{"id":1278,"date":"2011-07-28T02:51:21","date_gmt":"2011-07-28T01:51:21","guid":{"rendered":"http:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/?p=1278"},"modified":"2011-12-07T16:58:48","modified_gmt":"2011-12-07T15:58:48","slug":"27-7-2011-norwegen-fernost-europa-und-die-erste-million","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/2011\/07\/28\/27-7-2011-norwegen-fernost-europa-und-die-erste-million\/","title":{"rendered":"27.7.2011: Norwegen, Fernost, Europa und die erste Million"},"content":{"rendered":"<p>Um unsterblichen Ruhm zu erwerben, steckte <strong>Herostrates<\/strong> im Jahre 356 v. Chr. den 200 Jahre alten Artemis-Tempel von Ephesos in Brand, eines der sieben Weltwunder der Antike. Die Stadt verh\u00e4ngte damals ein Verbot, die Brandstiftung als solche und den Namen des T\u00e4ters zu erw\u00e4hnen, doch ein zeitgen\u00f6ssischer Historiker \u00fcberlieferte die Tat, so dass Herostrates sein Ziel erreichte, und bis heute ein Verbrecher, der ein Verbrechen rein aus Pulizit\u00e4tssucht begeht, nach seinem Namen \u201eHerostrates-Natur\u201c benannt wird.<br \/>\nAuch die heutigen Massenmedien sind nicht willens, solche Verbrechernaturen dem verdienten ewigen Vergessen anheim zu stellen. Sonst w\u00fcrde mit dem norwegischen Herostrates nicht soviel hergemacht. Der n\u00e4chste Herostrates wartet schon. Und Presse und Fernsehen sind mitschuldig!<br \/>\n<strong>1. &#8220;Yunnan&#8221;<\/strong><br \/>\nAarons Weltraumspiel hat eine neue Metamorphose durchgemacht. Aus der letzten Zwischenstufe mit der indischen Stadt \u201eManipur\u201c als Namenspatron ist inzwischen die chinesische Provinz \u201eYunnan\u201c geworden. Die Anregung dazu kam von Peer Sylvester, den das im Spiel aufzubauende H\u00e4ndernetz an die \u201eTea-horse-road\u201c erinnerte, auf der im Mittelalter chinesischer Tea und tibetanische Pferde gehandelt wurden.<br \/>\nWie damals in \u201eManupur\u201c m\u00fcssen wir auch in \u201eYunnan\u201c ein H\u00e4ndlernetz aufbauen und dazu auf einem Biet-Tableau in Konkurrenz zueinander darum bieten, welche unserer F\u00e4higkeit wir jeweils weiterentwickeln d\u00fcrfen:<\/p>\n<ul>\n<li>Erh\u00f6hen wir die <strong>Anzahl<\/strong> unserer H\u00e4ndler, k\u00f6nnen wir l\u00e4ngere zusammenh\u00e4ngende Handelsketten aufbauen und von jedem einzelnen H\u00e4ndler mehr Geld bzw. Siegpunkte erwerben.<\/li>\n<li>Erh\u00f6hen wir die <strong>Reichweite<\/strong> unserer H\u00e4ndler, k\u00f6nnen wir damit in weiter entfernte und lukrativere Handelsgebiete vordringen.<\/li>\n<li>Erh\u00f6hen wir den <strong>Einflu\u00df<\/strong> unserer H\u00e4ndler, so k\u00f6nnen wir im gemeinsamen Handelsnetz schw\u00e4chere Spieler von guten Pl\u00e4tzen verdr\u00e4ngen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Aaron hat seit dem letzten Test wieder an einer Menge von Details herumgefeilt. Die ersteigerte Reichweite gibt nicht mehr die Anzahl von Feldern an, die sich unsere H\u00e4ndler bewegen d\u00fcrfen, sondern er\u00f6ffnet unseren H\u00e4ndlern den Zugang in fernere Regionen. Daf\u00fcr mu\u00df jeder Bewegungsschritt bezahlt werden, was dem Geld einen ganz neuen Stellenwert gibt.<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2011\/07\/AaronUndYunnan.