{"id":1359,"date":"2011-09-29T01:57:02","date_gmt":"2011-09-29T00:57:02","guid":{"rendered":"http:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/?p=1359"},"modified":"2012-01-18T09:59:12","modified_gmt":"2012-01-18T08:59:12","slug":"28-10-2011-alte-und-neue-seefahrer-kapitale","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/2011\/09\/29\/28-10-2011-alte-und-neue-seefahrer-kapitale\/","title":{"rendered":"28.09.2011: Alte und neue Seefahrer-Kapitale"},"content":{"rendered":"<p>Horst zieht um. Seit der Geburts seines Sohnes vor einem Jahr ist er einem st\u00e4ndigen Terror seitens eines Nachbarn ausgesetzt. Zu jeder Tages- (!) und Nachtzeit bumbert der beim kleinsten Ger\u00e4usch an die Wand und schreit: \u201eK\u00f6nnt ihr euren Spr\u00f6\u00dfling nicht zur Ruhe bringen!\u201c Birgits Nerven haben das nicht mehr ausgehalten. Der Nachbar mu\u00df nervenkrank sein, wenn nicht gar gemeingef\u00e4hrlich. Der Kl\u00fcgere gibt nach. Ab n\u00e4chster Woche wird eine neue Wohnung in einer neuen Gegend hoffentlich Ruhe und Frieden bringen.<br \/>\nEin kleiner h\u00e4mischer Trost f\u00fcr die drangsalierte Spielerfamilie: Der b\u00f6se Nachbar wei\u00df nat\u00fcrlich nichts von ihrem Umzug und hat sich mittlerweile ebenfalls entschlossen auszuziehen. Seine Wohnung hat er bereits verkauft. Was wird er wohl f\u00fcr Augen machen, wenn am 1. Oktober gleich zwei Umzugsw\u00e4gen vor der Haust\u00fcr stehen!<br \/>\n<strong>1. &#8220;London&#8221;<\/strong><br \/>\nVor einem halben Jahr im Trio zum letzten Mal gespielt, waren heute Aaron und Moritz die Neulinge. Es war zwar Aarons Spiel, das auf den Tisch kam, doch er hatte sich nicht auf die Spielregeln vorbereitet. G\u00fcnther konnte sich nicht mehr so gut daran erinnern, um freiwillig die Erkl\u00e4rerrolle zu \u00fcbernehmen und Walter ist diesbez\u00fcglich ohnehin off-limits. So durfte Moritz aus dem Stegreif das Regelheft vortragen bzw. wiederholen.<br \/>\nDer Spielplan zeigt im groben Schema den Stadtplan von London. Moritz entdeckte sogleich einen Teil seiner Vergangenheit wieder: \u201eIch zeig euch gleich mal, wo ich gewohnt habe. Hier unten, rechts von Deptford.\u201c Aaron kannte sich aus: \u201eOh, s\u00fcdlich der Themse! Da brennt doch immer mal wieder n\u00e4chtens ein Auto!\u201c<br \/>\nNun ja, im Jahre 1891, in dem \u201eLondon\u201c spielt, brannte nicht nur ein Auto, sondern gleich die ganze Stadt. Wir m\u00fcssen sie wieder aufbauen. Das dominiertende Element dabei sind Karten, die Bauwerke der Stadt darstellen. Wir d\u00fcrfen mit gewissen Freiheiten uns daraus eine erkleckliche Anzahl aussuchen, sie peut-a-peut als \u201eGeb\u00e4udeauslage\u201c vor uns auslegen, sie sp\u00e4ter aktivieren und damit Geld und Siegpunkte einstreichen.<br \/>\nRegelm\u00e4\u00dfig steigt bei unseren Geb\u00e4ude-Aktivierungen die \u00f6ffentliche Armut. Ihre Bek\u00e4mpfung ist \u00fcberhaupt eine der gro\u00dfen Herausforderungen im Spiel. Durch wenige Stapel in unserer \u201eGeb\u00e4udeauslage\u201c und durch wenige Handkarten k\u00f6nnen wir einen rasanten Anstieg der Armut verhindern, und ein paar wenigen Geb\u00e4udekarten erlauben sogar, sie zu verringern. Aber man mu\u00df schon rechtzeitig zugreifen und auch einen Batzen Geld opfern, um diese Gelegenheiten wahrzunehmen.