{"id":1388,"date":"2011-10-06T11:16:15","date_gmt":"2011-10-06T10:16:15","guid":{"rendered":"http:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/?p=1388"},"modified":"2011-10-13T08:40:39","modified_gmt":"2011-10-13T07:40:39","slug":"05-10-2011-sechs-stunden-in-australien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/2011\/10\/06\/05-10-2011-sechs-stunden-in-australien\/","title":{"rendered":"05.10.2011: Sechs Stunden in Australien"},"content":{"rendered":"<p><strong>&#8220;1848 &#8211; Australia&#8221;<\/strong><br \/>\nDie reiferen Spielergenerationen, die uns noch unter dem Namen \u201e1830 and more\u201c kennengelernt haben, wissen sofort, dass es sich hier um ein Mitglied der 18xx-Eisenbahner-Familie handelt. Helmut Ohley hat es 2007 als 72. Enkelkind gezeugt. Als Vater bzw. Halbvater war er mit den 18xx-M\u00fcttern und T\u00f6chtern auf vier Kontinenten insgesamt acht mal fruchtbar: von \u201e1844-Schweiz\u201c \u00fcber \u201e1862-USA\/Kanada\u201c und \u201e1895-Namibia\u201c bis zuletzt nach \u201e1848-Australia\u201c.<br \/>\nEs gibt eine Menge Spielmaterial auf dem Tisch auszubreiten (unter anderem Luxus-Ausf\u00fchrungen von Geldscheinen, lieber Bernd!), deshalb ist auch das Spielbrett mit der Geographie Australiens bewu\u00dft klein gehalten worden. Von Sydney \u00fcber Canberra nach Melbourne und Adelaide ist es nur ein Katzensprung. Die hier gegr\u00fcndeten Bahngesellschaften geraten unmittelbar aneinander, wo sie sich mit ihrem Streckennetz wie \u00fcblich erg\u00e4nzen oder behindern k\u00f6nnen. Zu Spielbeginn sind vereinigten Netze auf jeden Fall ein Vorteil. Daraus folgt f\u00fcr eine 3er Runde die topologische Konsequenz: Schlie\u00dfen alle drei Spieler unverz\u00fcglich ihre Netze zusammen, so profitiert der Spieler in der Mitte. Schlie\u00dfen sich nur zwei Spieler zusammen und braut der dritte sein eigenes S\u00fcppchen, so kommt der Eigenbr\u00f6tler lange nicht so gut aus den Startl\u00f6chern und muss mehrere Runden lang mit halb so hohen Einnahmen rechnen wie die Gemeinschaftsk\u00f6che. Dieser Effekt ist beim weiter auseinanderliegenden \u201e1830\u201c l\u00e4ngst nicht so krass. &#8211; Wie weit das Eigenbr\u00f6tler-Dasein sp\u00e4ter von Vorteil ist, steht auf einem anderen Blatt.<br \/>\nWas gibt es Neues in Australien? McGuffins hat eine Liste mit den Unterschieden zu \u201e1830\u201c zusammengestellt und kommt dabei auf etwa 60 Punkte. Doch vieles davon ist spieltechnisch Pillepalle. Nat\u00fcrlich haben die Privatgesellschaften in Australien andere Eigenschaften als in den USA. Doch ob ich verbilligt \u00fcber einen H\u00fcgel oder \u00fcber eine Kaktusstrecke fahren darf, ob ich damit Pr\u00e4sident der Baltimore &amp; Ohio oder der Central Australian Railway werde, ist mehr oder weniger identisch.<a href=\"http:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2011\/10\/1848-SessionFoto.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-1407\" src=\"http:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2011\/10\/1848-SessionFoto.jpg\" alt=\"\" width=\"410\" height=\"326\" srcset=\"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2011\/10\/1848-SessionFoto.jpg 410w, https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2011\/10\/1848-SessionFoto-150x119.jpg 150w, https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2011\/10\/1848-SessionFoto-300x239.