{"id":153,"date":"2007-07-12T14:32:03","date_gmt":"2007-07-12T14:32:03","guid":{"rendered":"http:\/\/westpark-gamers.de\/blog\/?p=153"},"modified":"2007-07-12T14:32:03","modified_gmt":"2007-07-12T14:32:03","slug":"11072007-iroquoia-mit-untergarigen-regelvariationen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/2007\/07\/12\/11072007-iroquoia-mit-untergarigen-regelvariationen\/","title":{"rendered":"11.07.2007: Iroquoia mit unterg\u00e4rigen Regelvariationen"},"content":{"rendered":"<p>Sechser-Runden sind bei uns verp\u00f6nt. Die sinkende Aktionsfrequenz l\u00e4\u00dft bei den Sensiblen den Gallendruck \u00fcberm\u00e4\u00dfig ansteigen, besonders wenn sie dann noch auf Denkpausen der Marathon-Logiker warten m\u00fcssen. Deshalb wird am Westpark nach 5 Anmeldungen die Teilnehmerliste geschlossen.<br \/>Doch diesmal kam eine besondere Sechser-Runden am Westpark zustande. Andritzens brachten ihren frisch gebackenen Milo mit. Sieben Wochen ist er alt, hat aber schon das Durchhalteverm\u00f6gen eines Profis. Sowohl an der Mutterbrust als auch in seiner Liege-Trage-Tasche. Kein Mucks war zu h\u00f6ren, als er den Regelerkl\u00e4rungen seines Vater lauschen durfte. In den nachfolgenden 4 Stunden Spiel-Gel\u00e4chter kam kein einziges zurechtweisendes Wort \u00fcber seine Lippen. Und als er weit nach Mitternacht mit seinen beiden Eltern unter dem Arm von dannen zog, war er immer noch eitel L\u00e4cheln und Sonnenschein. Von einem solchen Non-Playing-Captain kann jede Bridge-Nationalmannschaft nur tr\u00e4umen.<br \/><strong>1. &#8220;Iroquoia&#8221;<\/strong><br \/>Moritz hat das Spiel letztes Jahr in Essen von seinem original-indianischen Autor gekauft. (50% Westpark-Gamer-Rabatt.) Ein dreiviertel Jahr hat es gedauert, bis er es endlich auf den Tisch legen konnte.<br \/>Die Spieler versuchen in Stammesk\u00e4mpfen um Biberf\u00e4lle die meisten Siegpunkte auf ihre Seite zu ziehen. Bevor Moritz die wenigen Seiten Regelheft r\u00fcbergebracht hatte, wurde er schon von Aaron (!) unterbrochen &#8220;Und wie bekommt man die Biberfelle?&#8221; &#8220;Durch W\u00fcrfeln!&#8221; war die spontane Antwort. Doch als Moritz darauf in entsetzte Gesichter von vier WPGlern blickte, schob er schnell nach: &#8220;Durch gute Entscheidungen!&#8221;<br \/>Pro Zug w\u00fcrfelt jeder mit f\u00fcnf Farb-W\u00fcrfeln, sucht sich davon zwei Farben heraus und darf damit zwei Aktionen ausf\u00fchren:<br \/>1) Sich entsprechend-farbige Krieger zulegen.<br \/>2) Auf entsprechend-farbigen Felder Einflu\u00dfmarker legen<br \/>3) Die St\u00e4rke der Biberfell-Verteidiger ausspionieren.<br \/>4) Einen Krieg vom Zaun brechen.<br \/>Am Krieg darf sich jeder beteiligen, der im Besitz mindestens eines Kriegers ist. Die St\u00e4rke der Gegenseite wird durch verdeckt liegende Punkte-Karten bestimmt. Zu Beginn eines Kampfes wird per W\u00fcrfel ermittelt, welche Krieger ins Gras bei\u00dfen m\u00fcssen. Bleiben dann noch mehr Krieger \u00fcbrig als Verteidiger, werden die Biberfelle unter allen Kriegsteilnehmern verteilt. Der Kriegsverbrecher selbst bekommt noch ein zus\u00e4tzliches Biberfell. Wer am Ende die meisten Biberfelle besitzt, ist Sieger.<br \/>Der Abend war eine Kr\u00f6nung von mangelnden Regelverst\u00e4ndnissen. Moritz hatte das englische und Aaron das deutsche Regelheft auf dem Scho\u00df. Aber vor lauter Spielgier lie\u00dfen es beide beim oberfl\u00e4chlichen Durchlesen sein und wir fingen als Halb- oder Viertelwissende sofort mit dem Spiel an. Learning by playing!