{"id":133,"date":"2007-01-22T09:57:08","date_gmt":"2007-01-22T09:57:08","guid":{"rendered":"http:\/\/westpark-gamers.de\/blog\/?p=133"},"modified":"2007-01-22T09:57:08","modified_gmt":"2007-01-22T09:57:08","slug":"17012007-rutschfahrt-im-untergrund","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/2007\/01\/22\/17012007-rutschfahrt-im-untergrund\/","title":{"rendered":"17.01.2007: Rutschfahrt im Untergrund"},"content":{"rendered":"<p>Eine \u00fcberzeugte Taiji-Qigong-Meisterin und konsequente Nicht-Spielerin fragte etwas verst\u00e4ndnislos: &#8220;Was ist denn am Spielen dran? Am n\u00e4chsten Tag ist doch alles spurlos verflogen.&#8221;<br \/>Diese Kritik ist etwas zu kurz gegriffen. Von einem Spielabend bleibt genauso viel und genauso wenig \u00fcbrig wie von einem Tristan in Bayreuth und von einer Isolde in der Liebeslaube: jede menschliche Begegnung hinterl\u00e4\u00dft ihre bereichernden Spuren in unserer Seele.<br \/>Zum Jahreswechsel gr\u00fc\u00dfe ich alle Spieler mit Charakter und individueller Lebendigkeit, mit Spritzigkeit und Kreativit\u00e4t, mit \u00dcbersicht und Kompetenz, mit Geduld und Gro\u00dfz\u00fcgigkeit, mit Einsatz und Kompetenz, mit K\u00f6rper und Seele, mit Freude am Spiel, am Spielen und an der Welt der Spieler.<br \/><strong>1. &#8220;Die Kutschfahrt zur Teufelsburg&#8221;<\/strong><br \/>Ein Kartenspiel von Adlung. Die Aufmachung erinnert an &#8220;Verr\u00e4ter&#8221; und sollte schon allein deshalb einen Versuch wert sein. G\u00fcnther versprach eine Spielzeit von 30 Minuten, also ein passender Aufw\u00e4rmer.<br \/>Die Spieler werden verdeckt in zwei Gruppen eingeteilt und m\u00fcssen durch Kartentausch, Kartenkampf, Allianzen und Neutalit\u00e4t herausfinden, wer zusammengeh\u00f6rt. Dann m\u00fcssen sie noch die vorgeschriebenen Karten f\u00fcr die Siegbedingung erf\u00fcllen und fertig ist der Lack. Ein klein wenig Deduktion und ganz wenig Freiheitsgrade.<br \/>Andrea fing mit Feuereifer eine Aggression gegen G\u00fcnther an, wurde aber urpl\u00f6tzlich milde und freundlich, als sie seine Identit\u00e4t erfahren hatte. F\u00fcr alle sichtbare Konsequenz: Andrea und G\u00fcnther sind in der gleichen Gruppe. Die Wahrscheinlichkeit, da\u00df die anderen drei Spieler ALLE zur anderen Gruppe geh\u00f6ren, ist damit schon ziemlich hoch. Sie wurde sogar sehr schnell zur Gewi\u00dfheit.<br \/>Die drei Gegenspieler schoben sich dann mittels Kofferkarte gegenseitig die Pfr\u00fcnde zu, w\u00e4hrend Andrea und G\u00fcnther in die R\u00f6hre schauten &#8211; eine etwas ungl\u00fcckliche, aber auf der &#8220;Rutschfahrt&#8221; doch wohl unvermeidliche Situation.<br \/>Da\u00df schlie\u00dflich dann aber doch Andrea ihre drei Kelchkarten zusammenscharren konnte, bevor die anderen ihre drei Schl\u00fcsselkarten identifiziert hatten, mag ein Trostplaster sein. Das Spieldesign konnte damit aber nicht mehr seine Absolution erreichen.<br \/><em>WPG-Wertung: Aaron: 4, Andrea: 4: , G\u00fcnther: 4, Moritz: 6, Walter: 4<\/em><br \/>Das Spiel wird wohl ohne eine WPG-Rezension in die ewigen Jagdgr\u00fcnde eingehen.<br \/><strong>2. &#8220;On The Underground&#8221;<\/strong><br \/>F\u00fcr Freunde von Eisenbahnspielen prinzipiell ein Mu\u00df. Schon einige Monate lag das Spiel hier am Westpark herum, bevor wir es endlich auf den Tisch brachten. Es geht um den U-Bahnbau in London. Optimaler Streckenbau, Einmal-Pr\u00e4mien f\u00fcr gelungene Streckenf\u00fchrung, und regelm\u00e4\u00dfige Einnahmen bei der Passagier-Bef\u00f6rderung sind das A und O. Ein Passagier steuert &#8211; leicht zufallsgesteuert &#8211; die verschiedenen U-Bahnstationen an und versucht dabei, die kleinstm\u00f6gliche Stecke zu Fu\u00df zur\u00fccklegen und die wenigstens U-Bahnlinien benutzen. Wer eine lange Stammstecke aufbauen konnte, ist praktisch immer am Gewinn beteiligt.