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-1288\" src=\"http:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2011\/07\/AaronUndYunnan.jpg\" alt=\"\" width=\"285\" height=\"344\" srcset=\"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2011\/07\/AaronUndYunnan.jpg 570w, https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2011\/07\/AaronUndYunnan-124x150.jpg 124w, https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2011\/07\/AaronUndYunnan-249x300.jpg 249w, https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2011\/07\/AaronUndYunnan-530x640.jpg 530w\" sizes=\"auto, (max-width: 285px) 100vw, 285px\" \/><\/a><br \/>\nEin neu eingef\u00fchrter \u201efliegender H\u00e4ndler\u201c bringt etwas Zufallscharakter ins Spiel. Er wird per W\u00fcrfelwurf in die verschiedenen Richtungen bewegt und verdr\u00e4ngt nach einem definierten Priorit\u00e4ten-Prinzip die dort ans\u00e4ssigen H\u00e4ndler der Spieler.<br \/>\nProbeweise wurde diesmal ein <strong>geringerer<\/strong> Entwicklungsstand der verschiedenen Kategorien Anzahl, Reichweite, oder Einflu\u00df bei Spielende honoriert. Wer auf Sparflamme f\u00e4hrt und keine einzige Kategorie weiterentwickelt, heimst am Ende f\u00fcr diese Non-Entwicklung schon mal 42 Siegpunkte ein. Dahinter steckt die Idee, einen sparsamen Umgang mit Entwicklungs-Resourcen zu belohnen. Ist dieses Prinzip gut? Nimmt einem das nicht die Lust am dynamischen Aufbau, und ist das in diesem Sinne nicht kontra-produktiv? Moritz versuchte sich auf dieser Schiene. Mit einem einzigen H\u00e4ndler der einfachsten Einflu\u00dfgr\u00f6\u00dfe und lediglich hoher Reichweite wollte er \u00fcber die Sparsamkeitspr\u00e4mien Sieger werden. Zum Gl\u00fcck f\u00fcr das aktuelle Spieldesign scheiterte er damit. Denn Spa\u00df macht diese Hungerstrategie auch nicht.<br \/>\nIn der heutigen Version war das Geld das strategische Nadel\u00f6hr. So hinkte die Entwicklung aller Spieler hinter den bisher gewohnten Erwartungen zur\u00fcck. An dieser Balance mu\u00df noch gedreht werden, damit der Geldsegen wieder reichlicher flie\u00dft und f\u00fcr das Biettableau auch jederzeit gen\u00fcgend Masse vorhanden ist.<br \/>\nDoch Charme hat \u201eYunnan\u201c jetzt schon auf alle F\u00e4lle. Die noch k\u00fcrzlich erfolgte Abqualifizierung \u201etotally broken\u201c konnte nur aus einer b\u00f6sartigen Spielergalle heraus erfolgt sein.<br \/>\n<em>Keine WPG-Wertung f\u00fcr ein Spiel in der Entstehungsphase.<\/em><br \/>\n<strong>2. &#8220;Airlines \u2013 Europe&#8221;<\/strong><br \/>\nAbacus hat dieses Jahr eine neue Version von Alan R. Moon\u2019s \u201eAirlines\u201c herausgebracht. Die Szenerie ist Europa. Wie bisher geht es darum, sich aus einer Reihe von angebotenen Luftfahrtgesellschaften ein optimales Aktienpaket zuzulegen und diese Gesellschaften auch kr\u00e4ftig auszubauen. Im einzelnen haben die Spieler folgende Zugm\u00f6glichkeiten:<\/p>\n<ul>\n<li>Geld von der Bank zu nehmen<\/li>\n<li>Mit dem Geld das Streckennetz einzelner Gesellschaften auszubauen und als Gegenleistung daf\u00fcr einzelne Aktien auf die Hand nehmen.<\/li>\n<li>Einzelne Aktien aus der Aktienhand offen auszuspielen und sich damit als Aktion\u00e4r erkennen zu geben. Daf\u00fcr erh\u00e4lt man wiederum Geld von der Bank.