{"id":1302,"date":"2011-08-11T01:38:54","date_gmt":"2011-08-11T00:38:54","guid":{"rendered":"http:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/?p=1302"},"modified":"2011-08-11T09:02:13","modified_gmt":"2011-08-11T08:02:13","slug":"10-08-2011-ora-et-labora","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/2011\/08\/11\/10-08-2011-ora-et-labora\/","title":{"rendered":"10.08.2011: Ora et labora"},"content":{"rendered":"<p>Aus dem \u201eKopfkissenbuch\u201c der japanischen Hofdame Sei Shonagon (vor ca. 1000 Jahren):<br \/>\nBeneidenswerte Leute sind \u2026<br \/>\na) Leute, denen beim W\u00fcrfelspiel immer die gew\u00fcnschte Zahl erscheint.<br \/>\nb) Hohe Priester, die sich \u00fcber allen Erdenkummer erheben.<br \/>\nDa schau mal, lieber Aaron, au\u00dfer mit Deinem umwerfenden Astralk\u00f6rper gibt es noch andere Weisen, nach denen Du beneidenswert sein kannst!<br \/>\n<strong>1. &#8220;Pantheon&#8221;<\/strong><br \/>\nDas Allg\u00f6tter-Spiel wurde schon oft genug mit Lust und Liebe am Westpark gespielt, heute durfte Andrea ihre Premiere feiern. \u201eWas kommen da f\u00fcr s\u00fc\u00dfe F\u00fc\u00dfe vor!\u201c war ihr erster freudiger Ausruf, als das Spielmaterial auf den Tisch kam. Moritz trug die Regeln vor. Er kennt das Spiel schon so gut, dass er nicht einmal ins Regelheft zu schauen brauchte, um alles klar, strukturiert und vollst\u00e4ndig r\u00fcber zu bringen. Nat\u00fcrlich kann man die Effekte der vielf\u00e4ltigen Spielelemente wie G\u00f6tter, Halbg\u00f6tter, F\u00fc\u00dfe, Bewegung, Karten, Geld, Rabatte, Tempel, Pr\u00e4mien und Siegpunkte nicht auf Anhieb alle in das eigene Weltbild einordnen. Entsprechend h\u00e4ufig kamen R\u00fcckfragen unseres K\u00fcckens und Moritz antwortete jedesmal mit der sprichw\u00f6rtlichen Geduld eines 10-j\u00e4hrigen Ehemanns. Doch auch die \u00e4lteren Hasen haben viele Details schneller wieder vergessen als verstanden. Aaron erkl\u00e4rte in diesem Zusammenhang den Unterschied zwischen fehlender Intelligenz und Demens.<br \/>\nEr selber leidet ja unter dem Geburtsfehler, dass er grunds\u00e4tzlich grottenschlecht w\u00fcrfelt. Bei Pantheon kommt hinzu, dass er hier grunds\u00e4tzlich auch noch schlechte Aktionskarten bekommt. So war diesmal keine einzige Fu\u00dfkarte in seinem Startset. Und keine beim Nachziehen. Darin liegt allerdings auch ein gro\u00dfer Vorteil: Man braucht nicht lange an seinem Zug zu \u00fcberlegen. Gem\u00e4\u00df der \u201eOhne-S\u00e4ulen-Strategie\u201c zieht man konsequent ausschlie\u00dflich Bilderkarten und tauscht sie so oft wie m\u00f6glich gegen G\u00f6tter und ihren g\u00f6ttlichen Beistand ein. Am Ende zeigte sich allerdings, dass man in jedem Fall auch ein paar eigene Schritte tun mu\u00df, bevor einem die G\u00f6tter zum Sieg verhelfen.<br \/>\nNeuling Andrea war das Schicksal hold. Einmal brachten ihr ein einziges erwandertes Pr\u00e4mienpl\u00e4ttchen 17 Siegpunkte auf einen einzigen Schlag ein. Nicht ganz die halbe Miete, aber doch ein erklecklicher Anteil davon. Neidvoller M\u00e4nner-Kommentar: \u201eDie einen erarbeiten es sich hart, die anderen kriegen es geschenkt.\u201c Weibliche Replik: \u201eIch habe mir diese Siegpunkte auf den F\u00fc\u00dfen errobbt!\u201c Mit ihrer Robber-Technik wurde sie haushoher Sieger.<br \/>\nMan\u00f6verkritik. Andrea: \u201eIch hatte einen guten Start, habe effizient gespielt und Gl\u00fcck gehabt.\u201c Aaron: \u201eGanz ohne S\u00e4ulen geht die Chose nicht!\u201c Moritz: \u201eIch habe keinen Fehler gemacht.