{"id":158,"date":"2007-08-30T16:29:11","date_gmt":"2007-08-30T16:29:11","guid":{"rendered":"http:\/\/westpark-gamers.de\/blog\/?p=158"},"modified":"2007-08-30T16:29:11","modified_gmt":"2007-08-30T16:29:11","slug":"29082007-gegenwind-fur-die-siedler-von-nurnberg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/2007\/08\/30\/29082007-gegenwind-fur-die-siedler-von-nurnberg\/","title":{"rendered":"29.08.2007: Gegenwind f\u00fcr &#8220;die Siedler von N\u00fcrnberg&#8221;"},"content":{"rendered":"<p>Die Vorgespr\u00e4che drehten sich um die korrekte Verhaltensweise am Arbeitsplatz. In Europa (Deutschland?) ist man hier in bezug auf verbale \u00c4u\u00dferungen ja (noch) deutlich gro\u00dfz\u00fcgiger als die Neue Welt. Wenn ich zu einer Arbeitskollegin sage, sie sei ein &#8220;tolles Weibsst\u00fcck&#8221;, dann wird das im allgemeinen nicht als sexuelle Anmache, sondern eher als Kompliment aufgefa\u00dft. Auch Wortspiele und Scherze fallen meist auf fruchtbaren Boden.<br \/>Man sollte allerdings aufpassen, wenn sich eine mobbelige Mitarbeiterin gemobt f\u00fchlt und das mit den Worten ausdr\u00fcckt &#8220;Ich f\u00fchle mit gemobbelt&#8221;! Die durchaus zutreffende Antwort:<br \/>[glowred]&#8221;Ich mobbele keine Mobbelige!&#8221;[\/glowred]<br \/>k\u00f6nnte dann schon mal vor dem Arbeitsgericht enden.<br \/><strong>1. &#8220;Die Siedler von N\u00fcrnberg&#8221;<\/strong><br \/>Nach dem catanischen &#8220;Kampf um Rom&#8221;, der vor vier Wochen bei uns nur eine gebremste Euphorie ausgel\u00f6st hatte, versprach G\u00fcnther: &#8220;Die Siedler von N\u00fcrnberg sind besser!&#8221; Dazu legte er uns jetzt dieses achtj\u00e4hrige Mitglied aus dem Catan-Clan auf den Tisch.<br \/>Das Ernten der Rohstoffe aus Feld, Wald und Wiese verl\u00e4uft wie bei allen Siedlern der Welt. Es gibt aber keine W\u00fcrfel, die die Lage der Ertragsfelder bestimmen, sondern es gibt einen Kartensatz, der die Zahlen von 2 bis 12 in der gleichen Verteilung enth\u00e4lt, wie sie sich beim W\u00fcrfeln mit zwei W\u00fcrfeln ergibt. Wer sich aber noch an bestimmte Stunden aus der h\u00f6heren Mathematik erinnert, der wei\u00df, da\u00df beim zuf\u00e4lligen Ziehen <strong>mit<\/strong> Zur\u00fccklegen (=W\u00fcrfel werfen) und <strong>ohne<\/strong> Zur\u00fccklegen (=Karten ziehen) unterschiedlich Verteilungskurven entstehen. Die Karten, also die N\u00fcrnberger, sind gerechter!<br \/>Auf den N\u00fcrnberger Karten stehen zus\u00e4tzlich noch Schikanen, z.B. &#8220;Versetze den Raubritter auf ein beliebiges Feld (= sch\u00e4dige die Anwohner um den dort m\u00f6glichen Ernteertrag) und nimm einem <strong>beliebigen<\/strong> Mitspieler eine Karte weg&#8221;. Solche \u00c4rgerkarten sind bei uns grunds\u00e4tzlich nicht beliebt, abgesehen von der spieltheoretischen Kritik, da\u00df sie einen Kingmaker-Effekt in sich tragen. Doch unsere Stimmung war gut, wir trugen alle b\u00f6sen Raubritterstreiche mit Fassung. Ja ganz im Gegenteil, die resignierenden <em>(*)<\/em>, keineswegs schadenfrohen Lacher \u00fcber das Rad der Fortuna waren f\u00fcr alle Beteiligten die gr\u00f6\u00dfte Freude des zweist\u00fcndigen m\u00fchsamen Kampfes um Ernte, Tausch und Entwicklung.