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Autor Jacques Zeimet
Verlag Zoch Verlag
erschienen 2005
Spielerzahl 2
Spielzeit 10 Minuten

San Ta Si

rezensiert von Peter Riedlberger

San Ta Si ist ein schachartiges Spiel. Das Adjektiv "schachartig" steht nur in Ermangelung eines treffenderen Wortes. Ich will damit sagen, dass man zu San Ta Si Eröffnungsliteratur verfassen könnte. Oder dass man das Spiel, genügend Rechenpower vorausgesetzt, komplett durchrechnen könnte. Bekannte Vertreter meiner Gattung der schachartigen Spiele sind demnach Tic-Tac-Toe, 4 Gewinnt oder Twixt.

Generell mag ich keine schachartigen Spiele. Mich plagt die Angst, dass es eine relativ einfache Lösung für die ideale Spielführung gibt, dass das Spiel ab dann langweilig wird. Oder dass ich seitenlange Eröffnungsliteratur im Netz lesen muss, die irgendein Freak verfasst hat, damit ich beim Spielen überhaupt noch eine Chance hab. Auch verleiten zufallsfreie Spiele so manchen Mitspieler zu besonders ausgiebigem Nachdenken (was der eigenen Unterhaltung nicht unbedingt zweckdienlich ist).

Aber bei San Ta Si ist alles anders. San Ta Si spielt sich flott, San Ta Si hat extremen Wiederspielwert. San Ta Si besteht aus 15 silbernen und 15 blauen Bauteilen, nämlich Röhren und, als kleinste Teile, ein paar Holzsäulen. Diese Bauteile können an drei Stellen gebaut werden. Wenn man dran ist, darf man (bzw.: muss man) ein beliebiges (also eigenes oder gegnerisches) Teil bauen. Dabei muss das Teil entweder den Boden berühren. Oder aber, wenn es auf ein anderes Teil kommen soll, muss ein von einer Nachbarröhre (d. h. einer unmittelbar größeren oder unmittelbar kleineren) gehalten werden. Am Ende wird gezählt. Von wessen Farbe mehr Teile sichtbar sind, der hat gewonnen.

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Es geht bei San Ta Si vielleicht mehr darum, des Gegners Teile in selbst gebastelten Papierkörben (große, dicke Röhren) verschwinden zu lassen als konstruktiv zu bauen. Denn sind die Gegnerteile erstmal weg, dann müssen ja die eigenen Röhren an sichtbarer Stelle gebaut werden, oder?

Fazit: Derzeit sind wir San Ta Si-süchtig. Ob das beliebig anhält, weiß ich nicht. Vielleicht gibt es ja doch die Killerstrategie, die San Ta Si bei näherer Betrachtung zur Trivialität verkommen lässt? Aber die fünf Sterne sind in jedem Fall verdient. San Ta Si ist ebenso einfach wie originell und auch wunderbar für eine Partie zwischendurch geeignet.

WPG-Wertung: 5 stars

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2005, Westpark Gamers