<br \/>Erster Fehler war der Glaube, da\u00df die Krieger, die ein jeder erw\u00fcrfelt, Allgemeingut w\u00e4ren. Ein kluger Spieler w\u00e4hlt dann doch lieber Einflu\u00dfmarker aus; die geh\u00f6ren ihm alleine. Ein \u00e4u\u00dferst friedlicher Wettlauf um die Vorherrschaft \u00fcber 0 (in Worten: Null) Krieger begann.<br \/>Der zweiter Fehler war, da\u00df wir den F\u00fchrungsbonus f\u00fcr die Einflu\u00df-Majorit\u00e4t immer dann vergaben, wenn ein Spieler am Zug war. Eigentlich sollte das zu Beginn jeder Runde erfolgen. Dieser kleine Unterschied gew\u00e4hrt dem jeweilige Startspieler einen deutlichen Vorteil: Bei der \u00fcblichen asymmetrischen Verteilung kassiert er seinen Bonus und vermasselt mit seinem anschlie\u00dfenden Zug den Bonus des n\u00e4chsten. Und so weiter.<br \/>Gravierend kam hinzu, da\u00df wir den Startspielerr nicht reihum wechseln lie\u00dfen. G\u00fcnther war als Startspieler ausgew\u00fcrfelt worden und nach gewohnter Sitzordnung war Aaron Letzter. Irgendwann ging ihm dann auf, da\u00df er beim Verteilen der Einflu\u00dfmarker benachteiligt war und bestenfalls immer nur gleichziehen konnte. Das konnte kein vern\u00fcnftiges Spieldesign sein. War es ja auch nicht, nur eine Regelwidrigkeit unsererseits. Aaron akzeptierte, da\u00df wir das Spiel beim aktuellen Spielstand mit richtiger Regel fortsetzen.<br \/>Die Einflu\u00dfmarker gingen langsam aus und wir mu\u00dften wohl oder \u00fcbel auch die Krieger ins Spiel w\u00fcrfeln. Wer sich jetzt durch einen guten Wurf auf einem Einflu\u00dffeld die Mehrheit erw\u00fcrfelte, durfte gleich 5 oder 8 Krieger unter seine Fittiche nehmen. Klar, da\u00df er sie dann umgehend in die K\u00e4mpfe um Biberfelle schickte. Aber weil ihm in der Regeln niemand zu Seite stand (erstens waren \u00fcberhaupt nur wenige Krieger auf dem Spielbrett und zweitens gab es f\u00fcr die meisten auch noch keine Einflu\u00dfmehrheiten), wurden die K\u00e4mpfe verloren und die Biberfelle nicht verteilt. Ein vierfaches Gel\u00e4chter pro einem langen Gesicht war die Quittung. \u00dcber den verlorenen Kampf. Und ein f\u00fcnffaches Gel\u00e4chter \u00fcber die Ungereimtheit des Spielregeln. Ausgerechnet unser Konstrukteur G\u00fcnther konstatierte: &#8220;Irgendwie fehlt das destruktive Element&#8221;.<br \/>Bis uns das Licht \u00fcber unsere Regelfehler aufging. Aaron war froh, da\u00df er noch kein Foto \u00fcber die Spielszenerie ins Internet gestellt hatte. Es gibt n\u00e4mlich immer aufmerksame Leser, die sich dann beschweren, da\u00df eine Figur am falschen Platz steht. (Mit solchen regelwidrigen Fotos k\u00f6nnte man ein ganzes eigenst\u00e4ndiges Spielequiz abwickeln.) Ein Spielabbruch war unvermeidlich.<br \/>Zwei Stunden waren um, eine halbe davon f\u00fcr die Bewunderung von Milo, eine weitere halbe f\u00fcr den (unvollst\u00e4ndigen) Vortrag der Spielregeln und eine Stunde mit Ziehen und Lachen oder mit Lachen und Ziehen. Doch das Spiel war eigentlich unschuldig. Einvernehmlich lie\u00dfen wir &#8220;Bluff&#8221; und &#8220;Wei\u00df-der-Kuckuck-Was&#8221; sausen, die Irokesen haben einen zweiten Versuch verdient.<br \/>Walter wurde neuer Startspieler und blieb bei seiner Pr\u00e4ferenz f\u00fcr Einflu\u00dfmarker vor Kriegern. Die anderen lie\u00dfen schneller ihre angeborene Neigung zum Kriegshandwerk erkennen. Moritz lud zum ersten Biberfell-Krieg ein. Niemand wollte sich beteiligen, nicht mal sein anvertrautes Weib. Sie war gerade mit dem Stillen ihrer Erstgeburt besch\u00e4ftigt und zog diese Heimchen-am-Busen-Rolle derjenigen einer Amazone vor.