<br \/>Wir brachen ab, weil auch ein vorhersehbarer progressiver Endspurt keinen richtigen Drive mehr ins Spielgeschehen gebracht h\u00e4tte. Aaron fa\u00dfte zusammen: &#8220;Es tr\u00f6pfelt so vor sich hin.&#8221; G\u00fcnther, als Spielebesitzer, wollte sich verteidigen: &#8220;Es ist halt ein Aufbauspiel!&#8221;. Doch er war gar nicht angeklagt. Nicht einmal die Siedler als solche! Vor 12 Jahren waren sie eine Weltsensation. Doch alle Wunder halten nur drei Tage.<br \/><em>WPG-Wertung: Aaron: 6, G\u00fcnther: 7, Walter: 6, Wolfgang: 6<\/em><br \/>Trotz der mageren Wertung behielt G\u00fcnther recht. F\u00fcr uns liegen die N\u00fcrnberger im Durchschnitt um mehr als einen ganzen Punkt \u00fcber den R\u00f6mern.<br \/><em>(*) Albert Schweitzer: Resignation ist geistige und ethische Bejahung des eigenen Daseins.<\/em><br \/><strong>2. &#8220;Wind und Wetter&#8221;<\/strong><br \/>Auf einer h\u00fcbschen Urlaubslandschaft mit Meer, Strand und Gr\u00fcnfl\u00e4chen m\u00fcssen sich die Spieler als Touristikunternehmer bet\u00e4tigen: Sie bauen Hotels und lassen Kreuzfahrtschiffe fahren. Pro Runde kassieren sie Einnahmen f\u00fcr ihre Anlagen, kaufen weitere Hotels und Schiffe, und hoffen, da\u00df die eigenen Investitionen lukrativer sind als die der Mitspieler. &#8220;Keep fully invested&#8221; ist eine der Binsenweisheiten eines solchen Mechanismus.<br \/>Hotels und Schiffe bringen am meisten ein, wenn dar\u00fcber die Sonne scheint. In &#8220;Wind und Wetter&#8221; ist der Sonnenschein aber keine Gabe der Natur, sondern ein konzertiertes Ergebnis der Spieleraktionen: Auf jedem Planquadrat des Spielfeldes liegt eine Wetterkarte mit der Qualifikation: Hoch, Tief, Sonne, Eintr\u00fcbung oder Regen. Jeder Spieler darf bei seinem Zug diese Wettereigenschaften in der vorherrschenden Windrichtung verschieben. Es gibt keine radikalen Wetterumschw\u00fcnge, aber wenn die Mehrheit der Spieler in die gleiche Richtung agiert, dann ist schnell mal ein Tief aufgezogen und die verregneten Hotels bringen herbe Verluste anstatt der gehofften satten Gewinne.<br \/><strong>Wenn!<\/strong><br \/>Wir hatten in unseren Touristikinvestitionen keine Konfrontation gesucht, sondern uns ziemlich gleichm\u00e4\u00dfig an den sonnigsten Stellen engagiert. So gab es keinen Miesnickel, der den anderen ins Swimmingpool hagelte. Jeder w\u00e4re vom schlechten Wetter auch selber betroffen gewesen. Bei keinem kam die Lust an, das Wettergeschehen entscheidend zu beeinflussen. In den vorgeschriebenen 7 Spielrunden hat tats\u00e4chlich kein einziger Spieler auch nur ein einziges Mal an der Windrichtung gedreht! Ohne Konfrontation aber ist &#8220;Wind und Wetter&#8221; wie eine Suppe ohne Salz.