{"id":1339,"date":"2011-09-01T01:40:11","date_gmt":"2011-09-01T00:40:11","guid":{"rendered":"http:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/?p=1339"},"modified":"2011-10-13T08:43:51","modified_gmt":"2011-10-13T07:43:51","slug":"31-08-2011-vier-staedte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/2011\/09\/01\/31-08-2011-vier-staedte\/","title":{"rendered":"31.08.2011: Vier St\u00e4dte"},"content":{"rendered":"<p>Wo liegen Manhattan-Bridge und Brooklyn-Bridge in einem 90\u00b0 Winkel nur eine halbe Elle weit auseinander? Ja, genau da!<br \/>\nEs gibt keine Goethestra\u00dfe und keine Schlo\u00dfalle, statt dessen eine 5th Avenue und Ellis Eiland. Badstra\u00dfe und Turmstra\u00dfe wurden in Little Italy und Chinatown umbenannt (oder war es umgekehrt?), H\u00e4user und Hotels sind Studios und Brownstones (nach LEO sind das Sandsteinh\u00e4user, im damaligen Amerika offensichtlich etwas Gro\u00dfes). H\u00fcbsche kleine Zinnfiguren, Apfel, Auto, Hot Dogs und die Freiheitsstatue darstellend, sind die P\u00f6ppel, mit denen wir das Carree umrunden. Es geht nicht um Hunderttausende von Dollars, die kleinste St\u00fcckelung hat den Nennwert von einem Dollar. Ganz sch\u00f6n bescheiden. (Oder ist der beherrschte Zahlenraum der heutigen Generation geschrumpft?)<br \/>\n\u201eNew York\u201c hei\u00dft diese Ausgabe des wohl bekanntesten Brettspiels unserer Zeit. Meine Tochter sowie der spanische Schwiegerfreund haben sie in unserem Familienurlaub am Balaton auf den Tisch gelegt. Zuerst war ich peinlich \u00fcberrascht, weil ich ein Geschenk bef\u00fcrchtete, aber dann war es doch nur ein Spielvorschlag. Und schon ging es los.<br \/>\nBekannterma\u00dfen besteht dieses reine Gl\u00fccksspiel aus zwei Gl\u00fccksphasen. In der ersten Phase w\u00fcrfelt man hoffnungsvoll um die Gr\u00fcndst\u00fccke, die man erwerben m\u00f6chte. In der zweiten Phase w\u00fcrfelt man \u00e4ngstlich um die Gr\u00fcndst\u00fccke, auf denen man keine Miete bezahlen m\u00f6chte; dann bleibt man am liebsten im Gef\u00e4ngnis eingesperrt.<br \/>\nF\u00fcr ganz kluge K\u00f6pfe gibt es zwischen diesen Gl\u00fccksphasen zuweilen f\u00fcr ein paar Sekunden noch eine Handelsphase, wo man die M\u00fcnchener Stra\u00dfe gegen den Opernplatz vertauscht und ggf. noch etwas drauflegt. Im Spielkreis meines Schwagers wird die erste, etwas langatmige Phase auf Null reduziert, in dem die vorhandenen Grundst\u00fcckskarten einfach wie beim Skat verteilt werden. Immerhin geht damit kein St\u00fcck Taktik oder Strategie verloren, und man spart sich fast eine ganze Stunde Einschwungzeit.<br \/>\nIn unserem Dreierkreis hatte Antonio als erster und einziger einen kompletten Stra\u00dfenzug erw\u00fcrfelt: die supergeile Parkstra\u00dfe und Schlo\u00dfallee, sprich Central Park und Ellis Eiland. Jetzt h\u00e4tte er nur noch ein stumpfsinniges Dahind\u00fcmpeln \/ W\u00fcrfeln aussitzen m\u00fcssen, um sp\u00e4testens eine Stunde sp\u00e4ter das Feld als Monopolist zu verlassen. Doch aus Gutm\u00fctigkeit, Sportsgeist oder Piet\u00e4t gegen\u00fcber dem Schwiegervater in spe tauschte er zwei Pink-Stra\u00dfen gegen eine Braun-Orange-Stra\u00dfe (meine Lieblingsgrundst\u00fccke, die auf den Feldern 6, 8 und 9 hinter dem Gef\u00e4ngnis). Das war sein Tod. Auf Sabina\u2019s Stra\u00dfenstrich von Chinatown hauchte er seine letzten Dollars aus, ohne da\u00df jemals auch nur ein einziger Fl\u00fcchtling auf Ellis Eiland seinen Pa\u00df vorgezeigt oder im Central Park gelustwandelt h\u00e4tte.