<br \/>Moritz hatte 3 rote und 2 lila Krieger im Einsatz. Da er alleine geblieben war, war der Kampf schon nicht mehr zu gewinnen. Allerdings w\u00fcrfelte er mit 5 W\u00fcrfeln genau 3 rote und 2 lila Fl\u00e4chen und verlor mit einem Schlag alle seine Krieger. Die Wahrscheinlichkeit f\u00fcr diesen Maximum-Damage-Wurf ist (wenn ich mich nicht irre): 5-\u00fcber-3 mal 5-\u00fcber-2 geteilt durch 6-hoch-5, also immerhin 1,286 Prozent. Es war nicht Moritz&#8217; Tag, der da zur Neige ging. Ausgerechnet er, der unbestritten beste Warrior in unserem Kreis, stie\u00df solche Verzweiflungss\u00e4tze aus wie &#8220;Ich mach jetzt einfach irgendwas, mir ist es wurscht&#8221; oder, mit etwas mehr Klageschmalz auf den Lippen: &#8220;Jetzt m\u00f6chte ich gerne mal einen Kampf initiieren, aber da kommt eh wieder keiner mit.&#8221;<br \/>G\u00fcnther initiierte einen Krieg und alle kamen mit. Nach dem vorletzten Kampfw\u00fcrfeln zum Ausd\u00fcnnen der Angreifer waren nur noch je 7 Krieger von Aaron und Moritz auf dem Brett sowie 6 eigene Krieger. Beim letzten Wurf w\u00fcrfelte er Blau und durfte entweder von Aaron oder von Moritz oder von sich selber einen blauen Krieger entfernen. F\u00fcr wen wird er sich wohl entschieden haben? Nat\u00fcrlich f\u00fcr den, der allen anderen den lautesten Schwanengesang garantierte! Doch er blieb diesmal in piano!<br \/>Bis weit nach Mitternacht begleiteten wir unsere Spielz\u00fcge mit ausladenden Diskussionen \u00fcber optimales Engagement im Krieg und Frieden und \u00fcber beste Irokesen-Taktiken. Gibt es hier denn so etwas? Andrea, Moritz und Walter sch\u00e4tzten den reinen Gl\u00fccksfaktor von &#8220;Iroquoia&#8221; auf 70%, Aaron und G\u00fcnther wollten nur 50% zugestehen, bis Aaron seine Zahl ganz zur\u00fcckzog und die grunds\u00e4tzliche Frage stellte, wie \u00fcberhaupt Zahlenwerte f\u00fcr den Gl\u00fccksfaktor zu definieren seien. Zu vorger\u00fcckter Stunde kamen wir auf keine allgemein akzeptierte Formel mehr.<br \/>Am Ende hatte Andrea die meisten Biberfelle gewonnen. Sie bekannte, da\u00df sie keine eindeutige Strategie verfolgt hat, sondern lediglich versucht hat, spontan aus jedem Wurf das Beste zu machen. Was sagt das jetzt \u00fcber den Gl\u00fccksfaktor bei &#8220;Iroquoia&#8221; aus?<br \/>Es bleibt die bemerkenswerte Tatsache, da\u00df das einzige, noch dazu stillende Lamm-Weib gegen vier Wolfs-M\u00e4nner gewonnen hat. Einfach durch weiblich-pragmatisches Vorgehen. Die theoriegeilen Strategen blieben auf der Strecke. Ist &#8220;Iroquoia&#8221; doch nur ein Gl\u00fccksspiel? Nein, diese Wertung w\u00e4re ungerecht. &#8220;Iroquoia&#8221; ist &#8211; um Moritz&#8217; Worte zu gebrauchen &#8211; ein sehr gut ausbalanziertes, elegantes Kampfw\u00fcrfelspiel. Es ist wert, ein &#8220;Eurogame&#8221; genannt zu werden. Wenigstens honoris causa. (F\u00fcr &#8220;Indianer&#8221; hatten die alten Lateiner noch kein eigenes Wort!)<br \/><em>WPG-Wertung: Aaron: 7, Andrea: 7, G\u00fcnther 7, Moritz: 5, Walter: 7<\/em><br \/>Ich bin sicher, bevor sich Moritz das n\u00e4chste Mal an den Stand seines indianischen Spiele-Autors begibt, hat er zu seinen mageren 5 Ausrei\u00dferpunkten 2 weitere hinzugef\u00fcgt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sechser-Runden sind bei uns verp\u00f6nt. Die sinkende Aktionsfrequenz l\u00e4\u00dft bei den Sensiblen den Gallendruck \u00fcberm\u00e4\u00dfig ansteigen, besonders wenn sie dann noch auf Denkpausen der Marathon-Logiker warten m\u00fcssen. Deshalb wird am Westpark nach 5 Anmeldungen die Teilnehmerliste geschlossen.Doch diesmal kam eine besondere Sechser-Runden am Westpark zustande. Andritzens brachten ihren frisch gebackenen Milo mit. 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