<br \/>Es fehlt das unvermeidlich B\u00f6se, das alle Mitspieler vor spannende Aufgaben stellt, das unberechenbare Chaos, gegen das man sich absichern mu\u00df, die Diplomatie der Wetterg\u00f6tter, die mit vereinten Kr\u00e4ften die dunklen Wolken am Himmel gegen die Konkurrenz losschicken.<br \/>Noch ein Problem: Das Spiel f\u00e4ngt im Ruhezustand ein, schwingt sich progressiv hoch und ist nach sieben Runden zu Ende, bevor sich die st\u00fcrmische Aufbauphase auch nur abgeschw\u00e4cht hat, vom Gleichgewichtszustand ganz zu schweigen.<br \/><em>WPG-Wertung: Aaron: 4, G\u00fcnther: 5 (vielleicht haben wir es falsch gespielt), Walter: 5, Wolfgang: 4<\/em><br \/>Walter h\u00e4tte nach der ersten Materialsichtung gerne eine Rezension geschrieben. Nachdem sich der Wind aber nicht gedreht hat, wird er es wohl bleiben lassen.<br \/><strong>3. &#8220;Flaschenteufel&#8221;<\/strong><br \/>F\u00fcr die 4er-Runde bot sich &#8220;Flaschenteufel&#8221; als Alternative zu unserem Standard-Absacker an. Ein ganz kleines Stich-Kartenspiel mit einer ganz gro\u00dfen Logik. Selbst alte Kartenhaie tun sich schwer, die im Prinzip einfachen taktischen Grundz\u00fcge beim Abspielen ihrer aktuellen Kartenhand fehlerfrei anzuwenden.<br \/>Walter hatte am meisten ge\u00fcbt und bereits nach drei Spielen die niedrige Absacker-Me\u00dflatte von 100 Punkten \u00fcberschritten. Wolfgang hatte am wenigsten ge\u00fcbt und war dreimal auf dem Teufelsstich sitzen geblieben.<br \/>Das war f\u00fcr alle vier eine Herausforderung. Es war schon leicht nach Mitternacht und es steckte ein gewisses Risiko in unserer neuartigen Ende-Bedingung f\u00fcr die Revanche-Runde: &#8220;Wir spielen so lange, bis Wolfgang einmal nicht den Teufelsstich bekommt.&#8221;<br \/>G\u00fcnther zog im ersten Spiel mit 49 Punkten davon. Wolfgang bekam den obligatorischen Teufelsstich. Im zweiten Spiel lag die Flasche zum letzten Stich auf der gelben <strong>F\u00fcnf<\/strong> und Wolfgang mu\u00dfte als letzte Karte die gelbe <strong>Drei<\/strong> zugeben. Das bedeutete f\u00fcr ihn schon so gut wie sicher wieder den Teufelsstich. Doch G\u00fcnther hatte geschlafen; er war seine blaue <strong>Vier<\/strong> nicht losgeworden. Er mu\u00dfte den Stich \u00fcbernehmen, erl\u00f6ste Wolfgang vom Teufel und f\u00fchrte den Sudden-Death herbei. Dabei kassierte er auch noch soviel Minuspunkte, da\u00df er Walter an sich vorbeiziehen lassen mu\u00dfte. Die &#8220;standesgem\u00e4\u00dfe&#8221; Flaschenteufel-Reihenfolge war wieder hergestellt.<br \/>Alle waren sich einig: Das Spiel sollte so bald wie m\u00f6glich wieder auf den Tisch kommen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Vorgespr\u00e4che drehten sich um die korrekte Verhaltensweise am Arbeitsplatz. In Europa (Deutschland?) ist man hier in bezug auf verbale \u00c4u\u00dferungen ja (noch) deutlich gro\u00dfz\u00fcgiger als die Neue Welt. Wenn ich zu einer Arbeitskollegin sage, sie sei ein &#8220;tolles Weibsst\u00fcck&#8221;, dann wird das im allgemeinen nicht als sexuelle Anmache, sondern eher als Kompliment aufgefa\u00dft. 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