{"id":1086,"date":"2011-04-28T01:54:20","date_gmt":"2011-04-28T00:54:20","guid":{"rendered":"http:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/?p=1086"},"modified":"2011-05-04T16:09:50","modified_gmt":"2011-05-04T15:09:50","slug":"27-04-2011-goetzenbilder-in-burgund","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/2011\/04\/28\/27-04-2011-goetzenbilder-in-burgund\/","title":{"rendered":"27.04.2011: G\u00f6tzenbilder in Burgund"},"content":{"rendered":"<p>In seinem Begleittext zu \u201eLondon\u201c als unserem neuesten &#8220;Spiel des Monats&#8221; hatte Walter geschrieben: \u201eEs gilt, in Bescheidenheit und <strong>\u00f6lologischer<\/strong> Vernunft seine Kartenfreiheit zu nutzen\u201c. Aaron, der die \u00dcbersetzung ins Englische besorgt und schon h\u00e4ufiger \u00fcber Walters Schreibfehler gestolpert ist, hat r\u00fcckgefragt, ob &#8220;\u00f6lologische Vernunft&#8221; ein Wortspiel ist oder &#8220;\u00f6konomische Vernunft&#8221; hei\u00dfen soll. Eigentlich hatte Walter \u201e\u00f6kologisch\u201c gemeint, aber dies lie\u00df Aaron nicht gelten. Dieser Begriff war ihm einfach zu neu und zu deutlich auf den Umweltschutz des 20. bzw. 21. Jahrhunderts gem\u00fcnzt.<a href=\"http:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2011\/04\/OekologieNomie.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-1106\" src=\"http:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2011\/04\/OekologieNomie.jpg\" alt=\"\" width=\"367\" height=\"501\" srcset=\"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2011\/04\/OekologieNomie.jpg 367w, https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2011\/04\/OekologieNomie-110x150.jpg 110w, https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2011\/04\/OekologieNomie-220x300.jpg 220w\" sizes=\"auto, (max-width: 367px) 100vw, 367px\" \/><\/a><br \/>\nFrage an die Londoner Experten: Ist das Vorgehen, dass man f\u00fcr ein erfolgreiches Vorgehen in \u201eLondon\u201c ben\u00f6tigt jetzt &#8220;\u00f6kologische Vernunft&#8221; oder &#8220;\u00f6konomische Vernunft&#8221;?<br \/>\n<strong>1. &#8220;Pantheon&#8221;<\/strong><br \/>\nSeine schlechte Wertung f\u00fcr \u201ePantheon\u201c (pures \u201eChaos\u201c) hat Aaron nicht schlafen lassen. Die ganzen Osterfeiertage \u00fcber hat er Abl\u00e4ufe und Schwachstellen unserer ersten Begegnung vom 20. April analysiert und wollte seine Ergebnisse heute am lebenden Objekt nochmals verifizieren.<br \/>\nWie gehabt ziehen wir in sechs Runden unsere Trampelpfade vom Zentral-Tempel zu verschiedenen Markern und hinterlassen unsere Duftmarken in Form von F\u00fc\u00dfen und Gebetstrommeln. Nach jeder Runde sammeln wir unsere F\u00fc\u00dfe wieder ein, die Trommeln bleiben stehen und liefern uns am Ende nach einer quasi quadratischen Formel einen riesigen Batzen Siegpunkt-Einkommen. \u201eRiesig\u201c ist das Einkommen zumindest f\u00fcr den, der in der Quadrat-Formel auf der Trommel-Abszisse gewisse Schwellwerte \u00fcberschritten hat. Wer hier nur gekleckert hat, wird in der Schlu\u00dfwertung auch entsprechend klecklich behandelt.<br \/>\nAuch die G\u00f6tzenstrategie hat ihren Charme. Wir verschaffen uns damit fortlaufend Vorteile f\u00fcr unsere k\u00fcnftigen Spielz\u00fcge: gr\u00f6\u00dfere Reichweite, gr\u00f6\u00dferes Einkommen, linear anwachsende Siegpunktpr\u00e4mien und gegebenenfalls die Erlaubnis f\u00fcr Doppelz\u00fcge, mit denen wir \u2013 mit ein bi\u00dfchen Gl\u00fcck &#8211; in der letzen Runde ebenfalls gewaltige Siegpunkt-Summen einstreichen k\u00f6nnen.<br \/>\nDie explosionsartig anwachsende Siegpunkten-Flut, die \u00fcber uns Spieler hereinbricht, ist im Design von \u201ePantheon\u201c sicherlich etwas au\u00dfer Balance geraten. Ganz kleine Effekte, wie z.B. der Aufbau einer einzigen weiteren Gebetstrommel oder eine einzige, mehr oder weniger zuf\u00e4llig passende Aktionskarte zum Erwerb des letzten G\u00f6tzenbildes, das dann in einer Kettenreaktion ganze Siegpunkt-Lawinen \u00fcber uns herunterkommen l\u00e4\u00dft, machen eine seri\u00f6se Planung sehr fragil. Aber vielleicht ist das auch das Sch\u00f6ne daran: Kaum hat man sich mit den Mechanismen angefreundet und schmiedet Pl\u00e4ne f\u00fcr reiche Siegpunkternten, da ist mit einem rasanten Knalleffekt das Spiel auch schon zu Ende.