{"id":1043,"date":"2011-03-31T02:25:50","date_gmt":"2011-03-31T01:25:50","guid":{"rendered":"http:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/?p=1043"},"modified":"2011-04-04T16:43:18","modified_gmt":"2011-04-04T15:43:18","slug":"30-03-2011-wasser-fuer-die-welt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/2011\/03\/31\/30-03-2011-wasser-fuer-die-welt\/","title":{"rendered":"30.03.2011: Wasser f\u00fcr die Welt"},"content":{"rendered":"<p>K\u00f6nnen Kinder von Haus aus problemlos verlieren? Moritz macht mit seinem knapp vierj\u00e4hrigen Milo gerade die Erfahrung, dass dies gar nicht so leicht ist. Ich kann mich diesbez\u00fcglich an meine eigene Kindheit und die meiner Kinder nicht mehr gut erinnern. K\u00f6nnte es sein, dass die Leichtigkeit, spielerische Niederlagen zu verschmerzen &#8211; oder auch das Gegenteil davon &#8211; angeboren ist? Garantiert findet man dazu auch unter Erwachsenen ein extrem weitgestreutes Naturell. Es soll Leute geben, die sogar schon Magenkr\u00e4mpfe kriegen, wenn sie ein Backgammonspiel verloren haben.<br \/>\n<strong>1. &#8220;Aqua Romana&#8221;<\/strong><br \/>\nBeim Auspacken des Spielmaterials lacht sofort das alte Eisenbahnerherz: Wie beim guten alten \u201e1830\u201c kommen Gleisteile mit grader und gebogener Streckenf\u00fchrung, mit Kreuzungen und Doppelschleifen zum Vorschein. Beim n\u00e4heren Hinsehen sind es allerdings keine Eisenbahngleise, die gelegt werden, sondern Bauteile von st\u00e4dtischen Wasserleitungen im alten Rom. Jeder Spieler hat vier Arbeiter an vier verschiedenen Wasserstr\u00e4ngen stehen und mu\u00df versuchen, auf dem gemeinsamen Stadtterritorium mit seinen Leuten die in der Summe l\u00e4ngste Leitung zu legen.<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2011\/03\/AquaRomana.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-1054\" src=\"http:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2011\/03\/AquaRomana.jpg\" alt=\"\" width=\"372\" height=\"304\" srcset=\"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2011\/03\/AquaRomana.jpg 372w, https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2011\/03\/AquaRomana-150x123.jpg 150w, https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2011\/03\/AquaRomana-300x245.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 372px) 100vw, 372px\" \/><\/a><br \/>\nDie Herausforderung dabei ist, dass man nicht einfach beliebige Bauteile an sein aktuelles Wassernetz anlegen darf, sondern dass daf\u00fcr der zugeh\u00f6rige Arbeiter in Peilrichtung zu einem passenden der vielen \u201eBaumeister\u201c stehen mu\u00df, die st\u00e4ndig am Spielfeldrand umherlaufen. Zum gewissen Grad ist f\u00fcr ein bis zwei Z\u00fcge vorhersehbar, welche Baumeister in Reichweite kommen werden, doch das Ganze unterliegt nat\u00fcrlich zum gro\u00dfen Teil auch dem gew\u00f6hnlichen Mitspielerchaos. Nicht rechnen, sondern einfach spielen.<br \/>\n<em>WPG-Wertung: Horst: 7 (ein strategisches 2-Personenspiel, in einer 4er Runde zu chaotisch), Moritz: 6 (ganz nett, gutes Dreierspiel, am Design gibt es nicht viel auszusetzen, allerdings keine nennenswerte Interaktion, l\u00e4ngst nicht so spannend wie z.B. \u201eTrans Europa\u201c), Walter: 7 (keine gro\u00dfe Herausforderung, daf\u00fcr aber sehr schnell, konstruktiv und spielerisch).