{"id":1069,"date":"2011-04-14T02:09:18","date_gmt":"2011-04-14T01:09:18","guid":{"rendered":"http:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/?p=1069"},"modified":"2011-04-21T07:14:39","modified_gmt":"2011-04-21T06:14:39","slug":"13-04-2011-das-plagiat-des-20-jahrhunderts","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/2011\/04\/14\/13-04-2011-das-plagiat-des-20-jahrhunderts\/","title":{"rendered":"13.04.2011: Das Plagiat des 20. Jahrhunderts"},"content":{"rendered":"<p>Aaron und Moritz arbeiten beide unabh\u00e4ngig voneinander an je zwei verschiedenen Spielen. (Insgesamt also an vier Spielen.) Auch zum Spiele-Erfinden geh\u00f6rt, wie zu jeder anderen k\u00fcnstlerich kreativen Arbeit 1 % Inspiration und 99 % Transpiration. Eine ihrer gemeinsamen Erfahrungen in diesem Metier: Kleine \u00c4nderungen im Design k\u00f6nnen ganz gro\u00dfe Wirkungen auf die Balance haben. Negative nat\u00fcrlich.<br \/>\nSpiele-Erfinder der Welt, h\u00f6rt die Signale: Auch wenn wir Euere Produkte zuweilen explizit zerrei\u00dfen, eine Hochachtung vor Euerer produktiven Arbeitsleistung und Euerem vertropften Schwei\u00df wollen wir hiermit doch in jedem Fall implizit ausgedr\u00fcckt haben.<br \/>\n<strong>1. &#8220;Rumis&#8221;<\/strong><br \/>\nEine Test-Session f\u00fcr Moritz erstes Werk (auf dem Spielesektor) war angesagt. Der vierte Spieler kam extra aus Frankfurt angereist. Seine Versp\u00e4tung nutzen wir zu einem Warming-Up mit \u201eRumis\u201c, einem lockeren Spiel um das konkurrierende Aufstellen von Baukl\u00f6tzchen, bei dem selbst \u00e4ltere Herren ihren Kreislauf in Schwung bringen k\u00f6nnen.<br \/>\nAuch die topologische Phantasie ist gefordert. Und hinterher ist es nat\u00fcrlich leicht, kl\u00fcger zu sein. \u201eSchon Dein erster Zug war falsch. Eine Reihe weiter zur Mitte h\u00e4ttest Du Dir gleich ein gr\u00f6\u00dferes Eigengebiet abstecken k\u00f6nnen.\u201c Die Kritik wurde akzeptiert und mit der vorgeschlagenen Anfangsposition sofort ein neues Spiel angefangen. \u201eNach Deinem Tip bin ich jetzt ja noch schlechter gefahren als vorher!\u201c \u201eJetzt war Dein zweiter Zug zu defensiv, in dieser Phase darf man nicht absichern, sondern mu\u00df aggressiv nach vorne spielen!\u201c \u201eStimmt, ich widerspreche Dir nicht. Ich spiele nicht gut, aber ich mag das Spiel!\u201c<br \/>\nLauter friedliche Kommentare zu einem konstruktiven Konkurrenzkampf, bei dem trotz unterschiedlichsten Grundeinstellungen niemals die sachliche Argumentationsebene verlassen wurde. Das war bisher in all den hundert Partien der Fall, die ich schon gespielt habe. Auch diese Sachlichkeit ist ein Qualit\u00e4tsmerkmal von \u201eRumis\u201c.<br \/>\n<em>Keine neue WPG-Wertung f\u00fcr ein 7,7 Punkte Spiel.<\/em><br \/>\n<strong>2. &#8220;Das verfliXXte Jahrhundert&#8221;<\/strong><br \/>\nBereits vor zweieinhalb Jahren setzte uns Moritz seine Eigenentwicklung zum ersten Mal vor, und am 12.11.2008 wurde seine Spielidee mit seinem richtigen Namen \u201eDas 20. Jahrhundert\u201c bereits in unserem Session-Report vorgestellt. Doch das Spiel hat die notwendige Reife immer noch nicht erreicht. Jetzt hat Vladim\u00edr Such\u00fd bei Czech Games Edition auf der Spiel 2010 in Essen ein eigenes \u201eDas 20. Jahrhundert\u201c herausgebracht, das mit Moritz\u2019 Erfindung auch nicht das Geringste zu tun hat. Es ist also keinesfalls ein Plagiat. Nur der Name ist weg. Und Moritz ist auf der Suche nach einem neuen. Wie w\u00e4r\u2019s mit \u201eDas verfliXXte Jahrhundert\u201c?<br \/>\nMit von der Partie war heute ein Gast aus Frankfurt: Christof Tisch, Chefgraphiker bei Hans-im-Gl\u00fcck, der gemeinsam mit Moritz die Kanten und Ecken des ehemaligen 20. Jahrhunderts abschleifen hilft.<br \/>\nWir bewegen unseren P\u00f6ppel durch die Epochen des (immer noch) 20. Jahrhunderts, beteiligen uns an den Kriegen, die damals rund um die Welt stattgefunden haben (es sind viel mehr, als sich der gesunde Menschenverstand tr\u00e4umen l\u00e4\u00dft), wir entwickeln unsere Kompetenzen in sieben Forschungsgebieten (Wissenschaft, Kultur, Politik, Milit\u00e4r, Industrie, Religion und Krieg), wir nehmen politischen Einflu\u00df in \u00fcber 20 verschiedenen geographischen Zonen auf vier Kontinenten, und wir steigern unser Potential in f\u00fcnf Aktionsfeldern (Einflu\u00df, Globale Kontrolle, Schicksal, Diplomatie und Forschung).