\u201c Der Siegpunkt-Unterschied lag dann offensichtlich innerhalb des zuf\u00e4lligen Gl\u00fccksrauschens. Walter: \u201eIch bin von vornherein auf Tempels\u00e4ulen ausgewesen, doch ich habe dabei ges\u00fcndigt, und die G\u00f6tter haben das nicht verziehen.\u201c<br \/>\nWas kann man daraus \u00fcber \u201ePantheon\u201c ablesen: Jeder kann ganz unterschiedliche Pl\u00e4ne verfolgen. Manche sind manchmal erfolgreich. In einer 4er Runde immerhin zu durchschnittlich 25%. Das Spiel ist flott, rund und sch\u00f6n. Ein paar bewu\u00dft eingebaute zuf\u00e4llige Elemente zeigen krasse Effekte. Sie untergraben eine strenge Planbarkeit, erh\u00f6hen aber \u2013 f\u00fcr denjenigen, der das mag \u2013 den spielerischen chaotischen Reiz. Manche m\u00f6gen\u2019s hei\u00df.<br \/>\n<em>WPG-Wertung: Andrea lag mit ihren 8 Punkten genau im WPG-Durchschnitt.<\/em><br \/>\n<strong>2. &#8220;Schiefer&#8221;<\/strong><br \/>\nDas zweite Exemplar der diesj\u00e4hrigen \u201cspielbox Wallace Edition\u201c. Die Szenerie sind Schieferminen entlang von Flu\u00dfl\u00e4ufen. Wir beackern die Minen, verkaufen den Aushub, verbessern Bautechnik und Ertragsquotienten und stellen weitere Grubenarbeiter ein.<br \/>\nIn Anleihe an \u201eYsphan\u201c w\u00fcrfeln wir die Aktionen aus, in denen wir unsere Arbeiter einsetzen. Es herrscht allerdings keine strikte W\u00fcrfeldiktatur, sondern es sind eine Reihe von Weichmachern eingebaut, mit denen wir an unseren W\u00fcrfelergebnissen noch herumdrehen k\u00f6nnen: Modizifieren, Neu-W\u00fcrfeln, Fixe-Augenzahl-Kaufen oder W\u00fcrfel mi\u00dfbrauchen.<br \/>\nNur Aaron traf immer unerbittlich sein W\u00fcrfelungl\u00fcck, sei es nun ein verfr\u00fchter 6-6-5-Wurf zur Technik-Verbesserung ohne Arbeiter oder ein versp\u00e4teter 2-1-1-Wurf f\u00fcr zus\u00e4tzliche Arbeiter ohne Arbeitsplatz. In jedem Fall war es \u201eziemlicher K\u00e4se\u201c und er gab regelm\u00e4\u00dfig sein letztes Geld f\u00fcr neue W\u00fcrfel aus.<br \/>\nAm Ende landeten wir alle innerhalb eines Bereiches von 2-Siegpunkten Differenz. Ist das vielleicht das unausweichliche Schicksal eines Spieldesigns von stark \u00e4quivalenten Spielz\u00fcgen? Frage an die Kritiker der krassen Effekte von \u201ePantheon\u201c: H\u00e4tten \u00e4hnliche divergierende Effekte in \u201eSchiefer\u201c Spielspa\u00df und Spielspannung nicht erh\u00f6ht?<br \/>\n<em>WPG-Wertung: Aaron: 5 (es funktioniert, aber mir hat der Spa\u00df gefehlt), Andrea: 5 (durchschnittlich gut, uninteressant), Moritz: 5 (es gibt \u00e4hnliche Spiele, die aber besser sind), Walter: 5 (es funktioniert; einem geschenkten Barsch, schaut man nicht hinter die Kiemen.)<\/em><br \/>\n<strong>3. &#8220;Bluff&#8221;<\/strong><br \/>\n14 W\u00fcrfel waren noch im Spiel und Aaron fing mit 5 mal die Vier an. Zwei vollst\u00e4ndige Runden lang wurde mit und ohne Nachw\u00fcrfeln die Vier erh\u00f6ht bis die Vorgabe mit 12 mal die Vier wieder bei Aaron landete. Mit einer Vier+Eins unter seinem Becher und f\u00fcnf weiteren unbekannten W\u00fcrfeln zweifelte er verst\u00e4ndlicherweise an. 13 mal die Vier w\u00e4re der Volltreffer gewesen.<br \/>\n<em>Keine neue WPG-Wertung f\u00fcr ein Super-Spiel.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Aus dem \u201eKopfkissenbuch\u201c der japanischen Hofdame Sei Shonagon (vor ca. 1000 Jahren): Beneidenswerte Leute sind \u2026 a) Leute, denen beim W\u00fcrfelspiel immer die gew\u00fcnschte Zahl erscheint. b) Hohe Priester, die sich \u00fcber allen Erdenkummer erheben. 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