{"id":1224,"date":"2011-06-30T02:40:38","date_gmt":"2011-06-30T01:40:38","guid":{"rendered":"http:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/?p=1224"},"modified":"2011-06-30T17:56:51","modified_gmt":"2011-06-30T16:56:51","slug":"29-06-2011-freuden-mit-den-spielen-des-jahres","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/2011\/06\/30\/29-06-2011-freuden-mit-den-spielen-des-jahres\/","title":{"rendered":"29.06.2011: Freuden mit den Spielen des Jahres"},"content":{"rendered":"<p>Schelte an den Entscheidungen der Jury zum \u201eSpiel des Jahres\u201c sind an der Tagesordnung. Durch Sonderpreise f\u00fcr Spiele, die beim Normalverbraucher grunds\u00e4tzlich nicht punkten k\u00f6nnen, z.B. f\u00fcr \u201eCaylus\u201c und \u201eAgricola\u201c als \u201ekomplexestes Spiel des Jahres\u201c, wurde ein bi\u00dfchen Unmut ausgebremst. Dieses Jahr wurde mit \u201eKennerspiel des Jahres\u201c erstmalig eine ganz neue Preiskategorie geschaffen, in der anspruchsvollere Spiele honoriert werden k\u00f6nnen.<br \/>\nDass das relativ elementare Kartensammelspiel \u201e7 Wonders\u201c nur in dieser Randkategorie gewinnen konnte, war \u00fcberraschend. Denn das Spiel ist einfach genug und h\u00e4tte auch in der Hauptkategorie konkurrieren k\u00f6nnen. Sind denn in der Hauptkategorie nur noch Kinderspiele pr\u00e4mierf\u00e4hig?<br \/>\nF\u00fcr Aarons Seufzer: \u201eDie Jury entt\u00e4uscht mich von Jahr zu Jahr mehr\u201c fand Horst die Begr\u00fcndung: \u201eDas Bildungsniveau der Bev\u00f6lkerung nimmt ja auch von Jahr zu Jahr ab\u201c. Demn\u00e4chst wird bei uns in Bayern ja die Hauptschule abgeschafft. Damit ist dann gew\u00e4hrleistet, dass wir in k\u00fcrzester Zeit eine Abiturientenquote von 100% bekommen werden.<br \/>\n<strong>1. &#8220;Qwirkle&#8221;<\/strong><br \/>\nZum Warming-up sollte der Preistr\u00e4ger zum Spiel des Jahres 2011 am Westpark auf jeden Fall geeignet sein. Auch wenn die aktuell vorherrschende L\u00e4sterstimmung eher kontraproduktisch war. G\u00fcnther erkannte in den Regeln noch relativ ernsthaft ein \u201eGenial light\u201c, der Rest eher ein \u201eScrabble f\u00fcr Analphabeten\u201c: Anstelle von Buchstaben m\u00fcssen wir Bausteine mit farbigen Symbolen ablegen. Anstatt mit unseren Buchstabensteinen g\u00fcltige Duden-W\u00f6rter zu bilden, m\u00fcssen wir unsere Bausteine in gleichfarbigen oder gleichsymboligen Ketten ablegen, und zwar genauso wie bei \u201eScrabble\u201c anschlie\u00dfend an die Muster, die auf dem Spielbrett bereits ausliegen.<br \/>\nDie Jury von \u201eSpiel des Jahres\u201c hat dazu angemerkt: \u201eEinfache und logische Regeln bestimmen dieses nahezu selbst erkl\u00e4rende Legespiel, das einen sofort gefangen nimmt. Das Kombinieren von Farben und Formen erfordert neben ein bisschen Gl\u00fcck auch Voraussicht und taktische \u00dcberlegungen. Die griffigen und farbig bedruckten Holzsteine haben einen hohen Aufforderungscharakter, so dass oft eine Partie der n\u00e4chsten folgt. Zudem spricht Qwirkle alle Generationen gleicherma\u00dfen an.\u201c<br \/>\nWenn ich w\u00fc\u00dfte, was ein \u201eAufforderungscharakter\u201c ist, h\u00e4tte ich dieser Begr\u00fcndung nichts mehr hinzuzuf\u00fcgen.<br \/>\nAaron erfand aus dem Stegreif die Bluff-Variante von \u201eQwirkle\u201c: Jeder Spieler legt seine Steine verdeckt an und der Nachfolger darf glauben oder anzweifeln, ob die geforderten Anlegeregeln auch eingehalten wurden.<br \/>\n<em>WPG-Wertung: Aaron: 5 (vermi\u00dft Kreativit\u00e4t in seinen Zugoptionen), G\u00fcnther: 7 (klare, solide Mechanismen), Horst: 7 (besser als \u201eDixit\u201c, unterhaltsam und spannend), Walter: 6 (bestens geeignet f\u00fcr Willis Nicht-Spieler-Runden.)<\/em><br \/>\n<strong>2. &#8220;Lancester&#8221;<\/strong><br \/>\nEin weiteres Spiel, dass es in diesem Jahr bis in die Endrunde zum \u201eKennerspiel des Jahres\u201c gebracht hat. Zur Einleitung versprach Horst \u201eeinfache Regeln\u201c, was in Kennerkreisen nat\u00fcrlich ein bi\u00dfchen komplizierter sein darf. Es ist ein Aufbauspiel, das die Autoren in die Zeit des hundertj\u00e4hrigen Krieges ger\u00fcckt haben. Jeder Spieler erh\u00e4lt eine Reihe von \u201eRittern\u201c unterschiedlicher St\u00e4rke, die er reihum auf verschiedene Orte im \u201eCounty\u201c, im \u201eCastle\u201c oder im \u201eKonflikt\u201c placiert, um damit ortsspezifische Vorteile einzuheimsen, z.B. Adelspl\u00e4ttchen, Geld, Knappen, neue Ritter oder Ritter-Upgrades.