<\/em><br \/>\n<strong>2. &#8220;A Brief History of the World&#8221;<\/strong><br \/>\nVon Moritz ein hei\u00df geliebtes 10-Punkte Spiel, Walter dagegen vergab vor einem Jahr lediglich 3 Punkte: \u201cerste Phase kontemplativ, zweite Phase promiskuitiv, dritte Phase mongoloid\u201d. Seine Vorbehalte wurden heute durch die gute Stimmung und durch Horst\u2019s Erwartungen in den Hintergrund gedr\u00e4ngt.<br \/>\nIn insgesamt 6 Epochen w\u00e4hlt jeder Spieler jeweils ein Volk aus, das an einer vorgegebenen Stelle des Erdkreises die Weltb\u00fchne betritt und und so lange seine Nachbarn niederw\u00fcrfelt, bis alle P\u00f6ppel untergekommen oder bereits im Statu nascendi geschlagen wurden.<br \/>\nW\u00fcrfel sind das A und O des Spiels. Nat\u00fcrlich d\u00fcrfen wir uns auch mit Intelligenz und Fingerspitzengef\u00fchl das jeweils beste Volk ausw\u00e4hlen, das in einer Epoche zur Verf\u00fcgung steht. Die freie Auswahlaus drei Angeboten \u2013 bei drei Mitspielern &#8211; hat allerdings nur der Startspieler, d.h. der bisher schw\u00e4chste in der Runde. Die anderen m\u00fcssen sehen, was \u00fcbrig bleibt. Daf\u00fcr hat der gr\u00f6\u00dfte Nachseher die freie Auswahl bei den Ereigniskarten, mit denen er sein Volk noch etwas aufp\u00e4ppeln kann, bevor es in den \u00dcberlebenskampf auszieht. Hiervon hat dann der Startspieler keine Alternative mehr.<br \/>\nK\u00e4mpfen hei\u00dft w\u00fcrfeln. Ausschlie\u00dflich. Der Neuling darf mit zwei W\u00fcrfel w\u00fcrfeln, die Alteingesessenen nur mit einem W\u00fcrfel. Als Ausgleich mu\u00df zum Gewinnen der Neuling mit wenigstens einem W\u00fcrfel h\u00f6her w\u00fcrfeln als sein Kontrahent. Schafft er das nicht, so ist er einen seiner Neup\u00f6ppel los. Allerdings bekommt er daf\u00fcr als Trostpflaster f\u00fcr seinen n\u00e4chsten W\u00fcrfelkampf einen Eroberungsbonus. (So etwas k\u00f6nnten die Rebellen in Libyen sicherlich auch gut gebrauchen!) W\u00fcrfelt er andererseits sehr viel mehr Augen als der Platzhirsch, so kann er die Augenzahl-Differenz auf einem Overrun-Konto gutschreiben lassen und damit mehr oder weniger Blut-Schwei\u00df-und-Tr\u00e4nenlos gleich eine ganze Reihe von Nachfolge-St\u00e4dten unter seine Kontrolle bringen. (Auch diese Technik w\u00e4re im heutigen Libyen von einigem Nutzen.)<br \/>\nMoritz als erfahrener Brief-Historiker gab jedem Mitspieler gemeinn\u00fctzig die besten Ratschl\u00e4ge. Vorzugweise durch das Vorgeben der Richtung, wo die meisten Siegpunkte zu holen w\u00e4ren. Leider liegen keine statistisch signifikant gesicherten Beobachtungen dazu vor, ob die richtungsweisenden Tips vorwiegend gegen den dritten Spieler gerichtet waren. Honi soit qui mal y pense.<br \/>\nWalter wollte Horst\u2019s Hunnen schon allein aus historischen Gr\u00fcnden gegen Moritz\u2019 Stellungen in Europa lenken, doch Horst lie\u00df sie ganz unhistorisch nach S\u00fcden auf die arabische Halbinsel vordringen. Sind sie vielleicht heute immer noch dort? (Verzeihung, f\u00fcr diesen Mangel an political correctness!). Moritz konstatierte dem Spiel eine extrem hohe Thematik, \u201eman lernt die Weltgeschichte\u201c. Es ist ja schlie\u00dflich egal, wohin die Hunnen wirklich gezogen sind.