{"id":1215,"date":"2011-06-23T01:11:32","date_gmt":"2011-06-23T00:11:32","guid":{"rendered":"http:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/?p=1215"},"modified":"2011-12-07T17:00:20","modified_gmt":"2011-12-07T16:00:20","slug":"22-06-2011-strasbourg-und-die-bluff-surrogate","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/2011\/06\/23\/22-06-2011-strasbourg-und-die-bluff-surrogate\/","title":{"rendered":"22.06.2011: Strasbourg und die Bluff-Surrogate"},"content":{"rendered":"<p>Richard Strau\u00df pflegte vor seinen Konzerten, im K\u00fcnstlerzimmer, angetan mit Frack und wei\u00dfer Weste, Skat zu spielen; bis zum letzten Augenblick oder besser l\u00e4nger, bis das Publikum wegen Verz\u00f6gerung des Konzertbeginns unruhig wurde. Dann legte er die Karten hin und ergriff daf\u00fcr den Taktstock, d.h. er f\u00fcllte eine Pause im Skat mit Musikmachen aus, bis er in der Konzertpause im Skat fortfahren konnte. (nach Ilse Hess)<br \/>\nHallo Moritz, stimmt das?<br \/>\n<strong>1. &#8220;Strasbourg&#8221;<\/strong><br \/>\nEin weiteres Spiel von Stefan Feld. (G\u00fcnther \u201eDer bringt in letzter Zeit eine Menge guter Spiele heraus.\u201c) Herausgegeben vom Pegasus Verlag. (Moritz: \u201eB\u00fcrgt f\u00fcr Qualit\u00e4t!\u201c)<br \/>\nDie Kulisse ist das mittelalterliche Stra\u00dfburg (so wurde es wohl damals geschrieben), die politischen Geschicke der Stadt werden von Handwerksz\u00fcnften beeinflu\u00dft und die Spieler schl\u00fcpfen in die \u201eRollen aufstrebender Familien der Stadt\u201c. Warum daf\u00fcr jetzt Stra\u00dfburg den Namen hergeben mu\u00dfte und nicht N\u00fcrnberg oder Hamburgum ist nicht plausibilisiert. Thema und Lokalkolorit sind auch nicht pr\u00e4sent. Das Spiel enth\u00e4lt eine ganze Reihe h\u00fcbscher Mechanismen, die sehr organisch in sich greifen und die Spieler vor eine abstrakte Aufbau-Anforderung stellen, die vorausschauend-planerisch angegangen werden mu\u00df, dabei aber nie die spielerische Linie verliert.<\/p>\n<ul>\n<li>Wir bieten um Felder, die uns Privilegien als F\u00fchrer des Adels, als Bischof oder F\u00fchrer einer der Z\u00fcnfte gew\u00e4hren. Eine neuartige Designidee macht den Bietvorgang trickreich, interaktiv und zugleich schnell.<\/li>\n<li>Wir erwerben Bezugsrechte und bieten um Felder, wo wir diese Bezugsrechte in bare M\u00fcnze verwandeln k\u00f6nnen. Eine kluge Balance im Erwerb und im Umtauch von geb\u00fcndelten Bezugrechten ist f\u00fcr Liquidit\u00e4t und Handlungsfreiheit unbedingt erforderlich.<\/li>\n<li>Wir nutzen unser Geld und unsere Privilegien, um unsere P\u00f6ppel auf dem Spielbrett m\u00f6glichst siegpunktbringend positionieren zu k\u00f6nnen. Das ist das Kernst\u00fcck der z\u00fcnftigen Stra\u00dfburger Musik.<\/li>\n<li>Jeder Spieler erh\u00e4lt noch eine w\u00e4hlbare Anzahl von individuellen Sonderauftr\u00e4gen, mit denen bei Spielende bestimmte Kombinationen von P\u00f6ppel-Positionen auf dem Spielbrett honoriert werden. Dadurch erh\u00e4lt der Ehrgeiz jedes Spieler ein Bet\u00e4tigungsfeld und es kommt eine wohldosierte Asymmetrie in die Spielerziele.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Man darf bei der Auswahl der Auftr\u00e4ge nicht zu gierig sein, nicht-erf\u00fcllte Auftr\u00e4ge werden mit Punkt-Abzug bestraft. Ein bis zwei Auftr\u00e4ge pro Spiel sind eine ausreichend gro\u00dfe Herausforderung. Unsere Strategie-Kornifere hatte sich gleich drei Auftr\u00e4ge unter den Nagel gerissen und konnte keinen einzigen davon erf\u00fcllen. Ein Aufrag weniger und er w\u00e4re noch Vorletzter geworden.