{"id":1660,"date":"2012-02-09T11:51:40","date_gmt":"2012-02-09T10:51:40","guid":{"rendered":"http:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/?p=1660"},"modified":"2012-02-09T16:26:52","modified_gmt":"2012-02-09T15:26:52","slug":"08-02-2012-krieger-und-haendler-um-den-ruhm-von-rom","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/2012\/02\/09\/08-02-2012-krieger-und-haendler-um-den-ruhm-von-rom\/","title":{"rendered":"08.02.2012: Krieger und H\u00e4ndler um den Ruhm von Rom"},"content":{"rendered":"<p>Aaron ist kein Freund vom Fu\u00dfball. Zumindest vom Fu\u00dfball-Zuschauen. Vor acht Jahren schrieb er zwar noch: \u201eDas letzte Deutschlandspiel dieser EM m\u00f6chte ich auch gerne sehen\u201c, aber heute ist f\u00fcr ihn solches Zuschauen nur noch langweilig: \u201eIch finde Fu\u00dfball genauso spannend wie jemandem beim W\u00fcrfeln zuzuschauen, der hofft eine Sechs zu schaffen\u201c.<\/p>\n<p>In dieser Abneigung hat er sogar etwas dagegen, wenn Moritz w\u00e4hrend eines WPG-Spielabends sich auf seinem Handy die aktuellen Fu\u00dfballergebnisse anschaut, oder wenn der Gastgeber seinen Computer laufen l\u00e4\u00dft und im Vierstelstundenrhythmus die Zahlen vom Life-Ticker der Tagesschau vorliest. Doch heute gab er sich von einer 3:1-Mehrheit geschlagen: der Life-Ticker wurde eingeschaltetet und um 22:42 Uhr hatte sich der FC Bayern die Halbfinalteilnahme gesichert.<\/p>\n<p>Im Erdgescho\u00df fieberte die Tochter des Hauses ebenfalls mit einem FCB. www.elpais.com meldete eine halbe Stunde sp\u00e4ter das Erleichternde: \u201eEl Barcelona alcanza la final\u201c.<\/p>\n<p><strong>1. &#8220;Warriors &amp; Traders&#8221;<\/strong><br \/>\nVon der einen H\u00e4lfte des Titel her ein Kriegsspiel, einem Genre, mit dem wir am Westpark in den letzten Wochen nur bedingt gute Erfahrungen gemacht haben. Moritz versuchte gleich im Vorfeld die Skeptiker zu beschwichtigen: \u201cDas Spiel enth\u00e4lt kein Zufallselement, gar keines!\u201c Walter meldete seine Zweifel an: \u201eWenn das erste Gl\u00fcckselement auftritt, h\u00f6re ich auf.\u201c Moritz konnte zuversichtlich strahlen.<br \/>\nIm finsteren Mittelalter sind wir F\u00fchrer von K\u00f6nigreichen und m\u00fcssen in der Geographie des nordwestlichen Europa unser Land mit einer optimalen F\u00fchrung zum Sieg f\u00fchren. Die gute F\u00fchrung besteht<\/p>\n<ul>\n<li>im Aufstellen von Armeen<\/li>\n<li>im Erobern von Nachbarprovinzen<\/li>\n<li>im Ernten von Produkten und Rohstoffen zum Bauen von Waffen und zum Ern\u00e4hren unserer Armeen<\/li>\n<li>im Steigern unserer Potenz in Produktion, Handel und Milit\u00e4r<\/li>\n<\/ul>\n<p>Auch wenn Handel und Naturprodukte eine wenigstens teilweise friedliche Gesellschaft suggerieren, stammen alle siegpunkt-tr\u00e4chtigen Segnungen ausschlie\u00dflich vom Milit\u00e4r. Der Krieg ist der Vater aller Dinge. Und das Milit\u00e4r ist der allesfressende Schmarotzer. (Welch ein Gl\u00fcck f\u00fcr uns Neuzeitmenschen, dass das Milit\u00e4r heutzutage nur noch die H\u00e4lfte unseres Bruttosozialprodukts auffri\u00dft!)