{"id":1535,"date":"2012-01-05T04:08:58","date_gmt":"2012-01-05T03:08:58","guid":{"rendered":"http:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/?p=1535"},"modified":"2012-01-17T20:44:51","modified_gmt":"2012-01-17T19:44:51","slug":"04-01-2012-glueck-und-zufall-in-der-goldenen-stadt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/2012\/01\/05\/04-01-2012-glueck-und-zufall-in-der-goldenen-stadt\/","title":{"rendered":"04.01.2012: Gl\u00fcck und Zufall in der Goldenen Stadt"},"content":{"rendered":"<p>\u201eWir wissen es wohl: wer nur wie im Spazierengehen einmal einen Blick nach der Wissenschaft hin tut, nach Art der Frauen und leider auch vieler K\u00fcnstler: f\u00fcr den hat die Strenge ihres Dienstes, diese Unerbittlichkeit im Kleinen wie im Gro\u00dfen, diese Schnelligkeit im W\u00e4gen, Urteilen, Verurteilen etwas Schwindel- und Furchteinfl\u00f6ssendes. Das Gutmachen gilt als die Regel, das Verfehlte als die Ausnahme. Diese &#8220;Strenge der Wissenschaft&#8221; erschreckt den Uneingeweihten. Wer aber an sie gew\u00f6hnt ist, mag gar nicht anderswo leben, als in dieser hellen, durchsichtigen, kr\u00e4ftigen, stark elektrischen Luft, in dieser m\u00e4nnlichen Luft.\u201c<br \/>\nDer gute Nietzsche hat in seinen \u201eDie fr\u00f6hlichen Wissenschaften\u201c so manchen Bl\u00f6dsinn verzapft. Co-Mentar w\u00fcrde sogar schreiben: \u201eeinen rechten Schei\u00df\u201c. Beim obigen Spruch wei\u00df ich nicht so recht, wie ich ihn einordnen soll. Zumindest \u00fcberlasse ich es unseren Spielern und Lesern, sich selber einzusch\u00e4tzen, was sie sind: Frauen, K\u00fcnstler oder elektrische luftige M\u00e4nner.<br \/>\n<strong>1. &#8220;Die goldene Stadt&#8221;<\/strong><br \/>\nGut zwei Jahr ist das Spiel alt und Aaron fragte provokativ: \u201eSo ein altes Spiel traust Du uns vorzulegen!\u201c Horst entschuldigte sich: &#8220;Einige Monate liegt es schon am Westpark herum. Es wird h\u00f6chste Zeit, die Schimmelflecken davon zu entfernen.&#8221;<br \/>\nDie goldene Stadt ist eigentlich eine Insel. Wir fangen unseren Marsch an einem der vielen Orte ihrer K\u00fcstenlinie an, ziehen durchs Vorland, errichten Handelsh\u00e4user, gewinnen Geld und Siegpunkte, bis wir schlu\u00dfendlich das Innere der Insel erreichen, dabei den gr\u00f6\u00dften Reibach machen und das Spiel beenden.<br \/>\nF\u00fcr jeden Schritt auf der Insel m\u00fcssen wir die richtigen Bewegungskarten besitzen. Pro Zug stehen jedem Spieler zwei neue Bewegungskarten zu, die von einer offenen Auslage gezogen werden. Der Startspieler darf sich die ersten beiden aussuchen, doch k\u00f6nnen sie ihm von jeden Mitspieler streitig gemacht werden, der bereit ist, daf\u00fcr Geld zu bezahlen. Wer mit seinem Geld lieber Siegpunkte kassiert, der muss sehen, was \u00fcbrig bleibt.<br \/>\nDas Spiel ist ein monet\u00e4rer Konkurrenzkampf beim Ersteigern des Wegerechts und ein topologischer Konkurrenzkampf beim Belegen der Stra\u00dfen auf der Insel. Walter sah \u201eviele Wege zum Gl\u00fcck\u201c. F\u00fcr Aaron waren alle \u201ezu mehr als 50% vom Zufall abh\u00e4ngig\u201c. Zumindest im Ertrag. Wem das Gl\u00fcck bzw. der Zufall gewogen ist, der bekommt gleich in der Startphase die richtigen Bewegungskarten, wo er auf seinem Weg lukative Bonuskarten findet und hohe Siegpunktquoten einf\u00e4hrt. Wer weniger gl\u00fccklich bedacht wird, kann zwar reichlich Pl\u00e4ne machen \u2013 immerhin ein deutliches Plus im Spieldesign \u2013 , doch auf seinem Weg flie\u00dft Milch und Honig nur in dosierten Mengen.