<br \/>\n<em>Bisher noch keine einzige WPG-Wertung f\u00fcr das Spiel der Spiele! Aus Piet\u00e4t f\u00fcr die Freunde von W\u00fcrfelspielen vergibt Walter freundliche 6 Punkte. Das Spiel hat eine vorz\u00fcgliche Balance. Da bei\u00dft die Maus keinen Faden ab. Wenn ihm hier aber einer mit strategischen Fachsimpeleien ankommt, w\u00fcrde er ihm sofort eine 2-3 um die Ohren knallen. Sabina: 5, Toni: 8.<br \/>\nDie weiteren Nostalgienoten der heutigen Westpark-Gamers: Birgit: 5 (OK, aber kein gro\u00dfer Spielreiz), G\u00fcnther: 5 (f\u00fcr Spielstunden mit Neffen und Nichten), Horst: 5 (mal sehen, wann Sebastian daf\u00fcr reif ist).<\/em><br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2011\/09\/TocadoYUndido.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-1342\" src=\"http:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2011\/09\/TocadoYUndido.jpg\" alt=\"\" width=\"319\" height=\"264\" srcset=\"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2011\/09\/TocadoYUndido.jpg 638w, https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2011\/09\/TocadoYUndido-150x124.jpg 150w, https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2011\/09\/TocadoYUndido-300x248.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 319px) 100vw, 319px\" \/><\/a><br \/>\nUm die strategische Herausforderung zu potenzieren, spielte ich hinterher mit dem Schwiegerfreund noch einige Partien eines schriftlichen Frage- und Antwortspiels, bei dem ich die spanischen Zahlen von 1 bis 10 und das spanische Alphabet von A bis Chota vertiefen konnte, und bei dem die Antwort \u201eagua\u201c eine Entt\u00e4uschung, die Antwort \u201etocado y hundido\u201c aber das reinste Entz\u00fccken hervorrief. Was war das?<br \/>\n<strong>1. &#8220;Firenze&#8221;<\/strong><br \/>\nAbermals ein gro\u00dfer Wurf von Pegasus. Wir sind mal wieder Bauherrn und bauen Geschlechtert\u00fcrme (bitte mit nichts zu verwechseln!) in einer Stadt. F\u00fcr jedes fertiggestellte Stockwerk gibt es Siegpunkte und Sonderpr\u00e4mien; wer am Ende die besten siegpunkttr\u00e4chtigen Etagen gebaut hat, ist Sieger.<br \/>\nJeder Spielzug eines Spielers besteht aus 4 Phasen:<\/p>\n<ul>\n<li>Aus einer Reihe von 6 offenen Aktionskarten die optimalste w\u00e4hlen: Der Auswahlmechanismus ist hier \u00e4hnlich wie bei \u201eSmall World\u201c: Die vorderste Aktionskarte kostet nichts, f\u00fcr jede weiter hinten liegende Aktionskarte mu\u00df man auf jede \u00fcbersprungene Karte einen Obolus legen. So werden auch weniger attaktive Karten im Laufe der Zeit immer wertvoller, bis sich die Waage schlie\u00dflich doch noch zu ihren Gunsten neigt.<br \/>\nDer entscheidende Unterschied zwischen den verschiedenen Aktionskarten liegt allerdings weniger in ihrer Funktion (im wesentlichen Siegpunkt- oder Kosten-Modifier), sondern in der Anzahl und Farbe der Bausteine, die ihnen zugeordnet ist, und die es erlauben, an den verschiedenen Geschlechtert\u00fcrmen mitzubauen.