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Wie bisher gibt es im Spiel drei Wertungspunkte, an denen der aktuelle Aktienbesitz in Siegpunkte umgem\u00fcnzt wird. Dabei kommt es lediglich darauf an, die <strong>relative<\/strong> Mehrheit an Aktien offen ausgelegt zu haben. Wie gro\u00df diese Mehrheit ist, spielt keine Rolle. Immer genau ein St\u00fcck mehr zu haben als der sch\u00e4rfste Konkurrent, und zwar bei den besonders entwickelten Linien, das ist das ganze Geheimnis f\u00fcr gutes Spiel. Doch weil das alle wollen, gibt es daf\u00fcr keine L\u00f6sung. Der beste Kompromi\u00df f\u00fchrt hier zum Sieg.<br \/>\nDurch einige h\u00fcbsche Neuheiten unterscheidet sich \u201eAirlines Europa\u201c positiv vom bisherigen \u201eAirlines\u201c in Amerika. Es gibt die Sonderlinie \u201eAbacus-Airline\u201c (bei uns zuerst \u201eAir Lingus\u201c und dann \u201eAir Cunilingus\u201c genannt), die an den Wertungspunkten besonders hohe Siegpunktquoten aussch\u00fcttet. Die Aktien f\u00fcr diese Linie kann man nicht kaufen, sondern man mu\u00df ausliegende oder Handkarten-Aktien der Standardlinien gegen diese Linie umtauschen. Damit kommt das fr\u00fcher ziemlich fest zementierte Mehrheitengef\u00fcge an Aktienbesitz gegen Ende des Spiels nochmals geh\u00f6rig ins Wanken und es er\u00f6ffnen sich neue Perspektiven zu punkten.<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2011\/07\/MoritzHoltSichEineAktie.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-1289\" src=\"http:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2011\/07\/MoritzHoltSichEineAktie.jpg\" alt=\"\" width=\"606\" height=\"436\" srcset=\"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2011\/07\/MoritzHoltSichEineAktie.jpg 606w, https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2011\/07\/MoritzHoltSichEineAktie-150x108.jpg 150w, https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2011\/07\/MoritzHoltSichEineAktie-300x216.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 606px) 100vw, 606px\" \/><\/a><br \/>\nAuch das Erweitern des Streckennetzes ist nicht mehr vom fr\u00fcher teilweise frustrierenden zuf\u00e4lligen Ziehen der richtigen Streckenkarten abh\u00e4ngig, sondern nur noch vom Geld. Und das kann man sich kostenfrei von der Bank holen.<br \/>\nDas Spiel hat viele spieltheoretische Design-Prinzipien sehr gut umgesetzt:<\/p>\n<ul>\n<li>Jeder ist seines Gl\u00fcckes Schmied<\/li>\n<li>Konstruktiver Aufbau<\/li>\n<li>Progessiv steigende Ums\u00e4tze und Siegpunktquellen<\/li>\n<li>Jeder ist bei jedem Zug beteiligt<\/li>\n<li>Flotter Spielablauf<\/li>\n<\/ul>\n<p><em>WPG-Wertung: Aaron: 8 (das 20 Jahre alte sch\u00f6ne Spiel hat durch die Erweiterungen noch gewonnen), G\u00fcnther: 8 (war schon immer ein Airline-Fan), Moritz: 7 (m\u00f6chte mehr M\u00f6glichkeiten zum aktiven Kampf gegen seine Mitspieler haben; das \u00e4hnliche uralte \u201eAquire\u201c gef\u00e4llt ihm besser), Walter: 9 (das Spiel ist rund und sch\u00f6n).<\/em><br \/>\n<strong>3. &#8220;Die 1. Million&#8221;<\/strong><br \/>\n1970 hatte der sagenhafte Designer Sid Sackson bei 3M mit \u201eMonad\u201c ein Kartenspiel herausgebracht, in dem wir uns durch geschicktes Mutieren von Einzellern in Mehrzeller verwandeln, und wer die ersten drei Riesenzellen in seiner Population zustande gebracht hat, beendet das Spiel als Sieger.<br \/>\n1987 \u2013 der Ostblock war noch nicht aufgel\u00f6st &#8211; war das Pantoffeltierchen-Zeitalter zu Ende, und das Spiel wurde ohne eine einzige Regel\u00e4nderung auf den Kapitalismus hin ausgerichtet. Wir entwickeln keine Einzeller mehr, sondern wir konvertieren passende kleine Geldscheine in immer h\u00f6here St\u00fcckelung, bis der erste Spieler drei 1-Millionen-S\u00e4cke zur Seite gebracht hat und das Spiel als Sieger beendet.