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 410px) 100vw, 410px\" \/><\/a><br \/>\nDer Kontinent ist in vier Regionen mit unterschiedlicher Spurweite eingeteilt. Der \u00dcbergang von einer Spur auf die andere kostet Reichweite. Das spiegelt vielleicht die Realit\u00e4t in der Entwicklung der australischen Eisenbahnen wieder, doch die spielerische Kosten-Nutzen-Relation f\u00fcr dieses zus\u00e4tzliche Regeldetail ist nicht \u00fcberw\u00e4ltigend. Auch ein neuer Zugtyp, \u201eThe Ghan\u201c, der nicht den Verschrottungsbedingungen und dem Lok-Limit unterliegt, und mit dem man lediglich Alice Spings in Zentral-Australien anfahren kann, ist sch\u00f6n und liebevoll ausgedacht. Doch angesichts der ohnehin schon 32 Seiten Spielregeln w\u00e4re f\u00fcr den n\u00fcchternen Eisenbahn-Aktion\u00e4r in jedem Fall weniger gleich mehr.<br \/>\nEin absolut neues Element, das die wirtschaftlichen Effekte der Eisenbahngesellschaften revolution\u00e4r ver\u00e4ndert, ist die \u201eBank of England\u201c. Bei ihr kann jede Linie Geld aufnehmen und braucht es w\u00e4hrend des ganzen Spiels nicht zur\u00fcckzuzahlen. Der einzige Nachteil dieser Kredite ist ein Kursverlust der Gesellschaft. Und wenn ihr Kurs unter einen Grenzwert sinkt, so kommt sie unter die Zwangsverwaltung der Bank of England und hat f\u00fcr die Anteilseigener aufgeh\u00f6rt zu existieren. Immerhin kann daher durch noch so schlechte Behandlung einer Linie der Pr\u00e4sident oder dessen Nachfolger niemals in Konkurs getrieben werden. Ein klares Bekenntnis f\u00fcr die Empire-Builder und gegen die Finanz-Haie.<br \/>\n\u201e1848\u201c spielt sich wie die meisten \u201e18xx-Mitglieder: Besitzstand der Spieler und der Gesellschaften wachsen langsam und gleichf\u00f6rmig an (Widerspruch zur oben angedeuteten topologischen Asymmetrie) und die Vorkaufskarte bleibt mehrere Runden in einer Hand. Ist auch nicht so wichtig, da Manipulationen mit Linien und Aktien nicht opportun sind. Dann f\u00e4ngt das Chaos an: Ein begehrtes Gleisteil ist verbraucht, die Z\u00fcge verschrotten mit atemberaubendem Tempo, die Kurse und das Potential der Gesellschaften verschieben sich durch Verk\u00e4ufe, 100%-Investition, Einsparungen &#8211; und bei \u201e1848\u201c auch noch durch die Darlehen bei der Bank of England &#8211; in einem bunten Gewurl.<br \/>\nDas Streckennetz ist in seinen Gesamt-Effekten nur schwer \u00fcberschaubar. F\u00fcr das kleine, enge Australia gibt es zu viele Bahnhofsmarker, mit denen die Gesellschaften ihre Strecken abschotten k\u00f6nnen. Bei \u201e1830\u201c ist dies eine Mangelware, in unserer 1848-Runde dagegen hatte fast jede Gesellschaft bis zum Spielende noch mehrere Marker \u00fcbrig.<br \/>\nDas harte Aktienlimit l\u00f6st Orgien von Aktion-Umverteilungen aus. Welches sind die besten Linien in der Hand der Konkurrenten? Das ist nicht auszumachen; es liegt v\u00f6llig in der unkalkulierbaren Ambitionen-Willk\u00fcr der Pr\u00e4sidenten. In der aller-vorletzten Betriebsrunde kaufte Aaron f\u00fcr seine Federal Territory Railroad noch eine Diesellok, die erste des Spiels, und setzte damit alle 4er-Z\u00fcge au\u00dfer Gefecht: \u201eMan muss schlie\u00dflich mal alle Elemente ausprobieren.