<br \/>\n<em>WPG-Wertung: Aaron: 6 (keine Begr\u00fcndung, warum er einen Punkt mehr oder einen Punkt weniger vergeben solle), G\u00fcnther: 7 (locker, es gibt eine Menge Ausgleichsm\u00f6glichkeiten f\u00fcr Unbilden des Schicksals), Horst: 7 (fl\u00fcssig), Walter: 7 (konstruktiv).<\/em><br \/>\n<strong>2. &#8220;Ora et Labora&#8221;<\/strong><br \/>\nDas neue Monsterwerk von Uwe Rosenberg ist als Quadrat-Agricola verschrieen. Die Menge und Vielfalt der Karten ist unbeherrschbar und lie\u00df Walter schon in der Ank\u00fcndigung eine G\u00e4nsehaut \u00fcber den R\u00fccken laufen. Aber irgendwann muss dieses Monsterspiel auch am Westpark gespielt werden. Also heute, wenigstens in der Anf\u00e4ngerversion.<br \/>\nDoch beim \u00d6ffnen der Schachtel starrten uns gleich hunderttausend Landschaften, Marker, Karten, P\u00f6ppel und Anzeiger frech und h\u00e4misch ins Gesicht. Walter schlug die H\u00e4nde \u00fcberm Kopf zusammen. Heute nicht. Lieber irgendwann mal in einer Privat-Session bei Moritz. Ohne ihn. Immerhin bat Horst darum, beim n\u00e4chsten Ausprobieren der Voll-Version dabei sein zu k\u00f6nnen.<br \/>\n<strong>3. &#8220;Principato&#8221;<\/strong><br \/>\nJeder Spieler besitzt ein F\u00fcrstentum, repr\u00e4sentiert durch einen 20 mal 30 cm gro\u00dfen Pappkarton. Darauf gibt es f\u00fcnf farbige Bereiche (gr\u00fcnes Land, gelbe Stadt, blaues Schloss, purpur Kirche und rote Stadtmauer), die es zu entwickeln gilt. Die gr\u00fcnen Fr\u00fcchte werden auf den gr\u00fcnen Feldern geerntet und in den gr\u00fcnen H\u00f6fen gespeichert. Mittels gr\u00fcner Fr\u00fcchte werden gelbe Banken und gelbe Pal\u00e4ste errichtet. In den Pal\u00e4sten wird gelbes Geld erzeugt und in den Banken gespeichert. Mit dem Geld werden wiederum gr\u00fcne Felder und H\u00f6fe gekauft. In dieser Abh\u00e4ngigkeit ist eine Minimalausr\u00fcstung an gr\u00fcnen und gelben Betriebsmitteln unabk\u00f6mmlich, auch wenn man nicht unbedingt Felder und Pal\u00e4ste braucht, sondern die Produkte per Steuereintreiber gleich aus dem Nichts heraus erzeugen lassen kann. Sp\u00e4ter lohnt sich eine Konzentration auf eine einzige Farbe, in der wir unsere Siegpunktquellen einseitig kr\u00e4ftig sprudeln lassen.<br \/>\nMittels gelber und\/oder gr\u00fcner Produkte erstehen wir Statuen, Bilder und Manuskripte, die wir im Schloss sammeln. Alle diese Kunstwerke liefern in der Schlu\u00dfwertung mehr oder weniger Siegpunkte. Und wenn einem Spieler gar nichts Gescheites einf\u00e4llt, investiert er in die Kirche und handelt sich damit Gunststeine ein, die ihm bei dieser oder jener Mangelerscheinung aus der Patsche helfen.<br \/>\nDie rote Stadtmauer ist f\u00fcr das Milit\u00e4r gedacht. Hier k\u00f6nnen wir Rekruten, S\u00f6ldner oder Katapulte aufstellen. Die Katapulte kosten lediglich bei ihrer Anschaffung Fr\u00fcchte und Geld, anschlie\u00dfend stehen sie kostenlos herum. F\u00fcr Rekruten und S\u00f6ldner m\u00fcssen wir bei den Zwischenwertungen jedes Mal reichlich Fr\u00fcchte und Geld ausgeben, um sie bei Stange zu halten. Das kostet so viel, dass es sich wirklich lohnt dar\u00fcber nachzudenken, ob man in diese Milit\u00e4relemente \u00fcberhaupt einen einzigen Pfifferling investiert. Ihre Kosten-Nutzen-Relation bei Siegpunkten ist nur marginal, besonders wenn sich mehrere Spieler um die Dominanz streiten. (Hallo Thomas, bringe bitte schnellstens unsere K\u00f6rndelfresser aus Afistan nach Hause!)