<br \/>\nWalter predigte gegen die Armut, lie\u00df sich dann aber vom schn\u00f6den Mammon verleiten und bekam am Ende 18 Strafpunkte f\u00fcr die Armen in seinem Stadtviertel. Das reichte zum letzten Platz. Moritz konnte als einziger Spieler die Armut restlos beseitigen; daneben hatte er sich einen gelungenen Mix an Stadtvierteln, U-Bahnlinien und Siegpunkte-Geb\u00e4uden zugelegt. Es reichte mit 62 Punkten zum Sieg.<br \/>\nStrategietips f\u00fcr ein gutes Spiel:<\/p>\n<ul>\n<li>Erweitere fr\u00fch und ausgiebig deine Regierung in den Stadtbezirken, gegebenenfalls auch mit Krediten<\/li>\n<li>Nimm dir ein Maximum an Stapeln vor, mit denen du arbeiten willst und errichte m\u00f6glichst schnell vom Start an diese Zahl<\/li>\n<li>Belege jeweils alle Stapel mit einer Geb\u00e4udekarte und aktiviere jeweils alle Stapel mit einem Schlag<\/li>\n<li>In den ersten Runden spielt das Geld nat\u00fcrlich eine wichtige Rolle, doch am Ende z\u00e4hlen nur Siegpunkte und der Abbau der Arbeit. Schalte also rechtzeitig von der Geldpolitik auf ein soziales M\u00e4zenatentum um.<\/li>\n<\/ul>\n<p><em>WPG-Wertung: Aaron: 6 (zu solit\u00e4r), Moritz: 7 (enth\u00e4lt sogar \u2013 ausnahmeweise \u2013 relativ viel Thema); die anderen blieben bei ihren 7 Punkten.<\/em><br \/>\n<strong>2. &#8220;Porto Carthago&#8221;<\/strong><br \/>\nLetztes Jahr haben wir dieses Spiel in seiner Entstehung begleitet und Aaron hatte es auf Bernd Eisensteins Stand auf der \u201eSpiel 2010\u201c mit Erfolg pr\u00e4sentieren helfen. Heute durfte er auch bei uns die Erinnerungen auffrischen. Doch ohne Regelheft ging das nicht. Man sieht, selbst eine tagelange Dozentenarbeit mit einem einzigen Spiel brennen die Regeln in unserem Ged\u00e4chtnis nicht ein. (Wieviel weniger gilt das erst f\u00fcr das bei uns \u00fcbliche 1-2 malige Spielen!)<br \/>\n\u201ePorto Carthago\u201c enth\u00e4lt ziemlich viele Spielelemente, die sehr viele verschiedene Schienen zum Sieg er\u00f6ffnen. In optimalem Timing und in Konkurrenz zu unseren Mitspielern m\u00fcssen wir dazu unsere <strong>Aktionen<\/strong> einsetzen.<\/p>\n<ul>\n<li>Einmal pro Runde fahren 4-5 <strong>Handelsschiffe<\/strong> in den Stadthafen von Carthago. Wir m\u00fcssen rechtzeitig hier die Landungsstege besetzen, an denen sie ankommen. Haben wir den Hafenmeister ergattert, k\u00f6nnen wir uns beim Einlaufen noch ein paar Vorteile verschaffen oder einzelne Konkurrenten benachteiligen.<\/li>\n<li>Einmal pro Runde wird der <strong>Markt<\/strong> gef\u00fcllt, auf dem wir uns mit den Waren eindecken k\u00f6nnen, mit denen wir die Handelsschiffen beliefern. Hier mu\u00df man zugreifen, solange der Vorrat reicht und solange noch Platz in unserem Lager ist. Dies gilt unabh\u00e4ngig davon, ob die vorhandene Warenart von den Schiffen an unseren Landungsstegen aktuell \u00fcberhaupt ben\u00f6tigt wird.<\/li>\n<li>Im <strong>Freihafen<\/strong> gibt es eine Reihe von Anlegestellen f\u00fcr au\u00dferplanm\u00e4\u00dfige Schiffe. Die hier verschifften Waren sind nach ihrer Art nicht vorgeben. Hier k\u00f6nnen wir alle Waren aus unserem Lager loswerden. Allerdings ist die Anzahl der Pl\u00e4tze im Freihafen stark begrenzt. Wer sich nicht rechtzeitig einen Platz gesichert hat, kann ziemlich lange in die R\u00f6hre schauen.