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Autor Acchittocca
Verlag Hans im Gl├╝ck Verlag
erschienen 2009
Spielerzahl 2-4
Spieldauer 75 Minuten
Wertung red starred starred starred starred starred starred starred stargray stargray star

Egizia

rezensiert von Walter Sorger

Über den Titel lässt sich trefflich rätseln. Hat hier der Altmeister "Knizia" für ein Spiel von vier italienischen Spieleautoren Pate gestanden? Viel einfacher: "Egizia" heißt auf italienisch ganz einfach "altägyptisch" und zeigt damit die Gegend an, in die uns die Autoren entführen wollen. Wir bewegen uns bzw. unsere 16 Schiffchen "im Tal der Könige" und versuchen durch einen optimalen Einsatzplan für unseren Handlungsspielraum die meisten Siegpunkte zu erzielen.

Fünf Runden lang werden auf 10 Stationen entlang des Nils verschiedene "Nil-Karten" als Objekte unserer Begierde offen ausgelegt. Reihum setzen wir eines unserer Schiffchen auf eine beliebige Station und erhalten die Nil-Karten sowie den Vorteil, den sie verspricht:

Wir brauchen keinen Würfel und haben keine limitierte Reichweite. Wenn wir am Zug sind, können wir jede gebotene Nil-Station anlaufen, unseren Mitspielern die entsprechende Nil-Karte wegschnappen und in unseren Besitz nehmen. Der Startspieler hat freie Auswahl. Einziger Haken bei der Sache: Das nächste Schiffchen muss flussabwärts von unserem letzten Schiffchen gesetzt werden; wenn wir uns aus lauter Gier eine besonders lukrative Karte nahe der Nilmündung unter den Nagel gerissen haben, dann sind alle übersprungen Karten oberhalb davon für uns verloren.

Hier kommt sich eine weitere intelligente Regel ins Spiel, die diesem Setzen- und Karte-Wegnehmen erst den richtigen Pfiff gibt: Nicht alle Spieler bringen pro Runde die gleiche Anzahl von Schiffen zum Einsatz. Wer die letzte Station am Nil angelaufen hat, muss seine Setz-Aktivitäten zwangsläufig beenden, die Mitspieler können aber noch alle möglichen Zwischenstationen abräumen. Gerade wenn wir uns die ganz vorne liegenden lukrativen Karten entgehen ließen und nur langsam eine Station nach der anderen angelaufen sind, können wir jetzt in aller Ruhe den gesamten Rest an Nil-Karten abräumen, während unsere Mitspieler unten im Nildelta schon auf die nächste Spielphase warten.

Nach der Karten-Ernte müssen wir unsere Bautrupps ernähren, d.h. wir müssen für jeden Kopf innerhalb unserer Belegschaft eine Kornration zur Verfügung haben. Diese Kornrationen sollten wir uns beim Setzen innerhalb der Runden vorsorglich zugelegt haben, andernfalls hagelt es hier empfindliche Minuspunkte ins Kontor.

Jetzt gehen die Bauaktivitäten los. Bei der Sphinx, bei den Königsgräbern oder in der Tempelregion lassen wir unsere Bautrupps mit dem angesammelten Baumaterial los und stellen wohldefinierte Bauabschnitte fertig, die uns Siegpunkte einbringen. Haben wir uns bei der Sphinx zu schaffen gemacht, dürfen wir uns geheime Sphinx-Karten zulegen, die bei Spielende Sonderprämien ausschütten, insbesondere zusätzliche Siegpunkte für Bauleistungen in den verschiedenen Regionen.

Nach fünf Runden und insgesamt ca. 90 Minuten Spielzeit ist Ägypten aufgebaut, und in einer Schlusswertung werden unsere bisher ergatterten Siegpunkte durch unseren Besitzstand an Baumaterial, Königsgräbern und Sonderkarten noch aufgestockt. Wer jetzt am meisten aufzuweisen hat, ist Sieger. (In dieser kurzen Spielübersicht habe ich viele hübsche Details zum Agieren und Punkten ausgelassen; im 12-seitigen ausführlichen Regelheft kann sie jeder selber nachlesen.)

Fazit: Egizia ist ein Planungsspiel mit einem sehr weiten Betätigungsfeld für unsere Optimierungs-Ambitionen. Die zufällig auf dem Spielbrett verteilten Nil-Karten sind das einzige unberechenbare Element; sie sind die jedes Mal wechselnde Aufgabenstellung, die es zu meistern gilt. Der Startspieler hat hierbei leichte Vorteile, deshalb wird pro Runde auch immer der punktschwächste Spieler zum Startspieler bestimmt. Diese Regel erlaubt natürlich auch, ganz gewollt punkteträchtige Bauvorhaben zurückstellen, nur um in der nächsten Runde das Startspieler-Privileg zu erhalten.

Alle Spielzüge laufen in scharfer Konkurrenz aller Spieler gegeneinander ab. Jeder Spieler kann jedem anderen Spieler jeden Setzplatz wegnehmen. Das schafft eine spannende Atmosphäre mit ständiger Interaktion. Doch niemals verliert Egizia seine spielerische Linie. Auf unseren Spielerstirnen steht kein Schweiß, und für verpatze Vorhaben fließen keine Tränen. Alle Züge sind gut, nur manche sind halt besser. Es besteht ein großer Anreiz, die Vorteile der verschiedenen Nil-Karten in Abhängigkeit von der Lage am Nil zu analysieren, genauso wie den relativen Vorteil der verschiedenen Sphinx-Karten. Doch bei der Vielfalt der Einflussgrößen und ihren inneren Abhängigkeiten wird der Nil seine Geheimnisse nicht so leicht preisgeben.

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