<br \/>\nIn Gang gesetzt werden unsere Aktivit\u00e4ten in unserem F\u00fcrstentum mittels Aktionskarten, die es erlauben, jeweils einen Wirtschaftsvorgang in unserem F\u00fcrstentum durchzuf\u00fchren, z.B. Felder anzulegen oder diese abzuernten. Dabei ist ein sehr pfiffiges Spielkonstrukt eingebaut: wir m\u00fcssen unsere benutzten Aktionskarten in einen \u00f6ffentlichen Pool zur\u00fcckgeben, so dass sie fr\u00fcher oder sp\u00e4ter jedem Spieler einmal zur Verf\u00fcgung stehen. Nach einem wohldefinierten Alterungsprinzip werden die Karten in diesem Pool ausgetauscht.<br \/>\nBeim funktionellen Design der Aktionskarten hat der Autor Touko Tahkok Allio deutlich R\u00fccksicht genommen auf die intellektuelle Aufnahmef\u00e4higkeit der Mitspieler. Er hat genau den entgegengesetzten Weg eingeschlagen wie Uwe Rosenberg mit seinen Karten-Monstern: In \u201ePrincipato\u201c gibt es nur etwa 12 verschiedene Kartentypen, die sich in allen drei Spielphasen \u2013 mit leichten Variationen in der H\u00e4ufigkeit &#8211; wiederholen. Leicht zu merken, aber auf Kosten einer m\u00f6glichen Dynamik.<br \/>\n<em>WPG-Wertung: Aaron:6 (es w\u00e4ren 7 Punkte gewesen, wenn nach der zweiten Spielphase Schlu\u00df gewesen w\u00e4re), G\u00fcnther: 5 (zu wenig Variation in den Karten), Horst: 6 (unstressig; viele Spielelemente sind allerdings zu unausgewogen), Walter: 6 (das Spiel k\u00f6nnte durch eine bessere Kartenauswahl mit gezielten Steigerungseffekten erheblich gewinnen).<\/em><br \/>\n<strong>4. &#8220;Bluff&#8221;<\/strong><br \/>\nG\u00fcnther verlor mit Walters \u201eImmer-4-Strategie\u201c das 3:1-Endspiel gegen Horst. Altes Mathematiker-Dilemma: Man muss Theorien nicht nur kennen, sondern auch richtig anwenden k\u00f6nnen! Zu seiner Ehrenrettung: Er war im Endspiel derjenige, der nur einen W\u00fcrfel hatte.<br \/>\nIm zweiten Spiel stieg Horst auf die Massiv-Einser-Strategie um. Aber nur, weil er die letzte U-Bahn erwischen wollte. Doch massiv Federn lassen mu\u00dfte dabei G\u00fcnther. Nach drei Runden war er ausgeschieden. Aaron gab vor: \u201eWer als n\u00e4chster ausscheidet, mu\u00df zur U-Bahn!\u201c Es traf den Hausherrn.<br \/>\n<em>Keine neue WPG-Wertung f\u00fcr ein Super-Spiel.<\/em><br \/>\nZum Schluss noch einen Frauenwitz von Horst. Im ersten Ehejahr sagt man: &#8220;Kann ich Ihnen meine Frau vorstellen.&#8221; Nach dem f\u00fcnften Ehejahr sagt man: &#8220;K\u00f6nnen Sie sich vorstellen, das ist meine Frau!&#8221; Nach dem zehnten Ehejahr hei\u00dft es: &#8220;K\u00f6nnen Sie sich bitte vor meine Frau stellen.&#8221;<br \/>\nNachtrag f\u00fcr Birgit: &#8220;Ganz ohne Weiber geht die Chose nicht!&#8221;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eWir wissen es wohl: wer nur wie im Spazierengehen einmal einen Blick nach der Wissenschaft hin tut, nach Art der Frauen und leider auch vieler K\u00fcnstler: f\u00fcr den hat die Strenge ihres Dienstes, diese Unerbittlichkeit im Kleinen wie im Gro\u00dfen, diese Schnelligkeit im W\u00e4gen, Urteilen, Verurteilen etwas Schwindel- und Furchteinfl\u00f6ssendes. 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