<\/li>\n<li>Steine tauschen: Im Verh\u00e4ltnis 3:1 kann man aktuell \u00fcberfl\u00fcssige Steine gegen dringend ben\u00f6tigte Steine umtauschen. Damit werden die Unbilden den Zufalls bei der Bausteine-Verteilung gemildert.<\/li>\n<li>T\u00fcrme bauen: Aus den angesammelten Steinen kann man einen oder mehrere farbige T\u00fcrme errichten oder an bestehenden T\u00fcrmen weiterbauen. Hier ist eine h\u00fcbsche Abw\u00e4gung eingebaut: Fange ich einen neuen Turm an um ihn peut-a-peut fertig zu stellen, oder spare ich die Bausteine auf, um den Turm sp\u00e4ter auf einen Streich zu bauen? Angefangene T\u00fcrme haben den Nachteil, dass ich in der H\u00f6he der T\u00fcrme weniger flexibel bin. Zudem muss ich in jedem Zug an jedem angefangenen Turm weiterbauen, ansonsten wird er als \u201eBauruine\u201c abgerissen. Daf\u00fcr ist es erheblich billiger, einen Turm in kleineren Teilst\u00fccken zu errichten als in einer einzigen gro\u00dfen Bauphase.<\/li>\n<li>Auftr\u00e4ge erf\u00fcllen: Fertige T\u00fcrme, die in der Etagenh\u00f6he einem noch ausstehenden Auftrag genau entsprechen, werden abgerechnet und man erh\u00e4lt daf\u00fcr Siegpunkte.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Das ganze ist spannend (Kriege ich die richtigen Bausteine zusammen? Kann ich einen Etagenturm abrechnen, bevor mir ein Mitspieler den Auftrag wegschnappt?), konstruktiv (schlie\u00dflich werden T\u00fcrme gebaut), schnell, durchsichtig (sehr wenige, klare und verst\u00e4ndliche Regeln) und taktisch-strategisch (\u201eFr\u00fcher Vogel f\u00e4ngt den Wurm\u201c gegen \u201eDem Hahn, der zu fr\u00fch kr\u00e4ht, dreht man den Hals um.\u201c)<br \/>\nLeider gibt es unter den Aktionskarten auch ein paar \u00c4rgerkarten. Der \u201eSaboteur\u201c entfernt einen Stein von einem Turm eines beliebige Mitspielers und der \u201eSchmuggler\u201c tauscht einen eigenen Stein gegen den Stein eines Mitspielers (der damit eine bestimmte Etage gerade nicht mehr fertigstellen kann). Mu\u00df das sein? Es gibt in \u201eFirenze\u201c so viel zu planen, zu \u00fcberlegen und scharf zu kalkulieren, dass solche \u00c4rgermechanismen schlichtweg kontraproduktiv sind. Birgit und Walter sind aus Prinzip gegen diese parteilichen Chaos-Effekte; G\u00fcnther k\u00f6nnte noch damit leben; Horst k\u00f6nnte <strong>ohne<\/strong> diese Effekte sogar besser leben.<br \/>\n<em>WPG-Wertung: Birgit: 6 (vom Thema nicht umgehauen. Einschr\u00e4nkung wegen der \u00c4rgerkarten), G\u00fcnther 7 (das Spiel ist rund; das st\u00e4ndige Nachschieben und F\u00fcllen der Aktionskarten ist allerdings etwas umst\u00e4ndlich), Horst: 7 (das Spiel ist solide, Einschr\u00e4nkungen wegen des gewaltigen Siegpunktrausches am Ende), Walter: 7 (ohne die \u00c4rgerkarten w\u00e4ren es 8 Punkte).<\/em><br \/>\n<strong>2. &#8220;Die Speicherstadt&#8221;<\/strong><br \/>\nLetztes Jahr lag dieses Eggert-Spiel von Stefan Feld dreimal auf dem Spieltisch am Westpark. Da sag\u2019 doch mal einer, wir w\u00fcrden alle Spiele nur einmal spielen und d\u00fcrften uns daraus noch kein Urteil erlauben!<br \/>\nHeute setzte es sich wegen seiner kurzen Spieldauer (45 Minuten) durch, schlie\u00dflich sollte Sebastians Babysitter sp\u00e4testens um 23 Uhr abgel\u00f6st werden. F\u00fcr die Alternative, \u201eStrassbourg\u201c, muss man eher die doppelte Zeit ansetzen.