<\/p>\n<p>Zu Spielbeginn residieren die Spieler verstreut auf einzelnen Grafschaften, wo Holz und Hackebeile produziert werden. Sie schielen begehrlich auf die von Barbaren besetzten Nachbarprovinzen, wo auch schon mal etwas Essbares gedeiht. Mit \u00fcberlegener Waffentechnik m\u00fcssen wir die Barbaren bekriegen, um an ihre Fr\u00fcchte heran zu kommen. An dieser Pflicht f\u00fchrt kein Weg vorbei. Doch der Weg ist steinig. Und selbstm\u00f6rderisch. Um eine Gem\u00fcseprovinz zu erobern brauchen wir eine Armee, und um eine Armee zu ern\u00e4hren brauchen wir eine Gem\u00fcseprovinz. Da wir in der Startausstattung aber kein Gem\u00fcse mit auf den Weg bekommen haben, folgt daraus notwendig, dass unsere erste Armee verhungert, bevor sie das erste eroberte Gem\u00fcse abernten kann. Z\u00e4h, sehr z\u00e4h, aber unausweichlich. Selbst unser geborener Warrior Moritz bekannte: \u201eM\u00fchsam ern\u00e4hrt sich das Eichh\u00f6rnchen!\u201c<\/p>\n<p>Diese Unausweichlichkeit(en) bei einem sehr begrenzten Handlungsspielraum f\u00fchrten zu extrem montonen Entwicklungsschritten. Aaron erkannte sehr schnell: \u201eIch habe das unbestimmte Gef\u00fchl, dass es f\u00fcr alle nur einen einzigen genau definierten schmalen Entwicklungspfad gibt!\u201c Hypothese: \u201eBei einem symmetrischen Aufbauspiel in disjunkten Gebieten ohne Zufallseinflu\u00df machen alle klugen K\u00f6pfe die gleichen Z\u00fcge!\u201c Hi G\u00fcnther, kannst Du diese Behauptung nicht spieltheoretisch beweisen?<\/p>\n<p>Horst machte es trotzdem &#8220;total Spa\u00df&#8221;. &#8220;Es ist zwar z\u00e4h, f\u00fcr ein Aufbauspiel aber absolut angemessen. Das Spiel d\u00fcrfte ruhig ein paar Runden l\u00e4nger dauern.&#8221; Die \u201eK\u00fcrze\u201c des Spiels war \u2013 neben Monotonie und Z\u00e4higkeit &#8211; die n\u00e4chste Crux. Gerade als es nach zwei Stunden zum ersten Mal spannend wurde, als die Spieler alle Barbarengebiete erobert hatten und sich zum ersten Mal Auge in Auge selbst gegen\u00fcber standen, war das Spiel zu Ende. Bis dahin hatten wir kein einziges Mal miteinaner einen Tauschhandel ausgef\u00fchrt (mangels Warenangebot, mangels Bedarf oder mangels beidem), keine Festung gebaut und keine Prinzessin vergewaltigt. Lediglich fitzelige Markierungspl\u00e4ttchen f\u00fcr Gem\u00fcse, Hackebeile und Holzst\u00f6\u00dfe hin und hergeschoben, um unseren aktuellen Besitzstand anzuzeigen. Aaron meinte: \u201eDas ist jetzt eine Ausgangslage, die sp\u00e4testens nach drei Runden h\u00e4tte erreicht werden m\u00fcssen.\u201c<\/p>\n<p><em>WPG-Wertung: Aaron: 4 (\u201eLangsamer Start, fr\u00fches Ende; es hat ein paar nette Mechanismen, aber ich m\u00f6chte es nicht nochmals spielen\u201c), Horst: 6 (\u201eIch habe mich nicht gelangweilt. Allerdings tut die graphische Gestaltung von Spielplan und Markern den Augen weh\u201c), Moritz: 5 (einfache Regeln, doch manche Mechanismen funktionieren einfach nicht\u201c), Walter: 3 (Suppe ohne Salz, vermi\u00dft die eleganten Kampfw\u00fcrfel).