<br \/>\n\u201eDas Gl\u00fcckselement ist bei drei Spielern deutlich h\u00f6her als bei sechs!\u201c Weil die angebotene V\u00f6lkerauswahl gewaltig streut und man bei weniger Mitspielern Gl\u00fcck haben kann, dass die sch\u00e4rfsten Konkurrenzv\u00f6lker vielleicht gar nicht auftauchen werden. Bei sechs Mitspielern spielen hingegen alle V\u00f6lker mit, und durch die individuelle Losschlag-Reihenfolge gleichen sich die unterschiedlichen Eigenschaften st\u00e4rker wieder aus. Vielleicht.<br \/>\n<em>WPG-Wertung: Horst: 8 (ein sehr gutes Spiel f\u00fcr erfahrene Freaks), Moritz: 10 (bleibt), Walter: 4 (ein Punkt mehr f\u00fcr das umfangreiche Spielmaterial, die gewisse Balance in verschiedenen Elementen, aber keinen Punkt mehr f\u00fcr ein kompliziertes, aber verkapptes reinrassiges W\u00fcrfelspiel).<\/em><br \/>\n<strong>3. &#8220;Akkon&#8221;<\/strong><br \/>\nHorst hat das Spiel auf dem Flohmarkt billig erstanden. Sein Rittermilieu und das entsprechende Design haben ihn angesprochen. Doch in Realit\u00e4t ist von dem Rittermilieu nicht viel \u00fcbrig geblieben. \u201eAkkon\u201c ist ein abstraktes Entwicklungsspiel, das durch unberechenbares verdecktes Bieten auf Entwicklungs- und \u00c4rgerkarten gewonnen wird.<br \/>\nJeder Spieler bekommt insgesamt 5 Bietsteine mit den Werten 2, 5, 6, 7 und 8, einen Verdoppelungsstein und einen Rabatt-Stein, die reihum verdeckt an sechs verschiedenen Bietpl\u00e4tzen abgelegt werden. An einen Platz d\u00fcrfen sequentiell beliebig viele Bietsteine placiert werden. Nachdem alle Spieler gen\u00fcgend gesetzt haben, werden die Bietsteine aufgedeckt, und wer dann an einem Bietplatz am meisten geboten hat, bekommt eine offen (wenigstens!) ausliegende Karte, mit der er sein Konto an Glauben, Gold, Macht oder Ansehen erh\u00f6hen kann. Meist darf er damit sogar das entsprechende Konto eines beliebigen (Pfui!) Mitspielers erniedrigen. Mit manchen Karten darf man im n\u00e4chsten Zug zwei oder drei Bietsteine von einem beliebigen (nochmals Pfui!) Mitspieler wegnehmen und sie f\u00fcr seine eigenen hinterlistigen Zwecke mi\u00dfbrauchen!<br \/>\nWer am Ende mit der Summe seines niedrigesten und seines h\u00f6chsten Kontos am besten liegt, hat gewonnen. Ein einst\u00fcndiger \u00f6der Bietkampf ist zu Ende gegangen. Walter bot mehrmals einen Spielabbruch an, doch Moritz fand die monotone Auseinandersetzung mit Bietsteinen um Glaubenspunkte \u201etotal spannend\u201c.<br \/>\n<em>WPG-Wertung: Horst: 4 (z\u00e4h, zu wenig Kartenvielfalt, h\u00e4tte auch gerne abgebrochen), Moritz: 5 (fand den Bietmechanismus nicht schlecht), Walter: 3 (f\u00fcr das simple Spielprinzip viel zu lang).<\/em><br \/>\n<strong>PS<\/strong><br \/>\nHallo Hans, wir w\u00fcnschen Dir, dass es Dir mit Deiner neuen Leber ganz bald wieder ganz gut geht!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>K\u00f6nnen Kinder von Haus aus problemlos verlieren? Moritz macht mit seinem knapp vierj\u00e4hrigen Milo gerade die Erfahrung, dass dies gar nicht so leicht ist. Ich kann mich diesbez\u00fcglich an meine eigene Kindheit und die meiner Kinder nicht mehr gut erinnern. 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