<\/li>\n<li>Gewinnen tut man \u00fcber den <strong>Einflu\u00df im Palast<\/strong>. Den zu erkaufen wird im Laufe des Spiels immer teurer, also mu\u00df man sich fr\u00fchzeitig hier die Zugangsm\u00f6glichkeiten er\u00f6ffnen und Schmiergelder immer flie\u00dfen lassen, wenn man sie entbehren kann.<\/li>\n<li>Der zun\u00e4chst unscheinbare <strong>Intrigenpfad<\/strong> kann bei Spielende auch nochmals reichlich Palast-Einflu\u00df abwerfen. Hier werden in jedem Fall die in der Schlu\u00dfphase \u00fcbersch\u00fcssigen Handelspunkte eingesetzt. Was aber schlu\u00dfendlich dabei herauskommt \u2013 mit erheblichem Einflu\u00df auf die Sieger-Positionierungen \u2013 ist stark abh\u00e4ngig von den Ambitionen der Mitspieler. Sich rechtzeitig zu engagieren ist gut, den Intriegenpfad aber zu dominieren ist schlecht, wenn sich dann kein weiterer Spieler mehr beteiligt und der dadurch vergebene Gesamt-Einflu\u00df gering bleibt.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die vielen R\u00e4dchen und Schr\u00e4ubchen, an denen man in \u201ePorto Carthago\u201c drehen kann, erzeugen jedesmal einen anderen Spielablauf. Teilweise total anders. Heute gab es unerwartet viele Blockaden. Der Markt war immer im Nu leergefegt und viele Handelsschiffe konnten nicht beliefert werden. Keiner nahm es allerdings auf sich, einen Zug zu opfern, um den Markt au\u00dferplanm\u00e4\u00dfig neu zu beschicken.<br \/>\nDer Freihafen wurde 3 Runden lange von G\u00fcnther vollst\u00e4ndig blockiert. Zun\u00e4chst nicht gerade mit Absicht, mehr aus Frust, weil keine Waren mehr da waren, und dementsprechend auch keine lukrativen Landungsstege winkten.<br \/>\nWalter belegte \u2013 ebenfalls mehr der Not gehorchend, weil sein Lager voll und im Freihafen kein Platz mehr war \u2013 in den letzten beiden Runden dann alle Landungsstege, die im Stadthafen noch angefahren wurden. Auch wenn er nicht gen\u00fcgend Waren (und Z\u00fcge) hatte, diese Schiffe alle zu beliefern.<br \/>\nAls Folge dieser Blockaden boten sich \u00fcberdurchschnittlich oft keine lustigeren Z\u00fcge als die Notration von 3 Talenten einzustreichen. Trotzdem war es schwei\u00dftreibend und spannend. Und jeder kann heute Nacht davon tr\u00e4umen, was er beim n\u00e4chsten Mal anders machen will. Falls ihn die Mitspieler nicht daran hindern.<br \/>\n<em>Keine neue WPG-Wertung f\u00fcr ein gutes 7,6 Punkte-Spiel.<\/em><br \/>\n<strong>3. &#8220;Bluff&#8221;<\/strong><br \/>\nNein, heute kein Bluff mehr. Morgen fr\u00fch geht es auf den Jochberg.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Horst zieht um. Seit der Geburts seines Sohnes vor einem Jahr ist er einem st\u00e4ndigen Terror seitens eines Nachbarn ausgesetzt. Zu jeder Tages- (!) und Nachtzeit bumbert der beim kleinsten Ger\u00e4usch an die Wand und schreit: \u201eK\u00f6nnt ihr euren Spr\u00f6\u00dfling nicht zur Ruhe bringen!\u201c Birgits Nerven haben das nicht mehr ausgehalten. 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