<br \/>\nGeld wird ben\u00f6tigt, um im \u201eCounty\u201c zus\u00e4tzliche Vorteile finanzieren zu k\u00f6nnen, Knappen sind Hilfen im Kampf um die Placierung im County, wenn man Mitspieler-Ritter verdr\u00e4ngen will oder sich gegen Verdr\u00e4ngt-Werden sch\u00fctzen will. Adelspl\u00e4ttchen bringen Vorteile bei Abstimmungen in der Gesetzgebung und am Ende eine progressiv steigende Anzahl von Siegpunkten. Neue oder st\u00e4rkere Ritter sind \u00fcberhaupt der Motor, der in \u201eLancester\u201c zum Sieg f\u00fchrt. Hier fr\u00fchzeitig seine Entwicklungsschwerpunkte zu setzen, tr\u00e4gt reichlich Fr\u00fcchte ein.<a href=\"http:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2011\/06\/LancesterKrug.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-1238\" src=\"http:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2011\/06\/LancesterKrug.jpg\" alt=\"\" width=\"320\" height=\"320\" srcset=\"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2011\/06\/LancesterKrug.jpg 400w, https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2011\/06\/LancesterKrug-150x150.jpg 150w, https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2011\/06\/LancesterKrug-300x300.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 320px) 100vw, 320px\" \/><\/a><br \/>\nDie Ritter im \u201eCastle\u201c sorgen f\u00fcr eine relativ ungest\u00f6rte Vermehrung von Geld und Knappen, die Ritter auf den Konfliktfeldern bringen zus\u00e4tzliche Entwicklungsvorteile (wer zuerst kommt, kassiert zuerst) und in zweiter Linie Siegpunkte (wer zuletzt kommt, kassiert zuerst) ein.<br \/>\nDas Regelwerk ist (f\u00fcr Kenner) tats\u00e4chlich nicht allzu kompliziert, aber die vielf\u00e4ltigen Abh\u00e4ngigkeiten von Besitzstand und Placierungseffekten, und die gro\u00dfe Auswahl an Zugfreiheiten erfordert doch ein genaues Hinsehen, um lukrative Entwicklungsm\u00f6glichkeiten nicht zu verpassen. Fehler sind nicht zu vermeiden, wahrscheinlich auch nicht f\u00fcr erfahrene Spieler, wovon wir noch meilenweit entfernt sind.<br \/>\n90 Minuten dauerte bei uns ein 4-Personenspiel. Dabei kam jedem die Zeit relativ kurz vor. Jeder hatte seine eigene Entwicklungsvision im Kopf, da wurde auch schon die letzte Runde eingel\u00e4utet. Das spricht f\u00fcr ein kurzweiliges Spiel. Vielleicht waren wir aber auch von dem komplexen Regelr\u00e4derwerk, das in \u201eLancester\u201c geboten wird, derart gefangen genommen. In jedem Fall mu\u00df nochmals verifiziert werden, ob die vielen Interaktionen mit den Ambitionen und Entscheidungen der Mitspieler zu beherrschen sind, oder ob schlie\u00dflich allein ein unberechenbares Mitspielerchaos den Sieger bestimmt.<br \/>\n<em>WPG-Wertung: Aaron: 7 (hat sich keine Sekunde gelangweilt) , G\u00fcnther: 7 (ist sich noch unsicher \u00fcber das Gewicht vom Mitspielerchaos), Horst: 8 (f\u00fcr diesen Spieltyp war die Spielzeit nicht zu lang), Walter: 8 (gro\u00dfe Vielfalt, keine Schw\u00e4chen).<\/em><br \/>\n<strong>3. &#8220;St\u00f6rtebeker&#8221;<\/strong><br \/>\nSchon vor 11 Jahren von \u201eHans im Gl\u00fcck\u201c in Essen vorgestellt. Ein reinrassiges Karten-W\u00fcrfelspiel, thematisch angesiedelt beim ber\u00fchmten Seer\u00e4uber an der Nordseek\u00fcste, von dem wir aber nicht viel zu sehen bekommen.<br \/>\nAuf dem Tisch liegen vier Schiffe aus, die unterschiedliche Mengen (2-4) von unterschiedlichen Proviants (rot und gr\u00fcn und gelb und blau) laden k\u00f6nnen. Jeder Spieler mu\u00df ein Schiff komplett beladen und darf es dann kapern. Dazu hat er eine Anzahl zuf\u00e4llig verteilter \u201eAktionskarten\u201c auf der Hand, die entweder den verschiedenfarbigen Proviant darstellen oder Piraten, die ein Schiff kapern helfen.