieder nach den Experten-Regeln und mit den Firmen-Erweiterungen aus BGG. Günther wählte sich als Start-Firma die „Mining Guild“: Vom Start weg florierte seine Produktion von Eisen und Titan, er schwamm in liquiden Mitteln. Und da alle Investitionen ja mit Zinsenzins in die Siegpunktbilanz eingehen, war es für ihn ein Leichtes, diese schon sehr früh sprudelnden Quellen zum Gesamtsieg zu nutzen. Oder gehört doch Spielwitz, Übersicht und Können dazu?

Walter bekam die „Republik Tharsis“, mit der er als erste Aktion kostenlos eine Stadt auf dem Mars bauen konnte, und im weiteren Spiel immer Geldprämien einstreichen konnte, wenn eine weitere Stadt gebaut wurde. Nicht schlecht. Mit einer schon sehr früh vom üblichen Verteilungszufall zugeschusterten Karte für Titanproduktion konnte er darüber hinaus seiner Kasse regelmäßig Finanzspritzen zukommen lassen. Er legte sich wenige, aber teure Invesitionen zu und bekam am Ende dafür auch noch eine Auszeichnung. Ansonsten fuhr er die Strategie, möglichst „fully invested“ zu bleiben, insbesondere keine große Kartenhand zu halten, die ja nur totes Kapitel bindet. Es reichte zum zweiten Platz. Spricht das jetzt gegen oder für die Herausforderungen von „Terraforming Mars“?

Moritz legte sich „Politicorps“ zu. Damit durfte er am Ende einen beliebigen weiteren Meilenstein für sich beanspruchen und bekam für jeden Meilenstein und für jede Auszeichnung zwei Siegpunkte mehr. Überschlägig entspricht das etwa 11 geschenkten Siegpunkten. Für diesen Ertrag musste er aber bis ganz zum Schluss warten. Dabei verzählte er sich bei zwei Kriterien, so dass er zweimal die Prämien und seine zwei Zusatzpunkte verpasste. Er kam nur knapp aufs Treppchen.

Bei unseren ersten Spielen haben wir in TM jede Menge Interaktion vermisst. Wenn man das Spiel aber besser kennt, dann findet man doch mehr als nur Spuren davon. Konkurrenz gibt es in jedem Fall bei Meilensteinen und Auszeichnungen. Auch die Besiedelung auf dem Mars ist ein Tummelfeld für passionierte Interaktionisten. Und wenn ein Mitspieler miesnicklige Karten zum Klauen von Ressourcen besitzt, kommt es sehr auf das Timing der Züge an, um den Miesnickel auszubremsen. Auf jeden Fall ist TM kein Solitärspiel, auch wenn es solitär gespielt werden kann.

Noch ein bisschen Statistik
Spieldauer 210 – 240 Minuten
Rundenzahl 13
Siegpunkte (max) 107
Terraformingwert (max) 38
Siegpunkte aus Städten und Grünflächen (max) 31
Siegpunkte aus Investitionen (max) 25

WPG-Wertung: Keine neue Wertung fĂĽr ein Fast-8 Punkte-Spiel!


6 Reaktionen zu “20.09.2017: Terraforming zum FĂĽnften”

  1. Andreas Daiber

    Lieber Walter,
    nur eine kurze Verständnisfrage: Was bedeutet die Formulierung “wir spielten T.M. mit den Firmen-Erweiterungen aus BGG.”? Ich habe auf BGG nix weiter gefunden als die Hellas-Erweiterung. Ist die gemeint oder etwas anderes?

    Danke für die Aufklärung,

    Andreas

  2. Walter

    Hallo Andreas, diese Frage sollte GĂĽnther besser beantworten können. Der ist aber immer nur erst ab Mitternacht wieder online …
    Bei BGG (oder war es die Spielbox, in jedem Fall im Internet) wurden ein paar weitere TM-Firmen vorgestellt und das Karten-Design dazu veröffentlicht. Günther hat sich die Bilder heruntergeladen, ausgeschnitten, in Klarsichtschoner verpackt und bringt sie neben dem Standard-Material regelmäßig mit.
    Zur Startaufstellung bekommt jeder Spieler zwei Original-TM-Firmenkärtchen sowie zwei Addendum-Firmenkärtchen ausgeteilt und darf sich daraus eines auswählen.
    Wenn GĂĽnther mal wieder online ist, kann er hier ja vielleicht den Link zum Karten-Design angeben.

  3. GĂĽnther

    Hallo,
    Das sind “nicht-offizielle Corporations”… Ob diese gut ausgewogen sind, muss man selbst entscheiden. In den Spielerkreisen hier werden sie häufiger benutzt.
    https://boardgamegeek.com/filepage/142642/22-unoficial-corporations-print
    Wie viele Corporations man zum Start zur Auswahl erhält, legen wir (unabhängig von den Regeln) selbst fest.

  4. Aaron

    Zur Ehrenrettung des Verlags möchte ich anmerken, dass ein Acrylglaszuschnitt in der verwendeten Größe ca. 3€ pro Stück kostet, wenn man 800 Stück abnimmt. Dazu kommen dann noch die Kosten für die Ausfräsungen der Zählleisten. Eine Gelddruckmaschine sehe ich da nicht.

  5. Andreas Daiber

    Vielen Dank an Euch beide, Walter und GĂĽenther, Werde ich mir auch runterladen und sleeven.
    Herzlicher GruĂź, Andreas

  6. Klaus Knechtskern

    Ich möchte in Bezug auf den Preis der Zuschnitte Aaron zustimmen. Die Dinger sind einfach kein 5 Cent Artikel in der Menge. Die von der polnischen Firma kosten übrigens auch nur 4 € pro Stück

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