<\/em><\/p>\n<p><strong>2. &#8220;Ruhm f\u00fcr Rom&#8221;<\/strong><br \/>\nVor gut drei Jahren lag dieses Karten-Ablagestapel-Management-Spiel als \u201eGlory to Rome\u201c schon einmal bei uns auf dem Tisch. Wir f\u00fcllen unsere Kartenhand mit Karten vom verdeckten \u00f6ffentlichen Nachziehstapel und legen sie in reichlich vielen privaten Kartenstapeln ab:<\/p>\n<ul>\n<li>in den Klientel-Stapel legen wir Hilfsarbeiter, die unsere Ablage-Aufgabe unterst\u00fctzen<\/li>\n<li>im Materiallager reservieren wir Baumaterial f\u00fcr Geb\u00e4ude und f\u00fcr Siegpunkte<\/li>\n<li>in bis zu sechs gleichzeitig offenen Geb\u00e4udestapeln fertigen wir unsere Geb\u00e4ude<\/li>\n<li>in die Privatschatulle legen wir Siegepunktkarten<\/li>\n<li>in den Einflu\u00dfstapeln legen wir Karten, um die Kapazit\u00e4t vom Klientel-Stapel und Privatschatulle zu erh\u00f6hen<\/li>\n<\/ul>\n<p>Auf welchen Stapel die Spieler reihum ihre Karten legen d\u00fcrfen, bestimmt die ausgespielte Rollenkarte, z.B. erlauben Baumeister und Handwerker neue Geb\u00e4ude anzufangen oder zu erweitern, schlichte Arbeiter f\u00fcllen das Materiallager und Kaufleute die Privatschatulle.<\/p>\n<p>Damit einunddiegleiche Karte auf die verschiedenen Stapel gelegt werden kann, hat sie ein multifunktionales Design, sie ist zugleich<\/p>\n<ul>\n<li>Rollenkarten f\u00fcr Arbeiter, Baumeister, Handwerker, Legio\u00e4r, Kaufmann, Patron und Senator<\/li>\n<li>Geb\u00e4udekarte f\u00fcr ungez\u00e4hlte Arten von Geb\u00e4uden: vom Atrium bis zum Zirkus<\/li>\n<li>Baumaterial in der Art von Holz, Schutt, Stein, Marmor, Zement und Ziegel<\/li>\n<li>Z\u00e4hlkarte f\u00fcr Einflu\u00df und Siegpunkte<\/li>\n<\/ul>\n<p>Fertiggestellte Geb\u00e4ude erh\u00f6hen M\u00e4chtigkeit und Flexibilit\u00e4t unserer Ablaget\u00e4tigkeit. Z.B. darf man als der Besitzer vom Zirkus jede beliebige Karte als Senator-Joker nutzen, und als Besitzer des Triumpfbogens darf man Material vom \u00f6ffentlichen Umschlagplatz (ein weiterer Kartenstapel) zum Bauen benutzen.<\/p>\n<p>Das Spiel ist konstruktiv, dynamisch und schnell. Zuweilen mu\u00df man um drei Ecken denken, um die Effekte verschiedener Kartenkombinationen zu erkennen. Am besten macht man es wie Horst: Er bekam in seiner Startausstattung die Geb\u00e4udekarte mit der Kanalisation zugeschustert. Nachdem er die Kanalisation fertiggestellt hatte, durfe er alle ausgespielten Rollenkarten in sein Materiallager \u00fcbernehmen. Damit hatte er st\u00e4ndig einen reichlichen Vorrat an Siegpunktkarten f\u00fcr die Privatschatulle. Kanalisation und Kaufmann brachten ihm den Sieg.<\/p>\n<p><em>WPG-Wertung: Aaron: 6 (keine Strategie), Horst: 7 (\u00fcberschaubare Spieldauer), Moritz: 7 (1 Punkt mehr, nachdem sich das Karten-Effekte-Chaos etwas gelichtet hat), Walter: 6 (sauberes, ausbalanciertes Design, aber wenn man die Technik verstanden hat, entscheidet allein das Kartengl\u00fcck).<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Aaron ist kein Freund vom Fu\u00dfball. Zumindest vom Fu\u00dfball-Zuschauen. Vor acht Jahren schrieb er zwar noch: \u201eDas letzte Deutschlandspiel dieser EM m\u00f6chte ich auch gerne sehen\u201c, aber heute ist f\u00fcr ihn solches Zuschauen nur noch langweilig: \u201eIch finde Fu\u00dfball genauso spannend wie jemandem beim W\u00fcrfeln zuzuschauen, der hofft eine Sechs zu schaffen\u201c. 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