<a href=\"http:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2011\/04\/ChristofMoritz.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-1079\" src=\"http:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2011\/04\/ChristofMoritz.jpg\" alt=\"\" width=\"498\" height=\"467\" srcset=\"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2011\/04\/ChristofMoritz.jpg 498w, https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2011\/04\/ChristofMoritz-150x141.jpg 150w, https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2011\/04\/ChristofMoritz-300x281.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 498px) 100vw, 498px\" \/><\/a><br \/>\nMotor unserer Bewegung sind Aktionskarten, von denen jeder Spieler zu Beginn einen identische Satz erh\u00e4lt. Im Laufe des Spiels kann man sich weitere und m\u00e4chtigere Aktionskarten zulegen, die alle mehr oder weniger wrap-around genutzt werden. Eine Art W\u00e4hrung sind Einflu\u00dfw\u00fcrfel, die wir bei verschiedenen Aktionen in unterschiedlichen Quantit\u00e4ten einsetzen d\u00fcrfen oder m\u00fcssen, und von denen wir uns immer eine gen\u00fcgende Reserve zur\u00fcckhalten sollten.<br \/>\nKriege sind kurz und schmerzlos. Sie werden en-passant abgewickelt, sofern sich mindestens eine kriegsf\u00fchrende Partei daf\u00fcr gefunden hat. Die Gewinner erhalten politischen Einflu\u00df in den unterlegenen L\u00e4nderzonen, was zwar erfreulich, aber keinesfalls spielentscheidend ist. Kriege bieten auch eine g\u00fcnstige Gelegenheit, Einflu\u00df in Geld zu verwandeln. Hier fiel das b\u00f6se Wort von den \u201eGnomen von Z\u00fcrich\u201c.<br \/>\n&#8220;Das verfliXXte Jahrhundert&#8221; ist ein \u00e4u\u00dferst komplexes Spiel. Es enth\u00e4lt hunderte von Schr\u00e4ubchen und R\u00e4dchen, die alle mehr oder weniger stark voneinander abh\u00e4ngen. Am liebsten m\u00f6chte man an allen ein bi\u00dfchen drehen, aber manchmal sind sie zu weit weg, manchmal hat man nicht genug Kraft und manchmal braucht man einfach eine Menge Geduld. Alle Elemente bieten eine progressive, zuweilen sogar explosive Steigerung; der Umsatz an Einflu\u00df, Diplomatie und technischem Fortschritt nimmt gewaltig zu. Das Spielmaterial auf dem Spielbrett, von denen die Effizienz unserer verschiedenen Z\u00fcge abh\u00e4ngt, wird immer umfangreicher. Das hat nat\u00fcrlich auch zur Folge, dass die Spielz\u00fcge immer langsamer werden. 90 Minuten brauchten wir f\u00fcr die erste Epoche, zwei Stunden f\u00fcr die zweite Epoche. Die vorletzte U-Bahn verhinderte die dritte und letzte Epoche. Wir konnten zwar unisono feststellen: \u201eDie Zeit ist schnell vergangen\u201c, was grunds\u00e4tzlich ein Kompliment an das Spieldesign ist, doch f\u00fcr Eurogames ist eine 6-st\u00fcndige Spielzeit noch nicht zumutbar.<br \/>\nWir diskutierten einige der zahlreichen M\u00f6glichkeiten, das Spiel zu vereinfachen und zu verk\u00fcrzen. Moritz war mit keiner davon sehr gl\u00fccklich. Jedes einzelne Element ist f\u00fcr ihn ein unter Schmerzen geborenes und liebgewordenes Kind seiner Thematik. Der stromlinienf\u00f6rmige Euro- oder gar German-Style soll keine Dominanz bekommen.<br \/>\nF\u00fcr das Gelingen der Synthese von Funktionalit\u00e4t, Spielbarkeit und Thema w\u00fcnschen wir Dir und Christof noch gl\u00fcckliche H\u00e4ndchen in vielen gl\u00fccklichen Stunden k\u00fcnstlerischer Kreativit\u00e4t.<br \/>\n<em>Noch keine WPG-Wertung.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Aaron und Moritz arbeiten beide unabh\u00e4ngig voneinander an je zwei verschiedenen Spielen. (Insgesamt also an vier Spielen.) Auch zum Spiele-Erfinden geh\u00f6rt, wie zu jeder anderen k\u00fcnstlerich kreativen Arbeit 1 % Inspiration und 99 % Transpiration. Eine ihrer gemeinsamen Erfahrungen in diesem Metier: Kleine \u00c4nderungen im Design k\u00f6nnen ganz gro\u00dfe Wirkungen auf die Balance haben. 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