<br \/>Das erste Spiel war blitzschnell zu Ende, weil wir eine Regel nicht richtig gelesen hatten: Jeder Spieler darf den Passagier nur zu maximal einer Express-Stationen und zu maximal einer Normal-Station bewegen. Bei uns durfte jeder Spieler in seinem Zug alle ausliegenden Stationen abfahren. Dadurch hatte keiner eine nennenswerte Stecke errichtet, keiner die Fr\u00fcchte seiner strategischen Planung ernten d\u00fcrfen, als auch schon das Ende eingel\u00e4utet wurde. Jedem war klar, da\u00df hier etwas schief gelaufen war.<br \/>Ein nochmaliges Durchforsten der Spielregel schuf Klarheit und alle hatten Lust, da\u00df Spiel noch mal von vorne anzufangen. Jetzt erst entfaltete sich die Konkurrenz um die guten Linien, um strategische Positionierung auf dem Brett, um kurzfristige Siegpunkte und langfristige Renditen.<br \/>Jetzt zeichnete sich auch ab, da\u00df die Londoner U-Bahnnutzer ein \u00e4hnliches Fahrverhalten haben wie die M\u00fcnchener: Nicht die K\u00fcrze der Gesamtstrecke bestimmt den Weg, sondern die K\u00fcrze des anschlie\u00dfenden Fu\u00dfweges und die geringste Notwendigkeit zum Umsteigen. Man bleibt m\u00f6glichst lange in einer einzigen Linie, auch wenn damit Umwege zu fahren sind. Wer durchgehende Linien geschaffen hat, zieht notwendigerweise auch den meisten Verkehr auf sich. Die Pr\u00e4mien an der Peripherie und die paar lumpigen Siegpunkte f\u00fcr eine Rundlinie sind dagegen nur kleine Fische.<br \/>Moritz wurde mehrfach Opfer des &#8220;Moritzschen Dilemmas&#8221;: Wenn Express- und Normal-Stationen ausliegen, darf ein Spieler zwei Stationen anfahren und daf\u00fcr Einnahmen kassieren. Liegt allerdings zufallsbedingt nur eine Stationsart aus, darf er sich nur eine Strecke ausw\u00e4hlen und kann nur einmal kassieren. K\u00f6nnte ihr Euch jetzt vorstellen, was das &#8220;Moritzsch Dilemma&#8221; ist und wie es sich in unserer Runde auswirkte? Na ja, ein Zwiespalt es es nicht gerade, nur ein einspaltiges Hadern mit Gott und der Welt.<br \/><em>WPG-Wertung: Aaron: 6, Andrea: 8: , G\u00fcnther: 6, Moritz: 5, Walter: 8<\/em><br \/>Walter schreibt eine Rezension.<br \/><strong>3. &#8220;Bluff&#8221;<\/strong><br \/>Nein, es wurde nicht mehr geblufft. Weit nach Mitternacht diskutieren G\u00fcnther und Walter noch \u00fcber Zehntausende von Excel-Zellen, mit deren Hilfe die beste Bluff-Strategie im 1:1-Endspiel ermitteln werden soll.<br \/>Bis jetzt sind die Ergebnis-Kurven noch ziemlich entt\u00e4uschend, es gibt keine inneren Maxima oder Minima, keine Sattel- und keine Wendepunkte. Aus der Schar der analysierten Strategien hat sich stets die Wahrheits-Strategie als die beste herausgestellt. Zu Walter&#8217;s Leidwesen scheint au\u00dferdem G\u00fcnthers &#8220;Immer-5 als \u00dcberlagerungsstrategie sogar noch die Nase vor seiner geliebten &#8220;Immer-4&#8221;-Strategie zu haben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine \u00fcberzeugte Taiji-Qigong-Meisterin und konsequente Nicht-Spielerin fragte etwas verst\u00e4ndnislos: &#8220;Was ist denn am Spielen dran? Am n\u00e4chsten Tag ist doch alles spurlos verflogen.&#8221;Diese Kritik ist etwas zu kurz gegriffen. 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