<br \/>\n<em>WPG-Wertung: G\u00fcnther: 8 (intelligenter Bietmechanismus), Loredana: 8 (interaktiv, man spielt st\u00e4ndig mit, auch in einer 5er Runde nie langweilig), Peter: 8 (ihm gefiel die Varianz der Setzziele durch die individuellen Sonderauftr\u00e4ge), Moritz: 8 (enth\u00e4lt viele gef\u00e4llige Elemente), Walter: 8 (alles funktioniert in ausgezeichneter Balance)<\/em><br \/>\n<strong>2. &#8220;Take it or Leave it&#8221;<\/strong><br \/>\nZwanzig Hexa-W\u00fcrfel in den Farben wei\u00df, schwarz und rot werden in eine Schale gew\u00fcrfelt und lassen dabei fast so etwas wie eine \u201eBluff\u201c-Stimmung aufkommen. Doch die Vorfreude verl\u00e4uft sich blitzartig wie eine offene Welle.<br \/>\nReihum darf sich jeder Spieler einen W\u00fcrfel aus der Schale holen und damit successive bestimmte W\u00fcrfelkombinationen zusammensuchen, die er als geheimen \u201eAuftrag\u201c auf der Hand hat, z.B. eine wei\u00dfe Zwei und eine schwarze Vier zu besitzen, oder mit 3 W\u00fcrfeln in der Summe der Augenzahlen unter 7 zu bleiben, oder mit beliebig vielen W\u00fcrfeln genau 18 Punkte zu erzielen. Vier Auftr\u00e4ge stehen jedem Spieler pro Runde zur Auswahl; einen, h\u00f6chstens zwei davon kann er davon erf\u00fcllen.<br \/>\nWer \u2013 wenn die W\u00fcrfel langsam ausgehen \u2013 keinen \u201eAuftrag\u201c mehr erf\u00fcllen kann, pa\u00dft, und wenn alle gepa\u00dft haben oder die W\u00fcrfel alle weg sind, ist eine Runde zu Ende. Erf\u00fcllte Auftr\u00e4ge ergeben Pluspunkte, nicht mehr in Auftr\u00e4gen untergebrachte W\u00fcrfel bringen Minuspunkte und das (freiwillige) Aufnehmen von roten W\u00fcrfeln wird ebenfalls mit Minuspunkten bestraft.<br \/>\nEigentlich k\u00f6nnte man das Spiel ganz locker \u00fcber die B\u00fchne gehen lassen, doch wenn man die ausliegenden W\u00fcrfel erst danach analysieren mu\u00df,<\/p>\n<ul>\n<li>welche Augenzahl man unbedingt noch braucht (und welche davon nur noch selten ausliegt)<\/li>\n<li>mit welchen der ausliegenden W\u00fcrfeln welche gew\u00fcnschten W\u00fcrfelkombinationen sich am h\u00e4ufigsten und deshalb am sichersten realisieren lassen.<\/li>\n<li>auf welche W\u00fcrfel bzw. W\u00fcrfelkombinationen die Mitspieler spekulieren k\u00f6nnten.<\/li>\n<li>und was man sich sonst noch alles zusammenreimen kann.<\/li>\n<\/ul>\n<p>dann ist die Lockerheit schnell dahin. Der Rest ist dr\u00f6ge. Und weil eine Spielerrunde am Westpark ohne diese Analysiererei nicht leben kann, ist &#8220;Take it or Leave it&#8221; &#8211; zumindest in unserem Kreis &#8211; dr\u00f6ge.<br \/>\n<em>WPG-Wertung: G\u00fcnther: 6 (locker und einfach), Loredana: 5 (ein Kinderspiel. Mit Kindern w\u00fcrde es vielleicht besser gefallen), Peter: 6 (Ich k\u00f6nnte es nochmals spielen), Moritz: 6 (das Spiel ist nicht broken), Walter: 6 (ein Semi-Absacker)<\/em><br \/>\n<strong>3. &#8220;Skull &amp; Roses&#8221;<\/strong><br \/>\nIn irgendeinem Spielegremium wird behauptet, dieses Spiel sei ein w\u00fcrdiger Nachfolger von \u201eBluff\u201c. Entsprechend hoch waren unsere Erwartungen.<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2011\/06\/SkullAndRoses.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-1225\" src=\"http:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2011\/06\/SkullAndRoses.jpg\" alt=\"\" width=\"455\" height=\"346\" srcset=\"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2011\/06\/SkullAndRoses.jpg 910w, https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2011\/06\/SkullAndRoses-150x114.jpg 150w, https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2011\/06\/SkullAndRoses-300x228.jpg 300w, https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2011\/06\/SkullAndRoses-640x487.jpg 640w\" sizes=\"auto, (max-width: 455px) 100vw, 455px\" \/><\/a><br \/>\nJeder Spieler bekommt ein Set von vier \u201eBierdeckeln\u201c mit drei Rosen und einem Totenkopf. Daraus w\u00e4hlt jeder geheim einen seiner Deckel aus und legt ihn verdeckt vor sich hin, also entweder eine Rose oder den Totenkopf.