\u201c Dadurch verloren seine eigenen und vor allem G\u00fcnthers stolze Linien einen erheblichen Teil ihrer Eink\u00fcnfte; zwei Linien gingen sogar noch in Konkurs und die Bank of England machte gl\u00e4nzende Gesch\u00e4fte. Unerwartet f\u00fcr G\u00fcnther, der von vorneherein mit dieser Bank gelieb\u00e4ugelt hatte, sich kurz vor Spielende aber von allen ihren \u2013 vermeintlich ausgelutschen &#8211; Aktien getrennt hatte.<br \/>\nBilanz nach sechs Stunden Spielzeit: Aaron hatte (in der allerletzten Betriebrunde) die h\u00f6chsten Rundeneinnahmen, G\u00fcnther das meiste Bargeld und Walter das gr\u00f6\u00dfte Aktienverm\u00f6gen. In der Summe reichte es f\u00fcr unseren ungekr\u00f6nten 1830-K\u00f6nig G\u00fcnther. Trotz seiner Fehler. Aber welche K\u00f6nig ist schon unfehlbar?<br \/>\nAarons Understatement am Ende: \u201e1848 \u2013 Australia\u201c ist <strong>kein<\/strong> mi\u00dfratener Spro\u00df der 18xx-Familie.<br \/>\n<em>WPG-Wertung: Aaron: 8 (absolut gesehen eine sehr gute Note, aber eine Reduktion innerhalb seiner 18xx-Wertungen: die zus\u00e4tzliche Komplexit\u00e4t zahlt sich nicht aus), G\u00fcnther: 9 (immerhin ein 18xx-Spiel), Walter: 9 (hat dem Spiel nicht angelastet, dass es innerhalb der genialen 18xx-Familie einen schweren Stand hat)<\/em><br \/>\nZum Schlu\u00df noch einige Fragen an den Helmut: Wie lange hast Du an \u201e1848 \u2013 Australia\u201c gearbeitet? Welches ist eigentlich Dein innerer Beweggrund, immer wieder viele Wochen, Monate oder gar Jahre an einer neuen 18xx-Variante zu arbeiten? Und die wirtschaftliche Seite: Wieviele Exemplare wirst Du von \u201e1848\u201c verkaufen? Kommst Du auf einen Stundenlohn von mehr als 1 Euro? Aber die Frage nach dem Stundenlohn d\u00fcrfen sich wohl 99,9% aller Spiele-Erfinder nicht stellen. Es geht um den Spa\u00df an der Freud!<br \/>\n<strong>2. &#8220;Brainrun&#8221;<\/strong><br \/>\nSo zwischen 1 und 2 Uhr AM stellte Aaron noch eine Essen 2011-Neuheit vor. Ein Wissensspiel nach der Art von \u201eTrivial Pursuit\u201c. Mit ein bi\u00dfchen Taktik, Technik und Kampf.<br \/>\nAus verschiedenen Wissensgebieten werden einfache, schwierige, Entscheidungs- oder Sch\u00e4tzfragen gestellt. Zu jedem Wissensgebiet muss man mehrere Fragen richtig beantworten, um das entsprechende Farb-K\u00e4rtchen zu bekommen. Mehrere Karten eines Wissensgebietes kann man gegen eine Karte eines anderen Wissensgebietes eintauschen.<br \/>\nMan kann einem Mitspieler den Kampf um eine Karte in dessen Besitz ansagen: Dann wird eine Sch\u00e4tzfrage gestellt (z.B. Wieviele S\u00f6hne von Adam und Eva sind in der Bibel namentlich erw\u00e4hnt?), und wer mit seiner Sch\u00e4tzung am besten liegt, bekommt die Karte. Man braucht also nicht auf alles Wissensgebieten beschlagen zu sein, um das Spiel gewinnen zu k\u00f6nnen.<br \/>\nSolche mehr oder weniger \u201eUnterhaltungsspiele\u201c liegen nicht im Zentrum des Interesses am Westpark. Walter wird \u201eBrainrun\u201c am Wochenende der \u201eSpiel 2011\u201c zu seinen Verwandten nach Essen mitbringen und unter den dortigen Quiz-Liebhabern austesten, wie diese Prinzipien ankommen.<br \/>\n<em>Keine WPG-Wertung.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8220;1848 &#8211; Australia&#8221; Die reiferen Spielergenerationen, die uns noch unter dem Namen \u201e1830 and more\u201c kennengelernt haben, wissen sofort, dass es sich hier um ein Mitglied der 18xx-Eisenbahner-Familie handelt. Helmut Ohley hat es 2007 als 72. Enkelkind gezeugt. Als Vater bzw. 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