<br \/>\nDer Kaper-Vorgang wird mit zwei W\u00fcrfeln abgewickelt. Wenn der Wert der ausliegenden Piratenkarten plus die gew\u00fcrfelte Augenzahl gr\u00f6\u00dfer ist, als der Wert der Schiffskarte, so war das Kapern erfolgreich. Zun\u00e4chst wenigstens, denn anschlie\u00dfend d\u00fcrfen noch reihum die Mitspieler versuchen, das Schiff ebenfalls zu kapern, d.h. aus ihren Handkarten den geforderten Proviantbedarf zu decken und mit den zwei W\u00fcrfeln eine h\u00f6here Augenzahl zu erzielen als die Vorg\u00e4nger. Die h\u00f6chste Augenzahl gewinnt, alle anderen haben das Nachsehen und sind sowohl die investierten Proviantkarten als auch ihre Piraten los.<br \/>\nKlar ersichtlich: \u201eSt\u00f6rtebeker\u201c enth\u00e4lt eine Menge Frustpotential: Erst zieht man nicht die richtigen Proviantkarten, und es ist kein Trost, dass man mit einem gewissen Schlupf seine Handkarten gegen Karten aus dem offenen Ablagestapel austauschen kann. Dann w\u00fcrfelt man um das Kaperergebnis und hat mit hoher Wahrscheinlichkeit entweder viel zu viele Piratenkarten unn\u00f6tig verschleudert oder gerade eine Piratenkarte zu wenig und das Kapern mi\u00dfgl\u00fcckt. Sollte bis dahin aber alles geklappt haben, dann kommt ein Mitspieler daher und w\u00fcrfelt eine h\u00f6here Augenzahl, mit der er uns die Schiffsbeute vor den Augen wegschnappt.<br \/>\n\u201eSt\u00f6rtebeker\u201c enth\u00e4lt noch zwei Farbw\u00fcrfel, mit denen man Mitspielern Proviantkarten abkn\u00f6pfen kann. Doch auch hier liegt die Wahrscheinlichkeit f\u00fcr einen Treffer in der Regel deutlich unter 50%, und wenn das zuf\u00e4lligerweise doch einmal gelingt sollte, dann ist auf der anderen Seite der Mitspieler frustriert, dem die Proviantkarte angekn\u00fcpft wird. Oder soll man alle diese Frust-Effekte einfach als Lustspiel des Zufalls wegstecken? Erstaunlich, dass solche spielpsychologischen Fehlleistungen einem solch gro\u00dfen Spieleverlag wie \u201eHans im Gl\u00fcck\u201c nicht aufgefallen sind. Oder besa\u00dfen vor zehn Jahren die Autoren, Verlage und die K\u00e4ufer etwa ein deutlich reduzierteres Bildungsniveau?<br \/>\n<em>WPG-Wertung: Aaron: 4 (das Spiel pl\u00e4tschert so vor sich hin, keine Steigerung), G\u00fcnther: 4 (mit HiG-Bonus), Horst: 5 (mit Erinnerungsbonus), Walter: 4 (chaotisches Gl\u00fccksspiel)<\/em><br \/>\n<strong>4. &#8220;Bluff&#8221;<\/strong><br \/>\nEhrenrettung f\u00fcr G\u00fcnthers Immer-5-Strategie. Im heutigen 1:1-Endspiel konnte sie ihren einzigen Minivorteil demonstrieren. Nach G\u00fcnther\u2019s Vorgabe 1 mal die F\u00fcnf war Walter mit einem Stern unter dem Becher angeschossen. Oder besser: er war gleich abgeschossen. Zweimal die F\u00fcnf war nicht der Sieg. Welche Antwort h\u00e4tte den Sieg gebracht? F\u00fcnfmal d\u00fcrft ihr noch raten!<br \/>\n<em>Keine neue WPG-Wertung f\u00fcr ein Super-Spiel.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Schelte an den Entscheidungen der Jury zum \u201eSpiel des Jahres\u201c sind an der Tagesordnung. Durch Sonderpreise f\u00fcr Spiele, die beim Normalverbraucher grunds\u00e4tzlich nicht punkten k\u00f6nnen, z.B. f\u00fcr \u201eCaylus\u201c und \u201eAgricola\u201c als \u201ekomplexestes Spiel des Jahres\u201c, wurde ein bi\u00dfchen Unmut ausgebremst. Dieses Jahr wurde mit \u201eKennerspiel des Jahres\u201c erstmalig eine ganz neue Preiskategorie geschaffen, in der &hellip; <a href=\"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/2011\/06\/30\/29-06-2011-freuden-mit-den-spielen-des-jahres\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">29.06.2011: Freuden mit den Spielen des Jahres<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[10,229,231,230],"class_list":["post-1224","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-spieleabende","tag-bluff","tag-lancaster","tag-qwirkle","tag-stoertebeker"],"views":2980,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1224","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1224"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1224\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1224"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1224"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1224"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}