{"id":1261,"date":"2011-07-21T01:42:08","date_gmt":"2011-07-21T00:42:08","guid":{"rendered":"http:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/?p=1261"},"modified":"2011-07-21T19:38:33","modified_gmt":"2011-07-21T18:38:33","slug":"20-07-2011-wuerfelspiel-und-liebeskunst","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/2011\/07\/21\/20-07-2011-wuerfelspiel-und-liebeskunst\/","title":{"rendered":"20.07.2011: W\u00fcrfelspiel und Liebeskunst"},"content":{"rendered":"<p><em>\u201eNoch ein Kunstgriff, ihr M\u00e4dchen, um einen Mann zu angeln: Ihr m\u00fc\u00dft spielen lernen! Zun\u00e4chst das Gl\u00fccksspiel mit den elfenbeinernen W\u00fcrfeln, sei es nun Choice, Verflixxt oder Bluff. Die Wertigkeit der Augenzahlen sei euch bekannt und ihr solltet mit den hierin enthaltenen Risikowahrscheinlichkeiten rechnen k\u00f6nnen. Als Geschicklichkeitsspiel solltet ihr das Mikado-\u00e4hnliche Spiel mit den lose geworfenen Kugeln beherrschen, und ihr solltet mit dem Spannungsbogen auf dem Liniennetz des M\u00fchlespiels vertraut sein. Schlu\u00dfendlich solltet ihr die strategischen Kraftfl\u00fcsse im Schach kennen und wissen, wie man eigene Steine sch\u00fctzt und ungesch\u00fctzte gegnerische Steine schl\u00e4gt.<br \/>\nEs ist besch\u00e4mend f\u00fcr ein M\u00e4dchen, wenn sie von alledem nichts versteht. Ein gekonntes Vorspiel ist der halbe Weg zu erfolgreicher Liebe.\u201c<\/em><br \/>\nDiese Liebesspiel-Weisheiten lehrte schon vor ziemlich genau 2012 Jahren der gute alte Ovid in seiner \u201eLiebeskunst\u201c. Es ist allerdings bis heute umstritten, ob er darin alles ernst gemeint hat, oder ob er nicht schon damals eine geh\u00f6rige Portion Verarschung in die \u201eArs amatoria\u201c hineingepackt hat.<br \/>\n<strong>1. &#8220;Choice&#8221;<\/strong><br \/>\nDie moderne Version dieses r\u00f6mischen Klassikers hat Sid Sackson im Jahre 1989 herausgebracht. Vor 9 Jahren lag es zum letzten Mal bei uns auf dem Tisch. Ein Spieler w\u00fcrfelt f\u00fcr alle Mitspieler mit f\u00fcnf W\u00fcrfeln. Jeder Spieler gruppiert davon je zwei W\u00fcrfel zu einem Paar, der f\u00fcnfte W\u00fcrfel ist das \u00dcberbleibsel. Von den beiden W\u00fcrfelpaaren wird die Augensumme gebildet, und es wird f\u00fcr jeden Spieler gez\u00e4hlt, wie oft er bis zum Spielende jede einzelne dieser Summen bilden konnte. Die seltenen Augenkombinationen wie 2 oder 12 werden mit je 100 Siegpunkten honoriert, die Durchschnitts-Kombination 7 bringt dagegen nur 30 Punkte ein. Siegpunkte gibt es allerdings nur f\u00fcr Augenkombinationen, die ein Spieler bis zum Spielende mehr als 5 mal bilden konnte. Kommt eine Kombination weniger als 5 mal vor, so wird ihr Auftreten mit 200 Minuspunkten bestraft.<br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-1279\" title=\"Gruppenbild mit Choice\" src=\"http:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2011\/07\/GruppenbildMitChoice.jpg\" alt=\"\" width=\"394\" height=\"325\" srcset=\"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2011\/07\/GruppenbildMitChoice.jpg 394w, https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2011\/07\/GruppenbildMitChoice-150x124.jpg 150w, https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2011\/07\/GruppenbildMitChoice-300x247.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 394px) 100vw, 394px\" \/><br \/>\nDas Bestreben eines jeden Spielers mu\u00df es sein, m\u00f6glichst wenige und m\u00f6glichst hoch dotierte Augenkombinationen zu bilden. Doch nat\u00fcrlich ist dies abh\u00e4ngig von den ca. 30 W\u00fcrfen, die innerhalb eines Spiels auszuwerten sind. Ein bi\u00dfchen kann man das durch eine taktische Wahl des \u00dcberbleibsels beeinflussen: \u00dcberbleibsel der Augenzahlen 1 und 6 bewirken, dass mit deutlich h\u00f6herer Wahrscheinlichkeit wenige konzentrierte Augenkombinationen im mittleren Bereich gebildet werden k\u00f6nnen. \u00dcberbleibsel der Augenzahlen 3 und 4 f\u00fchren bei der Summenbildung eher zu Extremwerten mit gr\u00f6\u00dferer Streuung. Doch mit etwas Gl\u00fcck bleibt einem die Streuung erspart und man kann die hohen Siegpunkt-Pr\u00e4mien einstreichen, ohne zugleich auf vielen Strafpunkten sitzen zu bleiben. Die Hoffnung stribt zuletzt.<br \/>\n<em>WPG-Wertung: Aaron: 8, Andrea: 7, G\u00fcnther: 8 (es macht Spa\u00df), Moritz: 5 (unkommunikativ), Walter: 8.