<br \/>\nMoritz wollte von dieser Startaufstellung ausgehend unter der Bluff-Hypothese gleich auf die gesamten Spielregeln schlie\u00dfen: \u201eJeder nennt jetzt eine Zahl, wielviele Totenk\u00f6pfe ingesamt ausliegen.\u201c Doch so billig geht es dann doch nicht. Wer am Zug ist, hat jetzt jeweils eine Entscheidungsalternative: Entweder legt er einen weiteren Bierdeckel verdeckt vor sich hin, oder er beginnt eine \u201eChallenge\u201c, d.h. er nennt eine Zahl, das ist die Anzahl von Rosen-Bierdeckeln, die er von den verdeckt auf dem Tisch liegenden Bierdeckeln aufdecken kann, ohne einen einzigen Totenkopf zu erwischen. Dabei mu\u00df er das Umdrehen mit seinen eigenen Bierdeckeln anfangen, er darf also keinen Totenkopf in seinem Stapel haben. Reihum kann jetzt jeder diese Zahl erh\u00f6hen oder passen. Gewinnt ein Spieler die Challenge, so ist das der halbe Weg zu seinem Sieg, d.h. nach zwei gewonnenen Challenges ist er Sieger. Verliert ein Spieler die Challenge, mu\u00df er einen Bierdeckel abgeben; nach vier verlorenen Challenges scheider er aus.<br \/>\nEs wurde viel gelacht, besonders wenn die Challenges verloren gingen. Deren waren es viele, sonst w\u00e4re das Spiel ja im Nu zu Ende gewesen. Trivial-Tipp zur Taktik: \u201eLege als erstes immer den Totenkopf heraus, und lasse Deine Konkurrenten die Challenges verlieren!\u201c (Dieser Tipp ist nat\u00fcrlich Kappes.) Doch auch wenn es nicht ganz so trivial zugeht, kann &#8220;Skull &amp; Roses&#8221; dem \u201eBluff\u201c nicht das Wasser reichen. Es gibt keine Steigerung, kein Nachw\u00fcrfeln, kein Reinrei\u00dfen des gutgl\u00e4ubigen Nachbarn, kein taktisches oder unerl\u00e4\u00dfliches Nachw\u00fcrfeln und das sogenannte Bluffen beschr\u00e4nkt sich auf die 50:50 Entscheidung, einen Totenkopf oder eine Rose herauszulegen.<br \/>\nWer als erster nur noch einen Totenkopf-Bierdeckel in der Hand h\u00e4lt, kann nicht mehr gewinnen, aber er mu\u00df noch mitspielen und dabei dem langweiligen Kampf zuschauen, wie auch die \u00fcbrigen Mitspieler langsam ihre Bierdeckel verlieren oder wie einer hoffentlich seine zweite Challenge gewinnt. Z\u00e4h!<br \/>\n<em>WPG-Wertung: G\u00fcnther: 7 (immerhin hat es die Spielbox empfohlen), Loredana: 2 (f\u00fcrs Lachen am Anfang), Peter: 3 (mit Tendenz in Richtung 1), Moritz: 6 (schlie\u00dflich wurde er Zweiter), Walter: 3 (der Anfang scheint lustig, das Ende ist z\u00e4h).<\/em><br \/>\n<strong>4. &#8220;Bluff&#8221;<\/strong><br \/>\n\u201eEndlich\u201c! Ein richtiger Absacker nach den zwei Pseudo-Absackern. Peter stand im 1:1-Endspiel gegen G\u00fcnther und sinnierte signifikant lange \u00fcber seine erste Vorgabe. G\u00fcnther schlo\u00df sofort daraus, dass Peter einen problematischen Wurf haben mu\u00dfte: Entweder eine Eins oder einen Stern. Trotzig (oder warum auch immer) setzte Peter auf G\u00fcnthers Loser-Strategie und fing mit 1 mal F\u00fcnf an. G\u00fcnther hob ohne Z\u00f6gern auf 2 mal F\u00fcnf und Peter blieb nur noch der Verzweiflungsversuch: 2 mal Stern. Ohne Erfolg. Wie leicht h\u00e4tte er diesen Kampf mit Walters Immer-4-Strategie gewinnen k\u00f6nnen!<br \/>\nDerweilen k\u00fcndigte Moritz f\u00fcr die zweite Runde eine \u201eneue Strategie\u201c an. Sp\u00e4ter verriet er, dass es eine Immer-3-Startspielerstrategie gewesen w\u00e4re. Er konnte die Wirksamkeit dieser Strategie leider nicht nachweisen, denn er wurde alle seine W\u00fcrfel los, bevor er auch nur ein einziges Mal Startspieler geworden war.<br \/>\n<em>Keine neue WPG-Wertung f\u00fcr ein Super-Spiel.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Richard Strau\u00df pflegte vor seinen Konzerten, im K\u00fcnstlerzimmer, angetan mit Frack und wei\u00dfer Weste, Skat zu spielen; bis zum letzten Augenblick oder besser l\u00e4nger, bis das Publikum wegen Verz\u00f6gerung des Konzertbeginns unruhig wurde. 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