<br \/>\nDie Konvertierungsregeln von Einzellern und Geldscheinen sind identisch:<\/p>\n<ul>\n<li>aus zwei paarigen kleinen Einheiten wird sprunghaft eine einzelne gr\u00f6\u00dfere Einheit<\/li>\n<li>aus mehreren unpaarigen kleinen Einheiten wird eine einzelne gr\u00f6\u00dfere Einheit<\/li>\n<li>aus einem spieler-individuellen \u201eSpecial-Credit\u201c und einer weiteren Einheit wird sprunghaft eine einzelne gr\u00f6\u00dfere Einheit<\/li>\n<li>aus vielen ungleichfarbigen Kleinsteinheiten wird in einem Riesensprung eine ganz gro\u00dfe Einheit.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Vor knapp zwanzig Jahren, noch bevor wir als Westpark-Gamers unsere Ergebnisse ins Internet stellten, hatten wir dieses Spiel schon mit Vergn\u00fcgen gespielt. Diesmal war das Vergn\u00fcgen gebremst. Wir genie\u00dfen offensichtlich schon so lange das gemeinsame Spielen, dass wir den Genu\u00df an der Gemeinsamkeit deutlich von der Qualit\u00e4t der gespielten Spiele unterscheiden: das erste Kriterium kann hoch sein, ohne dass damit automatisch das zweite Kriterium mitgezogen wird.<br \/>\nWalter meckerte den \u201eDeterminismus\u201c der \u201e1. Million\u201c an, d.h. durch die ausliegenden und nachgezogenen Karten sei der richtige Spielplan eindeutig vorgegeben. G\u00fcnther warf provozierend ein: \u201eWie beim Bridge; auch da schaust du dir deine Karten an und spielst sie dann eine nach der anderen herunter.\u201c Diese ignorante Gleichsetzung rief nat\u00fcrlich heftigen Widerspruch hervor. G\u00fcnther lenkte ein.<br \/>\nDann fand Walter auch eine Provokation: Die \u201e1. Million habe eine ganz triviale Siegstrategie.<\/p>\n<ul>\n<li>Erwerbe dir \u2013 irgendwie, so schnell es geht &#8211; den 30er Geldschein in deiner \u201eSpecial-Credit\u201c-Farbe<\/li>\n<li>Ziehe danach bei jedem deiner Aktionen einen 10er Geldschein vom verdeckten Stapel, bis du die 6 verschiedenen Farben und zwei weitere 10er Geldscheine auf der Hand hast.<\/li>\n<li>Wechsele den 30er Geldschein deiner \u201eSpecial-Credit\u201c-Farbe und einen 360-er Geldschein in ein 1-Millionen-S\u00e4ckchen um, und tausche dir anschlie\u00dfend mit denen beiden weiteren 10er Geldscheinen den 30er Geldschein in deiner \u201eSpecial-Credit\u201c-Farbe wieder zur\u00fcck.<\/li>\n<li>Wiederhole die Aktionen 2 und 3 solange, bis du gewonnen hast<\/li>\n<li>Damit kommt l\u00e4uft das ganze Spiel auf folgendes Prinzip hinaus: Teile aus einem Kartenstapel mit hundert Nieten und einer Gewinn-Karte reihum an alle Spieler jeweils eine Karte aus. Wer zuf\u00e4llig die Gewinn-Karte ausgeteilt bekommt, hat gewonnen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Heftiger Widerspruch bei Aaron und G\u00fcnther.<br \/>\n<em>WPG-Wertung: Aaron: 6 (fand es fr\u00fcher sch\u00f6ner), G\u00fcnther: 6 (zu viele grenzwertige Mangel-Effekte im Spiel; spielt sich in einer 3er Runde besser), Moritz: 5 (diesmal war es langweilig), Walter: 6 (wenn wir es lockerer spielen w\u00fcrden, bek\u00e4me das Spiel gewi\u00df mehr Punkte).<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Um unsterblichen Ruhm zu erwerben, steckte Herostrates im Jahre 356 v. Chr. den 200 Jahre alten Artemis-Tempel von Ephesos in Brand, eines der sieben Weltwunder der Antike. 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