<\/em><br \/>\nMan beachte die mentale Weiterentwicklung von unserem Moritz: Vor 9 Jahren schrieb er noch in seinem Session-Report: \u201edieser Sucht erzeugende Klassiker machte einen Riesenspa\u00df\u201c. Heute fand er es eher \u201eautistisch\u201c. Doch wie sagte schon vor 60 Jahren der alte Bundeskanzler Adenauer: \u201eEs kann mich niemand daran hindern, \u00fcber Nacht kl\u00fcger zu werden!&#8221;<br \/>\n<strong>2. &#8220;Strasbourg&#8221;<\/strong><br \/>\nLetzten Monat schon mit Vergn\u00fcgen gespielt, wurden diesmal Aaron und Andrea in die Geheimnisse der els\u00e4ssischen Hauptstadt eingef\u00fchrt. Jeder Spieler erh\u00e4lt den gleichen Satz Einflu\u00dfkarten, mit denen er seine Ambitionen bei der Vergabe von \u00c4mtern und Positionen geltend macht. Dazu bildet er H\u00e4ufchen, mit denen er seine Konkurrenten beim Bieten auszustechen versucht. Andrea war etwas aus der \u00dcbung, sie f\u00fchlte sich beim H\u00e4ufchen-Machen \u201etotal gestresst\u201c. Offensichtlich wohltuend, denn hinterher bekannte sie: \u201eIch finde das Spiel super!\u201c<br \/>\n\u201eStrasbourg\u201c bietet eine Unmenge von Entscheidungsfreiheiten, wie man auf den verschiedensten Wegen zu Siegpunkten kommt. Keinen einzigen Zug sollte man ohne taktische und strategische \u00dcberlegung vornehmen. Und st\u00e4ndig unterliegt man dabei den teils verdeckten, teils erkennbaren Aktionen der Mitspieler. Auch die ausgiebigen Post-Mortem-Diskussionen \u00fcber die eigenen Fehler belegen die meisterlichen Herausforderungen des Spieldesigns. Selbst unser Stratege G\u00fcnther k\u00e4mpfte verzweifelt um die richtige Dosierung seiner Einflu\u00dfkarten. Seine Zwischenkommentare reichten vom \u201eDas macht mit fertig!\u201c bis zum \u201eIch habe mich beim H\u00e4ufchen-Machen v\u00f6llig verkackt!\u201c<br \/>\nMoritz hatte sich nicht verkackt. In einem risikoreichen Plan hatte er von Beginn an alles auf eine Karte gesetzt: Erst die richtigen Positionen im Stadtbild besetzten und dann in der letzten Runde den B\u00fcrgermeister ersteigern, um diesen Positionen einen \u00fcppigen Siegpunktsegen zustr\u00f6men zu lassen. Er bekam tats\u00e4chlich den B\u00fcrgermeister und konnte sich mit einem Zuwachs von 32 Siegpunkten (bei insgesamt 51) auf den ersten Platz hochkatapultieren.<br \/>\n<em>WPG-Wertung: Aaron: 8 (bleibt), Andrea: 8 (\u201etotal sch\u00f6n\u201c), G\u00fcnther: 8 (bleibt), Moritz: 8 (\u201eau\u00dfergew\u00f6hnlich gut, hat aber nichts mit dem Thema \u2019Strasbourg\u2019 zu tun\u201c, er war allerdings seit 41 Jahren nicht mehr dort), Walter: 8 (bleibt).<\/em><br \/>\n<strong>3. &#8220;Choice&#8221;<\/strong><br \/>\nAndrea mu\u00dfte ihren Babysitter zuhause abl\u00f6sen und konnte sich nur noch einen Absacker leisten. Der Riesenspa\u00df \u201eChoice\u201c wurde ein zweites Mal aufgelegt. Walters Vorschlag, die Warmduscher-Variante zu spielen, wurde abgelehnt. Hier werden die nicht ausreichend h\u00e4ufigen W\u00fcrfelkombinationen nur mit 100 Strafpunkten bedacht und es werden ca. 10 W\u00fcrfe mehr ausgewertet. Damit werden die extremen Augenkombinationen deutlich lukrativer.<br \/>\nAlle gingen sehr vorsichtig zu Werke und konzentrierten sich auf die billigen Augenkombinationen im Durchschnittsbereich. Erfolgreich: Alle Spieler landeten am Ende in Pluspunkten.<br \/>\nDazwischen posaunten alle in unregelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden h\u00f6chst euphorisch ihre Zwischenst\u00e4nde hinaus: \u201eNur noch 170 Minus!\u201c oder \u201eJetzt bin ich im Plus!\u201c. H\u00f6chst kommunikativ!<br \/>\n<strong>4. &#8220;Verflixxt&#8221;<\/strong><br \/>\nDas sch\u00f6ne Kramer-Kiesling-W\u00fcrfelspiel aus dem Jahren 2005 konnte erneut \u00fcberzeugen. Auf Englisch hei\u00dft das Spiel \u201eThat\u2019s life\u201c und Moritz erinnerte daran, dass die englische bzw. die amerikansche Sprache f\u00fcr das liebe und brave \u201everflixxt\u201c kein richtiges Pendant besitzt. \u201eDamned\u201c ist etwas zu stark, und erst recht das \u201eFuck me right now\u201c.<br \/>\n<em>Keine neue WPG-Wertung.<\/em><br \/>\n<strong>5. &#8220;Bluff&#8221;<\/strong><br \/>\nDer dritte und letzte Vertreter der Ovidischen W\u00fcrfelspiele. Moritz hat schon etwas \u00dcbung darin, sich mit super W\u00fcrfen auf einen Streich selber herauszukicken. Das ist die Einsamkeit des Genies, dass keiner seinen Sternen folgen kann.<br \/>\nAaron gelang das seltene Kunstst\u00fcck, ohne einen einzigen W\u00fcrfel Verlust als Sieger hervorzugehen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eNoch ein Kunstgriff, ihr M\u00e4dchen, um einen Mann zu angeln: Ihr m\u00fc\u00dft spielen lernen! 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