<br \/>\nHeute lief alles ganz anders als beim letzten Mal. Trotzdem konnte sich auch diesmal wieder die Trommelstrategie (im Tie-Break) vor der reinen G\u00f6tzenstrategie durchsetzen. Beide Strategien wurden jeweils durch das individuelle Privileg zur Startaufstellung (1 Bewegungsschritt mehr bzw. 1 Aktionskarte mehr) nahegelegt. Der Startspieler, f\u00fcr den kein solches richtungsweisendes Privileg mehr \u00fcbrig war, b\u00fc\u00dfte notgedrungen einen Milligramm Strategie-Konsequenz ein und hatte so keine Chance mehr auf einen der vorderen Pl\u00e4tze.<br \/>\nIn einer Stunde waren wir durch. Daraus folgerte Aaron einen deutlich gestiegenen Wiederspielreiz. Seine Gleichsetzung von \u201ePantheon\u201c mit \u201e7 Wonders\u201c konnte Walter allerdings nicht unwidersprochen hinnehmen: Freilich lebt \u201ePantheon\u201c auch von Karten, doch der Freiheitsgrad beim Ziehen der Karten und den daraus resultierenden m\u00f6glichen Aktionen ist in \u201ePantheon\u201c um ein Mehrfaches gr\u00f6\u00dfer. Freilich bringen auch in \u201ePantheon\u201c die gezogenen Aktionskarten einen deutlichen Zufallseinflu\u00df mit sich. Doch hier sind noch wesentlich mehr Zufallseinfl\u00fcsse gegeben, aber alle fein, wohlabgestimmt und spielerisch in den Gesamtablauf integriert. F\u00fcr mich!<br \/>\n<em>WPG-Wertung: Aaron: 7 (\u201ekurzweilig\u201c, 2 Punkte mehr), G\u00fcnther und Walter blieben bei ihren 8 Punken: .<\/em><br \/>\n<strong>2. &#8220;Die Burgen von Burgund&#8221;<\/strong><br \/>\nIn einem (gem\u00e4\u00df Regelheft) \u201eau\u00dfergew\u00f6hnlichen Aufbauspiel um Weiden, Waren und W\u00fcrfel\u201c sollen wir unsere hexagonalen \u201eL\u00e4ndereien durch \u00fcberlegten Handel und Wandel aufbl\u00fchen lassen.\u201c<br \/>\nZun\u00e4chst einmal w\u00fcrfeln wir, jeder mit zwei W\u00fcrfeln. Der W\u00fcrfel bestimmt, welches der offen ausliegenden Landschaftspl\u00e4ttchen wir in unseren Vorrat, und welches Pl\u00e4ttchen wir vom Vorrat auf welches Feld in unseren L\u00e4ndereien legen d\u00fcrfen. Passt uns das W\u00fcrfelergebnis nicht, d\u00fcrfen wir uns f\u00fcr einen W\u00fcrfel zwei Arbeiter zulegen, die es uns erlauben, beim n\u00e4chsten Wurf die geworfene Augenzahl nach oben oder unten zu verschieben. So ganz stupide sind wir dem W\u00fcrfel also nicht ausgeliefert. Ein bi\u00dfchen aber schon.<br \/>\nMit jedem Pl\u00e4ttchen in unseren L\u00e4nderreien gewinnen wir Vorteile: die Erlaubnis, noch ein weiteres Pl\u00e4ttchen legen, ein paar Arbeiter f\u00fcr die W\u00fcrfelaugen-Modifikation, Geld (zum Erwerb von Landschaftspl\u00e4ttchen v\u00f6llig am W\u00fcrfelergebnis vorbei), oder Siegpunkte. Alle R\u00e4dchen wirken ineinander und alle Aufbauleistung wird belohnt. Allerdings riecht alles unweigerlich nach Schwei\u00df, der von der Stirne tropfen mu\u00df, damit das Werk den Meister loben kann. W\u00fcrfel-Modifier durchrechnen, die Erreichbarkeit von Pl\u00e4ttchenauslagen absch\u00e4tzen, die Ambitionen der Mitspieler vorhersehen und sich dagegen vorsehen, das ist alles ziemlich anspruchsvoll. Aaron und Walter fanden hier sogleich \u00c4hnlichkeiten zu \u201eAgricola\u201c. Wer dieses Spiel liebt, wird auch an den \u201eBurgen von Burgund\u201c seine Freude haben. Und wenn die Jury von \u201eSpiel des Jahres\u201c wieder einen Sonderpreis f\u00fcr das \u201ekomplexeste Spiel des Jahres\u201c vergeben will, dann sind die \u201eBurgen\u201c ein hei\u00dfer Anw\u00e4rter.<br \/>\nDoch f\u00fcr Spielen im eigentlichen Sinn des Wortes fehlen deutlich spielerische Elemente. Und die Interaktion beschr\u00e4nkt sich auf den Wettlauf um die Pr\u00e4mienpl\u00e4tze bei den vielf\u00e4ltigen Etappenzielen. Und das Thema? Der Rioja auf dem Tisch hat mehr Assoziationen mit Burgund aufkommen lassen als die Masse der 240 Spielelemente.<br \/>\n<em>WPG-Wertung: Aaron: 6 (\u201eder Spannungsbogen fehlt, 5 Runden lang der gleiche Ablauf\u201c), G\u00fcnther: 8 (\u201ef\u00fcr Freaks, komplexes Aufbauspiel mit zahlreichen Entfaltungsm\u00f6glichkeiten, objektiv ein Highlight des Jahres 2011, subjektiv vielleicht nicht\u201c), Walter: 6 (\u201eein Hoch f\u00fcr den Schwei\u00df, den der Autor bei der Spielentwicklung vergossen hat, kein Hoch f\u00fcr den Schwei\u00df, den die Spieler beim Spielablauf vergie\u00dfen m\u00fcssen\u201c).<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In seinem Begleittext zu \u201eLondon\u201c als unserem neuesten &#8220;Spiel des Monats&#8221; hatte Walter geschrieben: \u201eEs gilt, in Bescheidenheit und \u00f6lologischer Vernunft seine Kartenfreiheit zu nutzen\u201c. 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