<br \/>\nDer neuartige Postenschachermechanismus, mit dem die Spieler ihre Aktionen ausw\u00e4hlen, hat nichts von seinem Reiz verloren, auch wenn lange Gesichter bei den Zu-Kurz-Gekommenen immer mal wieder nicht zu vermeiden sind. Das Geld ist \u00e4u\u00dferst knapp, und wer sein letztes Geld f\u00fcr einen Auftrag, eine Schiffsladung oder einen Feuerwehrmann ausgegeben hat, ist in der n\u00e4chsten Runde ausrechenbar, und geht mit hohem Risiko ganz leer aus.<br \/>\nG\u00fcnther hatte den gesamten Spielablauf von langer Hand geplant und tat in der Schlu\u00dfwertung einen Sprung von Minus-4 auf Plus-27 Punkte. Unangefochten die Spitze.<br \/>\n<em>WPG-Wertung: Birgit und Horst reihten sich mit 8 Punkten in die Spitzengruppe der bisherigen guten WPG-Werter ein.<\/em><br \/>\nVon einem drohenen Bluff-Absacker verschreckt, d\u00fcste Birgit zum m\u00fctterlichen Babysitter davon.<br \/>\n<strong>3. &#8220;Ysphahan&#8221;<\/strong><br \/>\nDas Spiel lag seit seinem Erscheinen im Jahr 2006 bereits f\u00fcnf mal bei uns auf dem Tisch. G\u00fcnther hat schon vor Jahren die PC-Fassung f\u00fcr das Spiel gegen den Computer implementiert; vor kurzem hat er auch noch eine Internet-Version geschaffen, mit der man jetzt online gegen entfernt lebende Mitspieler im Netz spielen kann. Nat\u00fcrlich besitzt er auch am realen Brettspiel die gr\u00f6\u00dfte strategischen Erfahrung.<br \/>\nOhne echten Gegenspieler schwelgte er in der Supervisor-Strategie. Er baute als erste Geb\u00e4ude die Karawanserei und das Badehaus, und schickte anschlie\u00dfend bei fast jedem Zug gleich zwei P\u00f6ppel in die Karavane und durfte daf\u00fcr auch gleich noch zwei Bonuskarten ziehen. Am Ende hatte er Horst und Walter nahezu \u00fcberrundet.<br \/>\nWalter fuhr zwei Runden lang recht erfolgreich die Basarstrategie. Im Besitz von Lastenaufzug und Markt konnte er in der zweiten Runde die gelben Basare vollst\u00e4ndig in Besitz nehmen und allein daf\u00fcr 28 Siegepunkte kassieren. Doch dann verlie\u00dfen sie ihn. G\u00fcnther\u2019s Supervisor-Strategie erlaubte sogar noch, den Gegnern jeweils die W\u00fcrfelgruppe zu entwerten, die ihnen am peinlichsten war.<br \/>\nHorst durchlebte die Verwandlung von Begeisterung in Entgeisterung. Fassungslos konnte er nur zuschauen, wie G\u00fcnthers Siegpunktkonto sturzbachartig anschwoll. Gewi\u00df, in einer 3er Runde kann \u201eYsphahan\u201c durchaus die Balance verlieren. Ein Supervisor allein ist wahrscheinlich unschlagbar, und wenn sich zwei Supervisor streiten, dann freut sich das lachende dritte Kamel. Gibt es dazwischen einen Mittelweg, n\u00e4mlich dem Supervisor an den Karren zu fahren, ohne dabei die Chancen auf den eigenen Sieg ganz fallen lassen zu m\u00fcssen?<br \/>\nDoch auch ohne Balance ist Ysphahan ein vielseitiges, schnelles, vorz\u00fcgliches Spiel.<br \/>\n<em>WPG-Wertung: Horsts 8 Punkte blieben diesmal unterhalb des super-guten WPG-Durchschnittes.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wo liegen Manhattan-Bridge und Brooklyn-Bridge in einem 90\u00b0 Winkel nur eine halbe Elle weit auseinander? Ja, genau da! Es gibt keine Goethestra\u00dfe und keine Schlo\u00dfalle, statt dessen eine 5th Avenue und Ellis Eiland. 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